Fastenzeit




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Auflegung der Asche
Ein [...] symbolischer Ritus, der ausschliesslich am ersten Tag der Fastenzeit stattfindet, ist das Auflegen der Asche. Was ist seine eigentliche Bedeutung? Sicher handelt es sich nicht um reinen Ritualismus, sondern um etwas sehr Tiefes, das unser Herz berührt. Es macht uns die Aktualität der Mahnung des Propheten Joel verständlich, die in der ersten Lesung erklungen ist: eine Mahnung, die auch für uns ihre heilsame Gültigkeit behält: Den äussern Gesten muss immer die Aufrichtigkeit des Herzens und die Folgerichtigkeit der Werke entsprechen. Was nützt es denn - fragt sich der inspirierte Autor -, die Kleider zu zerreissen, wenn das Herz fern vom Herrn ist, das heisst vom Guten und von der Gerechtigkeit? Das ist es, was wirklich zählt: die Umkehr zu Gott mit wahrhaft reumütigem Herzen, um sein Erbarmen zu finden (vgl. Joel 2,12 - 18).
Predigt in der Aschermittwochsliturgie, 1. März 2006



Fasten und Almosen
Angesichts der schrecklichen Herausforderungen der Armut vieler Menschen stehen die Gleichgültigkeit und die Verschlossenheit im eigenen Egoismus in unerträglichem Gegensatz zum "Blick" Christi. Fasten und Almosen, welche die Kirche zusammen mit dem Gebet in besonderer Weise in der Fastenzeit empfiehlt, sind eine günstige Gelegenheit, eins zu werden mit dem "Blick" Christi. Die Beispiele der Heiligen und die vielen Erfahrungen der Mission, welche die Geschichte der Kirche kennzeichnen, sind kostbare Verweise darauf, wie Entwicklung zu fördern ist.
Botschaft zur Fastenzeit, 29. September 2005



Verzicht im neuen Geist
Die Fastenzeit ist nämlich in ihrer Gesamtheit ein bedeutsames Gedächtnis des Leidens des Herrn zur Vorbereitung auf die Auferstehung an Ostern. In dieser Zeit verzichten wir auf den Gesang des Halleluja und sind aufgerufen, angemessene Formen des Verzichts zu üben. Die Fastenzeit sollen wir nicht mit dem "alten" Geist leben, so als handle es sich um eine schwere und lästige Pflichtübung, sondern mit dem neuen Geist derer, die in Jesus und seinem österlichen Geheimnis den Sinn des Lebens gefunden haben und spüren, dass sich fortan alles auf Ihn beziehen muss. Dies war auch die innere Haltung des Apostels Paulus, der sagte, er habe alles hinter sich gelassen, um Christus erkennen zu können, "die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden; sein Tod soll mich prägen. So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen" (Phil 3, 10-11)
Angelus, 26. Februar 2006



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Gebet, Fasten, Werke
Die österliche Busszeit prägen nach der Tradition der Kirche vor allem drei Frömmigkeitsformen: das Beten, zu dem auch das Hören auf die Heilige Schrift gehört, das Fasten und die Werke der Nächstenliebe. Im Hören auf Gottes Wort, das wir in der heiligen Liturgie und im persönlichen Gebet aufnehmen und vertiefen, wächst unser Glaube an das Evangelium, an Jesus Christus, der uns das Erbarmen des Vaters geoffenbart hat. Die Übungen des Fastens und der Busse sowie die geistliche Wachsamkeit fördern die immer notwendige Reinigung unseres Herzens. Durch das Almosengeben und andere Formen tätiger Liebe legen wir Zeugnis ab von der übergrossen Liebe Christi, der sich für uns und unsere Brüder und Schwestern hingegeben hat.
Generalaudienz, 1. März 2006



