Freiheit




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Gesetz auf dem Sinai ist Grundlage der wahren Freiheit
Die menschliche Freiheit ist immer eine mit den Mitmenschen geteilte Freiheit, eine Gesamtheit von Freiheiten. Nur in einer geordneten Harmonie der Freiheiten, die jedem seinen eigenen Bereich eröffnet, kann eine allgemeine Freiheit aufrechterhalten werden. Deshalb war das Geschenk des Gesetzes auf dem Sinai keine Einschränkung oder gar Aufhebung der Freiheit, sondern gerade die Grundlage der wahren Freiheit.
Predigt zur Priesterweihe, Rom, Pfingstsonntag 15. Mai 2005




Wo Gott verschwindet wird der Mensch gebraucht und missbraucht
Zuerst dachten und glaubten wir, wir würden, wenn wir Gott beiseite liessen und autonom würden und nur unseren Ideen, unserem Willen Folgten, wirklich frei, weil wir alles tun könnten, was wir wollten, ohne dass uns irgend jemand irgendwelche Befehle geben könne. Aber wo Gott verschwindet, wird der Mensch nicht grösser. Im Gegenteil: Er verliert seine göttliche Würde, er verliert den göttlichen Glanz auf seinem Angesicht. Schliesslich erweist er sich nur als das Produkt einer blinden Evolution und als solches kann er gebraucht und missbraucht werden. Gerade das hat die Erfahrung dieser unserer Zeit bestätigt.
Predigt in der Pfarrkirche von Castelgandolfo, 15. August 2005



Europa, eine Vereinigung von demokratischen Staaten
Europa stellt in unserer brüchigen und mit Gefahren belasteten Welt einen Lebensraum des Wohlstands und der Sicherheit dar. Ebenso handelt es sich in wirtschaftlicher Hinsicht um einen reichen Kontinent, der auch in Zukunft vor allem aus den benachteiligten Regionen der südlichen Halbkugel viele ärmere Menschen anziehen wird. Die Europäische Union kann zu Recht den Anspruch erheben, eine Vereinigung von demokratischen Staaten zu sein, die sich in einer neuartigen Form miteinander verbunden haben. Das stellt für andere Staatengruppen ein möglicherweise nachzuahmendes Modell dar, da es immer notwendiger erscheint, die konstruktiven Kräfte zu vereinen, um den Anforderungen der Globalisierung gerecht werden zu können.
Ansprache an den neuen Botschafter der Republik Finnland, 1. Dezember 2005



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Der Wille Gottes macht uns zu freien Geschöpfen
Liebe ist nicht Abhängigkeit, sondern Geschenk, das uns leben lässt. Die Freiheit eines Menschen ist die Freiheit eines begrenzten Wesens und ist daher selbst begrenzt. Wir können sie nur als geteilte Freiheit, in der Gemeinschaft der Freiheiten, besitzen: Nur wenn wir in rechter Weise miteinander und füreinander leben, kann sich die Freiheit entfalten. Aber wir leben in rechter Weise, wenn wir gemäss der Wahrheit unseres Seins, das heisst nach dem Willen Gottes leben. Denn der Wille Gottes ist für den Menschen nicht ein ihm von aussen auferlegtes Gesetz, das ihn einengt, sondern das seiner Natur wesenseigene Mass, ein Mass, das in ihm eingeschrieben ist und ihn zum Abbild Gottes und somit zum freien Geschöpf macht. Wenn wir gegen die Liebe und gegen die Wahrheit - also gegen Gott - leben, zerstören wir uns gegenseitig und zerstören die Welt. Dann finden wir nicht das Leben, sondern handeln im Interesse des Todes.
Eucharistiefeier im Petersdom, 8. Dezember 2005



Verantwortung
Freiheit und Verantwortung gehören zusammen. Die wahre Freiheit zeigt sich in der Verantwortung, in einer Handlungsweise, die Mitverantwortung trägt für die Welt, für sich selbst und für die anderen. Frei ist der Sohn, dem die Dinge gehören und der daher nicht zulässt, dass sie zerstört werden. Alle weltlichen Verantwortlichkeiten, von denen wir gesprochen haben, sind jedoch nur Teilverantwortlichkeiten, die einen bestimmten Bereich, einen bestimmten Staat usw. betreffen. Der heilige Geist dagegen macht uns zu Söhnen und Töchtern Gottes. Er bezieht uns ein in die Verantwortlichkeit Gottes selbst für seine Welt, für die gesamte Menschheit. Er lehrt uns, die Welt, den Nächsten und uns selbst mit den Augen Gottes zu betrachten. Wir tun das Gute nicht wie Sklaven, die nicht die Freiheit haben, anders zu handeln, sondern wir tun es, weil wir persönliche Verantwortung für die Welt tragen, weil wir die Wahrheit und das Gute lieben, weil wir Gott lieben und daher auch seine Geschöpfe. Das ist die Wahre Freiheit, zu der der Heilige Geist uns führen will.
Predigt bei der Pfingstvigil, 3. Juni 2006



