Lebensweihe




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Zeugnis geben
Liebe Brüder und Schwestern, die Kirche braucht euer Zeugnis, sie braucht ein geweihtes Leben, das sich mit Mut und Kreativität den Herausforderungen der Gegenwart stellt. Angesichts des zunehmenden Hedonismus ist von euch das mutige Zeugnis der Keuschheit gefordert, als Ausdruck eines Herzens, das die Schönheit und den Preis der Liebe Gottes kennt. Angesichts des Profitdenkens, das heute weite Kreise beherrscht, rufen euer genügsames Leben und eure Bereitschaft zum Dienst an den Notleidenden die Tatsache in Erinnerung, dass Gott der wahre und unvergängliche Reichtum ist. Angesichts von Individualismus und Relativismus, die die Menschen dazu verleiten, sich nur an sich selbst zu orientieren, zeigt euer gemeinschaftliches Leben in der Fähigkeit, sich aufeinander abzustimmen, und damit auch in der Fähigkeit zum Gehorsam, dass ihr eure Selbstverwirklichung in die Hände Gottes legt. Wie sollte man sich nicht wünschen, dass die Kultur der evangelischen Räte, die die Kultur der Seligpreisungen ist, in der Kirche wachsen möge, um das Leben und das Zeugnis des christlichen Volkes zu stärken?
Ansprache für die Personen des geweihten Lebens der Diözese Rom, 10. Dezember 2005



Leben in Gemeinschaft
Auch das Gemeinschaftsleben ist ein grundlegender Bestandteil eurer Mission. Indem ihr euch um den Aufbau brüderlicher Gemeinschaften bemüht, zeigt ihr, dass sich durch das Evangelium auch die zwischenmenschlichen Beziehungen ändern können, dass die Liebe keine Utopie ist, sondern im Gegenteil der Schlüssel zum Aufbau einer brüderlicheren Welt. In der Apostelgeschichte wird nach der Beschreibung des brüderlichen Lebens, das in der Gemeinschaft der Christen verwirklicht wurde, beinahe als logische Schlussfolgerung folgende Tatsache hervorgehoben: "Das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger in Jerusalem wurde immer grösser"(Apg 6,7). Die Verbreitung des Wortes ist der Segen, den der Herr der Ernte derjenigen Gemeinschaft spendet, die sich ernsthaft um ein Anwachsen der Liebe im brüderlichen Leben bemüht.
Ansprache für die Personen des geweihten Lebens der Diözese Rom, 10. Dezember 2005



Über das Zeitliche hinausführen
Gemäss dem Konzilsdekret Perfectae caritatis, dessen 40. Jahrestag seiner Veröffentlichung wir in diesem Jahr begehen, rufen die geweihten Personen "allen Christgläubigen jenen wunderbaren Ehebund in Erinnerung, den Gott begründet hat und der erst in der kommenden Welt ganz offenbar wird, den Ehebund der Kirche mit Christus, ihrem einzigen Bräutigam" (Nr. 12). Die geweihte Person lebt in ihrer Zeit, aber ihr Herz führt sie über das Zeitliche hinaus, und sie zeigt dem heutigen Menschen, der oft von den Dingen dieser Welt eingenommen ist, dass seine wahre Bestimmung Gott selbst ist.
Ansprache an die Personen des geweihten Lebens der Diözese Rom, 10. Dezember 2005



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Standhafte Treue
Seid standhaft in der Treue zu den Verpflichtungen, die ihr übernommen habt, zum Charisma eures Instituts und den Weisungen der Ortskirche. Eine solche Treue ist, wie ihr wisst, dann möglich, wenn man in den kleinen, aber unverzichtbaren Dingen des täglichen Lebens treu ist. Das bedeutet vor allem Treue zum Gebet und zum Hören auf das Wort Gottes; Treue zum Dienst an den Männern und Frauen unserer Zeit, wie es eurem jeweiligen Charisma entspricht; Treue zur Lehre der Kirche, angefangen bei der Lehre über das geweihte Leben; Treue zu dem Sakramenten der Versöhnung und der Eucharistie, die uns in schwierigen Lebenssituationen Tag für Tag Halt geben.
Ansprache für die Personen des geweihten Lebens der Diözese Rom,10 Dezember 2005



Gott an erster Stelle
Euer vorrangiger und höchster Wunsch soll daher sein, zu bezeugen, dass man auf Gott hören und ihn mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft mehr als jeden anderen Menschen und jede andere Sache lieben muss. Besonders in unserer Zeit mit ihrer grossen Abwesenheit Gottes ist es äusserst wichtig, Gott an erste Stelle zu setzen. Habt keine Angst, euch auch äusserlich sichtbar als geweihte Menschen zu zeigen, und versucht, eurer Zugehörigkeit zu Christus, dem verborgenen Schatz, für den ihr alles verlassen habt, auf jede Weise Ausdruck zu verleihen. Macht euch das bekannte Leitwort des hl. Benedikt zu eigen: "Der Liebe zu Christus nichts vorziehen".
Ansprache für die Personen des geweihten Lebens der Diözese Rom, 10. Dezember 2005



Aus übernatürlicher Liebe
In Wahrheit ist die gesamte Kirchengeschichte eine Geschichte der Heiligkeit, beseelt von der einen Liebe, die ihren Quell in Gott hat, denn nur die übernatürliche Liebe, wie jene, die stets neu aus dem Herzen Christi ausströmt, kann das wunderbare Erblühen von Orden, männlichen und weiblichen Kongregationen und anderen Formen des geweihten Lebens im Laufe der Jahrhunderte erklären.
Angelus, 29. Januar 2006



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Beredtes Zeichen der Gegenwart des Reiches Gottes
Wie nämlich das Leben Jesu in seinem Gehorsam und seiner Hingabe an den Vater ein lebendiges Gleichnis für den "Gott-mit-uns" ist, so wird die konkrete Hingabe der geweihten Personen an Gott und an die Brüder zum beredten Zeichen der Gegenwart des Reiches Gottes für die Welt von heute. Die Art und Weise eures Lebens und Handelns vermag es, die volle Zugehörigkeit zu dem einen Herrn unvermindert zu bekunden; eure vollständige Hingabe in die Hände Christi und der Kirche ist eine starke und klare Verkündigung der Gegenwart Gottes in einer Sprache, die für unsere Zeitgenossen verständlich ist. Das ist der erste Dienst, den das gottgeweihte Leben für die Kirche und die Welt leistet. Innerhalb des Volkes Gottes sind die Gottgeweihten gleichsam Wächter, die das neue Leben, das in unserer Geschichte schon vorhanden ist, erblicken und verkünden.
Predigt am Fest der Darstellung des Herrn - Tag des geweihten Lebens, 2. Februar 2006



Treu bleiben
Von ganzem Herzen grüsse ich alle geweihten Personen, die sich darum bemühen, vor ihren Brüdern und Schwestern für die Liebe Christi Zeugnis abzulegen. Besonders möchte ich diejenigen ehren, die sich auch unter extremen Bedingungen entschlossen haben, bei der leidgeprüften Bevölkerung zu bleiben, um den Menschen Beistand, Trost und die nötige geistige Unterstützung zu geben. Alle geweihten Personen, die unersetzliche Zeichen des kommenden Gottesreiches sind, lade ich zu einem prophetischen Zeugnis in der Kirche und der Gesellschaft [...] ein. Besonders ermahne ich sie, den evangelischen Räten vollkommen treu zu bleiben, jeder Versuchung zu einer Abschwächung ihrer Identität zu widerstehen und einen echten brüderlichen Geist unter allen Menschen zu verbreiten.
"Ad-limina"-Besuch der Bischöfe aus der Demokratischen Republik Kongo, 6. Februar 2006



Menschliche Schwächen sind kein Hindernis
Um auf den Ruf Gottes zu antworten und sich auf den Weg zu machen, braucht man nicht schon vollkommen zu sein. Dass sich der verlorenen Sohn seiner Schuld bewusst wurde, hat es ihm, wie wir wissen, ermöglicht, zurückzukehren und so die Freude über die Versöhnung mit dem Vater zu erleben. Die menschlichen Schwächen und Grenzen sind kein Hindernis vorausgesetzt, sie tragen dazu bei, uns die Notwendigkeit der erlösenden Gnade Christi immer stärker bewusst zu machen.
Botschaft zum 43. Weltgebetstag um geistliche Berufungen, 7. Mai 2006



