Sein Werk




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Seine feste Hand
In diesen Stunden ist mein Inneres von zwei gegensätzlichen Empfindungen erfüllt. Einerseits ein Gefühl der Unzulänglichkeit und menschlichen Unruhe wegen der grossen Verantwortung, die mir gestern als Nachfolger des Apostels Petrus für die universale Kirche an diesem Sitz in Rom übertragen wurde. Andererseits empfinde ich eine tiefe Dankbarkeit gegenüber Gott, der – wie die Liturgie uns singen lässt – seine Herde nicht im Stich lässt, sondern sie die Zeiten hindurch unter der Führung derer leitet, die er als Stellvertreter seines Sohnes erwählt und als Hirten eingesetzt hat.
Meine Lieben, trotz allem überwiegt in meinem Herzen diese tiefe Dankbarkeit für ein Geschenk der göttlichen Barmherzigkeit. Und ich betrachte diese Tatsache als eine besondere Gnade, die mir von meinem verehrten Vorgänger Johannes Paul II. erwirkt wurde. Mir scheint es, seine feste Hand zu fühlen, die meine Hand drückt; mir scheint es, seine lächelnden Augen zu sehen und seine Worte zu hören, die in diesem Augenblick besonders mir gelten: »Hab keine Angst!«
Botschaft an die wahlberechtigten Kardinäle, Sixtinische Kapelle, 20. April 2005



Eine andere Kirche
Mir steht insbesondere das Zeugnis von Papst Johannes Paul II. vor Augen. Er hinterlässt eine mutigere, freiere und jüngere Kirche. Eine Kirche, die nach seiner Lehre und seinem Beispiel gelassen auf die Vergangenheit blickt und keine Angst vor der Zukunft hat.
Botschaft an die wahlberechtigten Kardinäle, Sixtinische Kapelle, 20. April 2005



Wir danken für alles
Bevor wir nun eine kurze Auslegung des eben gesungenen Psalms vornehmen, möchte ich daran erinnern, dass heute der Geburtstag unseres geliebten Papstes Johannes Paul II. ist. Er wäre heute 85 Jahre alt geworden, und wir sind sicher, dass er uns vom Himmel aus sieht und bei uns ist. Wir wollen bei dieser Gelegenheit dem Herrn für das Geschenk dieses Papstes danken und wir wollen dem Papst selber für alles danken, was er getan und gelitten hat.
Generalaudienz, 18. Mai 2005



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Unermüdlicher Missionar
Wie könnte ich, wenn ich Sie hier vor mir sehe, es unterlassen, an den langen und fruchtbringenden Dienst des geliebten Papstes Johannes Paul II. zu erinnern! Als unermüdlicher Missionar des Evangeliums hat er in den zahlreichen von ihm besuchten Ländern auch für das Anliegen der Einheit der Menschheitsfamilie einen einzigartigen Dienst geleistet. Indem er alle Menschen guten Willens einlud, unaufhörlich ihr Gewissen zu schärfen und in Liebe und gegenseitigem Verzeihen eine gerechte, friedliche und solidarische Gesellschaft aufzubauen, hat er den Weg zu Gott gezeigt. Nicht zu vergessen auch seine unzähligen Begegnungen mit den Staatsoberhäuptern, Regierungschefs und Botschaftern hier im Vatikan, in deren Verlauf er sich die Verteidigung der Sache des Friedens zur Aufgabe gemacht hat.
Audienz für das beim Hl. Stuhl akkreditierte Diplomatische Korps, 12. Mai 2005



Liebe zu Christus
Liebe Freunde, als Nachfolger Petri bin ich hier, um im Glauben diese "Gnade des Apostolats" wiederzubeleben, denn Gott hat mir gemäss einem anderen Wort des Völkerapostels "die Sorge für die Gemeinden" (vgl. 2 Kor 5,14) anvertraut. Wir haben das Beispiel meines geliebten und verehrten Vorgängers Johannes Paul II. vor Augen, dessen so intensives Wirken, für das mehr als hundert Apostolische Reisen ausserhalb der Grenzen Italiens Zeugnis geben, wirklich unnachahmlich ist. Was bewegte ihn zu einer solchen Dynamik, wenn nicht eben jene Liebe zu Christus, die auch das Leben des hl. Paulus verwandelte (vgl. 2 Kor 5,14)? Der Herr möge auch in mir eine solche Liebe nähren, damit ich mich rastlos einsetze für die so dringend notwendige Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute. Die Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch, ihre vorrangige Aufgabe ist die Evangelisierung.
Besuch in der Patriarchalbasilika St. Paul vor den Mauern, 25. April 2005