Kampf gegen Satan
Jeden Tag, besonders aber in der Fastenzeit, muss der Christ einen Kampf bestehen, der dem gleicht, den Christus in der Wüste von Judäa durchgestanden hat, wo er vierzig Tage lang vom Teufel versucht wurde, und in Getsemani, als er die schwerste Versuchung zurückwies und den Willen des Vaters bis zum letzten annahm. Es geht um einen geistlichen Kampf, der gegen die Sünde und letztlich gegen den Satan gerichtet ist. Es ist ein Kampf, der die ganze Person einbezieht und ständig aufmerksame Wachsamkeit erfordert. Der hl. Augustinus bemerkt, dass derjenige, der in der Liebe Gottes und in seiner Barmherzigkeit wandeln will, sich nicht mit der Befreiung von schweren Sünden und Todsünden begnügen darf, sondern "die Wahrheit tut, indem er auch die Sünden erkennt, die als weniger schwer betrachtet werden... und er kommt ans Licht, indem er gute Werke vollbringt. Auch die weniger schweren Sünden verbreiten sich und führen zum Tod, wenn sie vernachlässigt werden".
Predigt in der Aschermittwochsliturgie, 1. März 2006



Das Böse bekämpfen
Die Fastenzeit erinnert uns [...] daran, dass das Leben des Christen ein ununterbrochener Kampf ist, in dem die "Waffen" des Gebets, des Fastens und der Busse eingesetzt werden. Das Böse, jede Form von Egoismus und Hass bekämpfen und sich selbst entsagen, um in Gott zu leben, das ist der aszetische Weg, den jeder Jünger Jesu zu gehen berufen ist - mit Demut und Geduld, mit Grossmut und Beharrlichkeit. Die gehorsame Nachfolge des göttlichen Meisters macht die Christen zu Zeugen und Aposteln des Friedens. Wir könnten sagen, dass diese innere Haltung uns hilft, auch besser deutlich zu machen, was die christliche Antwort auf die Gewalt sein muss, die den Frieden in der Welt bedroht. Sicher nicht Rache, Hass, ebensowenig Flucht in einen falschen Spiritualismus. Die Antwort dessen, der Christus nachfolgt, ist vielmehr, den Weg zu gehen, den er gewählt hat, als er angesichts der Übel seiner Zeit und aller Zeiten entschlossen das Kreuz auf sich nahm und den längsten, aber wirksamsten Weg der Liege ging. Auf seinen Spuren und mit ihm vereint müssen wir alle uns bemühen, dem Bösen mit dem Guten, der Lüge mit der Wahrheit, dem Hass mit der Liebe zu begegnen.
Predigt in der Aschermittwochsliturgie, 1. März 2006



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Mit Jesus zusammen
Die Fastenzeit will uns vor allem dazu einladen, mit Jesus die vierzig Tage wieder zu erleben, die er betend und fastend in der Wüste verbrachte, bevor er sein öffentliches Wirken begann. Auch wir beginnen am heutigen Tag, zusammen mit allen Christen der Welt, einen Weg der Reflexion und des Gebets, um geistig zum Kalvarienberg aufzubrechen, während wir die zentralen Geheimnisse des Glaubens betrachten. Auf diese Weise werden wir uns darauf vorbereiten, nach dem Geheimnis des Kreuzes die Osterfreude der Auferstehung zu erfahren.
Generalaudienz, 1. März 2006



Hören auf das Wort
Das Leben des Christen ist Glaubensleben, das auf das Wort Gottes gegründet ist und von ihm genährt wird. In den Prüfungen des Lebens und in jeder Versuchung besteht das Geheimnis des Sieges darin, auf das Wort der Wahrheit zu hören und die Lüge und das Böse entschieden zurückzuweisen. Das ist das eigentliche und zentrale Programm der Fastenzeit: auf das Wort der Wahrheit hören, die Wahrheit leben, sprechen und tun, die Lüge, die die Menschheit vergiftet und das Einfallstor für alle Übel ist, zurückweisen. Es ist daher dringend notwendig, in diesen vierzig Tagen wieder das Evangelium zu hören, das Wort des Herrn, das Wort der Wahrheit, damit in jedem Christen, in jedem von uns, das Bewusstsein der Wahrheit gestärkt werde, die ihm Geschenkt wird, die uns geschenkt wird, damit er sie lebe und ihr Zeuge werde.
Generalaudienz, 1. März 2006



