Armut




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Tsunami
Ebenso wie zahllose andere Menschen auf der ganzen Welt war auch ich zutiefst betroffen, als ich die verheerenden Auswirkungen des Tsunami im vergangenen Dezember sah, der allein in Sri Lanka eine so hohe Zahl von Menschenleben gefordert hat und durch den hunderttausende Menschen obdachlos geworden sind. Bitte nehmt meine tiefe Anteilnahme - und die von Katholiken aus aller Welt - entgegen für alle, die so schreckliche Verluste erleiden mussten. Wir kommen nicht umhin, in den Gesichtern derer, die ihre Familienangehörigen und ihr Hab und Gut verloren haben, das leidende Antlitz Christi zu erkennen, und tatsächlich ist er es, dem wir dienen, wenn wir den Notleidenden unsere Liebe und unser Mitleid zeigen.
An die Bischöfe aus Sri Lanka, 7. Mai 2005



Kashmir
Appell an die internationale Gemeinschaft für Unterstützung der Leidgeprüften Völker Wie wir alle wissen, wurde am vergangenen 8. Oktober die Region Kashmir, vor allem auf der pakistanischen Seite, von einem schweren Erdbeben getroffen, bei dem über fünfzigtausend Menschen zu Tode kamen und beträchtlicher Schaden angerichtet wurde. Auch in diesem Fall hat die Solidarität vielfältige Formen angenommen, aber die Nöte und Bedürfnisse erscheinen grösser als die bisher geleistete Hilft. Daher richte ich erneut meinen Appell an die internationale Gemeinschaft, sie möge ihre Bemühungen zur Unterstützung dieser leidgeprüften Völker intensivieren.
Angelus, 30. Oktober 2005



Auch Schuld des Menschen
Die Millionen von Menschen, die in ihrer Existenz bedroht sind, da ihnen das zum Leben notwendige Minimum an Nahrungsmitteln fehlt, erfordern Beachtung von seiten der internationalen Gemeinschaft, denn wir alle haben die Pflicht, für unsere Brüder und Schwestern Sorge zu tragen. Hungersnöte hängen nämlich nicht nur von geographischen oder klimatischen Gegebenheiten oder von schlechten Ernten ab. Sie werden ebenso vom Menschen selbst und von seinem Egoismus hervorgerufen, der zum Ausdruck kommt in Mängeln im gesellschaftlichen Gefüge und im starren Wirtschaftsstrukturen, die allzuoft nur auf Profit ausgerichtet sind, wie auch in Praktiken, die sich gegen das menschliche Leben richten, und in ideologischen Systemen, die den Menschen seiner Würde berauben und ihn instrumentalisieren.
Botschaft an Jacques Diouf, Generaldirektor der FAO, anlässlich des Welternährungstages 2005



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Armut ist eine Geissel, gegen die gekämpft werden muss
Morgen wird der Welttag zur Überwindung der Armut begangen. Die Armut ist eine Geissel, gegen die die Menschheit fortwährend kämpfen muss. Wir sind zu einer immer grösseren Solidarität aufgerufen, damit niemand aus der Gesellschaft ausgegrenzt wird. Mein Gebet gilt den Armen, die mutig kämpfen, um ein würdiges Leben zu führen, die sich um ihre Familien und um das Elend ihrer Brüder und Schwestern kümmern. Ich grüsse all jene, die sich in den Dienst der Bedürftigen stellen, und ich lade die zivilen Autoritäten und alle Verantwortlichen ein, den Ruf der Armen zu hören und ihre Aktivitäten zur Beseitigung der Armut zu intensivieren
Angelus, 16. Oktober 2005



Appell anlässlich des Welt-Aids-Tages
Morgen, am 1. Dezember, wird der Welt-Aids-Tag begangen. Diese Initiative der Vereinten Nationen will die Aufmerksamkeit wieder auf die Geissel Aids lenken und die internationale Gemeinschaft zu einem erneuerten Einsatz bei der Prävention und der solidarischen Hilfe gegenüber den Betroffenen auffordern. Die in diesem Zusammenhang verbreiteten Zahlen sind alarmierend! Die Kirche, die dem Beispiel Christi aus nächster Nähe folgt, hat immer die Sorge für die Kranken als wesentlichen Bestandteil ihrer Sendung angesehen. Ich ermutige daher die vielen Initiativen, die, besonders von den kirchlichen Gemeinschaften, unternommen werden, um diese Krankheit zu bekämpfen, und fühle mich den Aidskranken und Ihren Familien nahe und erbitte für sie die Hilfe und den Trost des Herrn.
Generalaudienz, 30. November 2005



