Mutter




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Der Himmel hat ein Herz
Maria wurde mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen: Auch für den Leib ist in Gott Raum. Der Himmel ist für uns nicht mehr eine weit entfernte und unbekannte Sphäre. Wir haben eine Mutter im Himmel. Es ist die Mutter Gottes, die Mutter des Sohnes Gottes, sie ist unsere Mutter. Er selbst hat es gesagt. Er hat sie zu unserer Mutter gemacht, als er zu seinem Jünger und uns allen gesagt hat: "Siehe, deine Mutter!" Der Himmel steht offen, der Himmel hat ein Herz!
Predigt in der Pfarrkirche von Castelgandolfo, 15. August 2005



Mutter
Weil sie in Gott ist, der uns nahe ist, der vielmehr uns allen "innerlich" ist, hat Maria Anteil an dieser Nähe Gottes. Weil sie in Gott und mit Gott ist, ist sie jedem von uns nahe, sie kennt unser Herz, sie kann unsere Gebete hören, sie kann uns mit ihrer mütterlichen Güte helfen und sie ist uns - wie der Herr gesagt hat - als "Mutter" gegeben, an die wir uns in jedem Augenblick wenden können. Sie hört uns immer, sie ist uns immer nahe, und weil sie die Mutter des Sohnes ist, hat sie Anteil an der Macht des Sohnes, an seiner Güte. Wir können immer unser ganzes Leben dieser Mutter anvertrauen, die niemandem von uns fern ist
Predigt in der Pfarrkirche von Castelgandolfo, 15. August 2005



Gegenwart Christi
Tatsächlich lehrt uns Maria, die Mutter des Herrn, was es heisst, in Gemeinschaft mit Christus zu treten: Maria hat ihr eigenes Fleisch, ihr eigenes Blut Jesus gegeben und ist zum lebendigen Zelt des Wortes geworden, als sie sich im Körper und im Geist von seiner Gegenwart durchdringen liess. Wir bitten sie, unsere heilige Mutter, dass sie uns dabei helfe, unser ganzes Sein immer mehr in der Gegenwart Christi zu öffnen. Sie helfe uns, ihm treu zu folgen, Tag für Tag, auf den Strassen unseres Lebens.
Heilige Messe auf dem Vorplatz der Patriarchalbasilika St. Johann im Lateran, 26.Mai 2005



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Aus Maria
Maria hat dem lebendigen, dem ewigen Wort Gottes ihr Fleisch und ihr Blut geschenkt. Sie ist, wie die Väter sagen, die »heilige Erde Israels«, aus der der neue Adam geformt werden konnte. Und auch in der verwandelnden Verklärung, die durch die Auferstehung geschehen ist, ist es dieser Leib geblieben. Leib, der aus Maria, der Jungfrau genommen worden ist, und diesen Leib hat er in die Ewigkeit Gottes hineingetragen.
Ansprache Maiandacht, 24. Mai 2005



Sie gibt sich ganz Christus hin
Maria steht nicht nur in einer einzigartigen Beziehung zu Christus, dem Sohn Gottes, der als Mensch ihr Sohn werden wollte. Indem sie vollkommen mit Christus verbunden ist, gehört sie auch vollkommen zu uns. Ja, wir können sagen, Maria ist uns so nahe wie kein anderer Mensch, weil Christus Mensch für die Menschen ist und sein ganzes Sein ein "Sein für uns" ist. Christus als Haupt ist wie die Konzilsväter sagen, nicht von seinem Leib, der Kirche, zu trennen; er bildet zusammen mit ihr sozusagen ein einziges lebendiges Subjekt. Die Mutter des Hauptes ist auch die Mutter der ganzen Kirche; sie wird sozusagen sich selbst vollkommen entzogen; sie gibt sich ganz Christus hin und wird mit ihm uns allen geschenkt. Denn je mehr sich die menschliche Person hingibt, um so mehr findet sie sich selbst.
Eucharistiefeier im Petersdom, 8. Dezember 2005