Durchdringen lassen
Die Fastenzeit spornt uns dazu an, unser Leben vom Wort Gottes durchdringen zu lassen und so die grundlegende Wahrheit kennenzulernen, nämlich: wer wir sind, woher wir kommen, wohin wir gehen müssen, welches der Weg ist, den wir im Leben einschlagen sollen. Damit bietet uns die Fastenzeit einen asketischen und liturgischen Weg an, der uns, während er uns hilft, die Augen für unsere Schwachheit zu öffnen, das Herz für die barmherzige Liebe Christi öffnen lässt.
Generalaudienz, 1. März 2006



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Mit neuen Augen
Indem uns der Weg durch die Fastenzeit Gott näher bringt, ermöglicht er uns, den Nächsten und seine Nöte mit neuen Augen zu betrachten. Wer beginnt, Gott zu sehen, das Antlitz Christi zu betrachten, sieht auch den Bruder mit anderen Augen, entdeckt den Bruder, er entdeckt, was zu seinem Bestem und was nicht gut für ihn ist, seine Bedürfnisse und Nöte. Deshalb ist die Fastenzeit als Hören auf die Wahrheit ein günstiger Moment, um sich zur Liebe zu bekehren, denn die tiefe Wahrheit, die Wahrheit Gottes, ist zugleich Liebe.
Generalaudienz, 1. März 2006



Möge die Fastenzeit...
Möge die Fastenzeit Tage der Reflexion und des intensiven Gebetes sein, in denen wir uns vom Wort Gottes leiten lassen, das uns die Liturgie in reichem Masse vorlegt. Möge die Fastenzeit ausserdem eine Zeit des Fastens, der Busse und der Wachsamkeit über uns selbst sein, in der Überzeugung, dass der Kampf gegen die Sünde niemals aufhört, da die Versuchung eine tagtägliche Realität ist und alle die Erfahrung der Schwäche und der Täuschung machen. Möge die Fastenzeit schliesslich durch das Almosengeben - dadurch, dass den anderen Gutes getan wird - eine Gelegenheit sein, um die empfangenen Gaben mit den Brüdern ehrlich zu teilen und aufmerksam zu sein für die Bedürfnisse der Ärmsten und Verlassensten.
Generalaudienz, 1. März 2006



Nur die Liebe bleibt
Alles in der Welt vergeht. Ewig bleibt nur die Liebe. Darum, Brüder, wollen wir die Gnade der Fastenzeit nutzen und uns bemühen, dafür zu sorgen, dass alles in unserem persönlichen Leben wie auch in unserer kirchlichen Tätigkeit, in die wir eingefügt sind, von der Liebe bestimmt werde und zur Liebe hinstrebe.
Predigt am Hochfest der Verkündigung des Herrn, 25. März 2006



Das Heilige Triduum
Mit Hilfe der heiligen Riten des Gründonnerstag, des Karfreitags und der feierlichen Ostervigil werden wir das Geheimnis des Leidens, des Todes und der Auferstehung des Herrn noch einmal erleben. Dies sind Tage, die in uns eine stärkere Sehnsucht, Christus anzunehmen und ihm grossherzig zu folgen, neu erwecken können, im Bewusstsein der Tatsache, dass er uns geliebt hat bis zur Hingabe seines Lebens für uns. Was sind denn im Grunde die Ereignisse, die uns das Heilige Triduum noch einmal vor Augen führen, anderes als die höchste Offenbarung dieser Liebe Gottes für den Menschen? Bereiten wir uns also darauf vor, das österliche Triduum zu feiern.
Generalaudienz, 12. April 2006