Umfassende Visionen sind für die internationale Gemeinschaft nötig
Ich schätze Ihren freundlichen Hinweis auf die Anstrengungen des Heiligen Stuhls, dazu beizutragen, wirksame Lösungen für einige der wichtigsten Probleme zu finden, mit denen sich die internationale Gemeinschaft in den letzten Jahren konfrontiert sah, wie dem Skandal des anhaltenden weitverbreiteten Hungers, schwerer Krankheiten und Armut in grossen Teilen unserer Welt. Eine entsprechende Auseinandersetzung mit diesen Problemen kann nicht auf rein wirtschaftliche oder technische Überlegungen beschränkt bleiben, sondern erfordert eine umfassende Vision, praktische Solidarität und mutige Langzeitentscheidungen, die komplexe ethische Fragen betreffen; bei letzteren denke ich besonders an die Auswirkungen der erdrückenden Schulden, die in vielen weniger entwickelten Nationen die Armutsspirale hochtreiben.
Audienz für den neuen Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika, 12. November 2005



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Aufmerksamkeit für die Schutzlosesten und Armen
Die Hirten der Kirche in Mexiko müssen, so wie in den ersten christlichen Gemeinden, den Schutzlosesten und den Armen ganz besondere Aufmerksamkeit schenken. Immer noch bilden sie einen grossen Teil der nationalen Bevölkerung und sind mitunter Opfer unzulänglicher und unannehmbarer Strukturen. Vom Evangelium ausgehend, besteht die angemessene Antwort in der Förderung von Solidarität und Frieden, damit Gerechtigkeit wirklich möglich wird. Daher bemüht sich die Kirche, wirksam zur Ausrottung jeder Form von Ausgrenzung beizutragen, indem sie die Christen auffordert, Gerechtigkeit und Nächstenliebe zu üben. In dieser Hinsicht solltet ihr jene, die über grössere Mittel verfügen, ermutigen, diese zu teilen, so wie Christus selbst uns auffordert, das für die Ärmsten unserer Brüder zu tun (vgl. Mt 25,35-40). Notwendig ist nicht nur, den dringendsten Bedürfnissen abzuhelfen, sondern auch das Problem an der Wurzel anzugehen und Massnahmen vorzuschlagen, die den sozialen, politischen und wirtschaftlichen Strukturen eine gerechtere und solidarischere Gestalt geben. Die Liebe wird so zum Dienst an der Kultur, der Politik, der Wirtschaft und der Familie und zum Fundament wahrer menschlicher und gemeinschaftlicher Entwicklung (vgl. Novo millennio ineunte, 51).
"Ad-limina"-Besuch der Bischöfe Mexikos, 29. September 2005



Ihre Leiden zu unsren Leiden machen
Während wir an die zahlreichen Ereignisse denken, die den Lauf der Monate in diesem Jahr, das sich seinem Ende zuneigt, geprägt haben, möchte ich besonders die Menschen in Erinnerung rufen, die sich in schwieriger Lebenslagen befinden: die Ärmsten und Verlassensten, diejenigen, die die Hoffnung verloren haben, einen Sinn in ihrem Leben zu finden oder die unfreiwillige Opfer eigennütziger Interessen sind, ohne dass nach ihrer Zustimmung oder Meinung gefragt wird. Indem wir ihr Leiden zu unserem Leiden machen, vertrauen wir sie alle Gott an, der alle Dinge zum Guten wenden kann; Ihm vertrauen wir unseren Wunsch an, dass jedem Menschen seine Würde als Kind Gottes zuerkannt werde. Den Herrn des Lebens bitten wir, durch seine Gnade die vom Bösen verursachten Schmerze zu lindern und unserem irdischen Leben auch weiterhin Kraft zu geben und uns das Brot und den Wein des Heils zu schenken, als Nahrung auf unserem Weg zum Himmlischen Vaterland.
Predigt bei Vesper und "Te Deum" zum Jahresabschluss 31. Dezember 2005