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Tiefe Beziehung zu Christus für neue Berufungen
Eingedenk der mahnenden Aufforderung Jesu: "Die Ernte ist gross, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden" (Mt 9,37), verspüren wir den lebhaften Wunsch, um Berufungen zum priesterlichen Dienst und zum Geweihten Leben zu beten. Es überrascht nicht, dass dort, wo wirklich inständig gebetet wird, die Berufungen blühen. Die Heiligkeit der Kirche hängt wesentlich von der Verbundenheit mit Christus ab und von der Öffnung für das Geheimnis der Gnade, die im Herzen der Gläubigen wirkt. Deshalb möchte ich alle Gläubigen einladen, eine tiefe Beziehung zu Christus, dem Lehrer und Hirten seines Volkes, zu pflegen und Maria nachzuahmen, die die göttlichen Geheimnisse in ihrem Herzen bewahrte und darüber nachdachte (vgl Lk 2, 19).
Botschaft zum 43. Weltgebetstag um geistliche Berufungen, 7. Mai 2006



Besondere Form der Nachfolge Christi
Eine weitere besondere Form der Nachfolge Christi ist die Berufung zum geweihten Leben: Sie findet ihren Ausdruck in einem armen, keuschen und gehorsamen Dasein, das in der Kontemplation und im Gebet ganz Gott gewidmet ist und das sich in den Dienst an den Brüdern und Schwestern, vor allem an den Kleinen und Armen, stellt. Wir dürfen ebenfalls nicht vergessen, dass auch die christliche Ehe im vollen Sinne eine Berufung zu Heiligkeit darstellt und dass das Vorbild heiliger Eltern die erste Voraussetzung ist, um das Aufblühen von Priester- und Ordensberufungen zu fördern.
Angelus, 7. Mai 2006



Ruf Christi
Durch die Gründer und Initiatoren eurer Bewegungen und Gemeinschaften habt ihr mit einzigartiger Klarheit das Antlitz Christi erkannt und euch auf den Weg gemacht. Auch heute lässt Christus viele Menschen im Herzen jenes "Komm und folge mit nach!" vernehmen, das über ihr Schicksal entscheiden kann. Das geschieht normalerweise durch das Zeugnis dessen, der eine persönliche Erfahrung der Gegenwart Christi gemacht hat. Auf dem Antlitz und im Wort dieser "neuen Geschöpfe" wird sein Licht sichtbar und seine Einladung hörbar.
Botschaft an den II. Weltkongress der kirchlichen Bewegungen und neuen Gemeinschaften, 22. Mai 2006



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Zeugnis...
Tragt das Licht Christi in alle gesellschaftlichen und kulturellen Umfelder, in denen ihr lebt! Der missionarische Eifer ist der Prüfstein für die Radikalität einer Erfahrung immer wieder erneuerter Treue zum eigenen Charisma, die über jeden müden und egoistischen Rückzug auf sich selbst hinausführt. Erhellt die Dunkelheit einer Welt, die von den widersprüchlichen Botschaften der Ideologien verwirrt ist! Es gibt keine Schönheit, die etwas wert ist, wenn es keine Wahrheit zu erkennen und zu befolgen gibt, wenn die Liebe zu einem vorübergehenden Gefühl abgewertet wird, wenn das Glück zu einer nicht greifbaren Illusion wird, wenn die Freiheit zur Triebhaftigkeit entartet. Wieviel übel vermag die Gier nach Macht, nach Besitz und nach Lust im Leben des Menschen und der Nationen hervorzurufen! Tragt in diese verstörte Welt das Zeugnis der Freiheit, zu der Christus uns befreit hat (vgl. Gal 5,1). Das aussergewöhnliche Einswerden von Gottes und Nächstenliebe macht das Leben schön und bringt die Wüste, in der wir uns im Leben häufig befinden, neu zum Blühen. Wo die Liebe als Leidenschaft für das Leben und für das Schicksal der anderen zum Ausdruck kommt, indem sie in die Beziehungen und in die Arbeit hinein ausstrahlt und zur Kraft für den Aufbau einer gerechten Sozialordnung wird, dort entsteht eine Zivilisation, die imstande ist, dem Vormarsch der Barbarei Einhalt zu gebieten. Werdet Baumeister einer besseren Welt gemäss dem "ordo amoris", in dem sich die Schönheit des menschlichen Lebens offenbart.
Botschaft an den II. Weltkongress der kirchlichen Bewegungen und neuen Gemeinschaften, 22. Mai 2006



Leuchtendes Zeichen
Die kirchlichen Bewegungen und neuen Gemeinschaften sind heute ein leuchtendes Zeichen der Schönheit Christi und der Kirche, seiner Braut. Ihr gehört zur lebendigen Struktur der Kirche. Sie dankt euch für euren missionarischen Einsatz, für eure Bildungstätigkeit zugunsten der christlichen Familien sowie für die Förderung der Berufungen zum Amtspriestertum und zum geweihten Leben unter euch. Sie dankt euch auch für die Bereitschaft, die ihr zeigt, die entsprechenden Weisungen nicht nur des Nachfolgers Petri, sondern auch der Bischöfe der verschiedenen Ortskirchen anzunehmen, die zusammen mit dem Papst Hüter der Wahrheit und der Liebe in der Einheit sind.
Botschaft an den II. Weltkongress der kirchlichen Bewegungen und neuen Gemeinschaften, 22. Mai 2006



Gehorsam
Ich vertraue auf euren bereitwilligen Gehorsam. Über das Recht auf die eigene Existenz hinaus muss der Aufbau des Leibes Christi unter den Menschen stetigen Vorrang und unbestreitbare Priorität besitzen. Jede auftretende Frage muss von den Bewegungen in der Gesinnung tiefer Gemeinschaft und im Geist der Verbundenheit mit dem legitimen Hirten angegangen werden. Es möge euch die Teilnahme am Gebet der Kirche stützen, deren Liturgie der höchste Ausdruck der Schönheit der Herrlichkeit Gottes ist und gewissermassen ein Offenbarwerden des Himmels auf der Erde bedeutet.
Botschaft an den II. Weltkongress der kirchlichen Bewegungen und neuen Gemeinschaften, 22. Mai 2006



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Säkularisierung ist auch in den Verstand und Herz der geweihten Personen eingedrungen
Das geweihte Leben ist in den letzten Jahren wieder in einem Geist verstanden worden, der evangeliumsgemässer, ekklesialer und apostolischer ist; aber wir dürfen nicht verkennen, dass manche konkreten Entscheidungen der Welt nicht das wahre und lebensspendende Antlitz Christi gezeigt haben. Denn die säkularisierte Kultur ist in den Verstand und das Herz nicht weniger geweihter Personen eingedrungen die diese Kultur als eine Form des Zugangs zur Modernität verstehen und als eine Art, sich der gegenwärtigen Welt anzunähern. Die Folge ist, dass das geweihte Leben neben einem zweifellos vorhandenen grossherzigen Aufschwung, der zum Zeugnis und zur Ganzhingabe fähig ist, heute auch die Gefahr der Mittelmässigkeit, der Verbürgerlichung und des Konsumdenkens kennt.
Ansprache an die Generalobern und Generaloberinnen der Institute geweihten Lebens, 22. Mai 2006



Zwei Wege
Jesus hat uns im Evangelium darauf hingewiesen, dass es zwei Wege gibt: den schmalen Weg, der zum Leben führt, und den anderen, den breiten Weg, der ins Verderben führt (vgl. Mt 7,13-14). Entweder nimmt man den lebendigen Gott durch den gehorsamen Dienst aus dem Glauben an oder man lehnt ihn ab: das ist und bleibt die wahre Alternative. Eine Vorbedingung für die Nachfolge Christi ist also der Verzicht, die Loslösung von allem, was er nicht ist. Der Herr will keine gebundenen, sondern freie Männer und Frauen, die imstande sind, alles zu verlassen , um ihm nachzufolgen und nur in ihm ihr ein und alles zu finden.
Ansprachen an die Generalobern und Generaloberinnen der Institute geweihten Lebens, 22. Mai 2006