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Vom Gründonnerstag bis Ostern
Am Gründonnerstag folgen wir dem Herrn in den Abendmahlssaal, den Ort der Einsetzung der Eucharistie und des Weihepriestertums. Wir nehmen uns sein "neues Gebot" zu Herzen: "Liebet einander, so wie ich euch geliebt habe" (Joh 13,34). Auf das Mysterium des Leidens und Sterbens des Sohnes Gottes konzentriert sich sodann die Liturgie des Karfreitags. "In seinem Tod am Kreuz vollzieht sich jene Wende Gottes, in der er sich verschenkt, um den Menschen wieder aufzuheben und zu retten - Liebe in ihrer radikalsten Form" (Deus Caritas est, 12). Am Karsamstag verharrt die Kirche betend mit Maria am Grab, in dem der Leichnam Jesu nach seiner Abnahme vom Kreuz ruht. Und schliesslich erklingt in der Osternacht der Jubel der Erlösten über den auferstandenen Herrn, der den Tod endgültig besiegt hat und der uns die Gewissheit gibt, das Böse hat nicht das letzte Wort in der Welt, und uns so Mut gibt, uns auf die Seite des Guten zu stellen, auch wenn es manchmal schwierig erscheint.
Generalaudienz, 12. April 2006



Karfreitag
Am Karfreitag wollen auch wir wirklich den Blick auf das durchbohrte Herz des Erlösers richten: "In ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis Verborgen", schreibt der hl. Paulus (Kol 2,3), und mehr noch: "In ihm allein wohnt wirklich die ganze Fülle Gottes" (Kol 2,9); deshalb kann der Apostel mit Entschiedenheit sagen, dass er den Wunsch habe, "nichts zu wissen ausser Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten" (1 Kor 2,2). Es ist wahr: Das Kreuz offenbart "die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe" - damit sind die kosmischen Dimensionen gemeint - einer Liebe, die alle Erkenntnis übersteigt - die Liebe geht über das, was man kennt, hinaus - und die uns mit "der ganzen Fülle Gottes erfüllt" (vgl. Eph 3,18-19). Im Geheimnis des Gekreuzigten "vollzieht sich jene Wende Gottes gegen sich selbst, in der er sich verschenkt, um den Menschen wieder aufzuheben und zu retten - Liebe in ihrer radikalsten Form"(Enzyklika Deus caritas est, Nr. 12).
Generalaudienz, 12. April 2006



Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben
"Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben". Schauen wir mit Vertrauen auf die durchbohrte Seite Jesus, aus der "Blut und Wasser" (Joh 19,34) flossen. Die Kirchenväter haben diese Elemente als Symbole für Taufe und Eucharistie gesehen. Durch das Wasser der Taufe erschliesst sich uns in der Kraft des Heiligen Geistes die Intimität der trinitarischen Liebe. Die Fastenzeit drängt uns, dass wir in der Gnade der Taufe aus uns selbst ausziehen und uns der barmherzigen Umarmung des Vaters (vgl Hl. Johannes Chrysostomus, Katechesen, 3,14 ff.) öffnen. Das Blut, Symbol der Liebe des Guten Hirten, strömt durch das Geheimnis der Eucharistie in uns ein: "Die Eucharistie zieht uns in den Hingabeakt Jesu hinein...wir werden in die Dynamik seiner Hingabe hineingenommen" (Deus caritas est, 13). Leben wir also die Fastenzeit als eine "eucharistische" Zeit, in der wir die Liebe Jesu empfangen und sie um uns in Wort und Tat verbreiten. Die Betrachtung dessen, "den sie durchbohrt haben", drängt uns somit, den anderen das Herz zu öffnen und die Wunden zu erkennen, die der Würde des Menschseins geschlagen werden. Es drängt insbesondere, jede Form der Verachtung des Lebens und der Ausbeutung der menschlichen Person zu bekämpfen und die dramatische Vereinsamung und Verlassenheit vieler Menschen zu lindern. So werde die Fastenzeit für jeden Christen zur erneuten Erfahrung der Liebe Gottes, die uns in Jesus Christus geschenkt worden ist – eine Liebe, die wir unsererseits dem Nächsten weiterschenken müssen, vor allem denen, die leiden und in Not sind. Nur so können wir in reichem Masse der Freude von Ostern teilhaft werden.
Botschaft für die Fastenzeit 2007, 21. November 2006