Sie hat Verständnis für alles
Je näher der Mensch Gott ist, desto näher ist er den Menschen. Das sehen wir an Maria. Der Umstand, dass sie ganz bei Gott ist, ist der Grund dafür, dass sie auch den Menschen so nahe ist. Deshalb kann sie die Mutter jeden Trostes und jeder Hilfe sein: Jeder kann es in seiner Schwachheit und Sünde wagen, sich in jeder Art von Not an diese Mutter zu wenden, denn sie hat Verständnis für alles und ist die für alle offene Kraft der Schöpferischen Güte.
Eucharistiefeier im Petersdom, 8. Dezember 2005

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Sie zeigt uns das ewige Wort des Vaters
Die Mutter ist diejenige, die das Leben schenkt, aber die auch hilft und lehrt zu leben, Maria ist Mutter, die Mutter Jesu, dem sie ihr Blut, ihren Leib gegeben hat. Und sie ist es, die uns das ewige Wort des Vaters zeigt, das gekommen ist, um unter uns zu wohnen. Bitten wir Maria um ihre Fürsprache. Ihr mütterlicher Schutz begleite uns heute und immer, damit Christus uns eines Tages in seine Herrlichkeit, in die Gemeinschaft der Heiligen aufnehme: "Aeterna fac cum sanctis tuis in gloria numerari." Amen!
Predigt bei Vesper und "Te Deum" zum Jahresabschluss, 31. Dezember 2005



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Die leuchtenden Zeichen der Hoffnung wahrnehmen
Die Aufnahme Mariens in den Himmel erinnert an ein Geheimnis, das uns alle betrifft, denn – wie das Zweite Vatikanischen Konzil sagt – Maria "leuchtet ... auch hier auf Erden ... als Zeichen der sicheren Hoffnung und des Trostes dem wandernden Gottesvolk voran" (Lumen gentium, 68). Man ist jedoch so vom Alltag eingenommen, dass man bisweilen diese trostreiche geistliche Wirklichkeit, die eine wichtige Glaubenswahrheit darstellt, vergisst. Was soll man also tun, damit dieses leuchtende Zeichen der Hoffnung von uns und der heutigen Gesellschaft immer stärker wahrgenommen wird? Heute gibt es Menschen, die so leben, als müssten sie nie sterben oder als wäre mit dem Tod alles zu Ende; manche verhalten sich so, als wäre der Mensch allein der Herr seines Schicksals, als wenn Gott nicht existierte, und manchmal geht man so weit, Gott einen Platz in unserer Welt zu verweigern.
Die grossen Erfolge von Wissenschaft und Technik, die die Lebensbedingungen der Menschheit beträchtlich verbessert haben, lassen dennoch die tiefsten Probleme des menschlichen Herzens ungelöst. Nur die öffnung für das Geheimnis Gottes, der die Liebe ist, kann den Durst unseres Herzens nach Wahrheit und nach Glück stillen; nur der Horizont der Ewigkeit kann den geschichtlichen Ereignissen und vor allem dem Geheimnis der menschlichen Gebrechlichkeit, des Leidens und des Todes echten Wert verleihen. Wenn wir Maria in der himmlischen Herrlichkeit betrachten, verstehen wir, dass auch für uns die Erde nicht die endgültige Heimat ist und dass wir, wenn wir auf die ewigen Güter ausgerichtet leben, eines Tages an ihrer Herrlichkeit Anteil haben werden – und auch die Erde wird schöner.
Deshalb dürfen wir auch in den zahllosen täglichen Schwierigkeiten nicht die innere Ruhe und den Frieden verlieren. Das leuchtende Zeichen der in den Himmel aufgenommenen Gottesmutter erstrahlt um so mehr, wenn sich am Horizont traurige Schatten des Schmerzes und der Gewalt zu verdichten scheinen. Wir sind uns sicher: Maria folgt unseren Schritten aus der Höhe mit milder Sorge, sie schenkt uns Frieden in der Stunde des Dunkels und des Sturmes, sie beruhigt uns mit ihrer mütterlichen Hand. Gestützt von diesem Bewusstsein gehen wir voll Vertrauen unseren Weg des christlichen Einsatzes weiter, wohin uns die Vorsehung führt. Gehen wir unter der Führung Marias in unserem Leben voran.
Generalaudienz, 16. August 2006