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Bausteine für den Frieden
Die Verpflichtung gegenüber der Wahrheit öffnet den Weg zu einer dauerhaften Versöhnung durch den heilenden Prozess, um Vergebung zu bitten und Vergebung zu gewähren – zwei unverzichtbare Bausteine für den Frieden. Auf diese Weise wird unser Gedächtnis gereinigt, in unsere Herzen zieht Frieden ein, und unsere Zukunft ist erfüllt von einer begründeten Hoffnung auf den Frieden, der der Wahrheit entspringt.
"Ad-limina"-Besuch der kanadischen Bischöfe der westlichen Kirchenprovinzen, 9. Oktober 2006



Danach strebt die ganze Menschheit
Der Friede ist das Ziel, nach dem die ganze Menschheit strebt! Für die Gläubigen ist "Friede" einer der schönsten Namen Gottes, der die Eintracht aller seiner Kinder will:[...] Ein Friedensgesang erscholl im Himmel, als Gott Mensch wurde und, als die Zeit erfüllt war, von einer Frau geboren wurde (vgl. Gal 4,4). Beginnen wir also diesen neuen Advent – eine Zeit, die uns vom Herrn der Zeit geschenkt ist – und wecken wir in unseren Herzen die Erwartung des "Gottes-der-kommt" sowie die Hoffnung, dass sein Name geheiligt werde, dass sein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens komme, dass sein Wille geschehen wie im Himmel so auf Erden.
Predigt bei der Ersten Vesper zum Ersten Adventssonntag, 2. Dezember 2006



Die wahre Freude
Die Freude, die die Liturgie in den Herzen der Gläubigen weckt, ist nicht uns allein vorbehalten: Es handelt sich um eine prophetische Botschaft, die für die ganze Menschheit bestimmt ist, besonders für die ärmsten, in diesem Fall für diejenigen, welche die an Freude ärmsten sind! Wir denken an unsere Brüder und Schwestern, die vor allem in Nahen Osten, in einigen Gebieten Afrikas und in anderen Teilen der Welt das Drama des Krieges erleben: Welche Freude können sie erfahren? Denken wir an die vielen kranken und einsamen Menschen, die nicht nur im Körper, sondern auch an Geist und Seele geprüft sind, weil sie sich nicht selten verlassen fühlen: Wie können wir die Freude mit ihnen teilen, ohne es an Rücksicht gegenüber ihrem Leid fehlen zu lassen? Denken wir aber auch an die Menschen – vor allem die Jugendlichen -, die den Sinn für echte Freude verloren haben und sie vergeblich dort suchen, wo sie unmöglich gefunden werden kann: in der erbitterten Jagd nach Selbstbehauptung und Erfolg, in falschen Vergnügungen, im Konsumdenken, in Rauschzuständen, in den künstlichen Paradiesen der Drogen und jeder Form von Wirklichkeitsflucht. Wie sollten wir nicht die liturgischen Texte von heute mit ihrem "Freut euch!" diesen dramatischen Wirklichkeiten gegenüberstellen? Wie zur Zeit des Propheten Zefanja ist das Wort des Herrn vorrangig gerade an die Leidgeprüften gerichtet, an die "vom Leben Verletzten" und die "Waisen der Freude". Die Einladung zur Freude ist weder eine von der Wirklichkeit entfremdende Botschaft noch ein fruchtloses Linderungsmittel, sondern im Gegenteil eine prophetische Ankündigung des Heils und ein Aufruf zu einer Befreiung, die von der inneren Erneuerung ausgeht.
Angelus, 17. Dezember 2006


