Die letzten Dinge




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Es gibt Gerechtigkeit!
Es gibt Gerechtigkeit. Es gibt den "Widerruf" des vergangenen Leidens, die Gutmachung, die das Recht herstellt. Daher ist der Glaube an das letzte Gericht zuallererst und zuallermeist Hoffnung - die Hoffnung, deren Notwendigkeit gerade im Streit der letzten Jahrhunderte deutlich geworden ist. Ich bin überzeugt, dass die Frage der Gerechtigkeit das eigentliche, jedenfalls das stärkste Argument für den Glauben an das Ewige Leben ist. Das bloss individuelle Bedürfnis nach einer Erfüllung, die uns in diesem Leben versagt ist, nach der Unsterblichkeit der Liebe, auf die wir warten, ist gewiss ein wichtiger Grund zu glauben, dass der Mensch auf Ewigkeit hin angelegt ist, aber nur im Verein mit der Unmöglichkeit, dass das Unrecht der Geschichte das letzte Wort sei, wird die Notwendigkeit des wiederkehrenden Christus und des neuen Lebens vollends einsichtig.
Spe salvi 43, 30. November 2007



Das Letzte Gericht: ein Bild der Verantwortung
Der Protest gegen Gott um der Gerechtigkeit willen ist nicht dienlich. Eine Welt ohne Gott ist eine Welt ohne Hoffnung (Eph 2,12). Nur Gott kann Gerechtigkeit schaffen. Und der Glaube gibt uns die Gewissheit: Er tut es. Das Bild des Letzten Gerichts ist zuallererst nicht ein Schreckbild, sondern Bild der Hoffnung, für uns vielleicht sogar das entscheidende Hoffnungsbild. Aber ist es nicht doch auch ein Bild der Furcht? Ich würde sagen: ein Bild der Verantwortung. Ein Bild daher für jene Furcht, von der der heilige Hilarius sagt, dass all unsere Furcht in der Liebe ihren Ort hat. Gott ist Gerechtigkeit und schafft Gerechtigkeit. Das ist unser Trost und unsere Hoffnung. Aber in seiner Gerechtigkeit ist zugleich Gnade. Das wissen wir durch den Blick auf den gekreuzigten und auferstandenen Christus. Beides - Gerechtigkeit und Gnade - muss in seiner rechten inneren Verbindung gesehen werden. Die Gnade löscht die Gerechtigkeit nicht aus. Sie macht das Unrecht nicht zu Recht. Sie ist nicht ein Schwamm, der alles wegwischt, so dass am Ende dann eben doch alles Gleichgültig wird was einer auf Erden getan hat.
Spe salvi 44, 30. November 2007



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Die Lebensentscheidung
Die Lebensentscheidung eines Menschen wird mit dem Tod endgültig - dieses sein Leben steht vor dem Richter. Sein Entscheid, der im Lauf des ganzen Lebens Gestalt gefunden hat, kann verschiedene Formen haben. Es kann Menschen geben, die in sich den Willen zur Wahrheit und die Bereitschaft zur Liebe völlig zerstört haben. Menschen, in denen alles Lüge geworden ist: Menschen, die dem Hass gelebt und die Liebe in sich zertreten haben. Dies ist ein furchtbarer Gedanke, aber machen Gestalten grade unserer Geschichte lassen in erschreckender Weise solche Profile erkennen. Nichts mehr wäre zu heilen an solchen Menschen, die Zerstörung des Guten unwiderruflich: Das ist es, was mit dem Wort Hölle bezeichnet wird. Auf der anderen Seite kann es ganz reine Menschen geben, die sich ganz von Gott haben durchdringen lassen und daher ganz für den Nächsten offen sind - Menschen, in denen die Gottesgemeinschaft jetzt schon all ihr Sein bestimmt und das Gehen zu Gott nur vollendet, was sie schon sind.
Spe salvi 45, 30. November 2007



Ganz und gar böse oder ganz reine Menschen?
Weder das eine noch das andere ist nach unserer Erfahrungen der Normalfall menschlicher Existenz. Bei den allermeisten - so dürfen wir annehmen - bleibt ein letztes und innerstes Offenstehen für die Wahrheit, für die Liebe, für Gott im tiefsten ihres Wesens gegenwärtig. Aber es ist in den konkreten Lebensentscheidungen überdeckt von immer neuen Kompromissen mit dem Bösen - viel Schmutz verdeckt das Reine, nach dem doch der Durst geblieben ist und das noch auch immer wieder über allem Niedrigen hervortritt und in der Seele gegenwärtig bleibt. Was geschieht mit solchen Menschen, wenn sie vor den Richter hintreten? Ist all das unsaubere, das sie in ihrem Leben angehäuft haben, plötzlich gleichgültig?
Spe salvi 46, 30. November 2007