Frau - Mutter
Das Verhalten und die Worte Marias, glaube ich, können wir sehr gut begreifen; um so schwerer fällt es uns, die Antwort Jesu zu verstehen. Schon die Anrede gefällt uns nicht: "Frau" – warum sagt er nicht: Mutter? Nun, diese Anrede drückt die Stellung Marias in der Heilsgeschichte aus. Sie weist voraus auf die Stunde der Kreuzigung, in der Jesus zu ihr sagen wird: Frau, siehe deinen Sohn – Sohn, siehe deine Mutter. Sie weist so voraus auf die Stunde, in der er die Frau, seine Mutter, zur Mutter aller Jünger machen wird. Und sie weist zurück auf den Bericht von der Erschaffung Evas: Adam sah sich als Mensch allein in der Schöpfung bei all ihrem Reichtum. Da wird Eva geschaffen, und nun hat er die Gefährtin gefunden, auf die er wartete und die er mit dem Wort "Frau" benannte. So steht Maria als die neue, die endgültige Frau im Johannesevangelium, als die Gefährtin des Erlösers, als unsere Mutter: Die scheinbar abweisende Anrede drückt die Grösse ihrer bleibenden Sendung aus.
Predigt in Altötting, 11. September 2006



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Göttliche Mutterschaft und Mutterschaft der Kirche
Als der sterbende Christus vom Kreuz herab die Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, erkannte er die Erstlingsfrucht der neuen Familie, die in der Welt ins Leben zu rufen er gekommen war, die Keimzelle der Kirche und der neuen Menschheit. Deshalb wandte er sich an Maria und nannte sie "Frau" und nicht "Mutter"; diese Bezeichnung hingegen gebrauchte er, als er sie dem Jünger anvertraute: "Siehe, deine Mutter!" (Joh 19,27). So vollendete der Sohn Gottes seine Sendung: Geboren von der Jungfrau Maria, hat er wie wir als Mensch gelebt, in allem uns gleich ausser der Sünde, und hinterliess im Augenblick seiner Rückkehr zum Vater in der Welt das Sakrament der Einheit der Menschheit (vgl. Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 1): die "in der Einheit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes verbundene" Familie (Hl. Cyprianus, De Orat. Dom. 23: PL 4,536), deren ursprünglicher Kern eben diese neue Verbindung zwischen der Mutter und dem Jünger ist. Auf diese Weise bleiben die göttliche Mutterschaft und die Mutterschaft in bezug auf die Kirche unauflöslich miteinander verbunden.
Predigt bei der Eucharistiefeier beim Marienheiligtum "Meryem Ana Evì" in Ephesus, 29. November 2006



Geboren AUS einer Frau
Im Abschnitt aus dem Brief an die Galater, den wir soeben gehört haben, sagt der hl. Paulus: "Gott sandte seinen Sohn, geboren von einer Frau" (vgl. Gal 4,4). Origenes kommentiert dazu: "Beachte wohl, das er nicht gesagt hat: Durch eine Frau geboren, sondern vielmehr: von einer Frau geboren" (Vgl. Kommentar zum Brief an die Galater). Diese scharfsinnige Beobachtung des grossen Exegeten und kirchlichen Schriftstellers ist wichtig: in der Tat, wäre der Sohn Gottes nur "durch" eine Frau geboren worden, so hätte er unsere Menschlichkeit nicht wirklich angenommen, was er aber getan hat, indem er "von" Maria Fleisch annahm. Die Mutterschaft Marias ist demnach wahr und vollends menschlich. In der Aussage: "Gott sandte seinen Sohn, geboren von einer Frau" verdichtet sich die grundlegende Wahrheit über Jesus als göttliche Person, die unsere menschliche Natur voll angenommen hat. Er ist der Sohn Gottes, von Ihm gezeugt, und gleichzeitig ist er Sohn einer Frau, Sohn Marias. Er kommt von ihr. Er ist von Gott und von Maria. Daher kann und muss die Mutter Jesu Mutter Gottes genannt werden.
Predigt bei der Ersten Vesper des Hochfestes der Gottesmutter Maria, 31. Dezember 2006