Das Fenster
Zum ersten Mal wende ich mich an euch von diesem Fenster aus, das durch die geliebte Person meines Vorgängers unzähligen Menschen auf der ganzen Welt vertraut geworden ist. Und wir denken auch an jenes andere Fenster. Einem Termin getreu, der zu einer lieben Gewohnheit geworden ist, hat Johannes Paul II. Sonntag für Sonntag über ein Vierteljahrhundert lang die Geschichte der Kirche und der Welt begleitet, und wir spüren, dass er uns weiterhin sehr nahe ist.
Regina Coeli, 1. Mai 2005



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Er sprach...
In dieser Stunde geht meine Erinnerung zurück zum 22. Oktober 1978, als Papst Johannes Paul II. hier auf dem Petersplatz sein Amt übernahm. Immer noch und immer wieder klingen mir seine Worte von damals in den Ohren: "Non avete paura: Aprite, anzi spalancate le porte per Cristo!" Der Papst sprach zu den Starken, zu den Mächtigen der Welt, die Angst hatten, Christus könnte ihnen etwas von ihrer Macht wegnehmen, wenn sie ihn einlassen und die Freiheit zum Glauben geben würden. Ja, er würde ihnen schon etwas wegnehmen: die Herrschaft, die Korruption, der Rechtsbeugung, der Willkür. Aber er würde nichts wegnehmen von dem, was zur Freiheit des Menschen, zur seiner Würde, zum Aufbau einer rechten Gesellschaft gehört. Und der Papst sprach zu den Menschen, besonders zu den jungen Menschen. Haben wir nicht alle irgendwie Angst, wenn wir Christus ganz herein lassen, und ihm ganz öffnen, könnte uns etwas genommen werden von unserem Leben? Müssen wir dann nicht auf so vieles verzichten, was das Leben erst so richtig schön macht? Würden wir nicht eingeengt und unfrei?
Und wiederum wollte der Papst sagen: Nein. Wer Christus einlässt, dem geht nichts, nichts – gar nichts verloren von dem, was das Leben frei, schön und gross macht. Nein, erst in dieser Freundschaft öffnen sich die Türen des Lebens. Erst in dieser Freundschaft gehen überhaupt die grossen Möglichkeiten des Menschseins auf. Erst in dieser Freundschaft erfahren wir, was schon und was befreiend ist.
Heilige Messe zur Amtseinführung, 24. April 2005



Anbetung und hl. Messe
Dieses in besonderer Weise dem eucharistischen Mysterium gewidmete Jahr hatte der geliebte Papst Johannes Paul II. gewollt, um den Glauben, das Staunen und die Liebe zu diesem grossen Sakrament, das der Wahre Schatz der Kirche ist, im christlichen Volk neu zu wecken. Mit wieviel Hingabe feierte er die heilige Messe, Mittelpunkt aller seiner Tage! Und wieviel Zeit verbrachte er in ehrfurchtsvollem, stillem Gebet vor dem Tabernakel! In den letzten Lebensmonaten brachte ihn seine Krankheit dem leidenden Christus immer näher. Wir sind gerührt von dem Gedanken, dass er in der Todesstunde das Opfer seines Lebens mit dem Opfer Christi in der neben seinem Bett zelebrierten Messe vereinte. Sein irdisches Dasein endete in der Osteroktav, der Herzmitte diese eucharistischen Jahres, in dessen Verlauf sich der Uebergang von seinem bedeutenden Pontifikat zu meinem vollzog.
Angelus, 4. September 2005



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Konsequentes Leben verkündet
Wir waren alle sehr von der Tatsache beeindruckt, dass das Zeugnis von Papst Johannes Paul II. auch bei nichtchristlichen Völkern ein nachhaltiges Echo hervorgerufen hat, wie uns verschiedene Apostolische Nuntien berichteten. Dies bestätigt, dass dort, wo Christus durch ein konsequentes Leben verkündet wird, er zum Herzen aller Menschen sprechen kann, also auch zu den Brüdern und Schwestern anderer religiöser Traditionen.
Ansprache an die Mitgl. der päpstliche Diplomatenakademie, 20. Mai 2005