Wohlriechendes Opfer
Dem Herrn gehören heisst, von seiner glühenden Liebe verbrannt zu werden, vom Glanz seiner Schönheit verwandelt zu werden: Unsere Kleinheit wird ihm als wohlriechendes Opfer dargebracht, damit es Zeugnis der Grösse seiner Gegenwart für unsere Zeit wird, die es so nötig hat, vom Reichtum seiner Gnade erfüllt zu werden.
Ansprache an die Generalobern und Generaloberinnen der Institute geweihten Lebens, 22. Mai 2006



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Dem Herrn gehören
Dem Herrn gehören: Das ist die Sendung der Männer und Frauen, die sich entschieden haben, dem keuschen, armen und gehorsamen Christus nachzufolgen, damit die Welt glaubt und gerettet wird: ganz Christus zu gehören und so zu einem beständigen Glaubensbekenntnis zu werden, zu einer unmissverständlichen Verkündigung der Wahrheit, die von der Verführung durch falsche Götzen befreit, von denen die Welt geblendet ist, Christus gehören bedeutet, im Herzen stets eine lebendige Flamme der Liebe brennen zu lassen, die fortwährend vom Reichtum des Glaubens genährt wird, und das nicht nur dann, wenn sie innere Freude mit sich bringt, sondern auch dann, wenn sie mit Schwierigkeiten, Trockenheit oder Leiden verbunden ist.
Ansprache an die Generalobern und Generaloberinnen der Institute geweihten Lebens, 22. Mai 2006



Gebet als Nahrung
Die Nahrung für das innere Leben ist das Gebet, das vertraute Gespräch der geweihten Seele mit dem göttlichen Bräutigam. Noch reichere Nahrung ist die tägliche Teilnahme am unaussprechlichen Geheimnis der göttlichen Eucharistie, in der der auferstandene Christus in der Wirklichkeit seines Fleisches ständig gegenwärtig wird.
Ansprache an die Generalobern und Generaloberinnen der Institute geweihten Lebens, 22. Mai 2006



Jungfräulichkeit
Um ganz dem Herrn zu gehören, nehmen die geweihten Personen einen keuschen Lebensstil an. Die geweihte Jungfräulichkeit passt nicht in den Rahmen der Logik dieser Welt; sie ist das "unvernünftigste" der christlichen Paradoxa, und nicht allen Menschen ist es gegeben, sie zu erfassen und zu leben (vgl. Mt 19,11-12). Ein keusches Leben führen bedeutet auch, auf das Geltungsbedürfnis zu verzichten und einen einfachen, bescheidenen Lebensstil anzunehmen. Die Ordensleute sind aufgerufen, ihn auch in der Wahl der Kleidung zu zeigen, einfacher Kleidung, die Zeichen der Armut sein soll, die in Vereinigung mit Christus gelebt wird, der reich war, aber arm wurde, um uns durch seine Armut reich zu machen (vgl. 2 Kor 8,9). So, und nur so, kann man dem gekreuzigten und armen Christus vorbehaltlos nachfolgen, indem man in sein Geheimnis eintaucht und sich seine selbstgewählte Demut, Armut und Sanftmut zu eigen macht.
Ansprache an die Generalobern und Generaloberinnen der Institute geweihten Lebens, 22. Mai 2006



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Schwung der Anfangszeit nicht verlieren
Erinnert ihr euch an eure Begeisterung, als ihr im Vertrauen auf die Hilfe der Gnade den Pilgerweg des geweihten Lebens begonnen habt? Sorgt dafür, dass ihr den Schwung der Anfangszeit nicht verliert, und lasst euch von Maria zu immer grösserer Treue führen, liebe Ordensmänner, liebe Ordensfrauen, liebe geweihte Personen! Was auch euer Sendungsauftrag sein mag, welchen klösterlichen oder apostolischen Dienst ihr auch tun mögt, bewahrt im Herzen die Vorrangstellung eures geweihten Lebens. Dieses belebe euren Glauben. Das im Glauben gelebte geweihte Leben vereinigt eng mit Gott, weckt die Charismen und verleiht eurem Dienst aussergewöhnliche Fruchtbarkeit.
Ansprache an die Ordensleute und Seminaristen in Tschenstochau, 26. Mai 2006



Treue, Kontemplation und Zeugnis
Liebe Ordensfrauen, wen ihr selbst den spuren eurer Gründer und eurer Gründerinnen treu nachgehen und euren Mitschwestern helfen wollt, ihrem Vorbild zu folgen, dann pflegt die "mystische" Dimension des geweihten Lebens, haltet also stets eure Seele durch die Kontemplation mit Gott vereint. Der "Prophet", wie die Heiligen Schrift lehrt, hört erst zu und verweilt in der Betrachtung, dann spricht er und lässt sich dabei ganz durchdringen von jener Liebe zu Gott, die nichts fürchtet und sogar stärker ist als der Tod. Der echte Prophet sorgt sich daher nicht so sehr darum, Werke zu tun, was zweifellos wichtig ist, aber niemals wesentlich. Er bemüht sich vor allem, Zeuge der Liebe Gottes zu sein, indem er versucht, diese Liebe mitten in den Gegebenheiten der Welt zu leben, auch wenn seine Anwesenheit manchmal "Unbequem" sein kann, weil er alternative Werte anbietet und verkörpert.
Ansprache für die Teilnehmer an der Vollversammlung der Internationalen Union der Generaloberinnen, 7. Mai 2007



Die Erwartung des Reiches Gottes
Auch in unserer Zeit ist besonders unter den Jugendlichen der Wunsch verbreitet, Gott zu begegnen. Diejenigen, die von Gott für das geweihte Leben auserwählt wurden, machen sich dieses tiefe geistliche Verlangen endgültig zu eigen. In ihnen wohnt in der Tat nur eine Erwartung: die Erwartung des Reiches Gottes: dass Gott in unserem Willen, in unseren Herzen, in der Welt herrsche; in ihnen brennt ein einziger Durst nach Liebe, den allein der Ewige zu stillen vermag. Durch ihr Beispiel verkünden sie einer oft orientierungslosen Welt, die aber in Wirklichkeit immer mehr auf der Suche nach einem Sinn ist, dass Gott der Herr des Daseins ist, dass seine "Huld besser ist als das Leben" (Ps 63,4). Dadurch, dass sie den Gehorsam, die Armut und die Keuschheit wählen, zeigen sie, dass alle Verbundenheit und Liebe zu den Dingen und zu den Menschen nicht imstande ist, das Herz endgültig zu befriedigen; dass das irdische Dasein ein mehr oder weniger langes Warten auf die Begegnung mit dem göttlichen Bräutigam "von Angesicht zu Angesicht" ist, ein Warten, das mit stets wachsamem Herzen gelebt werden muss, um bereit zu sein, ihn zu erkennen und zu empfangen, wenn er kommen wird.
Ansprache am "Tag des geweihten Lebens", 2. Februar 2007



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Leidenschaftliche Antwort an Gott
Das geweihte Leben stellt also seiner Natur nach eine totale und endgültige, bedingungslose und leidenschaftliche Antwort an Gott dar (vgl. Vita Consecrata, 17). Und wenn die geweihte Person auf alles verzichtet, um Christus nachzufolgen, wenn sie das hingibt, was ihr am teuersten ist, und jedes Opfer auf sich nimmt, dann wird auch sie, so wie es beim göttlichen Meister geschehen ist, dessen Spuren sie folgt, notwendigerweise zum "Zeichen des Widerspruchs", weil ihre Art zu denken und zu leben häufig im Gegensatz zur Logik der Welt steht, wie sie sich in den Medien präsentiert – fast immer. Die geweihte Person wählt Christus, ja sie lässt sich von ihm vorbehaltlos "erobern". Angesichts eines solchen Mutes sind viele Menschen, die nach Wahrheit dürsten, betroffen und angezogen von dem, der nicht zögert, das Leben, das eigene Leben für das hinzugeben, woran er glaubt. Ist das etwa nicht die radikale Treue gemäss dem Evangelium, zu der auch in unserer Zeit jede geweihte Person berufen ist?
Ansprache am "Tag des geweihten Lebens", 2. Februar 2007