Habgier
Man kann zwar in materieller Hinsicht arm sein, aber ein Herz haben, das von dem begehrlichen Verlangen nach materiellem Reichtum erfüllt ist und nach Macht, die auf dem Reichtum beruht. Gerade die Tatsache, dass ein solcher Mensch in Neid und Habgier lebt, zeigt, dass er in seinem Herzen zu den Reichen gehört. Er wünscht sich, die Verteilung der Güter umzustürzen, aber nur um selbst in die Stellung der ehemaligen Reichen zu gelangen. Die Armut im Sinne Jesu - und im Sinne der Propheten - setzt vor allem die innere Freiheit von der Gier nach Besitz und Macht voraus.
Predigt am Palmsonntag, 9. April 2006



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Armut muss an das Gewissen appellieren
In der Tat muss die Armut, in der so viele Männer und Frauen leben, an das menschliche Gewissen appellieren. Sie stellt alle vor das dramatischen Problem der Gerechtigkeit. Unterentwicklung ist keine Fügung des Schicksals. Man muss ihr entschlossen und beharrlich entgegentreten, denn die Entwicklung ist, wie das Lehramt der Kirche oft in Erinnerung gerufen hat, nicht nur ein dringender Wunsch, sondern ein Recht: "Die Zusammenarbeit für die Entwicklung des ganzen Menschen und jedes Menschen ist ja eine Pflicht aller gegenüber allen" (Enzyklika Sollicitudo rei socialis, 32).
Ansprache an den Botschafter von Kap Verde, 18. Mai 2006



Skandal des Hungers
Der Skandal der Hungers, der sich weiter verschlimmert, ist inakzeptabel in einer Welt, die über Güter, Wissen und Mittel verfügt, um dem ein Ende zu setzen. Er treibt uns, unsere Lebensweisen zu ändern; er weist uns auf die Dringlichkeit hin, die strukturellen Ursachen der Fehlfunktionen der Weltwirtschaft zu beseitigen und die Wachstumsmodelle zu korrigieren, die allem Anschein nach ungeeignet dafür sind, den Respekt vor der Umwelt und eine ganzheitliche menschliche Entwicklung für heute und vor allem für die Zukunft zu garantieren.
Ansprache beim Neujahrsempfang für das Diplomatische Korps, 8. Januar 2007



Ein Recht auf Leben
Jeder Mensch hat ein Recht auf Leben; es ist deshalb notwendig, die effektive Umsetzung dieses Rechts zu fördern und man muss den Bevölkerungsgruppen, die an Nahrungsmangel leiden, dabei helfen, schrittweise in der Lage zu sein, die eigenen Bedürfnisse einer ausreichenden und gesunden Ernährung zu erfüllen.
Botschaft zum Gipfeltreffen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), 2. Juni 2008



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Das Recht auf Nahrung
Wie könnte man gleichgültig bleiben gegenüber den Appellen derer, die auf den verschiedenen Kontinenten nicht über die lebensnotwendige Nahrung verfügen? Armut und Unterernährung sind nicht reines Schicksal, das von ungünstigen Umweltbedingungen oder verheerenden Naturkatastrophen verursacht wird. Andererseits dürfen die Überlegungen rein technischer oder ökonomischer Art nicht vorherrschen im Hinblick auf die Pflichten der Gerechtigkeit gegenüber denen, die Hunger leiden. Das recht auf Nahrung "entspricht vor allem einer ethischen Begründung: "dem Hungrigen zu essen geben" (gvl. Mt 25,35), die dazu antreibt, die materiellen Güter zu teilen als Zeichen der Liebe, derer wir alle bedürfen [...]. dieses Grundrecht auf Nahrung ist eng gebunden an den Schutz des menschlichen Lebens, der feste und unverletzliche Felsen, auf den der gesamte Bau der Menschenrechte gegründet ist" (Ansprache an den neuen Botschafter Guatemalas beim Heiligen Stuhl. 31. Mai 2008)
Botschaft zum Gipfeltreffen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), 2. Juni 2008



Der Schutz der Person
Nur der Schutz der Person ermöglicht es, die Hauptursache des Hungers zu bekämpfen, nämlich jenes sich Verschliessen des Menschen gegenüber seinem Mitmenschen, das die Solidarität auflöst, konsumistische Lebensmodelle rechtfertigt, das Sozialgefüge zerfallen lässt und dabei den Graben ungerechter Verhältnisse aufrechterhält, wenn nicht sogar vertieft, und die tiefsten Erfordernisse des Guten vernachlässigt ( vgl. Enzyklika Deus caritas est, 28).
Botschaft zum Gipfeltreffen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), 2. Juni 2008