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Aufmerksames Hinhören auf Gott
Mit dem heutigen Aschermittwoch treten wir wieder in die vorösterliche Busszeit ein. Diese Zeit ist vor allem dem aufmerksamen Hinhören auf Gott gewidmet und begleitet durch das Gebet und die Gesinnung der Busse, die sich dann vor allen Dingen auch in Werken der Nächstenliebe zeigen muss. In der frühen Christenheit war die Fastenzeit vor allem eine Periode der Vorbereitung auf die Taufe, die dann in der Osternacht feierlich gespendet wurde. Uns, den bereits Getauften, gibt diese heilige Zeit Gelegenheit, unsere eigenen Taufe neu zu entdecken, sie inwendig sozusagen neu einzuholen in unser Leben herein, und in einem neuen Prozess der Bekehrung des inneren Zugehens auf unser Getauftwerden wieder mehr und wirklicher Christen zu werden.
Generalaudienz, 21. Februar 2007



Kehrt um und glaubt an das Evangelium
Der hl. Markus sagt uns, das am Anfang von Jesu Verkündigung die Worte stehen: "Kehrt um und glaubt an das Evangelium" (Mk 1,15). Das ist gleichsam die Zusammenfassung seiner Botschaft. Wir brauchen immer wieder das Uns-Umkehren von unseren irdischen täglichen Dingen zum Herrn hin und das Glauben an das Evangelium. Diese Mahnung Christi also, die uns heute in der Liturgie begegnet, ist der rechte Einstieg in die Fastenzeit. Sich-Bekehren, umkehren heisst aus einer tiefen Sehnsucht heraus Gott neu suchen, sich mit Christus auf den Weg machen und seinen Weisungen folgen. Diese Umkehr lässt uns dann erkennen, dass wir gar nicht uns selber machen, dass daher auch nicht Selbstrealisierung unser höchstes Ziel sein kann. Wir sind von Gottes Liebe geschaffen und sollen uns auf sie hin orientieren, uns von ihr hinaufziehen lassen. Das ist der rechte Weg. Dann verstehen wir, dass unser Leben in der Hingabe des Sohnes Gottes am Kreuz geborgen ist und dass wir in sie hineingehend ins wirkliche Leben hineinfinden.
Generalaudienz, 21. Februar 2007



Von ihm angeschaut fühlen
Während dieser Tage der Fastenzeit wollen wir das Herz nicht von diesem Geheimnis tiefer Menschlichkeit und hoher Spiritualität abwenden. Wenn wir auf Christus schauen, sollen wir uns zugleich von ihm angeschaut fühlen. Der, den wir selbst durch unsere Schuld durchbohrt haben, wird nicht müde, über die Welt einen unerschöpflichen Strom barmherziger Liebe zu ergiessen. Möge die Menschheit erkennen, dass nur aus dieser Quelle die spirituelle Energie geschöpft werden kann, die unentbehrlich ist für den Aufbau von Frieden und Glück, wonach jeder Mensch unaufhörlich sucht.
Angelus, 25. Februar 2007



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Ritus des Aschenkreuzes
Liebe Brüder und Schwestern, die Fastenzeit, die wir heute mit dem strengen und bedeutungsvollen Ritus des Aschenkreuzes beginnen, möge für alle eine erneuerte Erfahrung der barmherzigen Liebe Christi sein, der am Kreuz sein Blut für uns vergossen hat. Begeben wir uns fügsam in seine Schule, um zu lernen, unsererseits seine Liebe dem Nächsten "wiederzuschenken", besonders all jenen, die leiden und sich in Schwierigkeiten befinden. Das ist die Sendung jedes Jüngers Christi: aber um sie zu erfüllen, ist es nötig, im Hören seines Wortes zu verbleiben und sich beständig von seinem Leib und seinem Blut zu nähren. Der Weg der Fastenzeit, der in der alten Kirche ein Weg hin zur christlichen Initiation, hin zur Taufe und zur Eucharistie war, möge für uns Getaufte eine "eucharistische" Zeit sein, in der wir eifriger am Opfer der Eucharistie teilnehmen.
Generalaudienz, 21. Februar 2007