Zeugnis der Liebe und der Hingabe im Leiden
An seinem Grab in den Vatikanischen Grotten setzt sich der Pilgerzug zahlloser gläubiger Menschen ununterbrochen fort, und auch dies ist ein beredtes Zeichen dafür, wie sehr der verehrte Johannes Paul II. die Herzen der Menschen erobert hat, vor allem durch sein Zeugnis der Liebe und der Hingabe im Leiden. In ihm konnten wir die Kraft des Glaubens und des Gebets bewundern, wie auch die vollkommene Hingabe an die allerseligste Jungfrau Maria, die ihn stets begleitet und beschützt hat, besonders in den schwierigsten und dramatischsten Stunden seines Lebens.
Angelus, 16. Oktober 2005



Marianisch
Wir könnten Johannes Paul II. charakterisieren als einen Papst, der sich ganz Jesus geweiht hat durch Maria, wie es sein Wappenspruch "Totus tuus" so treffend zum Ausdruck brachte, Er wurde mitten im Rosenkranzmonat gewählt, und der Rosenkranz, den er oft in den Händen hielt, wurde zu einem der Kennzeichen seines Pontifikats, über das die Unbefleckte Jungfrau mit mütterlicher Fürsorge wachte. Über Radio und Fernsehen konnten die Gläubigen der ganzen Welt sich ihm oft bei diesem Mariengebet anschliessen und konnten - dank seines Vorbilds und seiner Lehren - dessen authentischen, kontemplativen und christologischen Sinn wiederentdecken.
Angelus, 16. Oktober 2005



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Kontemplativ und missionarisch
Kontemplativ und missionarisch: So war Johannes Paul II. dank seiner innigen Verbindung zu Gott, die er täglich durch die Eucharistie und ausgedehnte Gebetszeiten nährte. Zur Stunde des Angelus, die ihm so wichtig war, ist es eine schöne Pflicht, am heutigen Jahrestag an ihn zu erinnern, und wir danken Gott von neuem dafür, dass er der Kirche und der Welt einen so würdigen Nachfolger des Apostels Petrus geschenkt hat. Die Jungfrau Maria helfe uns, sein kostbares Erbe treu zu bewahren.
Angelus, 16. Oktober 2005



Erster polnischer Papst
Von Herzen grüsse ich alle hier versammelten Polen. Heute gedenken wir der Wahl von Johannes Paul II. auf den Stuhl des hl. Petrus, er war der erste polnische Papst. Für seinen grossherzigen Dienst zugunsten der Kirche und der gesamten Menschheitsfamilie danken wir dem guten Gott und erneuern unsere Verpflichtung zu Bewahrung seiner Lehre.
Angelus, 16. Oktober 2005



Das Herz eines Vaters
Jenseits jeder besonderen Wertung bin ich jedoch auch der Ansicht, dass dieser Film ein weiterer Beweis ist für die Liebe, die die Menschen, die wir alle Papst Johannes Paul II. entgegenbringen, und für ihren grossen Wunsch, an ihn zu erinnern, ihn wiederzusehen, seine Nähe zu spüren. über die eher oberflächlichen und emotionalen Aspekte dieses Phänomens hinaus existiert mit Sicherheit auch eine tiefe spirituelle Dimension, die wir hier im Vatikan jeden Tag feststellen können, wenn wir die grosse Schar von Pilgern sehen, die an seinem Grab in den Vatikanischen Grotten beten oder ihm dort durch einen kurzen Besuch die Ehre erweisen. Diese liebevolle, geistige Verbundenheit mit Johannes Paul II., die in den Tagen seines Sterbens und seines Todes noch enger wurde, ist nicht abgebrochen. Sie wurde nie gelöst, weil sie die Seelen verbindet, die grosse Seele des Papstes mit den Seelen von unzähligen Gläubigen; sein Herz eines Vaters mit den Herzen zahlloser Männer und Frauen guten Willens, die in ihm den Freund, den Verteidiger des Menschen, der Wahrheit, der Gerechtigkeit, der Freiheit und des Friedens erkannten. In allen Teilen der Welt haben sehr viele Menschen in ihm vor allem den konsequenten, hochherzigen Zeugen Gottes bewundert.
Ansprache bei der Vorführung eines Spielfilms über das Leben von Papst Johannes Paul II., 17. November 2005