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Die Erfahrung des Leidens mit Zuversicht leben
Liebe Freunde, Maria, die den Sohn mit ihrem Glauben bis unter das Kreuz begleitet hat; sie, die durch einen geheimnisvollen Plan mit den Leiden Christi, ihres Sohnes, tief verbunden war, wird es nie müde uns aufzurufen, die Erfahrung des Leidens und der Krankheit mit zuversichtlichem Vertrauen zu leben und zu teilen, indem wir diese dem Vater voll Glauben darbringen und so in unserem Fleisch das ergänzen, was an den Leiden Christi noch fehlt (vgl. Kol 1,24).
Ansprache bei der Begegnung mit den Kranken am Welttag der Kranken, 11.Februar 2007




Mit Gott kommt die Gottesmutter Maria
Mit Gott, mit Christus, mit dem Menschen, der Gott ist, und mit Gott, der Mensch ist, kommt die Gottesmutter Maria. Das ist sehr wichtig. Gott, der Herr, hat eine Mutter, und in der Mutter erkennen wir wirklich die mütterliche Güte Gottes. Die Jungfrau Maria, die Mutter Gottes, ist die Helferin der Christen; sie ist unser ständiger Trost, unsere grosse Hilfe. [...] In der Mutter Gottes sehen wir die ganze Zärtlichkeit Gottes. Daher ist es ein grosses Geschenk der Katholizität, diese freudige Liebe zur Gottesmutter, zu Maria, zu pflegen und zu leben.
Begegnung mit dem Klerus der Diözesen Belluno-Feltre und Treviso in Auronzo di Cadore, 24. Juli 2007



Maria führt uns zu Christus
Mit dem Glauben an Jesus Christus, dem menschgewordenen Sohn Gottes, geht seit frühesten Zeiten eine besondere Verehrung für seine Mutter einher, für die Frau, in deren Schoss er Menschennatur annahm und sogar ihren Herzschlag teilte, die einfühlsam und respektvoll sein Leben begleitete bis zu seinem Tod am Kreuz und deren Mutterliebe er am Ende den Lieblingsjünger und mit ihm die ganze Menschheit anvertraute. In ihrer Mütterlichkeit nimmt Maria auch heute Menschen aus allen Sprachen und Kulturen unter ihren Schutz, um sie in vereinter Vielfalt mit einander zu Christus zuführen. An sie können wir uns wenden in unseren Sorgen und Nöten. Von ihr sollen wir aber auch lernen, einander so liebevoll anzunehmen wie sie uns alle annimmt: einen jeden in seiner Eigenart, von Gott gewollt und geliebt. In der weltweiten Familie Gottes, in der für jeden Menschen ein Platz vorgesehen ist, soll jeder seine persönlichen Gaben zum Wohle aller entfalten.
Ansprache vor der Mariensäule in Wien, 7. September 2007



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Maria zur Mutter haben
Um zu Jesus zu gelangen, dem wahren Licht, der Sonne, die über alle Finsternisse der Geschichte aufgegangen ist, brauchen wir Lichter, die uns nahe sind, Menschen, die Abglanz des Lichtes Christi sind und so den zu gehenden Weg erhellen. Und welcher Mensch wäre leuchtender als Maria? Wer könnte uns mehr als sie Stern der Hoffnung sein, Morgenröte, die den Tag des Heils angekündigt hat? [...] Welch grosses Geschenk ist es, die unbefleckt empfangene Jungfrau Maria zur Mutter zu haben! Eine Mutter, die erglänzt in ihrer Schönheit und die Liebe Gottes durchscheinen lässt. Ich denke an die jungen Menschen von heute: sie sind in einem Umfeld aufgewachsen, das von Botschaften gesättigt ist, die falsche Modelle des Glücks vorbringen. Diese Jungen und Mädchen laufen Gefahr, die Hoffnung zu verlieren, da sie oft der wahren Liebe beraubt zu sein scheinen, die das Leben mit Freude und Sinn erfüllt.[...] Nicht wenige Erfahrungen sagen uns leider, dass die Jugendlichen, die jungen Männer und Frauen und sogar die Kinder leicht der Verdorbenheit der Liebe zum Opfer fallen können, betrogen von skrupellosen Erwachsenen, die sich selbst und die jungen Menschen belügen und sie so in die Sackgasse des Konsumismus hineinziehen: auch die heiligsten Wirklichkeiten wie der Leib des Menschen, Tempel des Gottes der Liebe und des Lebens, werden so zu Gegenständen des Konsums; und das immer früher, schon in der Zeit vor dem Jugendalter. Wie traurig ist es doch, wenn die Jungen und Mädchen das Staunen, den Zauber der schönsten Gefühle, den Wert der Achtung für den Leib verlieren, der Offenbarung der Person und ihres unergründlichen Geheimnisses ist!
Angelus, 8. Dezember 2007