40 Tage Zeit
Liebe Brüder und Schwestern, wir haben 40 Tage, um diese ausserordentliche asketische und geistliche Erfahrung zu vertiefen. Im Evangelium, das Verkündet wurde, zeigt Jesus, welche die geeigneten Mittel für eine echte innere und gemeinschaftliche Erneuerung sind: die Werke der Nächstenliebe (das Almosen), das Gebet und die Busse (das Fasten). Dies sind die drei grundlegenden Praktiken, die auch der jüdischen Tradition teuer sind, weil sie dazu beitragen, den Menschen vor Gott zu läutern (vgl. Mt 6,1-6.16-18). Diese äusseren Handlungen – die durchgeführt werden müssen, um Gott zu gefallen und nicht, um die Billigung und die Zustimmung der Menschen zu erlangen – sind Gott wohlgefällig, wenn sie die Entschlossenheit des Herzens zum Ausdruck bringen, ihm zu dienen, mit Bescheidenheit und Grossherzigkeit.
Predigt bei der Aschermittwochsliturgie, 21. Februar 2007



Innere Läuterung
Das Fasten, zu dem uns die Kirche in dieser intensiven Zeit einlädt, geschieht natürlich nicht aus Beweggründen körperlicher oder ästhetischer Natur, sondern es entspringt einem dem Menschen eigenen Bedürfnis nach innerer Läuterung, die ihn von der vergiftenden Verschmutzung durch die Sünde und das Böse befreit, die ihn erzieht zu jenem gesunden Verzicht, der den Gläubigen frei macht von der Sklaverei des eigenen Ich; die ihn aufmerksamer und verfügbarer macht für das Hören auf Gott und den Dienst an den Brüdern. Aus diesem Grund werden das Fasten und die anderen Praktiken der Fastenzeit von der christlichen Tradition als geistliche Waffen zum Kampf gegen das Böse, gegen die schlechten Leidenschaften und die Laster betrachtet.
Predigt bei der Aschermittwochsliturgie, 21. Februar 2007



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Werke der Nächstenliebe, Gebet, Fasten
Indem er aus jener unerschöpflichen Quelle der Liebe schöpft, die die Eucharistie ist, in der Christus das erlösende Kreuzesopfer erneuert, kann jeder Christ standhaft den Weg fortsetzen, den wir heute feierlich beginnen. Die Werke der Nächstenliebe (das Almosen), das Gebet und das Fasten finden, zusammen mit jedem anderen aufrichtigen Bemühen um Umkehr, ihre höchste Bedeutung und ihren höchsten Wert in der Eucharistie, dem Mittelpunkt und Höhepunkt des Lebens der Kirche und der Heilsgeschichte.
Predigt bei der Aschermittwochsliturgie, 21. Februar 2007



Besitz nicht zum Götzen machen
Wie stark der Einfluss von materiellem Besitz ist und wie eindeutig unsere Entscheidung sein soll, sie nicht zu Götzen zu machen, bekräftigt Jesus nachdrücklich: "Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon" (Lk 16,13). Almosen hilft uns, diese ständige Versuchung zu überwinden; denn es erzieht uns, die Bedürfnisse des Nächsten wahrzunehmen und mit den anderen das zu teilen, was wir durch göttliche Güte besitzen. Das ist das Ziel der besonderen Kollekten für die Armen, die während der Fastenzeit in vielen Teilen der Welt durchgeführt werden. Auf diese Weise verbindet sich innere Reinigung mit einer Geste in der kirchlichen Gemeinschaft, wie sie schon die Urkirche kennt. Von ihr spricht etwa der hl. Paulus in seinen Briefen über die Kollekte für die Gemeinde von Jerusalem (vgl.2 Kor 8-9; Röm 15,25-27).
Botschaft zur Fastenzeit, 30. Oktober 2007



Aus unserem Leben eine Gabe machen
In Jesu Schule können wir lernen, aus unserem Leben eine Gabe zu machen; indem wir ihn nachahmen, wächst die Bereitschaft, nicht nur von unserm Besitz zu geben, sondern uns selbst. Ist nicht etwa das ganze Evangelium in dem einen Gebot der Liebe zusammengefasst? Die Praxis des Almosens in der Fastenzeit wird also zu einem Mittel in unserer christlichen Berufung voranzuschreiten. Wenn der Christ sich hingibt ohne zu zählen, bezeugt er: nicht der materielle Reichtum diktiert die Gesetze der Existenz, sondern die Liebe. Was dem Almosen seinen Wert gibt, ist je nach den Möglichkeiten und Umständen des einzelnen die Liebe, die zu verschiedenen Formen der Hingabe inspiriert.
Botschaft zur Fastenzeit, 30. Oktober 2007