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öffnet, ja reisst die Tore weit auf für Christus!
Johannes Paul II. ist so gestorben, wie er immer gelebt hat: beseelt vom ungebrochenen Mut des Glaubens, vollkommen Gott hingegeben und auf die allerseligste Jungfrau Maria vertrauend. [...] Ein Jahr nach seinem Heimgang von der Erde in das Haus des Vaters können wir uns fragen: Was hat uns dieser grosse Papst, der die Kirche ins dritte Jahrtausend geführt hat, hinterlassen? Sein Erbe ist unermesslich, aber die Botschaft seines sehr langen Pontifikats lässt sich gut in den Worten zusammenfassen, mit denen er es hier auf dem Petersplatz am 22. Oktober 1978 begann: "öffnet, ja reisst die Tore weit auf für Christus!"
Angelus, 2. April 2006



Alles genommen
In seinen letzten Lebensjahren hat der Herr ihm allmählich alles genommen, um ihn Sich vollkommen ähnlich zu machen. Und als er nicht mehr Reisen, dann nicht mehr gehen und schliesslich nicht einmal mehr sprechen konnte, beschränkten sich seine Gesten und seine Verkündigung auf das Wesentliche; die Selbsthingabe bis zuletzt. Sein Tod war die Vollendung seines konsequenten Glaubenszeugnisses, das die Herzen vieler Menschen guten Willens berührt hat.
Angelus, 2. April 2006



Treue und Hingabe
Wie soll man das Leben und das evangeliumsgemässe Zeugnis dieses grossen Papstes [Johannes Paul II.] zusammenfassen? Ich könnte versuchen, es in zwei Worten zu tun: "Treue" und "Hingabe", vollkommene Treue zu Gott und vorbehaltlose Hingabe an die eigene Sendung als Hirte der universalen Kirche. Diese Treue und Hingabe wurden in den letzten Monaten seines Lebens noch überzeugender und ergreifender sichtbar. In denen er selbst das Verkörperte, was er 1984 im Apostolischen Schreiben "Salvifici doloris" geschrieben hatte. Nach diesem Schreiben "ist das Leiden dafür in der Welt, um Liebe zu wecken, um Werke der Nächstenliebe zu veranlassen und die gesamte menschliche Zivilisation in eine "Zivilisation der Liebe" zu verwandeln" (Nr. 30). Seine Krankheit, die er mutig auf sich nahm, hat alle Menschen aufmerksamer werden lassen für den menschlichen Schmerz, für jeden körperlichen und geistlichen Schmerz; sie hat dem Leiden Würde und Wert verliehen und Zeugnis davon gegeben, dass der Mensch nicht aufgrund seiner Leistungsfähigkeit oder seines Erscheinungsbildes, sondern aus sich selbst heraus einen Wert besitzt, da er von Gott geschaffen wurde und von ihm geliebt ist.
Marianische Gebetsvigil am ersten Jahrestag des Todes von Johannes Paul II., 2. April 2006



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Zeugnis
Der Liebe Johannes Paul II. wurde nicht müde, der Welt durch Wort und Tat zu zeigen, dass der Mensch, wenn er sich von Christus umarmen lässt, nicht auf den Reichtum seines Menschseins verzichtet und dass ihm, wenn er Christus von ganzem Herzen treu ist, nichts fehlen wird.
Marianische Gebetsvigil am ersten Jahrestag des Todes von Johannes Paul II., 2. April 2006



Weggefährte
Die Begegnung mit Christus schenkt uns [...] Begeisterung für unser Leben. Eben weil sich unser geliebter Papst im Gebet, in der Kontemplation, in der Liebe zur Wahrheit und zur Schönheit immer mehr Gott genähert hat, konnte er für uns alle zum Weggefährten werden und massgeblich auch zu den Menschen sprechen, die dem christlichen Glauben fernstehen.
Marianische Gebetsvigil am ersten Jahrestag des Todes von Johannes Paul II., 2. April 2006



