Advent




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Zweifache Ankunft des Herrn
Jedesmal, wenn die christliche Gemeinschaft sich auf das Gedenken der Geburt des Erlösers vorbereitet, spürt sie in ihrem Innern eine freudvolle Stimmung, die sich in gewissem Masse auf die ganze Gesellschaft überträgt. Im Advent erlebt das christliche Volk aufs neue einen zweifachen geistlichen Impuls: Einerseits erhebt es den Blick zum letzten Ziel seiner Pilgerschaft auf Erden, nämlich zur glorreichen Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus; zum anderen erinnert es sich tief bewegt an die Geburt in Betlehem und kniet vor der Krippe nieder. Die Hoffnung der Christen ist auf die Zukunft gerichtet, bleibt aber stets fest in einem Ereignis der Vergangenheit verankert. In der Fülle der Zeiten wurde der Sohn Gottes von der Jungfrau Maria geboren: "...geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt", wie der Apostel Paulus schreibt (Gal 4,4).
Angelus, 27. November 2005, 1. Adventsonntag



Neue Hoffnung
Wir könnten sagen, dass der Advent die Zeit ist, in der die Christen in ihren Herzen die Hoffnung neu entdecken sollen, dass sie mit dem Beistand Gottes die Welt verändern können. [...] Die guten Früchte unserer Arbeit werden wir nämlich dann wiederfinden, wenn Christus sein ewiges und universales Reich dem Vater übergibt. Die allerseligste Gottesmutter Maria, Jungfrau des Advents, gewähre uns, diese Zeit der Gnade in wachsamer und tätiger Erwartung des Herrn zu leben.
Angelus, 27. November 2005, 1. Adventsonntag



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Eine Antwort der Liebe
In der Adventszeit bereitet sich die kirchliche Gemeinschaft darauf vor, das grosse Geheimnis der Menschwerdung zu feiern, und sie ist eingeladen, ihr persönliches Verhältnis zu Gott neu zu entdecken und zu vertiefen. Das lateinische Wort "adventus" bezieht sich auf das Kommen Christi und stellt das Herabsteigen Gottes zur Menschheit in den Vordergrund, auf das jeder mit Offenheit, Erwartung, Suche und Zustimmung antworten soll. Und so wie Gott in seiner Selbstoffenbarung und seinem Sich-Hinschenken souverän und frei ist, weil ihn allein die Liebe dazu bewegt, so ist auch der Mensch frei, seine, wenn auch gebührende, Einwilligung zu geben: Gott erwartet eine aus Liebe gegebene Antwort.
Angelus, 4. Dezember 2005, 2. Adventsonntag



Der Herr möge auch durch uns kommen
Wir haben gesagt, dass dieses Kommen einmalig ist: "das" Kommen des Herrn. Dennoch gibt es nicht nur das endgültige Kommen am Ende der Zeiten, in einem gewissen Sinne möchte der Herr durch uns Menschen ständig auf die Erde kommen, und er klopft an die Tür unseres Herzens: Bist du bereit, mir dein Fleisch, deine Zeit, dein Leben zu geben? Das ist die Stimme des Herrn, der auch in unsere Zeit eintreten möchte, er möchte durch uns ins Leben der Menschen eintreten, er sucht auch eine lebendige Wohnung, nämlich unser persönliches Leben. Das ist das Kommen des Herrn, und das wollen wir in der Adventszeit aufs neue lernen: Der Herr möge auch durch uns kommen.
Vesper im Petersdom am 1. Adventsonntag, 26. November 2005



In der Vorbereitung auf Weihnachten auf Maria schauen
Nachdem wir das Hochfest der Unbefleckten Empfängnis Mariens gefeiert haben, treten wir in diesen Tagen in die stimmungsvolle Atmosphäre der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest ein. In der heutigen Konsumgesellschaft erleidet diese Zeit bedauerlicherweise eine Art kommerzieller "Verunreinigung", die ihren wahren Geist, der geprägt ist von geistiger Sammlung, Schlichtheit und einer nicht äusserlichen, sondern tief innerlichen Freude, zu verfälschen droht. Es ist daher von der Vorsehung gewollt, dass - gleichsam wie ein Eingangstor zu Weihnachten - das Fest jener Frau gefeiert wird, die die Mutter Jesu ist und die uns besser als alle anderen dazu anleiten kann, den menschgewordenen Sohn Gottes zu kennen, zu lieben und anzubeten. Lassen wir uns also von ihr führen und uns von ihren Gefühlen beseelen, damit wir uns mit ehrlichem Herzen und offenem Geist darauf einstellen, im Kind von Betlehem den Sohn Gottes zu erkennen, der auf die Welt gekommen ist, um uns zu erlösen.
Angelus, 11. Dezember 2005, 3. Adventsonntag