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Echte Freiheit durch den Weg der Wahrheit
Im Persönlichen wie im öffentlichen Leben ist es notwendig, den Mut zu haben, die Wahrheit zu sagen und ihr zu folgen, frei zu sein in bezug auf die uns umgebende Welt, die oft dazu neigt, ihre Anschauungen und die zu übernehmenden Verhaltensweisen aufzudrängen. Die echte Freiheit besteht darin, dass man auf dem Weg der Wahrheit vorangeht, gemäss der eigenen Berufung und im Wissen, dass jeder vor seinem Schöpfer und Erlöser Rechenschaft über sein Leben ablegen müssen wird. Es ist wichtig, dass wir den jungen Menschen einen solchen Weg vorschlagen können, indem wir sie daran erinnern, dass wahre Entfaltung nicht um jeden Preis zu haben ist, und sie einladen, sich nicht damit zufrieden zu geben, allen sich bietenden Moden zu folgen. So werden sie mit Mut und Beharrlichkeit den Weg der Freiheit und des Glücks unterscheiden können, der voraussetzt, dass eine Reihe von Anforderungen gelebt wird und die Anstrengungen, Opfer und Entsagungen vollbracht werden, die für rechtes Handeln notwendig sind.
Ansprache für eine Delegation der Pariser Akademie für Moral- und Politikwissenschaften, 10. Februar 2007



Die Freiheit als Dienst leben
Der Evangelist Lukas erzählt, dass Jesus, "als die Zeit herankam, in der er (in den Himmel) aufgenommen werden sollte, (sich) entschloss, nach Jerusalem zu gehen"(Lk 9,51). Im Ausdruck "er entschloss sich" können wir die Freiheit Christi erkennen. Er weiss nämlich, dass ihn in Jerusalem der Kreuzestod erwartet, aber im Gehorsam gegenüber dem Willen des Vaters opfert er sich selbst aus Liebe. In diesem Gehorsam dem Vater gegenüber verwirklicht Jesus seine Freiheit als bewusste Entscheidung, die ihren Grund in der Liebe hat. Wer ist freier als Er, der der Allmächtige ist? Er aber hat seine Freiheit nicht als Willkür oder als Herrschaft gelebt. Er hat sie als Dienst gelebt. Auf diese Weise hat er die Freiheit, die sonst "Leere" Möglichkeit bliebe, etwas zu tun oder zu lassen, mit Inhalt "gefüllt". Wie das Leben des Menschen selbst schöpft auch die Freiheit Sinn aus der Liebe. Denn: Wer ist freier? Der, der sich alle Möglichkeiten vorbehält aus Angst, sie zu verlieren, oder jener, der sich " entschlossen" im Dienst müht und sich so voller Leben wiederfindet durch die Liebe, die er geschenkt und empfangen hat?
Angelus, 1. Juli 2007



Gebrauch der Freiheit
Und schliesslich ist der Mensch eine freie Person. Wir müssen begreifen was Freiheit ist und was bloss der Schein von Freiheit ist. Die Freiheit, so könnten wir sagen, ist ein Sprungbrett, um in das unendliche Meer der göttlichen Güte hineinzuspringen; sie kann aber auch zu einer schiefen Ebene werden, auf der wir zum Abgrund der Sünde und des Bösen hin abrutschen und damit auch die Freiheit und unsere Würde verlieren.
Predigt bei Eucharistiefeier im römischen Jugendgefängnis, 18. März 2007



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Das Drama der menschlichen Freiheit
In diesen Tagen der Ruhe, die ich, Gott sei es gedankt, hier in Cadore verbringe, spüre ich noch intensiver den Schmerz über die Nachrichten, die mich zu den blutigen Zusammenstössen und Episoden der Gewalt erreichen, die in vielen Teilen der Welt geschehen. Dies veranlasst mich dazu, heute noch einmal über das Drama der menschlichen Freiheit in der Welt nachzudenken. Die Schönheit der Natur erinnert uns daran, dass wir von Gott dazu bestellt worden sind, diesen "Garten", der die Erde ist, zu " bebauen und zu hüten" (vgl. Gen 2,8-17): Und ich sehe, dass ihr wirklich diesen schönen Garten Gottes, ein wahres Paradies, bebaut und hütet. Denn wenn die Menschen in Frieden mit Gott und untereinander leben, gleicht die Erde wirklich einem "Paradies". Die Sünde verdirbt leider immer von neuem diesen göttlichen Plan, indem sie Spaltungen hervorbringt und den Tod in die Welt eintreten lässt. So kommt es, dass die Menschen den Versuchungen des Bösen nachgeben und einander bekriegen. Die Folge ist, dass in diesem wunderbaren "Garten", der die Welt ist, sich auch Räume der "Hölle" öffnen.
Angelus, 22. Juli 2007