Mütterlicher Beistand
Die Bedeutung des marianischen Prinzips in der Kirche wurde nach dem Konzil von meinem geliebten Vorgänger Papst Johannes Paul II. in Übereinstimmung mit seinem Wahlspruch "Totus tuus" besonders hervorgehoben. In seinem spirituellen Ansatz und in seinem unermüdlichen Dienst wurde die Gegenwart Mariens als Mutter und Königin der Kirche vor den Augen aller offenbar. Mehr denn je spürte er diese mütterliche Gegenwart beim Attentat vom 13. Mai 1981 hier auf dem Petersplatz. Er wünschte, dass zur Erinnerung an jenes tragische Geschehen eine Mosaikdarstellung der allerseligsten Jungfrau vom Apostolischen Palast herab den Petersplatz beherrschen sollte, um die Höhepunkte und den gewöhnlichen Verlauf seines langen Pontifikats zu begleiten.
Predigt am Hochfest der Verkündigung des Herrn, 25. März 2006



Priester und Opfer
Eine seiner liebsten Anrufungen war der Litanei "Jesus Christus - Priester und Opfer" entnommen, die er am das Ende des Buches "Geschenk und Geheimnis" stellen wollte, das anlässlich seines 50jährigen Priesterjubiläums veröffentlicht wurde (vgl. S. 108-117): "Jesu Pontifex qui tradidisti temetipsum Deo oblationem et hostiam - Jesus, Hoherpriester, der du dich selbst Gott als Gabe und Opfer dargebracht hast, erbarme dich unser. "Wie oft hat er diese Anrufung wiederholt! Sie bringt den tiefen priesterlichen Charakter seines ganzen Lebens gut zum Ausdruck. Er hat kein Geheimnis aus seinem Wunsch gemacht, immer mehr mit Christus dem Hohenpriester durch das eucharistische Opfer, die Quelle unermüdlicher apostolischer Hingabe, eins werden zu wollen. Fundament dieser totalen Selbsthingabe war natürlich der Glaube.
Predigt bei der Eucharistiefeier zum Gedenken an Johannes Paul II., 3. April 2006


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Totus tuus
"Frau, siehe, dein Sohn! ...Siehe, deine Mutter!" (Joh 19,26-27). Diese Worte des sterbenden Herrn waren Johannes Paul II. besonders lieb. Wie der Apostel und Evangelist wollte auch er Maria zu sich nehmen: "et ex illa hora accepit eam discipulus in sua" (Joh 19.27). Der Ausdruck "accepit eam in sua" ist ganz besonders inhaltsreich: Er bezeichnet den Entschluss des Johannes, Maria an seinem Leben teilhaben zu lassen, so dass er die Erfahrung machte, dass derjenige, der Maria sein Herz öffnet, in Wirklichkeit von ihr angenommen und der Ihrige wird. Der Wahlspruch in Wappen des Pontifikats von Papst Johannes Paul II., Totus tuus, fasst sehr gut seine spirituelle und mystische Erfahrung eines durch Maria völlig auf Christus ausgerichteten Lebens zusammen: Ad Iesum per Mariam - durch Maria zu Jesus."
Predigt bei der Eucharistiefeier zum Gedenken an Johannes Paul II., 3. April 2006



Nichts ausgespart
Die Reise in seine Heimat [von Papst Johannes Paul II.] war für mich eine innere Pflicht des Dankes für alles, was er mir persönlich und vor allem für das, was er der Kirche und der Welt im Vierteljahrhundert seines Dienstes geschenkt hat. Sein grösstes Geschenk an uns alle war sein unerschütterlicher Glaube und die Radikalität seiner Hingabe. "Totus tuus" hiess sein Wahlspruch, in dem sich sein ganzes Wesen spiegelte. Ja, er war uneingeschränkt hingegeben an Gott, an Christus, an die Mutter Christi, an die Kirche, an den Dienst für den Erlöser und die Erlösung des Menschen. Er hat nichts ausgespart, sich von der Flamme des Glaubens bis auf den Grund verzehren lassen. Er hat uns gezeigt, wie man als Mensch dieses unseres Heute an Gott glauben kann, an den lebendigen, in Christus uns nahe gewordenen Gott. Er hat uns gezeigt, dass endgültige und radikale Hingabe des ganzen Lebens möglich ist und dass gerade im Sich-Geben das Leben gross und weit und fruchtbar wird.
Weihnachtsempfang für die Römische Kurie, 22. Dezember 2006