Gott führt alles zu einem glücklichen Ende
Liebe Brüder und Schwestern, vergesst niemals, dass das geweihte Leben ein Gottesgeschenk ist und dass es an erster Stelle der Herr ist, der es seinen Plänen entsprechend zu einem glücklichen Ende führt. Diese Gewissheit, dass uns der Herr trotz unserer Schwächen zu einem glücklichen Ende führt, diese Gewissheit soll euch Trost sein, indem sie euch angesichts der unvermeidlichen Schwierigkeiten des Lebens und der vielfältigen Herausforderungen der heutigen Zeit vor der Versuchung der Entmutigung bewahrt. In der Tat, in der schweren Zeit, in der wir leben, können nicht wenige Institute ein Gefühl von Verwirrung verspüren angesichts der Schwächen, die sie in ihrem Inneren finden, und wegen der vielen Hindernisse, denen sie bei der Erfüllung ihrer Sendung begegnen.
Ansprache am "Tag des geweihten Lebens", 2. Februar 2007



Sein mit Christus
Wie bereits gesagt wurde, sind 60 Jahre seit jenem 2. Februar 1947 vergangen, als mein Vorgänger Pius XII. diese Apostolischen Konstitution promulgierte und so einer in den vorangegangenen Jahrzehnten vorbereiteten Erfahrung eine theologisch- rechtliche Gestalt gab und in den Säkularinstituten eine der unzähligen Gaben anerkannte, mit denen der Heilige Geist den Weg der Kirchen begleitet und sie zu allen Zeiten erneuert. Jener Rechtsakt bildete nicht etwa den Zielpunkt als vielmehr den Ausgangspunkt eines Weges, der zu einer neuen Form der Weihe führen sollte: der Weihe gläubiger Laien und Diözesanpriester, die dazu berufen sind, gerade jene "Weltlichkeit", in die sie durch ihren Lebensstand oder den pastoralen Dienst eingebunden sind, mit einer dem Evangelium entsprechenden Radikalität zu leben. Ihr seid heute hier, um jenen vor 60 Jahren begonnenen Weg weiter zu umreissen, der euch in Christus Jesus als immer leidenschaftlichere Träger des Sinnes der Welt und der Geschichte erkennbar macht. Eure Leidenschaft entsteht daraus, dass ihr die Schönheit Christi entdeckt habt, die Schönheit seiner einmaligen Art, das Leben zu lieben, ihm zu begegnen, es zu heilen, es zu erfreuen, ihm Trost zu spenden. Und euer Leben will diese Schönheit besingen, damit euer Sein in der Welt Zeichen eures Seins in Christus sei.
Ansprache an die Teilnehmer der Weltkonferenz der Säkularinstitute, 3. Februar 2007



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Einsatz für den Aufbau der Gesellschaft
Zum weltlichen Sendungsauftrag gehört ausserdem der Einsatz für den Aufbau einer Gesellschaft, die in den Verschiedenen Bereichen die Würde der menschlichen Person und die für ihre volle Verwirklichung unverzichtbaren Werte anerkennen soll: von der Politik bis zur Wirtschaft, von der Erziehung bis zum Einsatz im Gesundheitswesen, von der Verwaltung der Dienstleistungen bis hin zur wissenschaftlichen Forschung. Jede vom Christen gelebte eigene und spezifische Wirklichkeit, die eigene Arbeit und die eigenen konkreten Interessen finden, auch wenn sie ihre relative Beschaffenheit bewahren, ihre Endabsicht darin, dass sie sich demselben Ziel anschliessen, für das der Sohn Gottes in die Welt gekommen ist.
Ansprache an die Teilnehmer der Weltkonferenz der Säkularinstitute, 3. Februar 2007



Das Heilswerk Gottes bezeugen
Fühlt euch [...] von jedem Schmerz von jeder Ungerechtigkeit ebenso auf den Plan gerufen wie von jeder Suche nach Wahrheit, nach Schönheit und nach Güte, nicht weil ihr die Lösung für alle Probleme hättet, sondern weil jede Bedingung, in der ein Mensch lebt oder stirbt, für euch eine Gelegenheit darstellt, das Heilswerk Gottes zu bezeugen. Das ist euer Sendungsauftrag [der Säkularinstitute]. Eure Weihe hebt einerseits die besondere Gnade hervor, die euch für die Verwirklichung der Berufung vom Heiligen Geist zuteil wird, und verpflichtet euch andererseits zu einer totalen Fügsamkeit des Geistes, des Herzens und des Willens gegenüber dem Plan Gottes des Vaters, offenbart in Christus Jesus, zu dessen radikaler Nachfolge ihr berufen worden seid.
Ansprache an die Teilnehmer der Weltkonferenz der Säkularinstitute, 3. Februar 2007



"Alpinisten des Geistes"
Jede Begegnung mit Christus verlangt einen tiefen Gesinnungswandel, aber für manchen ist - so wie es bei euch der Fall war - die Forderung des Herrn besonders Anspruchsvoll: alles verlassen, weil in eurem Leben Gott alles ist und alles sein wird. Es geht nicht einfach um eine andere Art, mit Christus in Beziehung zu treten und eure Treue zu ihm auszudrücken, sondern um eine Entscheidung für Gott, der von euch ein absolut totales Vertrauen in ihn fordert. Das eigenen Leben dem Leben Christi anzugleichen, indem man in seine Worte eindringt, das eigenen Leben durch die Übung der evangelischen Räte dem Leben Christi anzugleichen, ist ein grundlegendes und verbindliches Merkmal, das in seiner Besonderheit von "Alpinisten des Geistes", wie der verehrte Papst Paul VI. euch nannte (vgl. Ansprachen an die Teilnehmer am I. Internationalen Kongress der Säkularinstitute: Insegnamenti, VIII, 1970, S. 939), konkrete Einsätze und Gesten fordert.
Ansprache an die Teilnehmer der Weltkonferenz der Säkularinstitute, 3. Februar 2007



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Im Innern
Der weltliche Charakter eurer Weihe [der Säkularinstitute] hegt einerseits die Mittel hervor, mit denen ihr euch um ihre Verwirklichung bemüht, das heisst jene Mittel, die jedem Mann und jeder Frau eigen sind, die in gewöhnlichen Verhältnissen in der Welt leben, und andererseits die Form ihrer Entfaltung als einer tiefen Beziehung zu den Zeichen der Zeit, zu deren Unterscheidung im Licht des Evangeliums Ihr persönlich und gemeinsam aufgerufen seid. Schon oft ist gerade bei dieser Unterscheidung massgeblich euer Charisma festgestellt worden, so dass ihr gleichsam Laboratorien für den Dialog mit der Welt sein könnt, jene "Versuchslaboratorien, in denen die Kirche die konkreten Möglichkeiten ihrer Beziehungen zur Welt einer Probe unterzieht" (Paul VI., Ansprache der Säkularinstitute, 25.8.1976, in O.R. dt.,36, 3.9.1976,2). Genau hier entsteht die anhaltende Aktualität eures Charismas, weil diese Unterscheidung nicht von ausserhalb der Wirklichkeit, sondern aus ihrem Inneren, durch ein volles Involviertsein in sie, erfolgen soll. Das geschieht durch die Alltagsbeziehungen, die ihr in den familiären und gesellschaftlichen Verbindungen, in der beruflichen Tätigkeit, im Gefüge des Gemeinwesens und der kirchlichen Gemeinschaft knüpft. Die Begegnung mit Christus, das sich Hineinstellen in seine Nachfolge macht uns offen und drängt uns zur Begegnung mit jedermann, denn wenn sich Gott nur in der trinitarischen Gemeinschaft verwirklicht, wird auch der Mensch nur in der Gemeinschaft seine Erfülltheit finden.
Ansprache an die Teilnehmer der Weltkonferenz der Säkularinstitute, 3. Februar 2007



