Andere Religionen




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Die Wirklichkeit Gottes
Die Lehren der Religionsgemeinschaften behandeln letztlich die Wirklichkeit Gottes, den Sinn des Lebens und das gemeinsame Ziel der Menschheit, also all das, was uns am heiligsten und am kostbarsten ist. Daher kann die Versuchung aufkommen, in einen solchen Dialog mit Widerwillen und mit Unsicherheit über seine Erfolgsaussichten einzutreten. Wir können jedoch zum Ausgangspunkt den Glauben nehmen, dass der eine Gott die unendliche Quelle der Gerechtigkeit und des Erbarmens ist, da in ihm diese beiden in vollkommener Einheit existieren. Die seinen Namen bekennen, haben den Auftrag, unermüdlich nach Rechtschaffenheit zu streben und zugleich seine Vergebungsbereitschaft nachzuahmen, denn beides ist wesentlich auf das friedliche und harmonische Zusammenleben der Menschheitsfamilie ausgerichtet.
Ansprache beim Grossmufti - Esplanade der Moscheen in Jerusalem, 12. Mai 2009



Prophetische Kraft
Eine religiöse Anschauung und Vorstellung schränkt die politische und ethische Debatte nicht ein, sondern bereichert sie. Gerade weil die Religionen mit der letzten Bestimmung aller Frauen und Männer befasst sind, sind sie gerufen, prophetische Kraft für die Befreiung und Entwicklung der Menschen auf dieser Welt zu sein. Das gilt ganz besonders in Gebieten, die von Feindseligkeiten und Konflikten in Mitleidenschaft gezogen sind.
Ansprache an den neuen Botschafter der Vereinigten Staate von Amerika, 2. Oktober 2009



Atheisten gehen uns als Gläubige an
Mir ist wichtig, dass auch die Menschen, die sich als Agnostiker oder als Atheisten ansehen, uns als Gläubige angehen. Wenn wir von neuer Evangelisierung sprechen, erschrecken diese Menschen vielleicht, sie wollen sich nicht als Objekt von Mission sehen und ihre Freiheit des Denkens und des Wollens nicht preisgeben. Aber die Frage nach Gott bleibt doch auch für sie gegenwärtig, auch wenn sie an die konkrete Weise seiner Zuwendung zu uns nicht glauben können.
Ansprache beim Weihnachtsempfang für die Kardinäle und die Mitglieder der römischen Kurie, 21. Dezember 2009



Gespräch mit den Ungläubigen
Zum Dialog der Religionen muss heute vor allem auch das Gespräch mit denen hinzutreten, denen die Religionen fremd sind, denen Gott unbekannt ist und die doch nicht einfach ohne Gott bleiben, ihn wenigstens als Unbekannten dennoch anrühren möchten.
Ansprache beim Weihnachtsempfang für die Kardinäle und die Mitglieder der römischen Kurie, 21. Dezember 2009



Licht Christi
Die Kirche von heute muss in sich das Bewusstsein ihrer Aufgabe schärfen, der Welt die Stimme dessen anzubieten, der gesagt hat: »Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben« (Joh 8,12). Bei seiner Amtsübernahme weiss der neue Papst, dass es seine Aufgabe ist, vor den Männern und Frauen von heute das Licht Christi leuchten zu lassen: nicht das eigene Licht, sondern das Licht Christi.
In diesem Bewusstsein wende ich mich an alle, auch an diejenigen, die anderen Religionen angehören oder die einfach eine Antwort auf die Grundfragen des Daseins suchen und sie noch nicht gefunden haben. An alle wende ich mich in Einfachheit und Liebe, um sie dessen zu vergewissern, dass die Kirche mit ihnen weiterhin einen offenen und aufrichtigen Dialog pflegen will in der Suche nach dem wahren Guten des Menschen und der Gesellschaft.
Botschaft an die wahlberechtigten Kardinäle, Sixtinische Kapelle, 20. April 2005



Frieden
Die Welt, in der wir leben, ist oft von Konflikten, Gewalt und Krieg geprägt, aber sie sehnt sich ernsthaft nach Frieden, einem Frieden, der vor allem ein Geschenk Gottes ist, einem Frieden, für den wir unablässig beten müssen. Der Friede ist jedoch auch eine Aufgabe, zu der sich die Völker verpflichten müssen, vor allem diejenigen, die ihre Zugehörigkeit zu religiösen Traditionen bekennen. Unsere Bemühungen, zueinander zu finden und den Dialog zu fördern, stellen einen wertvollen Beitrag zum Aufbau des Friedens auf einer soliden Grundlage dar.
Audienz für eine Delegation von Vertretern verschiedener Kirchen und kirchlicher Gemeinschaften sowie anderer religiöser Traditionen, 25. April 2005