Der Duft seiner Liebe
In uns, die wir im Gebet vereint sind zum Gedächtnis meines verehrte Vorgängers, weckt Marias Geste der Salbung starken Widerhall und geistliche Eindrücke. Sie ruft das leuchtende Zeugnis in Erinnerung, das Johannes Paul II. von einer vorbehaltlosen und vollen Liebe zu Christus gegeben hat. Der "Duft" seiner Liebe "hat das ganze Haus erfüllt" (vgl. Joh 12.3), das heisst die Kirche. Sicher, wir, die wir ihm nahestanden, haben es in besonderer Weise wahrgenommen, und dafür danken wir Gott. Aber auch die Fernstehenden hatten davon Nutzen, denn die Liebe von Papst Wojtyla zu Christus war so stark und so tief, dass sie in alle Teile der Welt sozusagen übergeflossen ist. Sind nicht die Wertschätzung, die Achtung und die Zuneigung, die Glaubende und Nichtglaubende bei seinem Tod zum Ausdruck brachten, eine deutlicher Beweis dafür?
Predigt zum 2. Todestag des Dieners Gottes Johannes Paul II., 2. April 2007



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Das Kreuz in seinem Leben
Die Fruchtbarkeit dieses Zeugnisses, das wissen wir, kommt vom Kreuz. Im Leben Karol Wojtylas war das Wort "Kreuz" nicht nur ein Wort. Schon von Kindheit und Jugend an kannte er Leid und Tod. Als Priester und als Bischof und vor allem als Papst hat er den letzten Ruf des Auferstandenen Christus an Simon Petrus am Ufer des See Gennesaret ernst genommen: "Folge mir nach!...Du aber folge mir nach!" (Joh 21,19.22). Besonders während des langsamen, aber unaufhaltsamen Fortschreitens der Krankheit, die ihm nach und nach alles genommen hat, ist sein Dasein eine Ganzhingabe an Christus geworden, eine lebendige Verkündigung seines Leidens, in der Hoffnung, die vom Glauben an die Auferstehung erfüllt war.
Predigt zum 2. Todestag des Dieners Gottes Johannes Paul II., 2. April 2007



Duft des Glaubens und der Hoffnung
"Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt" (Joh 12,3). Kommen wir auf diese so eindrucksvolle Aussage des Evangelisten Johannes zurück. Der Duft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe des Papstes erfüllte sein ganzes Haus, erfüllte den Petersplatz, erfüllte die Kirche und verbreitete sich in der ganzen Welt. Was nach seinem Tod geschehen ist, war für den , der glaubt, die Wirkung dieses "Duftes", der alle, die Nahen und die Fernen, berührt hat; und er hat sie zu einem Menschen hingezogen, den Gott allmählich seinem Christus gleichförmig gemacht hat.
Predigt zum 2. Todestag des Dieners Gottes Johannes Paul II., 2. April 2007



Papst Johannes Paul II.
Das Herz der Kirche ist noch tief eingetaucht in das Geheimnis der Auferstehung des Herrn, in Wahrheit können wir das ganze Leben meines geliebten Vorgängers, insbesondere seinen Petrusdienst, im Zeichen des auferstandenen Christus lesen. Er hatte einen ausserordentlichen Glauben an ihn, und mit ihm befand er sich in einem innigen, einzigartigen und ununterbrochenen Dialog. Unter den vielen menschlichen und übernatürlichen Eigenschaften besass er nämlich auch jene einer aussergewöhnlichen geistlichen und mystischen Empfindsamkeit. Es genügte, ihn beim Beten zu beobachten: er tauchte buchstäblich in Gott ein, und es schien, als wäre ihm alles andere in jenen Augenblicken fremd. Bei den liturgischen Feiern sah man ihn aufmerksam gegenüber dem sich vollziehenden Mysterium, mit einer ausgeprägten Fähigkeit, die Beredtheit des Wortes Gottes im Werden der Geschichte auf der tiefen Ebne des Planes Gottes zu erfassen. Die heilige Messe war für ihn wie er oft wiederholte, der Mittelpunkt eines jeden Tages und des ganzen Daseins. Die "lebendige und heilige" Wirklichkeit der Eucharistie verlieh ihm die geistliche Kraft für die Leitung des Volkes Gottes auf dem Weg der Geschichte.
Predigt bei Eucharistiefeier zum Gedenken an Papst Johannes Paul II., 2. April 2008