Sauerteig
Von euch [den Mitgliedern der Säkularinstitute] wird nicht verlangt, besondere Lebensformen, besondere Formen apostolischer Verpflichtung oder sozialer Einsätze einzurichten, ausser jenen, die in den persönlichen Beziehungen, die Quellen prophetischen Reichtums sind, entstehen können. Euer Leben sei wie der Sauerteig, der das ganze Mehl durchsäuert und aufgehen lässt (vgl. Mt 13,33): manchmal still und verborgen, aber immer konstruktiv und ermutigend und fähig, Hoffnung hervorzubringen. Der Ort eures Apostolats ist daher alles Menschliche. Dies betrifft nicht nur das Leben innerhalb der christlichen Gemeinschaft, wo die Beziehung gestärkt wird durch das hören des Wortes und das sakramentale Leben, aus dem ihr schöpft, um eure aus der Taufe rührende Identität zu stützen. Der Ort eures Apostolats ist, wie gesagt, alles Menschliche sowohl innerhalb der christlichen Gemeinschaft aus auch in der Zivilgesellschaft. In letzterer verwirklicht sich die Beziehung in der Suche nach dem Gemeinwohl, im Dialog mit allen, die berufen sind, Zeugnis zu geben von jener christliche Anthropologie, die in einer vom multikulturellen und multireligiösen Klima desorientierten und verwirrten Gesellschaft ein Sinnangebot darstellt.
Ansprache an die Teilnehmer der Weltkonferenz der Säkularinstitute, 3. Februar 2007



Der menschlichen Logik widersprechen und auf Gott vertrauen
Ihr [die Mitglieder der Säkularinstitute] kommt aus verschiedenen Ländern; verschieden sind die kulturellen, politischen und auch religiösen Verhältnisse, in denen ihr lebt, arbeitet, alt werdet. In allen Situationen sucht ihr die Wahrheit, die menschliche Offenbarung Gottes im Leben. Wir wissen, es ist ein langer Weg, dessen Gegenwart unruhig, dessen Ausgang aber sicher ist. Verkündet die Schönheit Gottes und seiner Schöpfung. Seid nach dem Vorbild Christi der Liebe gehorsam, sanftmütige und barmherzige Männer und Frauen, fähig, die Wege der Welt zurückzulegen, indem ihr nur Gutes tut. Euer Leben soll in den Mittelpunkt die Seligpreisungen stellen und so der menschlichen Logik widersprechen, um ein bedingungsloses Vertrauen in Gott zum Ausdruck zu bringen, der will, dass der Mensch glücklich ist. Die Kirche braucht auch euch, um ihre Sendung zu vollenden.
Ansprache an die Teilnehmer der Weltkonferenz der Säkularinstitute, 3. Februar 2007



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Seid Samen der Heiligkeit
Seid Samen der Heiligkeit, der mit vollen Händen in die Ackerfurchen der Geschichte ausgesät wird. Da ihr in dem unentgeltlichen und wirksamen Handeln verwurzelt seid, durch das der Geist des Herrn die menschlichen Geschicke lenkt, könnt ihr Früchte echten Glaubens erbringen, indem ihr durch euer Leben und euer Zeugnis Gleichnisse für Hoffnung schreibt, und zwar durch die Werke, die von der "Phantasie der Liebe" angeregt wurden (vgl. Johannes Paul II. Apostol. Schreiben Novo millennio ineunte, 50).
Ansprache an die Teilnehmer der Weltkonferenz der Säkularinstitute, 3. Februar 2007



Hoffung auf das Himmelreich
Das Leben im Glauben und im Gebet wird euch leiten auf den Wegen der Vertrautheit mit Gott und der Erkenntnis der Grösse der Pläne, die er für jeden Menschen hat. "Um des Himmelreiches willen" (Deus caritas est,12) sind einige zu einer totalen und endgültigen Hingabe berufen, um sich Gott im Ordensleben zu weihen, als "überaus hohe Gnadengabe", wie das Zweiter Vatikanische Konzil erklärt hat (vgl. Dekret Perfectae caritatis, 12). Die Geweihten, die sich unter dem Antrieb des heiligen Geistes ganz Gott hingeben, nehmen an der Sendung der Kirche teil, indem sie unter allen Menschen die Hoffnung auf das Himmelreich bezeugen. Daher segne ich alle Ordensleute, die sich im Weinberg des Herrn Christus und den Brüdern widmen, und rufe den göttlichen Schutz auf sie herab. "Die Personen des geweihten Lebens verdienen wirklich die Dankbarkeit der kirchlichen Gemeinschaft.
Ansprache an die Jugendlichen im Stadion von Pacaembu, Brasilien, 10. Mai 2007



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Lebensweihe
Ich will mich auch an die Ordensmänner, an die Ordensfrauen und an die geweihten Frauen und Männer aus dem Laienstand wenden. Die [...] Gesellschaft hat euer Zeugnis nötig; In einer Welt, die so oft vor allem den Wohlstand, den Reichtum und das Vergnügen als Lebensziel sucht und an Stelle der Wahrheit des für Gott geschaffenen Menschen die Freiheit verherrlicht, seid ihr Zeugen dafür, dass es eine andere Form sinnvollen Lebens gibt; erinnert eure Brüder und Schwestern daran, dass das Reich Gottes schon angebrochen ist, dass Gerechtigkeit und Wahrheit möglich sind, wenn wir uns der liebevollen Gegenwart Gottes, unseres Vaters, Christi, unseres Bruders und Herrn, des Heilige Geistes unseres Trösters, öffnen. Ihr müsst – in Übereinstimmung mit dem Charisma eurer Gründer – mit Hochherzigkeit und auch mit Heldenmut weiterarbeiten, damit in der Gesellschaft die Liebe, die Gerechtigkeit, die Güte, der Dienst und die Solidarität herrschen. Bekennt euch mit tiefer Freude zu eurer Weihe, die Mittel der Heiligung für euch und der Erlösung für eure Brüder ist.
Ansprache bei der V. Generalversammlung der Bischofskonferenzen von Lateinamerika, 13. Mai 2007



Der Wert des geweihten Lebens
Wie ist es möglich, dass Kandidaten für den Ordensberuf und das christliche Volk die Institute geweihten Lebens mehr wegen der Hilfe, die diese für das Apostolat und die menschliche Förderung leisten, bewundern als wegen des wirklichen Wertes und der unvergleichlichen Schönheit einer Ganzhingabe an Gott in der Nachfolge Christi, an den sich die geweihte Person als ihren göttlichen Bräutigam bindet? Diese letzte Sicht ist so heilsam für die ganze Kirche, die darin einen ganz besonderen Ruf zur Heiligkeit durch die gelebte Erfahrung der Seligpreisungen finden würde.
"Ad-limina"-Besuch der Bischöfe von Mosambik, 26. Juni 2007



Freude und Leid in der Teilhabe am Weg des Herrn
Immer aber ist es der eine Herr, der uns zum einen Glauben durch die eine Taufe beruft. Die Teilhabe an seinem Weg bedeutet also beides; die Dimension des Kreuzes - mit Misserfolgen, Leiden, Unverstandensein, ja sogar Verachtung und Verfolgung _, aber auch die Erfahrung einer tiefen Freude in seinem Dienst und die Erfahrung des grossen Trostes aus der Begegnung mit Ihm.
Ansprache bei der Vesper in Mariazell, 8. September 2007



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Das Gelübde der Armut
Wer Christus radikal nachfolgen will, muss auf materielle Habe verzichten. Aber er muss diese Armut von Christus her leben, als inwendiges Freiwerden für den Nächsten. Die Frage der Armut und der Armen muss für alle Christen, aber besonders für uns Priester und Ordensleute, die einzelnen wie die Ordensgemeinschaften, immer wieder Inhalt einer ernsten Gewissenserforschung sein. Gerade in unserer Situation, denke ich, wo es uns nicht schlecht geht, wo wir nicht arm sind, müssen wir darüber besonders nachdenken, wie wir diesen Ruf ehrlich leben können. Und ich möchte ihn Eurer - unserer - Gewissenserforschung anempfehlen.
Ansprache bei der Vesper in Mariazell, 8. September 2007