Förderung der ländlichen Entwicklung
In diesem besonderen Augenblick, in dem die Ernährungssicherheit von einer Verteuerung der Agrarprodukte bedroht wird, müssen zudem neue Strategien für den Kampf gegen die Armut und für die Förderung der ländlichen Entwicklung ausgearbeitet werden. Diese muss auch durch Strukturreformen geschehen, die es ermöglichen, die Herausforderungen der Sicherheit und der klimatischen Veränderungen anzugehen, zudem muss die verfügbare Nahrungsmenge vergrössert werden, indem der Arbeitseifer der Kleinbauern gefördert und ihnen der Zugang zum Markt garantiert wird.
Botschaft zum Gipfeltreffen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), 2. Juni 2008



Die Früchte der Schöpfung gerecht verwalten
Die Verteidigung der Menschenwürde im Rahmen des Handels auf internationaler Ebene, auch bei Eingriffen in Notfällen, würde ausserdem dazu beitragen, den Überfluss zu ermessen in bezug auf die Bedürftigkeit anderer und die Früchte der Schöpfung gerecht zu verwalten, indem sie allen Generationen zur Verfügung gestellt werden.
Botschaft zum Gipfeltreffen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), 2. Juni 2008



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Freude an einem bescheidenen Leben
Den gläubigen Menschen kommt es zu, aufzuzeigen, dass es möglich ist, in einem einfachen und bescheidenen Leben Freude zu finden und dabei den eignen Überfluss mit jenen zu teilen, die Mangel leiden.
Ansprache bei Interreligiöser Begegnung in Sydney, 18. Juli 2008



Warum hungern Menschen wenn es genug gibt?
Die Mittel und Ressourcen, über die die Welt heute verfügt, würden ausreichen, um den steigenden Nahrungsbedarf aller zu decken. Das zeigen die ersten Resultate der Bemühungen um eine Anhebung des globalen Produktionsniveaus angesichts der Missernten in den letzten Jahren. Warum lässt es sich daher nicht verhindern, dass so viele Menschen bis zu den äussersten Konsequenzen Hunger leiden müssen?
Botschaft an den Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, anlässlich des Welternährungstages 2008, 13. Oktober 2008



Konsumstreben – Mangel an festem Willen – Egoismus – Korruption
Es gibt zahlreiche Gründe für diese Situation, in der Überfluss und Mangel oft Seite an Seite existieren. Das Konsumstreben, das trotz der geringeren Menge der zur Verfügung stehenden Nahrungsmittel nicht nachlässt und das zu einer Reduzierung des Nahrungsvolumens der ärmeren Teile der Welt zwingt. Kann in diesem Zusammenhang ebenso erwähnt werden wie der Mangel an festem Willen, Verhandlungen zum Abschluss zu bringen und dem Egoismus von Staaten und Ländergruppen Einhalt zu gebieten und auch jener „hemmungslosen Spekulation“ ein Ende zu setzen, die die Preise- und Konsummechanismen beeinflusst. Die schlechte Verwaltung von Nahrungsressourcen aufgrund von Korruption im öffentlichen Leben sowie immer grössere Investitionen in Waffen und hochentwickelte militärische Technologien und auf kosten der Grundbedürfnisse der Menschen spielen ebenso eine grosse Rolle.
Botschaft an den Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, anlässlich des Welternährungstages 2008, 13. Oktober 2008



Sinn für Solidarität und Teilen
Eine wirksame Kampagne gegen den Hunger erfordert daher viel mehr als nur eine wissenschaftliche Forschung, die darauf ausgerichtet ist, dem Klimawandel entgegenzutreten oder die landwirtschaftliche Produktion in erster Linie der Ernähung zuzuführen. Vor allem muss man die Bedeutung der menschlichen Person in ihrer individuellen und gemeinschaftlichen Dimension wiederentdecken, ausgehend von der Grundlage des Familienlebens, Quelle der Liebe und der Zuneigung, die den Sinn für die Solidarität und das Teilen hervorbringt. Unter dieser Rahmenbedingung können Beziehungen zwischen den Völkern hergestellt werden, die auf konstanter und wahrer Hilfsbereitschaft gründen. So kann jedes Land in die Lage versetzt werden, die Bedürfnisse der Notleidenden zu stillen. So lässt sich auch die Idee von Beziehungen vermitteln, die auf gegenseitigem Kennenlernen und Werteaustausch basieren, auf gegenseitiger Soforthilfe und Achtung.
Botschaft an den Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, anlässlich des Welternährungstages 2008, 13. Oktober 2008

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