Vertrauen auf Christus
"Fürchtet euch nicht!" (Mt 28,5). Die an die Frauen am leeren Gab gerichteten Worte des Engels von der Auferstehung, [...], sind auf den Lippen Papst Johannes Pauls II. vom feierlichen Beginn seines Petrusamtes an zu einer Art Motto geworden. Er hat sie mehrmals für die Kirche und die Menschheit auf ihrem Weg ins Jahr 2000 wiederholt, und dann durch jenen historischen Zeitpunkt und darüber hinaus am Beginn des dritten Jahrtausends.
bild Er hat sie immer mit unbeugsamer Standhaftigkeit ausgesprochen, zuerst mit dem Kreuzstab in der Hand mit dem Kreuz an der Spitze und dann, als die physischen Kräfte nachliessen, es gleichsam umklammernd, bis hin zu jenem letzten Karfreitag, an dem er an der Via Crucis von seiner Privatkapelle aus teilnahm und dabei in seinen Armen das Kreuz festhielt. Wir können jenes letzte und stille Zeugnis der Liebe zu Jesus nicht vergessen. Auch diese beredte Szene menschlichen Leidens und Glaubens an jenem letzten Karfreitag wies die Gläubigen und die Welt auf das Geheimnis des ganzen christlichen Lebens hin. Sein "Habt keine Angst!" war weder auf die menschlichen Kräfte noch auf die erreichten Erfolge gegründet, sondern allein auf das Wort Gottes, auf das Kreuz und auf die Auferstehung Christi. Als ihm nach und nach alles genommen wurde, zuletzt auch das Wort, kam dieses Vertauen auf Christus mit wachsender Offensichtlichkeit zum Vorschein. Wie es Jesus geschah, haben am Ende auch für Johannes Paul II. die Worte dem äussersten Opfer, der Selbsthingabe den Platz überlassen. Und der Tod ist das Siegel eines Daseins gewesen, das ganz Christus hingegeben war und ihm auch leiblich in den Zügen des Leidens und des vertrauensvollen Sichüberlassens in die Arme des Vaters ähnlich wurde. "Lasst mich zum Vater gehen", dies waren - bezeugen jene, die ihm nahe waren - seine letzten Worte, als Erfüllung eines Lebens, das ganz darauf ausgerichtet war, das Antlitz des Herrn zu kennen und zu betrachten.
Predigt bei Eucharistiefeier zum Gedenken an Papst Johannes Paul II., 2. April 2008



Das Leiden ist auch eine positive Wirklichkeit
Er [Papst Johannes Paul II] hat vor unseren Augen das Kreuz des Herrn getragen und hat so das Wort des Herrn verwirklicht: "Folgt mir nach, indem ihr mit mir und so wie ich das Kreuz tragt!" Welche Demut, welche Geduld, mit der er den Verfall seines Körpers und die zunehmende Unfähigkeit zu sprechen angenommen hat - er, der doch ein Meister des Wortes war! Auf diese Weise hat er, wie mir scheint, die tiefe Wahrheit sichtbar gemacht, dass der Herr uns durch sein Kreuz erlöst hat, durch sein Leiden als äussersten Akt seiner Liebe. Er hat uns gezeigt, das das Leid nicht bloss ein Nein, etwas Negatives ist, nicht das Fehlen von etwas, sondern eine positive Wirklichkeit. Das Leid, das wir in Liebe zu Christus und in Liebe zu Gott und den anderen Annehmen, ist eine heilbringende Kraft, eine Kraft der Liebe, und das ist nicht weniger machtvoll als die grossen Taten, die er im ersten Abschnitt seines Pontifikats vollbracht hat.
Begegnung mit Priestern, Diakonen und Seminaristen aus Südtirol, 6. August 2008



Konsequenter Zeuge des Zweiten Vatikanums
Johannes Paul II. hat praktisch in jedem seiner Dokumente und mehr noch in seinen Entscheidungen und in seinem Handeln als Papst die Grundaussagen des Zweiten Ökumenischen Vatikanischen Konzils aufgegriffen. So legte er es massgebend aus und wurde sein konsequenter Zeuge. Er war ständige darum bemüht, alle erkennen zu lassen, welche Vorteile aus der Annahme der konziliaren Sichtweise entstehen konnten, nicht nur zum Wohl der Kirche, sondern auch der Zivilgesellschaft und der in ihr handelnden Personen.
Botschaft anlässlich des Internationalen Kongresses zum Thema „Das Zweite Vatikanum im Pontifikat Johannes Pauls II.“, 28. Oktober 2008

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