Maria, die Gottesmutter
Vom Titel "Gottesmutter" leiten sich auch alle anderen Titel ab, mit denen die Kirche Unsere Liebe Frau ehrt, aber dieser ist der Grundlegende. Denken wir an das Privileg der "Unbefleckten Empfängnis", also daran, dass sie von ihrer Empfängnis an frei von Sünde war: Maria wurde vor jedem Sündenmakel bewahrt, weil sie die Mutter des Erlösers sein sollte. Dasselbe gilt für den Titel " die in den Himmel Aufgenommene": Sie, die den Heiland hervorgebracht hat, konnte nicht der Verwesung unterworfen sein, die aus der Erbsünde kommt. Und wir wissen, dass all diese Privilegien nicht gewährt wurden, um Maria von uns zu entfernen, sondern um sie im Gegenteil in unsere Nähe zu bringen; in der Tat ist diese Frau, da sie vollkommen bei Gott ist, uns sehr nahe und hilft uns als Mutter und als Schwester. Auch der einzigartige und einmalige Platz, den Maria in der Gemeinschaft der Gläubigen einnimmt entspringt ihrer grundlegenden Berufung, die Mutter des Erlösers zu sein. Gerade als diese ist Maria auch die Mutter des mystischen Leibes Christi, der die Kirche ist.
Generalaudienz, 2. Januar 2008



Maria und Christus
Man kann Maria nicht betrachten, ohne von Christus angezogen zu sein, und man kann Christus nicht betrachten, ohne sofort die Gegenwart Marias wahrzunehmen. Zwischen der Mutter und dem Sohn, der in ihrem Schoss durch das Wirken des heiligen Geistes gezeugt wurde, besteht ein unauflösliches Band, und dieses Band nehmen wir auf geheimnisvolle Weise im Sakrament der Eucharistie wahr.
Botschaft zum 16. Welttag der Kranken, 11. Januar 2008


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Maria folgte Christus im Leiden und in der Freude
Die neue Eva ist dem neuen Adam im Leiden, in der Passion, und so auch in der endgültigen Freude gefolgt. Christus ist die Erstlingsfrucht, aber sein auferstandenes Fleisch ist nicht zu trennen vom dem seiner irdischen Mutter, von Maria, und in ihr ist die ganze Menschheit in die Aufnahme zu Gott hineingenommen, und mit ihr die ganze Schöpfung, deren Seufzen, deren Leiden, wie der hl. Paulus sagt, die Geburtswehen der neuen Menschheit sind. So entstehen der neue Himmel und die neue Erde, in denen es keine Tränen, keine Klage mehr geben wird, da kein Tod mehr sein wird (vgl. Offb 21,1-4).
Predigt bei Eucharistiefeier am Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel, 15. August 2008



Maria, unsere Mutter
Im Bewusstsein der wichtigen Rolle, die Maria im Leben eines jeden von uns einnimmt, feiern wir als ergebene Kinder heute das Fest ihrer Geburt. [Fest Maria Geburt, 8. September] Dieses Ereignis bildet eine grundlegende Etappe für die Familie von Nazaret, die Wiege unserer Erlösung, ein Ereignis, das uns alle angeht, da jede Gabe, die Gott ihr, der Mutter, gewährt hat, er auch im Gedanken einem jeden von uns, ihren Kindern, gewährt hat. Deshalb bitten wir mit grenzenloser Dankbarkeit Maria, die Mutter des fleischgewordenen Wortes und unserer Mutter, alle irdischen Mütter zu behüten: diejenigen, die zusammen mit ihrem Mann die Kinder in einem harmonischen familiären Umfeld erziehen, sowie jene, die aus vielerlei Gründen bei einer so schwierigen Aufgabe alleine sind. Allen sei es gegeben, in Hingabe und Treue ihren täglichen Dienst in der Familie, in der Kirche und in der Gesellschaft zu tun. Allen sei die Gottesmutter Stütze, Trost und Hoffnung!
Angelus, 7. September 2008