Das Gelübde der Ehelosigkeit
Jesus hat die Menschen vom Vater her - und so wahrhaft sie selber in ihrem Eigentlichen, in ihrer Realität - geliebt. Das Eintreten in diese Gesinnung Jesu Christi - in dieses ganz Mitsein mit dem lebendigen Gott und in dieses reine Mitsein mit dem Menschen, ganz ihnen zur Verfügung -, dieses Eintreten in die Gesinnung Jesu Christi hat Paulus zu seiner Theologie und Lebenspraxis inspiriert, die auf Jesu Wort von der Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen antwortet (vgl. Mt 19,12). Priester und Ordensleute leben nicht beziehungslos. Keuschheit heisst im Gegenteil - davon wollte ich ausgehen, - intensive Beziehung, ist positiv Beziehung zum lebendigen Christus und von da her zum Vater. Deswegen geloben wir durch das Gelübde der ehelosen Keuschheit nicht Individualismus oder Beziehungslosigkeit, sondern wir geloben, die intensiven Beziehungen, deren wir fähig sind und mit denen wir beschenkt werden, ganz und vorbehaltlos in den Dienst des Reiches Gottes und so der Menschen zu stellen. So werden Priester und Ordensleute selbst zu Menschen der Hoffnung: indem sie ganz auf Gott setzen und damit zeigen, dass Gott für sie Realität ist, schaffen sie seiner Gegenwart - dem Reich Gottes - Raum in der Welt.
Ansprache bei der Vesper in Mariazell, 8. September 2007



Das Gelübde des Gehorsams
Die Christen haben immer erfahren, dass sie sich nicht verlieren durch die Hingabe an den Willen des Herrn, sondern dass sie so durchfinden zu einer tiefen Identität und inneren Freiheit. An Jesus haben sie entdeckt, dass sich findet, wer sich verschenkt, dass frei wird, wer sich in einem in Gott gründenden und ihn suchenden Gehorsam bindet. Auf Gott zu hören und ihm zu gehorchen hat nichts mit Fremdbestimmung und Selbstverlust zu tun. Im Eintreten in den Willen Gottes kommen wir erst zu unserer wahren Identität. Das Zeugnis dieser Erfahrung braucht die Welt heute gerade mitten in ihrem Verlangen nach "Selbstverwirklichung" und Selbstbestimmung".
Ansprache bei der Vesper in Mariazell, 8. September 2007



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Um Jesu Willen alles lassen
In allen Zeiten ruft er [Jesus] Menschen, alles auf ihn zu setzen, alles andere zu lassen, ganz für ihn und so ganz für die anderen da zu sein.: Oasen der selbstlosen Liebe in einer Welt zu bauen, in der so oft nur Macht und Geld zu zählen scheinen. Danken wir dem Herrn, dass er uns in allen Jahrhunderten Männer und Frauen geschenkt hat, die seinetwegen alles andere gelassen haben und zu Leuchtzeichen seiner Liebe geworden sind. Denken wir nur an Menschen wie Benedikt und Scholastika, wie Franz und Klara von Assisi, Elisabeth von Thüringen und Hedwig von Schlesien, wie Ignatius von Loyola, Teresa von Avila bis herauf zu Mutter Teresa und Pater Pio. Dies Menschen sind mit ihrem ganzen Leben Auslegung von Jesu Wort geworden, das in ihnen uns nah und verständlich wird. Und bitten wir den Herrn, dass er auch in unserer Zeit Menschen den Mut schenkt, alles zu lassen und so für alle da zu sein.
Predigt bei der Eucharistiefeier im Stephansdom zu Wien, 9. September 2007


Dem Gottesdienst nichts vorziehen
Euer Dienst für diese Welt muss daher Euer Gebet und die Feier des Gottesdienstes sein. Die Gesinnung eins jeden Priesters, eines jeden gottgeweihten Menschen muss es sein, " dem Gottesdienst nichts vorzuziehen". Die Schönheit einer solchen Gesinnung wird sich in der Schönheit der Liturgie ausdrücken, so dass dort, wo wir miteinander singen, Gott preisen, feiern und anbeten, ein Stück Himmel auf Erden anwesend wird.
Ansprache beim Besuch im Stift Heilig Kreuz, 9. September 2007



Ein Leben in der Nachfolge Christi bedarf der Integration der gesamten Persönlichkeit
Damit eine Berufung zum Priestertum oder zum Ordensstand heute das ganze Leben lang treu durchgehalten werden kann, bedarf es einer Ausbildung, die Glauben und Vernunft, Herz und Verstand, Leben und Denken integriert. Ein Leben in der Nachfolge Christi bedarf der Integration der gesamten Persönlichkeit. Wo die intellektuellen Dimension vernachlässigt wird, entsteht allzu leicht ein frömmlerisches Schwärmertum, das fast ausschliesslich von Emotionen und Stimmungen lebt, die nicht das ganze Leben durchgetragen werden können. Und wo die spirituelle Dimension vernachlässigt wird, entsteht ein dünner Rationalismus, der aus seiner Kühle und Distanziertheit nie zu einer begeisterten Hingabe an Gott durchbrechen kann, man kann ein Leben in der Nachfolge Christi nicht auf solche Einseitigkeiten gründen; man würde mit diesen Halbheiten selbst unglücklich werden und wohl folglich auch geistlich unfruchtbar bleiben. Jede Berufung zum Ordensstand und zum Priestertum ist ein so wertvoller Schatz, dass die Verantwortlichen alles tun müssen, um die adäquaten Wege der Ausbildung zu finden, so dass zugleich fides et ratio - Glaube und Vernunft, Herz und Hirn gefördert werden.
Ansprache beim Besuch im Stift Heilig Kreuz, 9. September 2007



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Gott sucht junge Herzen
Noch heute sucht Gott junge Herzen, er sucht junge Menschen mit einem grossen Herzen, die fähig sind, ihm in ihrem Leben Raum zu geben, um Protagonisten des Neuen Bundes zu sein. Um einen faszinierenden Vorschlag wie den anzunehmen, den uns Jesus macht, um einen Bund mit ihm einzugehen, ist es nötig, innerlich jung zu sein, fähig, sich von seiner Neuheit ansprechen zu lassen, um zusammen mit ihm neue Wege einzuschlagen. Jesus hat eine Vorliebe für die jungen Menschen, wie der Dialog mit dem reichen jungen Mann es gut verdeutlicht (vgl. Mt 19,16-22; Mk 10;17-22); er respektiert deren Freiheit, wird jedoch nie müde, ihnen höhere Ziele für das Leben vorzuschlagen: die Neuheit des Evangeliums und die Schönheit eines heiligen Lebenswandels. In der Nachfolge des Beispiels ihres Herrn fährt die Kirche fort, dieselbe Aufmerksamkeit aufzubringen. Das ist der Grund, liebe Jugendliche, warum sie auf euch mit grosser Zuneigung blickt, euch in dem Momenten der Freude und des Festes, der Prüfung und der Verwirrung nahe ist; sie unterstützt euch mit dem Gaben der sakramentalen Gnade, und sie begleitet euch bei der Entscheidungsfindung hinsichtlich eurer Berufung. Liebe Jugendliche, lasst euch in das neue Leben hineinnehmen, das der Begegnung mit Christus entspringt, und ihr werdet in der Lage sein, Apostel seines Friedens in euren Familien, unter euren Freunden, in euren kirchlichen Gemeinschaften und in den Verschiedenen Bereichen zu sein, in denen ihr lebt und wirkt.
Predigt bei der Eucharistiefeier beim Jugendtreffen in Loreto, 2. September 2007



Gefaltete Hände
Das ist es, liebe Schwestern, was der Papst von euch erwartet: Seid brennende Fackeln der Liebe, "gefaltete Hände", die in unablässigem Gebet wachen, gänzlich losgelöst von der Welt, um das Amt dessen zu unterstützen, den Jesus berufen hat, seine Kirche zu führen.
Ansprache an die Klarissen aus dem Kloster der Unbefleckten Empfängnis in Albano, 15. September 2007