Fastenzeit
Was [...] bedeutet: "in die Fastenzeit eintreten?" Es bedeutet, eine Zeit besonderer Anstrengung im geistlichen Kampf zu beginnen, wodurch wir dem Bösen entgegentreten, das in der Welt gegenwärtig ist, in einem jeden einzelnen von uns und in unserer Umgebung. Es bedeutet, dem Bösen ins Gesicht zu blicken und sich dafür zu entscheiden, gegen seine Wirkungen zu kämpfen, vor allem gegen seine Ursachen, bis hin zur letzten Ursache, die der Satan ist. Es bedeutet, das Problem des Bösen nicht auf die anderen abzuladen, auf die Gesellschaft oder auf Gott, sondern die eigene Verantwortung anzuerkennen und sie bewusst auf sich zu nehmen. Diesbezüglich klingt für uns Christen die Aufforderung Jesu, sein eigenes "Kreuz" auf sich zu nehmen und ihm in Demut und Vertrauen nachzufolgen, dringender denn je. So schwer das "Kreuz" auch sein mag, es ist nicht gleichbedeutend mit Missgeschick, Unglück, das es so weit wie möglich zu vermeiden gilt, sondern es stellt eine Gelegenheit dar, sich in die Nachfolge Jesu zu begeben und so im Kampf gegen die Sünde und das Böse Kraft zu gewinnen. In die Fastenzeit einzutreten bedeutet somit, die persönliche und gemeinschaftliche Entscheidung zu erneuern, dem Bösen zusammen mit Christus entgegenzutreten. Der Weg des Kreuzes ist nämlich der einzige, der zum Sieg der Liebe über den Hass, des Miteinanderteilens über den Egoismus, des Friedens über die Gewalt führt. So gesehen ist die Fastenzeit wirklich eine gute Gelegenheit zu einer starken asketischen und geistlichen Anstrengung, die in der Gnade Christi gründet.
Angelus,10. Februar 2008



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Fastenzeit: Zeit der Umkehr
Bei der Aschenauflegung sagt der Zelebrant: "Bedenke, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst" (vgl. Gen 3,19), oder er wiederholt die Mahnung Jesu: "Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium" (vgl. Mk 1,15). Beide Formeln stellen einen mahnenden Hinweis auf die Wahrheit des menschlichen Daseins dar: Wir sind begrenzte Geschöpfe, Sünder, die stets der Busse und Umkehr bedürfen. Wie wichtig ist es, diesen Hinweis in dieser unserer Zeit zu hören und anzunehmen! Wenn der moderne Mensch seine totale Unabhängigkeit von Gott erklärt, wird er zum Sklaven seiner selbst und findet sich oft in einer trostlosen Einsamkeit wieder. Die Aufforderung zur Umkehr ist da ein Antrieb, in die Arme Gottes, des zärtlichen und barmherzigen Vaters, zurückzukehren, ihm zu vertrauen, sich ihm als Kinder anzuvertrauen, die von seiner Liebe erneuert werden. Mit weiser pädagogischer Belehrung wiederholt die Kirche, dass die Umkehr vor allem, eine Gnade ist, ein Geschenk, das das Herz für die unendliche Güte Gottes öffnet. Er selbst kommt mit seiner Gnade unserem Verlangen nach Umkehr zuvor und begleitet unsere Bemühungen um die volle Zustimmung zu seinem Heilswillen. Umkehren bedeutet demnach, sich von Jesus ergreifen zu lassen (vgl. Phil 3,12) und mit ihm zum Vater " zurückzukehren".
Generalaudienz, 6. Februar 2008