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Die Krippe
Einer schönen, altbewährten Tradition gemäss wird in vielen Familien gleich nach dem Fest der Unbefleckten Empfängnis mit dem Aufbau der Krippe begonnen, gleichsam um jene Tage voll sehnsüchtiger Erwartung, die der Geburt Jesu vorangingen, zusammen mit Maria zu erleben. Das Aufstellen der Krippe zu Hause kann sich als einfache, aber wirksame Methode zu Darlegung und Weitergabe des Glaubens an die Kinder erweisen. Eine Krippe hilft uns bei der Betrachtung des Mysteriums der Liebe Gottes, der sich in der Armut und Einfachheit der Grotte von Betlehem offenbart hat.
Angelus, 11. Dezember 2005, 3. Adventsonntag



Das Symbol des Lichtes
Zahlreiche Symbole helfen uns, das Geheimnis der Weihnacht besser zu verstehen; das Licht ist darunter eines der tiefsinnigsten. Mit der Wintersonnenwende nimmt in unserer Hemisphäre die Zeit des Tageslichts wieder zu. Diese Naturerscheinung deutet auf eine tiefere Wirklichkeit hin, die den Menschen berührt. Das Licht des Guten siegt über die Dunkelheit des Bösen, die Liebe überwindet den Hass, das Leben besiegt den Tod. Zu Weihnachten erstrahlt die Botschaft vom endgültigen Sieg der Liebe Gottes über Sünde und Tod. Die heutige O-Antiphon grüsst den kommenden Herrn als den Morgenstern, der uns Menschen den Weg zeigt und der uns führt. Der "Gott-mit-uns", der die Jungfrau Maria zu Betlehem geboren hat, ist der wahre Stern unseres Lebens, der allein die tiefste Sehnsucht des menschlichen Herzens stillen kann.
Generalaudienz, 21. Dezember 2005



Werte erfassen
Wir bereiten uns darauf vor, voll Freude die Geburt des Erlösers in unseren Familien und in unseren kirchlichen Gemeinschaften zu feiern, während eine gewisse moderne und konsumorientierte Kultur danach strebt, die christlichen Symbole aus der Feier des Weihnachtsfestes verschwinden zu lassen. Alle mögen sich dafür einsetzen, den Wert der weihnachtlichen Traditionen zu erfassen, die Teil unseres Glaubenserbes und unserer Kultur sind, um sie an die jungen Generationen weiterzugeben. Besonders wenn wir sehen, wie die Strassen und Plätze der Stadt in ein funkelndes Lichtermeer getaucht sind, sollen wir uns daran erinnern, dass diese Lichter uns auf ein anderes Licht verweisen, das für die Augen unsichtbar ist, aber nicht für das Herz. Während wir sie bewundern, während wir in den Kirchen die Kerzen anzünden oder die Krippe und den Weihnachtsbaum in den Häusern erstrahlen lassen, möge sich unser Inneres für das wahre spirituelle Licht öffnen, das allen Menschen guten Willens geschenkt wird. Der "Gott-mit-uns", den die Jungfrau Maria zu Betlehem geboren hat, ist der Stern unseres Lebens!
Generalaudienz, 21. Dezember 2005



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Freude bringen
Das ist unsere wahre Aufgabe im Advent: den anderen Menschen die Freude zu bringen. Das wahre Weihnachtsgeschenk ist die Freude, nicht die teuren Geschenke, die Zeit und Geld kosten. Wir können diese Freude in ganz einfacher Weise mitteilen, durch ein Lächeln, durch eine nette Geste, durch ein wenig Hilfe, durch Vergebung. Wenn wir den anderen die Freude bringen, dann wird die Freude, die wir geschenkt haben, wieder zu uns zurückkehren. Versuchen wir vor allem, die tiefste Freude zu bringen, die Freude, Gott in Christus kennengelernt zu haben. Bitten wir darum, dass in unserem Leben diese Gegenwart der befreienden Freude Gottes sichtbar werde.
Predigt in der römischen Pfarrei "Santa Maria Consolatrice a Casal Bertone", 18. Dezember 2005



Er kommt
Im Advent wiederholt und versichert uns die Liturgie oft, gleichsam als wollte sie unser natürliches Misstrauen besiegen, dass Gott "kommt": Er kommt, um bei uns zu sein in jeder unserer Lebenssituationen; er kommt, um in unserer Mitte zu wohnen, um mit uns und in uns zu leben; er kommt, um die Entfernungen zu überbrücken, die uns voneinander trennen und uns entzweien; er kommt, um uns mit ihm und untereinander zu versöhnen. Er kommt in die Geschichte der Menschheit und klopft an die Tür jedes Mannes und jeder Frau guten Willens, um jedem einzelnen, den Familien und den Völkern das Geschenk der Brüderlichkeit, der Eintracht und des Friedens zu bringen. Deshalb ist der Advent die Zeit der Hoffnung, schlechthin, in der diejenigen, die an Christus glauben, eingeladen sind, in wachsamer und aktiver Erwartung zu verharren, genährt vom Gebet und vom tätigen Einsatz der Liebe. Möge das Herannahen des Weihnachtsfestes die Herzen aller Christen mit Freude, innerer Ruhe und Frieden erfüllen.
Angelus, 3. Dezember 2006