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Mit Klugheit und Arglosigkeit dem Ruf Jesu entsprechen
Wer dem Ruf Jesu entsprechen will, muss mit Klugheit und Arglosigkeit jeder Gefahr und sogar den Verfolgungen gegenübertreten, denn "ein Jünger steht nicht über seinem Meister und ein Sklave nicht über seinem Herrn" (Mt 10,24). Eins geworden mit dem Meister, sind die Jünger nicht mehr allein bei der Verkündigung des Himmelreiches, sondern Jesus selbst wirkt in ihnen: "Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat" (Mt 10,40). Darüber hinaus verkündigen sie als wahre Zeugen, "mit der Kraft aus der Höhe erfüllt" (Lk 24,49), allen Völkern, "sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden" (Lk24,47).
Botschaft zum 45. Weltgebetstag um geistlichen Berufungen, 13. April 2008



Die Schar der Geweihten
Seit jeher gibt es in der Kirche nicht wenige Männer und Frauen, die, vom Wirken des Heiligen Geistes bewegt, sich entschliessen, das Evangelium radikal zu leben, indem sie die Gelübde der Keuschheit, der Armut und des Gehorsams ablegen, diese Schar von Ordensmännern und Ordensfrauen, die zahllosen Instituten des kontemplativen und aktiven Lebens angehören, hat "bisher den grössten Anteil an der Evangelisierung der Welt" (Dekr. Ad gentes,40). Mit ihrem beständigen und gemeinschaftlichen Gebet halten die Ordensleute des kontemplativen Lebens unablässig Fürbitte für die ganze Menschheit; diejenigen des aktiven Lebens bringen durch ihr vielgestaltiges karitatives Handeln allen das lebendige Zeugnis der Liebe und der Barmherzigkeit Gottes.
Botschaft zum 45. Weltgebetstag um geistlichen Berufungen, 13. April 2008



Es fehlt nicht an grossmütigen Menschen
Es fehlt heute wie in jeder Epoche nicht an grossmütigen Menschen, die bereit sind, für Christus und sein Evangelium alle und alles zu verlassen und ihr Leben seinem Dienst in einer Gemeinschaft zu weihen, die sich durch Begeisterung, Hochherzigkeit und Freude auszeichnet. Diese neuen Erfahrungen des geweihten Lebens sind geprägt von dem gemeinsamen und mit voller Zustimmung geteilten Wunsch nach Armut, die entsprechend dem Evangelium auf radikale Weise gelebt wird, nach treuer Liebe zur Kirche, grossmütiger Hingabe an den Nächsten in Not unter besonderer Berücksichtigung jener geistlichen Armut, welche die heutige Zeit deutlich kennzeichnet.
Ansprache an Ordensleute in Audienz, 18. Februar 2008



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Berufungen zum geweihten Leben
Es ist interessant festzustellen, dass den meisten Zulauf an Berufungen gerade solche Institute haben, die eine Lebenshaltung bewahrt oder gewählt haben, die äusserst streng und dem Evangelium treu ist, das "sine glossa" gelebt wird. Ich denke an die vielen treuen Gemeinschaften und an die neuen Erfahrungen des geweihten Lebens, die ihr gut kennt; ich denke an die Missionstätigkeit vieler kirchlicher Gruppen und Bewegungen, aus denen nicht wenige Priester- und Ordensberufe hervorgehen; ich denke an die jungen Frauen und Männer, die alles verlassen, um in Klöster und Klausurkonvente einzutreten. Es ist wahr - das können wir mit Freude sagen -, dass der Herr auch heute Arbeiter in seinen Weinberg sendet und sein Volk mit vielen und heiligen Berufungen bereichert. Dafür danken wir ihm, und wir bitten ihn, dass der Begeisterung der anfänglichen Entscheidung - denn viele junge Menschen beschreiten den Weg der dem Evangelium entsprechenden Vollkommenheit und beginnen neue Formen des geweihten Lebens nach einer bewegenden inneren Umkehr-, dass, wie ich sagte, der Begeisterung der anfänglichen Entscheidung das standhafte Bemühen auf einem echten Weg asketischer und geistlicher Vollkommenheit folgt, d.h. ein Weg wahrer Heiligkeit.
Ansprache an Ordensleute in Audienz, 18. Februar 2008



Zum Zeichen werden dem widersprochen wird
Wenn man auf alles verzichtet, um dem Herrn nachzufolgen, wenn man ihm das Liebste gibt, was man hat, und jedes Opfer auf sich nimmt, dann darf es nicht überraschen, wenn man wie der göttliche Meister zum Zeichen wird, " dem widersprochen wird", denn die Art der geweihten Person zu denken und zu leben steht am Ende oft im Gegensatz zur Logik der Welt. In Wirklichkeit ist das ein Grund des Trostes, weil es zeigt, dass ihr Lebensstil zur Kultur der Zeit eine Alternative darstellt und in ihr gewissermassen eine prophetische Funktion ausüben kann. Zu diesem Zweck ist es jedoch notwendig, wachsam zu sein gegenüber jeglichen Einflüssen des Säkularismus, um sich zu verteidigen und so den begonnenen Weg mit Entschlossenheit fortsetzen zu können, indem man ein "liberales Modell" des geweihten Lebens überwindet und ein Leben führt, das ganz auf den Primat der Gottes- und Nächstenliebe ausgerichtet ist.
Schreiben an die Teilnehmer am Generalkapitel der Salesianer Don Boscos, 1. März 2008



Sorge tragen für die Einheit des geistlichen Lebens
Es kann keine leidenschaftliche Mystik geben ohne eine starke Askese, die sie unterstützt; und umgekehrt ist niemand bereit, einen hohen und anspruchsvollen Preis zu zahlen, wenn er keinen anziehenden und unermesslichen Schatz entdeckt hat. In einer Zeit der Zersplitterung und der Schwäche wie der unseren ist es notwendig, die Zerstreuung des Aktivismus zu überwinden und Sorge zu tragen für die Einheit des geistlichen Lebens durch den Erwerb einer tiefen Mystik und einer starken Aszetik. Das nährt den apostolischen Einsatz und ist Gewährleistung pastoraler Wirkkraft.
Schreiben an die Teilnehmer am Generalkapitel der Salesianer Don Boscos, 1. März 2008



Die Schönheit des geweihten Lebens
Man soll diesen jungen Menschen die Schönheit des geweihten Lebens vor Augen halten, die Radikalität der
bildgehorsamen, armen und keuschen Nachfolge Christi, den Primat Gottes und des heiligen Geistes, das brüderliche Leben in Gemeinschaft, die totale Selbsthingabe an die Sendung, die jungen Menschen sind empfänglich für Angebote, die anspruchsvoll und verpflichtend sind, aber sie brauchen Zeugen und Führer, die sie bei der Entdeckung und Annahmen dieses Geschenks begleiten können.
Schreiben an die Teilnehmer am Generalkapitel der Salesianer Don Boscos, 1. März 2008



Der Primat Gottes
Allen [Geweihten] aber ist ein und dasselbe Ziel gemeinsam: Das Zeugnis für den Primat Gottes über alle Dinge und die Verbreitung seines Reiches in jedem Bereich der Gesellschaft.
Regina Caeli, 13. April 2008



Unsere Zeiten sind nicht die Zeiten Gottes
Ich danke euch, liebe Brüder und Schwestern und insbesondere euch, den Personen des geweihten Lebens, für eure Anwesenheit - eine alte und stets neu Anwesenheit, trotz des Rückgangs der Zahlen und der Kräfte. Aber habt Vertrauen: Unsere Zeiten sind nicht die Zeiten Gottes und seiner Vorsehung, es ist notwendig, zu beten und in der persönlichen und gemeinschaftlichen Heiligkeit zu wachsen. Der Herr sorgt für uns. Ich bitte euch, niemals zu glauben, dass ihr dem "Untergang" des Lebens nahe seid: Christus ist der Ewige Morgenglanz, unser Licht.
Ansprache bei Begegnung mit den Personen des geweihten Lebens, 18. Mai 2008