Freiheit verlangt ein Miteinander
Beim Thema "Freiheit" ist daran zu erinnern, dass menschliche Freiheit immer ein Miteinander von Freiheiten verlangt. Dieses Miteinander aber kann nicht gelingen, wenn es nicht von einem gemeinsamen inneren Mass bestimmt wird, das Grund und Ziel unserer Freiheit ist. Sagen wir es jetzt ganz einfach: Der Mensch braucht Gott, sonst ist er hoffnungslos.
Spe salvi 23, 30. November 2007



Die Freiheit des Menschen ist immer neu
Wir müssen feststellen, dass addierbarer Fortschritt nur im materiellen Bereich möglich ist. Hier, in der wachsenden Erkenntnis der Strukturen der Materie und entsprechend den immer weitergehenden Erfindungen gibt es klarerweise eine Kontinuität des Fortschritts zu immer grösserer Beherrschung der Natur. Aber im Bereich des moralischen Bewusstseins und des moralischen Entscheidens gibt es keine gleichartige Addierbarkeit, aus dem einfachen Grund, weil die Freiheit des Menschen immer neu ist und ihre Entscheide immer neu fällen muss. Sie sind nie einfach für uns von anderen schon getan - dann wären wir ja nicht mehr frei. Freiheit bedingt, dass in den grundlegenden Entscheiden jeder Mensch, jede Generation ein neuer Anfang ist. Sicher können die neuen Generationen auf die Erkenntnisse und Erfahrungen derer bauen, die ihnen vorausgegangen sind, und aus dem moralischen Schatz der ganzen Menschheit schöpfen. Aber sie können ihn auch verneinen, weil er nicht dieselbe Evidenz haben kann wie die materiellen Erfindungen. Der moralische Schatz der Menschheit ist nicht da, wie Geräte da sind, die man benutzt, sondern ist als Anruf an die Freiheit und als Möglichkeit für sie da.
Spe salvi 24, 30. November 2007



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Freiheit braucht Überzeugung
Der rechte Zustand der menschlichen Dinge, das Gutsein der Welt, kann nie einfach durch Strukturen allein gewährleistet werden, wie gut sie auch sein mögen. Solche Strukturen sind nicht nur wichtig, sondern notwendig, aber sie können und dürfen die Freiheit des Menschen nicht ausser Kraft setzen. Auch die besten Strukturen funktionieren nur, wenn in einer Gemeinschaft Überzeugungen lebendig sind, die die Menschen zu einer freien Zustimmung zur gemeinschaftlichen Ordnung motivieren können. Freiheit braucht Überzeugung; Überzeugung ist nicht von selbst da, sondern muss immer wieder neu gemeinschaftlich errungen werden.
Spe salvi 24 a), 30. November 2007



Die Freiheit muss für das Gute gewonnen werden
Weil der Mensch immer frei bleibt und weil seine Freiheit immer auch brüchig ist, wird es nie das endgültig eingerichtete Reich des Guten in dieser Welt geben. Wer die definitiv für immer bleibende bessere Welt verheisst, macht eine falsche Verheissung, er sieht an der menschlichen Freiheit vorbei. Die Freiheit muss immer neu für das Gute gewonnen werden. Die freie Zustimmung zum Guten ist nie einfach von selber da. Gäbe es Strukturen, die unwiderruflich eine bestimmte - gute - Weltverfassung herstellen ,so wäre die Freiheit des Menschen negiert, und darum wären dies letztlich auch keine guten Strukturen.
Spe salvi 24 b), 30. November 2007



Wegweisungen für die nächste Generation schaffen
Das immer neue Finden um die rechte Ordnungen der menschlichen Dinge ist jeder Generation auferlegt: es ist nie einfach zu Ende gebracht. Jede Generation muss freilich auch das Ihrige tun, dass sie überzeugende Ordnungen der Freiheit und des Guten einrichtet, die der nächsten Generation als Wegweisung zum rechten Gebrauch der menschlichen Freiheit helfen und insofern in aller menschlichen Beschränkung eine gewisse Gewähr auch für die Zukunft geben. Anders gesagt: Gute Strukturen helfen, aber sie reichen allein nicht aus. Der Mensch kann nie einfach nur von aussen her erlöst werden.
Spe salvi 25, 30. November 2007