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Sich um den Aufbau der Wohnung Gottes unter den Menschen bemühen
Das "Gebäude" Kirche ist ein konkretes Zeichen der "Gemeinschaft" Kirche, die aus den "lebendigen Steinen" besteht, welche die Gläubigen sind – ein Bild, das die Apostel sehr liebten. Der hl. Petrus (vgl. 1 Petr 2,4-5) und der hl. Paulus (vgl. Eph 2,20-22) betonen, dass der "Schlussstein" dieses geistigen Tempels Christus ist und das auch wir – mit Christus und untereinander eng verbunden – berufen sind, uns am Aufbau dieses Tempels zu beteiligen. Wenn es also Gott ist, der die Initiative ergreift, um unter den Menschen zu wohnen, und Gott auch der höchste Schöpfer dieses Planes ist, dann ist es jedoch auch wahr, dass er diesen Plan nicht ohne unsere tätige Mitarbeit verwirklichen will. Sich auf Weihnachten vorzubereiten bedeutet deshalb, sich um den Aufbau der "Wohnung Gottes unter den Menschen" zu bemühen. Niemand ist davon ausgeschlossen; jeder kann und muss dazu beitragen, dass dieses Haus der Gemeinschaft grösser und schöner wird. Am Ende der Zeiten wird es vervollständigt werden und das "himmlische Jerusalem" sein.
Angelus, 10. Dezember 2006




Gott, der kommt! Jetzt.
Wache auf! Erinnere dich daran, dass Gott kommt! Nicht gestern, nicht morgen, sondern heute, jetzt! Der einzige und wahre Gott, "der Gott Abrahams, Isaaks, und Jakobs", ist kein Gott, der im Himmel weilt, ohne sich für uns und unsere Geschichte zu interessieren, sondern er ist der "Gott-der-kommt". Er ist ein Vater, der nie aufhört, an uns zu denken, und der mit äusserster Achtung unserer Freiheit wünscht, uns zu begegnen und zu uns zu kommen; er will in unsere Mitte kommen und unter uns wohnen, er will bei uns bleiben. Zu seinem "Kommen" drängt ihn sein Wille, uns vom Bösen und vom Tod zu befreien, von allem, was unser wahres Glück verhindert, Gott kommt, um uns zu retten.
Predigt bei der Ersten Vesper zum Ersten Adventssonntag, 2. Dezember 2006




Christus entgegengehen
In einem Mass, das nur Christus bekannt ist, kann die christliche Gemeinschaft sein endgültiges Kommen beschleunigen, indem sie der Menschheit hilft, dem Herrn, der kommt, entgegenzugehen. Und sie tut dies vor allem, aber nicht nur, durch das Gebet. Wesentlich und vom Gebet nicht zu trennen sind auch die "Taten der Liebe", wie uns die Oration dieses Ersten Adventssonntags in Erinnerung ruft, in der wir den himmlischen Vater darum bitten, in uns den Willen zu wecken, "Christus entgegenzugehen und uns durch Taten der Liebe auf seine Ankunft vorzubereiten".
Predigt bei der Ersten Vesper zum Ersten Adventssonntag, 2. Dezember 2006


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Brauchen wir einen Erlöser?
Und heute, brauchen die Menschen heute noch einen Erlöser? Oft sieht es so aus, dass viele Gott als jemanden oder etwas betrachten, das nicht in den Bereich unserer Interessen fällt. Man lebt, als ob es ihn nicht gäbe oder sogar, als ob er ein Hindernis für unseren Erfolg wäre, das umgangen werden muss, um auf der Strasse des Erfolgs voranzukommen. Und dennoch sind die Menschen unzufrieden, wissen, dass alles dies nicht ausreicht, erwarten eher unbewusst das Kommen eines Erlösers, im letzten das Kommen Christi, des einzigen wirklichen Erlösers der Menschen. Unsere Aufgabe als gläubige Christen ist es, ihnen mit dem Zeugnis unseres Lebens die Wahrheit von Weihnachten glaubhaft zu machen: dass Christus allein alles menschliche Sehnen nach Heil und Frieden stillen kann.
Generalaudienz, 20. Dezember 2006




Advent: eine Zeit des Gebetes
Der Advent ist eine Zeit des Gebetes, in der wir mit Gott in Berührung treten müssen. Gott kennt uns, er kennt mich, er kennt einen jeden von uns, er hat mich lieb, er verlässt mich nicht. Schreiten wir mit diesem Vertrauen voran in dieser liturgischen Zeit, die soeben begonnen hat.
Generalaudienz, 5. Dezember 2007




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