Das Geheimnis das dem menschlichen Leiden Sinn gibt
Ostern, zu dem die Fastenzeit hinführt, ist das Geheimnis, das dem menschlichen Leiden Sinn gibt, ausgehend von dem überfliessenden Mit-Leiden Gottes das in Jesus Christus Wirklichkeit geworden ist. Der Weg der Fastenzeit, der ganz vom Osterlicht erhellt ist, lässt uns das erleben, was im göttlichen und menschlichen Herzen Christi vorgegangen ist, während er zum letzten Mal nach Jerusalem hinaufging, um sich als Sühnopfer hinzugeben(vgl. Jes 53,10). Leiden und Sterben brachen wie eine Finsternis über ihn herein, je näher er dem Kreuz kam, aber die Flamme der Liebe wurde lebendig. In der Tat ist das Leiden Christi ganz vom Licht der Liebe überstrahlt (vgl. Spe salvi, 38): von der Liebe des Vaters, der dem Sohn erlaubt, mit Vertrauen seiner letzten "Taufe" entgegenzugehen, wie er selbst den Höhepunkt seiner Sendung nennt (vgl. Lk 12,50).
Predigt bei Aschermittwochsliturgie, 6. Februar 2008



Fasten in bezug auf Worte und Bilder
Mir scheint, dass die Fastenzeit gerade auch eine Zeit des Fastens in bezug auf Worte und Bilder sein kann. Wir brauchen ein bisschen stille, wir brauchen eine Raum ohne die ständige Bombardierung durch Bilder. In diesem Sinne ist es heute sehr wichtig, zur Bedeutung der 40 Tage äusserer und innerer Disziplin einen Zugang zu verschaffen. Denn das hilft uns zu verstehen, dass eine Dimension unserer Fastenzeit, dieser leiblichen und geistlichen Disziplin, darin besteht, uns Räume der Stille und auch ohne Bilder zu schaffen, um unser Herz wieder offen zu machen für das wahre Bild und das wahre Wort.
Audienz für die Pfarrer und den Klerus der Diözese Rom, 7. Februar 2008



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Fasten ist notwendig
Wir sehen, dass auch heute aus der christlichen Betrachtung heraus neue Bilder entstehen und die christliche Kultur, die christliche Ikonographie wiederersteht. Ja, wir erleben eine Inflation der Worte, der Bilder. Es ist daher schwierig, Raum zu schaffen für das Wort und das Bild. Mir scheint, dass gerade in der Situation unserer Welt, die wir alle kennen und die auch unser Leiden ist, das Leiden eines jeden, die Fastenzeit eine neue Bedeutung bekommt. Sicher erscheint das leibliche Fasten, das eine Zeitlang aus der Mode gekommen zu sein schien, heute allen notwendig. Es ist nicht schwierig zu verstehen, dass wir fasten müssen. Manchmal werden wir auch mit gewissen Übertreibungen konfrontiert, die einem falschen Schönheitsideal entspringen. Aber auf jeden Fall ist das leibliche Fasten etwas Wichtiges, weil wir Leib und Seele sind, und die Disziplin, ist wichtig für das geistliche Leben, das immer ein Leben ist, das in einer Person Gestalt annimmt, die Leib und Seele ist.
Audienz für die Pfarrer und den Klerus der Diözese Rom, 7. Februar 2008



Das Drama der Karwoche
Der liturgische Rahmen, in dem wir uns befinden, ist der beredsamste, der möglich ist: Es sind die Tage, an denen wir die letzten Stunden des irdischen Lebens Jesu nacherleben: dramatische Stunden, erfüllt von Liebe und Angst, besonders im Herzen der Jünger. Stunden, in denen der Gegensatz zwischen Wahrheit und Lüge, zwischen der Sanftheit und Redlichkeit Christi und der Gewalt und dem Trug seiner Feinde deutlich wurde. Jesus hat das Herannahen des gewaltsamen Todes erfahren, er hat gespürt, wie sich die Intrige der Verfolger um ihn zusammen schnürte. Er hat die Furcht und die Todesangst bis zur entscheidenden Stunde von Getsemani durchgemacht. Aber er hat das alles in der tiefen Gemeinschaft mit dem Vater und getröstet durch die "Salbung" des Heiligen Geistes erlebt.
Predigt beim Seelenamt für den Erzbischof von Mossul der Chaldäer, 17. März 2008



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