Nostra aetate
Auch die Erklärung "Nostra aetate" ist von höchster Aktualität, denn sie betrifft die Haltung der kirchlichen Gemeinschaft gegenüber den nichtchristlichen Religionen. Von den Grundsätzen ausgehend, dass "alle Völker eine einzige Gemeinschaft sind", und dass die Kirche die Aufgabe hat, "Einheit und Liebe unter den Menschen zu fördern" (Nr.1), "lehnt [das Konzil] nichts von alledem ab, was in [den anderen Religionen] wahr und heilig ist", und verkündet allen Menschen Christus als "den Weg, die Wahrheit und das Leben, in dem die Menschen die Fülle des religiösen Lebens finden"(Nr. 2).
Angelus, 30. Oktober 2005



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Kein Grund zur Ausgrenzung
Die Begegnung der Gläubigen unterschiedlicher Religionen in der Wahrheit ist eine grosse Herausforderung für die Zukunft des Friedens in der Welt, und sie erfordert viel Beharrlichkeit. Zur überwindung von Unwissenheit und gegenseitigen Vorurteilen ist es wichtig, vertrauensvolle zwischenmenschliche Beziehungen zu schaffen. Vor allem durch das Miteinander im Alltag und die gemeinsam ausgeführte Arbeit, damit der freie Ausdruck der konfessionellen Unterschiede kein Grund sei, einander gegenseitig auszugrenzen, sondern eher eine Gelegenheit, ein Leben in gegenseitiger Achtung der Identität des anderen zu erlernen.
Ansprache an den Botschafter von Algerien, 1. Dezember 2005



Die anderen Menschen als Brüder betrachten
Die Erkenntnis der Existenz Gottes, zu der die Menschen auch dann gelangen können, wenn sie von der Erfahrung der Schöpfung ausgehen (vgl. Röm 1,20), muss die Gläubigen veranlassen, die anderen Menschen als Brüder zu betrachten. Niemand darf also religiöse Unterschiede als Voraussetzung oder Vorwand für eine feindselige Haltung anderen Menschen gegenüber nehmen. Dem könnte man entgegenhalten, dass die Geschichte das traurige Phänomen der Religionskriege kennt. Wir wissen jedoch, dass derartige Gewaltakte nicht der Religion als solcher zuzuschreiben sind, vielmehr der kulturellen Begrenzung, mit der sie gelebt wird und sich im Laufe der Zeit entwickelt. Wenn jedoch der religiöse Sinn zur Reife gelangt ist, weckt er im Gläubigen das Bewusstsein, dass der Glaube an Gott, den Schöpfer des Universums und Vater aller, Beziehungen universaler Brüderlichkeit unter den Menschen unbedingt fördern muss.
Botschaft zum 20. Jahrestages des interreligiösen Treffens in Assisi, 2. September 2006



Nicht dem Relativismus Raum geben
Gerne nehme ich die Gelegenheit wahr, um die Vertreter der anderen Religionen zu grüssen, die an der einen oder der anderen Gedenkfeier in Assisi teilnehmen. So wie wir Christen wissen auch sie, dass man im Gebet Gott auf ganz besondere Weise erfahren und aus dem Gebet wirkungsvolle Anregungen schöpfen kann, um sich der Sache des Friedens zu widmen. Dennoch müssen auch hier unangebrachte Verwechslungen vermieden werden. Daher muss, auch wenn man zusammenkommt, um für den Frieden zu beten, das Gebet in unterschiedlichen, den verschiedenen Religionen eigenen Weisen stattfinden. Dies ist die Entscheidung, die 1986 getroffen wurde, und diese Entscheidung ist auch heut noch gültig. Übereinstimmung unter Verschiedenartigem darf nicht den Eindruck erwecken, dass man jenem Relativismus Raum gibt, der den Sinn der Wahrheit und die Möglichkeit, zu ihr zu gelangen, leugnet.
Botschaft zum 20. Jahrestages des interreligiösen Treffens in Assisi, 2. September 2006



