Joseph Ratzinger

Benedikt XVI. hat schon vor seiner Wahl zum Papst über sein Leben berichtet resp. geschrieben. Einige Zitate seien hier aufgeführt.

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Wir sind hier versammelt im Gedanken an die Vollendung eines langen Abschnittes meines Lebens. Natürlich darf die Liturgie nicht dazu dienen, vom eigenen Ich, von sich selber zu reden. Aber das eigene Leben darf dazu dienen, Gottes Barmherzigkeit zu verkünden. "Alle, die ihr Gott fürchtet, kommt und hört, was Gott meiner Seele getan hat", sagt ein Psalm (65[66],16). Ich habe es immer als ein grosses Geschenk der göttlichen Barmherzigkeit betrachtet, dass mir Geburt und Wiedergeburt am selben Tag, im Zeichen des anfangenden Osterfestes geschenkt worden sind, so wurde ich zugleich in meine eigene Familie und in die grosse Familie Gottes hineingeboren. Ja, ich danke Gott, dass ich erleben durfte, was Familie bedeutet. Dass ich erfahren durfte, was Vaterschaft heisst und dass so das Wort von Gott dem Vater von innen her verständlich wurde, von der menschlichen Erfahrung her mir sich der Zugang öffnete zu dem grossen und gütigen Vater im Himmel. Vor ihm tragen wir Verantwortung. Aber er schenkt uns zugleich Vertrauen, weil in seiner Gerechtigkeit die Barmherzigkeit immer durchleuchtet und die Güte, mit der er auch unsere Schwachheit annimmt und uns aufhilft, um langsam den aufrechten Gang zu lernen. Ich danke Gott, dass ich tief erfahren durfte, was mütterliche Güte bedeutet, zu der die Zuflucht immer offensteht und die mir gerade so Freiheit gibt. Ich danke Gott für meine Geschwister, die mir ein Leben lang treu und helfend zur Seite standen und stehen. Ich danke Gott für die Weggefährten, Freunde und Helfer, die er mir geschenkt hat. Ich danke ganz besonders auch dafür, dass ich vom ersten Tag an in die grosse Gemeinschaft der Glaubenden hineinwachsen durfte, in der die Grenze zwischen Leben und Tod, zwischen Himmel und Erde aufgerissen ist; dass ich aus der Weisheit dieser Gemeinschaft lernen durfte, in der nicht nur die Erfahrungen der Menschheit von ihren frühesten Zeiten eingeboren sind: Ihre Weisheit ist nicht bloss Menschenweisheit, sondern in ihr rührt uns die Weisheit Gottes selber an – die ewige Weisheit.
Predigt am Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit, 15. April 2007


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