Neue Bewegungen und Gemeinschaften
Die Wahrhaftigkeit der neuen Charismen ist durch ihre Bereitschaft gewährleistet, sich dem Urteil der kirchlichen Autorität zu unterstellen. Zahlreiche kirchliche Bewegungen und neue Gemeinschaften sind bereits vom Heiligen Stuhl anerkannt worden und müssen daher zweifellos als ein Geschenk Gottes für die ganze Kirche betrachtet werden. Andere, die sich noch in der Entstehungsphase befinden, brauchen den Dienst einer noch aufmerksameren und wachsamen Begleitung seitens der Bischöfe der Ortskirchen. Wer zum Dienst der Unterscheidung und Leitung berufen ist, soll nicht den Anspruch erheben, über die Charismen zu herrschen, sondern sich vielmehr vor der Gefahr vorsehen, sie zu ersticken (vgl. 1 Thess 5,19-21), indem er der Versuchung widersteht, das zu vereinheitlichen, was der Heilige Geist vielfältig wollte, um am Aufbau und an der Ausbreitung des einen Leibes Christi mitzuwirken, den derselbe Geist in der Einheit festigt.
Ansprache für das Studienseminar für Bischöfe über die neuen geistlichen Bewegungen, 17. Mai 2008



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Die christlichen Jungfrauen
Der Stand der Jungfrauen stellt eine besondere Ausdrucksform geweihten Lebens dar, die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in der Kirche wiederaufgeblüht ist, (vgl. Apostol. Schreiben Vita Consecrata, 7). Seine Wurzeln sind jedoch sehr alt; sie reichen tief in die Anfänge des evangelischen Lebens zurück, als sich - wie eine unerhörte Neuheit - das Herz einiger Frauen dem Verlangen nach der geweihten Jungfräulichkeit zu öffnen begann: das heisst jenem Verlangen, Gott ihr ganzes Sein zu schenken, was in der Jungfrau von Nazaret und in ihrem "Ja" seine erste aussergewöhnliche Verwirklichung gefunden hatte. Das Denken der Kirchenväter erkennt in Maria das Urbild der christlichen Jungfrauen und hebt die Neuheit des neuen Lebensstandes hervor, in den man durch eine freie Liebesentscheidung eintritt.
Ansprache für die Teilnehmerinnen am Kongress des "Ordo Virginum", 15. Mai 2008



Über den Schein hinausgehen
Ich fordere euch auf, über den Schein hinauszugehen, indem ihr das Geheimnis der zarten Liebe Gottes, die jede in sich trägt, erfasst und euch trotz eurer Verschiedenheit als Schwestern erkennt.
Ansprache für die Teilnehmerinnen am Kongress des "Ordo Virginum", 15. Mai 2008



Die Liebe wird zur Nachfolge
Normalerweise verbleibt die geweihte Jungfrau in ihrem bisherigen Lebensumfeld. Es ist ein Weg, der anscheinend keine spezifischen Merkmale religiösen Lebens, vor allem des Gehorsams, aufweist. Aber für euch wird die Liebe zur Nachfolge: euer Charisma schliesst eine Ganzhingabe an Christus, eine Angleichung an den Bräutigam ein, die implizit die Erfüllung der evangelischen Räte erfordert, um die Treue zu ihm unversehrt zu bewahren (Vgl. Ritus der Jungfrauenweihe, 47).
Ansprache für die Teilnehmerinnen am Kongress des "Ordo Virginum", 15. Mai 2008



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Ein sichtbares Zeichen des künftigen Reiches sein
"Euer Leben sei ein besonders Zeugnis der Liebe und sichtbares Zeichen des künftigen Reiches" (Ritus der Jungfrauenweihe, 30). Achtet darauf, dass eure Person immer die Würde der Braut Christi ausstrahle, die Neuartigkeit des christlichen Daseins und die frohe Erwartung des künftigen Lebens zum Ausdruck bringe. Auf diese Weise könnt ihr mit eurer ehrenhaften Lebensweise Sterne sein, die Orientierung geben für den Lauf der Welt. Die Entscheidung zum jungfräulichen Leben ist nämlich ein Hinweis auf die Vergänglichkeit der irdischen Wirklichkeit und die Vorwegnahme der künftigen Güter.
Ansprache für die Teilnehmerinnen am Kongress des "Ordo Virginum", 15. Mai 2008



Pilgerinnen auf dem Weg zum Reich
Seid Zeugen der wachsamen und tätigen Erwartung, der Freude, des Friedens, der dem eigen ist, der sich der Liebe Gottes hingibt. Seid in der Welt präsent und dennoch Pilgerinnen auf dem Weg zum Reich. Die geweihte Jungfrau identifiziert sich nämlich mit jener Braut, die gemeinsam mit dem Geist den Herrn ruft: "Der Geist und die Braut sagen: Komm!"
Ansprache für die Teilnehmerinnen am Kongress des "Ordo Virginum", 15. Mai 2008



Ein konsequentes Zeugnis von Christus geben
Ihr, liebe Ordensleute, die Ihr durch eure Berufung ein ausgeprägtes missionarisches Merkmal besitzt, bringt allen, vor allem den Fernen, die Verkündigung des Evangeliums, durch ein konsequentes Zeugnis von Christus und eine radikale Evangeliumsnachfolge.
Botschaft zum Weltmissionssonntag am 26. Oktober 2008, Botschaft datiert 11. Mai 2008



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Der einzige Reichtum
Die Ordensmänner und -frauen und alle Gottgeweihten leben in besonderer Weise aus der Weisheit Gottes, die in seinem Wort ausgedrückt ist. Das Gelübde der Evangelischen Räte hat euch, liebe Gottgeweihte, Ihm ähnlich gemacht, der für uns arm, gehorsam und keusch geworden ist. Euer einziger Reichtum – der einzige, der in Wahrheit die Jahrhunderte und die Schwelle des Todes überdauern wird – ist das Wort Gottes. Er ist es, der gesagt hat: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“ (Nt 24,35).
Vesper in der Kathedrale Notre-Dame in Paris, 12. September 2008



Christus suchen und seiner Liebe nichts vorziehen
Kraft des absoluten Primats Christi sind die Klöster berufen, Orte zu sein, wo der Feier der Herrlichkeit Gottes Raum gegeben wird, wo die geheimnisvolle, aber reale Gegenwart Gottes in der Welt angebetet und besungen wird. Wo man versucht, das neue Gebot der Liebe und des Dienstes am Nächsten zu leben und so die endgültige „Offenbarung der Kinder Gottes“ (Röm 8,19) vorzubereiten. Wenn die Mönche das Evangelium in radikaler Weise leben, wenn diejenigen, die sich ganz dem kontemplativen Leben weihen, im Innern die bräutliche Vereinigung mit Christus pflegen, von der die Instruktion dieser Kongregation, Verbi sponsa (13. Mai 1999), eingehend gesprochen hat, kann das Mönchtum für alle Formen des Ordens- und des geweihten Lebens ein Gedächtnis dessen sein, was wesentlich ist und was den Vorrang in jedem getauften Leben hat: Christus suchen und seiner Liebe nichts vorziehen.
Ansprache an die Teilnehmer an der Vollversammlung der Kongregation für die Institute geweihten Lebens, 20. November 2008



Sehnsucht nach Gott
Der Weg, auf den Gott für diese Suche und diese Liebe hinweist, ist sein Wort, das in den Büchern der Heiligen Schrift die Menschen in Fülle zum Nachdenken anregt. Sehnsucht nach Gott und Liebe zu seinem Wort nähren sich gegenseitig und wecken im monastischen Leben die nicht zu unterdrückende Erfordernis des „opus Dei“, des „studium orationis“ und der „lectio divina“, was Hören des Wortes Gottes ist, begleitet von den bedeutenden Stimmen der Tradition der Väter und der Heiligen, sowie Gebet, das an diesem Wort ausgerichtet und von ihm gestützt wird.
Ansprache an die Teilnehmer an der Vollversammlung der Kongregation für die Institute geweihten Lebens, 20. November 2008

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