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Die Identität unseres Glaubens bewahren
Inmitten aller Versuchungen, die es gibt, und inmitten aller Strömungen des modernen Lebens müssen wir die Identität unseres Glaubens bewahren. Gewiss muss der Weg der Nachsicht und des Dialogs, den das Zweite Vatikanische Konzil glücklicherweise eingeschlagen hat, mit fester Beständigkeit fortgesetzt werden. Aber dieser so notwendige Weg des Dialogs darf nicht die Pflicht vergessen lassen, die unverzichtbaren Grundzüge unserer christlichen Identität immer wieder zu bedenken und mit ebensoviel Kraft herauszustellen. Andererseits ist es notwendig, sich klarzumachen, dass diese unsere Identität angesichts der Widersprüchlichkeiten der Welt, in der wir leben, Kraft, Klarheit und Mut erfordert.
Generalaudienz, 11. Oktober 2006



Anerkennung des natürlichen Rechtes
Die Anerkennung und die Achtung des natürlichen Rechtes bilden daher auch heute die grosse Basis für den Dialog zwischen den Gläubigen der verschiedenen Religionen und zwischen Gläubigen und Glaubenslosen. Das ist ein grosser Konvergenzpunkt und somit eine fundamentale Voraussetzung für einen authentischen Frieden.
Botschaft zum Weltfriedenstag, 1. Januar 2007



Absage an die Gewalt
In der heutigen Welt, in der sich die Spannungen zu verschärfen scheinen, ist der Heilige Stuhl der Überzeugung [...], dass sich die Gläubigen der verschiedenen Religionen bemühen sollten, zusammen für den Frieden zu arbeiten, indem sie mit der Absage an die Gewalt beginnen, die in der Vergangenheit allzu oft unter dem Vorwand religiöser Motivationen angewandt wurde, und sich gegenseitig besser kennen- und respektieren lernen, um eine immer brüderlichere Gesellschaft aufzubauen.
Ansprache an den Botschafter der Türkei, 19. Januar 2007



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Im Alltagsleben
Die Religionen können ihre Anstrengungen auch vereinen, um sich für die Achtung des als Ebenbild des Allmächtigen geschaffenen Menschen einzusetzen und die grundlegenden Werte, die das Leben der Menschen und der Gesellschaften leiten, erkennbar zu machen. Der notwendige Dialog zwischen den religiösen Autoritäten auf allen Ebenen beginnt im Alltagsleben mit der gegenseitige Wertschätzung und dem Respekt, die die Gläubigen jeder Religion dadurch einander entgegenbringen, dass sie dasselbe Leben teilen und zusammen für das Gemeinwohl arbeiten.
Ansprache an den Botschafter der Türkei, 19. Januar 2007



Der Hass muss der Liebe, die Schmähung der Vergebung und die Zwietracht der Einheit weichen
Aus dieser Stadt des Friedens [Assisi] möchte ich den Vertretern der anderen christlichen Konfessionen und der anderen Religionen einen Gruss übersenden, die im Jahr 1986 der Einladung meines verehrten Vorgängers gefolgt sind, um hier in der Vaterstadt des Franziskus einen Weltgebetstag für den Frieden zu erleben. Ich halte es für meine Pflicht, von hier aus einen dringlichen und flehentlichen Appell zu richten, damit allen bewaffneten Konflikten ein Ende gesetzt werde, die die Erde mit Blut tränken, damit die Waffen schweigen und allerorts der Hass der Liebe, die Schmähung der Vergebung und die Zwietracht der Einheit weichen! Im Geiste fühlen wir hier all jene anwesend, die in jedem Teil der Welt aufgrund des Krieges und seiner tragischen Folgen weinen, leiden und sterben. Unser Gedanke richtet sich insbesondere auf das Heilige Land, das der Hl. Franziskus so sehr liebte, auf den Irak, auf den Libanon, auf den gesamten Nahen Osten. Die Völker jener Länder kennen seit nunmehr zu langer Zeit die Schrecken der Kämpfe, des Terrorismus, der blinden Gewalt, die Illusion, dass die Gewalt die Konflikte lösen könne, die Weigerung, die Gründe das anderen anzuhören und ihm Gerechtigkeit zuteil werden zu lassen . Nur ein verantwortlicher und aufrichtiger Dialog, der von der grossherzigen Hilfe der internationalen Gemeinschaft unterstützt wird, wird solchem Schmerz ein Ende setzen sowie den Menschen, Institutionen und Völkern Leben und Würde zurückerstatten können.
Angelus in Assisi, 17. Juni 2007