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Freiheit ist immer neu
Freiheit ist nicht nur ein Geschenk, sondern auch eine Aufforderung zu persönlicher Verantwortung. Die Amerikaner wissen das aus Erfahrung - fast jede Stadt in diesem Land hat ihre Denkmäler zu Ehren derjenigen, die bei der Verteidigung der Freiheit, sowohl im eigenen Land wie im Ausland, ihr Leben hingegeben haben. Die Erhaltung der Freiheit erfordert Tugendhaftigkeit, Selbstdisziplin, Opferbereitschaft für das Gemeinwohl und ein Verantwortungsgefühl gegenüber den Benachteiligten. Sie erfordert auch den Mut, sich im zivilen Leben zu engagieren und seine tiefsten Glaubensüberzeugungen und Werte in die berechtigte öffentliche Debatte einzubringen. Mit einem Wort: Freiheit ist immer neu. Sie ist eine Herausforderung für jede Generation und muss immer neu für das Gute errungen werden. ( vgl. Spe salvi, 24).
Ansprache beim Besuch bei Präsident George W. Bush im Weissen Haus, 16. April 2008



Die gemeinsamen Werte der Menschheit wahren
Genau das ist das wesentliche Ziel der Vereinten Nationen: Die gemeinsamen Werte der Menschheit zu wahren, auf denen das friedliche Zusammenleben der Nationen gründet - die Wahrung des Rechts und die Entwicklung des Rechts. Ich habe bereites kurz erwähnt, dass es mir sehr wichtig erscheint, dass die Grundlage der Vereinten Nationen grade die Idee der Menschenrechte ist, der Rechte, die nicht verhandelbare Werte zum Ausdruck bringen, die allen Institutionen vorausgehen und die Grundlage aller Institutionen sind. Und es ist wichtig, dass es diese Übereinstimmung zwischen den Kulturen gibt, die einen Konsens über die Tatsache gefunden haben, dass diese Werte Grundlegend und in das Menschsein selbst eingeschrieben sind. Es ist ausserdem wichtig, das Bewusstsein zu erneuern, das die Vereinten Nationen in ihrer friedenstiftenden Funktion nur dann tätig sein können, wenn sie diese gemeinsame Grundlage der Werte haben, die dann in Form von "Rechten" zum Ausdruck kommen, die von allen gewahrt werden müssen. Diese wesentliche Auffassung zu bestätigen und sie nach Möglichkeit zu aktualisieren, ist ein Ziel meiner Sendung.
Interview beim Flug in die Vereinigten Staaten von Amerika, 15. April 2008



Zielloses Streben nach Neuem
Wir beobachten heute eine Scheu gegenüber der Kategorie des Guten und ein zielloses streben nach Neuem, das als Erfüllung der Freiheit gilt. Wir sind damit Zeugen der Annahme, dass jede Erfahrung von gleicher Bedeutung ist, und des Widerstrebens, Unvollkommenheit und Fehler zuzulassen. Und besonders beunruhigend ist die Reduzierung des kostbaren und delikaten Bereichs der Sexualerziehung auf ein "Risikomanagement", das jeglichen Bezug zur Schönheit der ehelichen Liebe entbehrt.
Ansprache bei Besuch der Katholischen Universität in Washington D.C., 16. April 2008



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Die Freiheit ist ein delikater Wert
Die Manipulation der Wahrheit verfälscht unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit und trübt unsere Vorstellungskraft und unsere Bestrebungen. [...] Die grundlegende Bedeutung der Freiheit muss mit Entschiedenheit bewahrt werden. Es ist daher nicht überraschend, dass viele Einzelpersonen und Gruppen in der Öffentlichkeit lautstark ihre Freiheit einfordern. Doch die Freiheit ist ein delikater Wert. Sie kann falsch verstanden oder schlecht gebraucht werden und auf diese Weise nicht zu dem Glück führen, das wir alle von ihr erwarten, sondern auf einen dunklen Schauplatz der Manipulation, auf dem das Verständnis, das wir von uns selbst und von der Welt haben, durch diejenigen, die einen verborgenen Plan verfolgen, verwirrt oder sogar entstellt wird.
Ansprache an die Jugendlichen und Seminaristen im New Yorker Priesterseminar "Saint Joseph", 19. April 2008