Das rettende Feuer ist Christus
Einige neuere Theologen sind der Meinung, dass das verbrennende und zugleich rettende Feuer Christus ist, der Richter und Retter. Das Begegnen mit ihm ist der entscheidende Akt des Gerichts, vor seinem Anblick schmilzt alle Unwahrheit. Die Begegnung mit ihm ist es, die uns umbrennt und freibrennt zum Eigentlichen unserer selbst. Unsere Lebensbauten können sich dabei als leeres Stroh, als blosse Grosstuerei erweisen und zusammenfallen. Aber in dem Schmerz dieser Begegnung, in der uns das Unreine und Kranke unseres Daseins offenbar wird, ist Rettung. Sein Blick, die Berührung seines Herzens heilt uns in einer gewiss schmerzlichen Verwandlung "wie durch Feuer hindurch". Aber es ist ein seliger Schmerz, in dem die heilige Macht seiner Liebe uns brennend durchdringt. So dass wir endlich ganz wir selber und dadurch ganz Gottes werden.
Spe salvi 47, 30. November 2007



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Gebet für die Verstorbenen
Schon im Frühjudentum gibt es den Gedanken, dass man den Verstorbenen in ihrem Zwischenzustand durch Gebet zu Hilfe kommen kann (z.B.2 Makk 12,38-45; 1. Jahrhundert v. Chr. ). Die entsprechende Praxis ist ganz selbstverständlich von den Christen übernommen worden, und sie ist der Ost- und Westkirche gemeinsam. Der Osten kennt kein reinigendes und sühnendes Leiden der Seelen im "Jenseits", wohl aber verschiedene Stufen der Seligkeit oder auch des Leidens im Zwischenzustand. Den Seelen der Verstorbenen kann aber durch Eucharistie, Gebet und Almosen "Erholung und Erfrischung" geschenkt werden. Dass Liebe ins Jenseits hinüberreichen kann, dass ein beiderseitiges Geben und Nehmen möglich ist, in dem wir einander über die Grenze des Todes hinweg zugetan bleiben, ist eine Grundüberzeugung der Christenheit durch alle Jahrhunderte hindurch gewesen und bleibt eine tröstliche Erfahrung auch heute.
Spe salvi 48, 30. November 2007



Alle Menschen sind miteinander Verbunden
Wer empfände nicht das Bedürfnis, seinen ins Jenseits vorangegangenen Lieben ein Zeichen der Güte, der Dankbarkeit oder auch der Bitte um Vergebung zukommen zu lassen? Nun könnte man weiterfragen: Wenn das "Fegefeuer" einfach das Reingebranntwerden in der Begegnung mit dem richtenden und rettenden Herrn ist, wie kann dann ein Dritter einwirken, selbst wenn er dem anderen noch so nahesteht? Bei solchem Fragen sollten wir uns klarmachen, dass kein Mensch eine geschlossenen Monade ist. Unsere Existenzen greifen ineinander, sind durch vielfältige Interaktionen miteinander verbunden. Keiner lebt allein. Keiner sündigt allein. Keiner wird allein gerettet. In mein Leben reicht immerfort das Leben anderer hinein: in dem, was ich denke, rede, tue, wirke. Und umgekehrt reicht mein Leben in dasjenige anderer hinein: Im Bösen wie im Guten. So wird ein wichtiges Element des christlichen Begriffs von Hoffnung nochmals deutlich. Unsere Hoffnung ist immer wesentlich auch Hoffnung für die anderen: nur so ist sie wirklich auch Hoffnung für mich selbst. Als Christen sollten wir uns nie nur fragen: wie kann ich mich selber retten? Sondern auch: Wie kann ich dienen, damit andere gerettet werden und dass anderen der Stern der Hoffnung aufgeht? Dann habe ich am meisten auch für meine eigene Rettung getan.
Spe salvi 48, 30. November 2007



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Gericht Gottes und Möglichkeit der Hölle
Wenn man nicht um das Gericht Gottes weiss, um die Möglichkeit der Hölle, des radikalen und endgültigen Scheiterns des Lebens, dann weiss man nicht um die Möglichkeit und die Notwendigkeit der Läuterung. Dann arbeitet der Mensch nicht gut für die Erde, weil er am Ende die Massstäbe verliert, sich selbst nicht mehr kennt, weil er Gott nicht kennt, und die Erde zerstört. Alle grossen Ideologien haben versprochen: wir werden die Dinge in die Hand nehmen, wir werden die Erde nicht mehr vernachlässigen, wir werden die neue, gerechte, einwandfreie, brüderliche Welt schaffen. Statt dessen haben sie die Welt zerstört. Das sehen wir am Nationalsozialismus, das sehen wir auch am Kommunismus: Sie haben versprochen, die Welt so aufzubauen, wie sie sein sollte, und haben statt dessen die Welt zerstört.
Audienz für die Pfarrer und den Klerus der Diözese Rom, 7. Februar 2008