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Maria ist Mutter, Tochter und Braut
Sie ist die Mutter, die Tochter und die Braut schlechthin: […] Die Mutter, die liebt, schützt, wie mit Tat zur Seite steht, Trost spendet, das Leben schenkt, damit das Leben geboren werde und fortdaure, die Tochter, die ihre Familie ehrt und stets auf die Bedürfnisse der Brüder und Schwestern achtet und darum bemüht ist, ihr Haus schön und einladend zu gestalten. Die Braut, die zu treuer und geduldiger Liebe fähig ist, zu Opfer und Hoffnung.
Predigt bei Eucharistiefeier in Cagliari, 7. September 2008



Pilgerfahrt nach Lourdes
Natürlich gehen wir dort nicht hin, um Wunder zu sehen. Ich gehe nach Lourdes, um dort die Liebe der Mutter zu finden, die die wahre Heilung für alle Krankheiten, alle Schmerzen ist. Ich gehe dorthin aus Solidarität mit allen, die Leiden, ich gehe im Zeichen der Liebe der Mutter. Mir scheint dies ein sehr wichtiges Zeichen für unsere Zeit zu sein.
Interview auf dem Flug nach Paris, 12. September 2008



Die Unbefleckte Empfängnis
Dieses der Jungfrau Maria gewährte Vorrecht, welches sie von unserer allgemeinen menschlichen Verfasstheit unterscheidet, entfernt sie nicht von uns, sondern bringt sie uns im Gegenteil näher. Wahrend die Sünde trennt und uns voneinander entfernt, bringt ihre Freiheit Maria unseren Herzen unendlich nahe, indem sie jedem von uns ihre Aufmerksamkeit schenkt und unser wahres Glück wünscht.
Angelusgebet in Lourdes, 14. September 2008



Vertrauensvoll zu Maria gehen
Das, was viele aus Verlegenheit und Scham manchmal sogar ihrem Nächsten nicht anzuvertrauen wagen, bringen sie zu ihr, der ganz Reinen, zu ihrem unbefleckten Herzen: mit Schlichtheit, ohne Getue, in Aufrichtigkeit. Gerade wegen ihrer Reinheit zögert der Mensch nicht, sich vor Maria in seiner Schwachheit zu zeigen, seine Fragen und Zweifel vorzubringen, seine Hoffnungen und geheimsten Wünsche auszusprechen. Die mütterliche Liebe der Jungfrau Maria entwaffnet jede Form von Stolz. Sie macht den Menschen fähig zu erkennen, wer er ist. Sie erweckt in ihm das Verlangen, sich zu bekehren, um Gott die Ehre zu geben.
Angelusgebet in Lourdes, 14. September 2008



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Die Gnadengaben Marias werden auch uns zuteil
Das Leben und der Glaube der Christen offenbaren, dass das Vorrecht der unbefleckten Empfängnis, das Maria verliehen wurde, nicht nur eine persönliche Gnade ist, sondern allen gilt. Also eine Gnade ist, die dem gesamten Volk Gottes zuteil wird. In Maria kann die Kirche bereits das betrachten, was zu werden sie berufen ist. In ihr kann jeder Gläubige jetzt schon die endgültige Vollendung seiner persönlichen Berufung schauen. Möge jeder von uns unentwegt Dank sagen für das, was der Herr in seinem Heilsplan durch das Geheimnis Maria offenbare wollte. In dieses Geheimnis sind wir auf ganz unmittelbare Weise eingeschlossen, denn vom Kreuz herab, dessen wir gerade heute in Verehrung gedenken, wurde uns aus dem Mund Jesu selbst kundgetan, dass seine Mutter unsere Mutter ist. Als Söhne und Töchter Marias können wir aus den Gnadengaben, die ihr geschenkt worden sind, Gewinn ziehen, und die unvergleichliche Würde, die ihr das Vorrecht der unbefleckten Empfängnis verleiht, kommt auch uns, ihren Kindern, zu.
Angelusgebet in Lourdes, 14. September 2008