Das Ziel der Freiheit
Welches Ziel hat eine "Freiheit", die unter Missachtung der Wahrheit das verfolgt, was falsch und unrichtig ist? Wie vielen jungen Menschen ist eine Hand gereicht worden, die sie im Namen der Freiheit oder der Erfahrung zu Drogenabhängigkeit, zu moralischer oder intellektueller Verwirrung, zur Gewalt, zum Verlust der Selbstachtung, ja zur Verzweiflung und auf tragische Weise gar zum Selbstmord geführt hat? Liebe Freunde, die Wahrheit ist kein auferlegter Zwang. Noch ist sie einfach eine Ansammlung von Regeln. Sie ist die Entdeckung des Einen, der uns niemals verrät; des Einen, dem wir immer vertrauen können. Wenn wir die Wahrheit suchen, gelangen wir zum Leben aus dem Glauben, denn die Wahrheit ist letztlich eine Person: Jesus Christus. Das ist der Grund, warum wahre Freiheit nicht in der Entscheidung besteht, sich "einer Sache zu entledigen". Sie ist die Entscheidung, sich "für etwas einzusetzen"; das bedeutet nichts weniger, als aus sich selbst herauszugehen und es zuzulassen, in Christi Dasein "für andere" hineingenommen zu werden (vgl. Spe salvi. 28).
Ansprache an die Jugendlichen und Seminaristen im New Yorker Priesterseminar "Saint Joseph", 19. April 2008



Nicht das "Nein" zu Gott ist die Freiheit
Adam (und Adam sind wir selbst) dachte, das "Nein" wäre der Gipfel der Freiheit. Nur wer "nein" sagen kann, wäre wirklich frei; um seine Freiheit tatsächlich zu realisieren, müsse der Mensch zu Gott "nein" sagen, nur so, meint er, endlich er selbst zu sein, am Gipfel der Freiheit angekommen zu sein. Diese Neigung trug auch die menschliche Natur Christi in sich, aber sie hat sie überwunden, weil Jesus gesehen hat, dass nicht das "Nein" das Maximum der Freiheit ist.
Generalaudienz, 25. Juni 2008



Ja sagen zum göttlichen Willen
Das Maximum der Freiheit ist das "Ja", die Übereinstimmung mit dem Willen Gottes. Nur im "Ja" wir der Mensch wirklich er selbst; nur im der grossen Öffnung des "Ja", in der Vereinigung seines Willens mit dem göttlichen Willen wird der Mensch unendlich offen, wird er "göttlich". Zu sein wie Gott, das heisst völlig frei zu sein, war der Wunsch Adams. Aber der Mensch, der sich in sich selbst verschliesst, ist nicht göttlich, ist nicht vollkommen frei; er ist dann frei, wenn er aus sich herausgeht, im "Ja" wird er frei, und das ist das Drama von Getsemani: nicht mein Wille geschehe, sondern der deine. Dadurch, dass der menschliche Wille in den göttlichen eingebracht wird, entsteht der wahre Mensch, so sind wir erlöst.
Generalaudienz, 25. Juni 2008



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Bindungslosigkeit ist keine Freiheit
Es wäre ein Verhängnis, wenn die europäische Kultur von heute Freiheit nur noch als Bindungslosigkeit auffassen könnte und damit unvermeidlich dem Fanatismus und der Willkür in die Hand spielen würde. Bindungslosigkeit und Willkür sind nicht Freiheit, sondern deren Zerstörung.
Ansprache bei der Begegnung mit Vertretern der Kultur im Collège des Bernardins in Paris, 12. September 2008



Die rechte Ausübung der Freiheit
Es scheint mir […] notwendig neu zu definieren, was die Ausübung der Freiheit bedeutet. Allzu oft beruft man sich auf diesen Ausdruck, um gewisse Entgleisungen zu rechtfertigen. Ihre Ausübung wird nämlich zunehmend lediglich als ein absoluter Wert – als ein unantastbares recht des Individuums – wahrgenommen, während die Bedeutung des göttlichen Ursprungs der Freiheit und der für ihre Gestaltung notwendigen gemeinschaftlichen Dimension ignoriert wird. Nach dieser Interpretation könnte der einzelne Mensch allein die Physiognomie, die Wesensmerkmale und die Zweckbestimmtheiten des Lebens, des Todes und der Ehe beschliessen und wählen. Die wahre Freiheit aber und ihre Entfaltung hat ihren Grund letztlich in Gott. Sie ist ein Geschenk, das man gleichsam als Keim annehmen und in verantwortungsvoller Weise reifen lassen kann, um die menschliche Person und die Gesellschaft wirklich zu bereichern. Diese Ausübung dieser Freiheit setzt die Bezugnahme auf ein allumfassendes natürliches Sittengesetz voraus, das allen Rechten und Pflichten vorausgeht und sie verbindet.
Ansprache an die neue Botschafterin Kanadas, 30. Oktober 2008


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