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Dialog zwischen den Religionen
Es ist absolut notwendig, einen Dialog zu führen [zwischen den verschiedenen Religionen], einander kennenzulernen, zu achten und zu versuchen, auf jede nur mögliche Weise an den grossen Zielen der Menschheit mitzuarbeiten, sich für die Linderung ihrer grossen Nöte einzusetzen, um Fanatismen zu überwinden und einen Geist des Friedens und der Liebe herbeizuführen. Und das entspricht auch dem Geist des Evangeliums, dessen Sinn es ist, dass der Geist der Liebe, den Jesus uns vermittelt hat, der Frieden Jesu, den er uns durch das Kreuz geschenkt hat, überall auf der Welt gegenwärtig wird. In diesem Sinne muss der Dialog ein wahrer Dialog sein, unter Achtung des anderen und in der Annahme seines Andersseins. Er muss aber auch dem Evangelium entsprechen: Sein grundlegendes Ziel muss es sein, den Menschen zu helfen, in der Liebe zu leben und dafür zu sorgen, dass diese Liebe in allen Teilen der Welt Verbreitung finden kann.
Audienz für die Pfarrer und den Klerus der Diözese Rom, 7. Februar 2008



Ein grosses Geschenk
Das Evangelium ist ein grosses Geschenk , das Geschenk der grossen Liebe, der grossen Wahrheit, das wir nicht nur für uns selbst behalten können, sondern das wir den anderen anbieten müssen, im Bewusstsein, dass Gott ihnen die Freiheit und das notwendige Licht schenkt, um die Wahrheit zu finden. Das ist die Wahrheit. Und das ist daher auch mein Weg. Die Mission ist kein Zwang, sondern ein von Gott geschenktes Angebot. Dabei ist es seiner Güte überlassen, die Menschen zu erleuchten, damit sich das Geschenk der konkreten Freundschaft mit dem Gott, der ein menschliches Angesicht hat, überall verbreitet. Daher wollen und müssen wir stets diesen Glauben und die Liebe, die in unserem Glauben lebt, bezeugen. Wir würden eine wahre menschliche und göttliche Pflicht vernachlässigen, wenn wir die anderen allein liessen und den Glauben, den wir haben, nur uns selbst vor behielten. Wir wären auch uns selbst gegenüber untreu, wenn wir diesen Glauben nicht der Welt anbieten würden, wenn auch immer in der Achtung der Freiheit der anderen. Die Gegenwart des Glaubens in der Welt ist ein positives Element, auch wenn niemand sich bekehrt; sie ist ein Bezugspunkt.
Audienz für die Pfarrer und den Klerus der Diözese Rom, 7. Februar 2008



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Aufmerksam auf die Stimme der Wahrheit hören
Liebe Freunde, bei unserem Versuch, Gemeinsamkeiten zu entdecken, sind wir vielleicht vor der Verantwortung zurückgeschreckt, mit Deutlichkeit und Ruhe über unsere Unterschiede zu sprechen. Dem Ruf nach Frieden entsprechend vereinen wir stetes unsere Herzen und unseren Verstand, aber wir müssen auch aufmerksam auf die Stimme der Wahrheit hören. So wird unser Dialog nicht beim auffinden gemeinsamer Werte haltmachen, sondern er wird fortgesetzt werden, um ihren letzten Grund zu erforschen. Wir haben keinen Grund zur Furcht, denn die Wahrheit enthüllt für uns die wesentlichen Beziehung zwischen der Welt und Gott. Wir sind in der Lage zu verspüren, dass der Friede eine "himmlische Gabe" ist, durch die wir aufgerufen sind, die menschliche Geschichte nach der göttlichen Ordnung auszurichten. Darin liegt die "Wahrheit des Friedens" (vgl. Botschaft zur Feier der Weltfriedenstages 2006).
Ansprache bei Begegnung mit Vertretern anderer Religionen in Washington D.C., 17. April 2008



Interreligiöse Zusammenarbeit
Interreligiöse Zusammenarbeit schafft Möglichkeiten, die höchsten Ideale jeder religiösen Tradition zum Ausdruck zu bringen. Hilfe für die Kranken, Beistand für die Opfer von Naturkatastrophen oder Gewalt, Sorge für die alten und armen Menschen: dies sind einige der Bereiche, in denen Menschen verschiedener Religionen zusammenarbeiten. Ich ermutige alle, die von der Lehre ihrer Religion dazu bewegt werden, den leidenden Mitgliedern der Gesellschaft zu helfen.
Ansprache an den Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog, 7. Juni 2008

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