Der abgrundtiefe Schmerz Mariens
Zu Füssen des Kreuzes erfüllt sich die Prophezeiung Simeons: Ihr Mutterherz wird durchbohrt (vgl. Lk 2,35) von den Qualen, die dem Unschuldigen, ihrem leiblichen Sohn, zugefügt werden. Wie Jesus geweint hat (vgl. Joh 11,35), so hat gewiss auch Maria vor dem gemarterten Körper ihres Sohnes geweint. Ihre Zurückhaltung erlaubt uns jedoch nicht, ihren abgrundtiefen Schmerz auszuloten, diesen tiefen Kummer kann das traditionelle Symbol der sieben Schwerter nur annähernd darstellen. Wie für ihren Sohn Jesus kann man sagen, dass dieses Leiden auch sie zur Vollendung geführt hat (vgl. Hebr 2,10), um sie zur Annahme der neuen geistlichen Sendung zu befähigen, die der Sohn ihr unmittelbar, bevor er „seinen Geist aufgibt“, anvertraut (vgl. Joh 19,30): zur Mutter Christi in seinen Gliedern zu werden. In dieser Stunde stellt Jesus durch die Gestalt des Lieblingsjüngers jeden seiner Jünger seiner Mutter mit den Worten vor: „Siehe, dein Sohn“ (vgl. Joh 19,26-27).
Predigt bei der Eucharistiefeier mit den Kranken in Lourdes, 15. September 2008



Das Lächeln Marias hervorrufen
Ja, das Lächeln der Jungfrau Maria zu suchen, ist nicht ein frommer Kinderwunsch; es ist, sagt Psalm 45, das Verlangen der „Edlen des Volkes“ (45,13). „Die Edlen“, das sind im Bereich des Glaubens jene, die die höchste geistliche Reife besitzen und daher in der Lage sind, ihre Schwachheit und Armseligkeit vor Gott anzuerkennen. Im Lächeln, dieser ganz schlichten Äusserung von Zuneigung, erfassen wir, dass unser einziger Reichtum die Liebe ist, die Gott zu uns hat und die durch das Herz jener geht, die unsere Mutter geworden ist. Dieses Lächeln zu suchen, bedeutet vor allem, das ungeschuldet sein der Liebe auszukosten; es bedeutet auch, dieses Lächeln durch unser Bemühen um ein Leben nach dem Wort ihres geliebten Sohnes hervorzurufen, so wie das Kind das Lächeln der Mutter dadurch hervorzurufen versucht, dass es tut, was ihr gefällt. Und wir wissen, was Maria gefällt, dank der Worte, die sie in Kana an die Diener richtete: „Was er euch sagt, das tut“ (Joh 2,5).
Predigt bei der Eucharistiefeier mit den Kranken in Lourdes, 15. September 2008



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Erzieherin zur Liebe
Aus dem Herzen Mariens entspringt in der Tat eine ungeschuldete Liebe, die ihrerseits eine kindliche Liebe entstehen lässt, die sich beständig weiter entfalten soll. Maria ist wie jede Mutter und besser als jede Mutter Erzieherin zur Liebe.
Predigt bei der Eucharistiefeier mit den Kranken in Lourdes, 15. September 2008



Maria liebt besonders die Kranken und Leidenden
Maria liebt jedes ihrer Kinder, wobei sie ihre Aufmerksamkeit besonders auf diejenigen lenkt, die wie ihr Sohn in der Stunde seiner Passion vom Leiden heimgesucht werden; sie liebt sie, einfach weil sie nach dem Willen Christi am Kreuz ihre Kinder sind.
Predigt bei der Eucharistiefeier mit den Kranken in Lourdes, 15. September 2008



Marias Lächeln gilt besonders den Leidenden
Das Lächeln Mariens gilt allen; es richtet sich jedoch ganz besonders an die Leidenden, damit sie darin Trost und Linderung finden können. Das Lächeln Mariens zu suchen, ist keine Frage eines frommen oder altmodischen Sentimentalismus; es ist vielmehr der zutreffende Ausdruck der lebendigen und tief menschlichen Beziehung, die uns mit derjenigen verbindet, die uns Christus zur Mutter gegeben hat.
Predigt bei der Eucharistiefeier mit den Kranken in Lourdes, 15. September 2008

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