Das Fegefeuer - eine trostreiche Wahrheit
Wir glauben an die Auferstehung des Fleisches, in der nicht alle gleich sein werden. Heute ist man gewohnt zu denken: Was ist schon die Sünde, Gott ist gross, er kennt uns, also zählt die Sünde nicht, am Ende wird Gott gut sein zu allen. Das ist eine schöne Hoffnung. Aber es gibt die Gerechtigkeit und es gibt die wahre Schuld. Diejenigen, die den Menschen und die Erde zerstört haben, können nicht sofort zusammen mit ihren Opfern an der Tafel Gottes sitzen. Gott schafft Gerechtigkeit. Das müssen wir uns vor Augen halten. Daher schien es mir wichtig, auch den Text über das Fegefeuer zu schreiben[Spe salvi 47], das für mich eine so offensichtliche, so deutliche und auch so notwendige und trostreiche Wahrheit ist, die nicht fehlen darf. Ich habe versucht zu sagen: Vielleicht sind es nicht viele, die sich so sehr zerstört haben, dass sie auf immer nicht mehr zu heilen sind, die nichts mehr haben auf das sich die Liebe Gottes stützen könnte, die in sich selbst nicht mehr die geringste Fähigkeit haben zu lieben. Das wäre die Hölle.
Audienz für die Pfarrer und den Klerus der Diözese Rom, 7. Februar 2008



Die Güter zum Wohl der Menschen nutzen
Am Jüngsten Tag, am Tag des Weltgerichtes, werden wir gefragt werden, ob wir das genutzt haben, was Gott uns zur Verfügung gestellt hat, um den berechtigten Erwartungen und den Bedürfnissen unserer Brüder und Schwestern abzuhelfen, besonders den Bedürfnissen der Geringsten und der Notleidenden.
Ansprache für die Stiftung "Centesimus Annus Pro-Pontifice", 31. Mai 2008



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Gott ist der Himmel
Das heutige Fest drängt uns dazu, den Blick zum Himmel zu erheben. Doch es ist kein Himmel, der aus abstrakten Ideen gemacht wäre, und ebenso wenig handelt es sich um einen imaginären, von der Kunst erschaffenen Himmel, sondern es ist der Himmel der wahren Wirklichkeit, die Gott selbst ist: Gott ist der Himmel. Und er ist unser Ziel, das Ziel und die ewige Wohnstatt, von der wir herstammen und nach der wir streben.
Predigt bei Eucharistiefeier am Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel, 15. August 2008



Unterwegs zum "Haus des Vaters"
Als sie [Maria] in dieser Welt eingeschlafen ist, um im Himmel aufzuwachen, ist sie in der Tat einfach zum letzten Mal Jesus, ihrem Sohn, auf seiner längsten und entscheidensten Reise gefolgt, in seinem Übergang "aus dieser Welt zum Vater" (vgl. Joh 13,1). Ebenso wie er und zusammen mit ihm ist sie aus dieser Welt aufgebrochen, um "zum Haus des Vaters" (vgl. Joh 14,2) heimzukehren. All dies ist nicht weit weg von uns, wie es vielleicht in einem ersten Moment scheinen könnte, da wir alle Kinder Gottes, des Vaters, sind. Wir alle sind Brüder Jesu, und wir alle sind auch Kinder Mariens, unserer Mutter. Und alle streben wir nach Glück. Und das Glück, nach dem wir alle streben, ist Gott; so sind wir alle unterwegs zu diesem Glück, das wir Himmel nennen, das in Wirklichkeit Gott ist.
Predigt bei Eucharistiefeier am Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel, 15. August 2008



Der Glaube an das ewige Leben
Bitten wir Maria, sie möge uns auch heute ihren Glauben schenken, jenen Glauben, der uns schon in dieser Dimension zwischen Endlichem und Unendlichem leben lässt, jenen Glauben, der auch das Gefühl für die Zeit und das Vergehen unseres Dasein verwandelt, jenen Glauben, in dem wir innig spüren, dass unser Leben nicht von der Vergangenheit aufgesogen ist, sondern von einer Zukunft angezogen wird, von Gott, wohinein Christus uns vorangegangen ist, und hinter ihm Maria.
Predigt bei Eucharistiefeier am Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel, 15. August 2008



Unser Sterben ist nicht das Ende
Indem wir auf die in den Himmel Aufgenommene blicken, begreifen wir besser, dass unser alltägliches Leben trotz der Prüfungen und Schwierigkeiten, von denen es gezeichnet ist, wie ein Fluss zum göttlichen Ozean strömt, hin zur Fülle der Freude und des Friedens. Wir begreifen, dass unser Sterben nicht das Ende ist, sondern der Einlass in das Leben, das keinen Tod kennt. Unser Untergehen am Horizont dieser Welt ist ein Auferstehen in der Morgenröte der neuen Welt, des ewigen Tages.
Predigt bei Eucharistiefeier am Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel, 15. August 2008



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Ich bin immer bei dir
Erneuern wir am heutigen Tag die Hoffnung auf das ewige Leben, das wirklich im Tod und im der Auferstehung Christi gründet. " Ich bin auferstanden und bin jetzt immer bei dir", sagt uns der Herr, und meine Hand trägt dich. Wo auch immer du fallen magst - du wirst in meine Hände fallen, und ich werde sogar an der Pforte des Todes da sein. Wohin dich keiner mehr begleiten kann und wohin du nichts mitnehmen kannst, dort warte ich auf dich, um für dich die Finsternis in Licht zu verwandeln.
Angelus an Allerseelen, 2. November 2008




Warum wir für die Verstorbenen beten sollen
Die christliche Hoffnung ist jedoch nie nur individuell. Sie ist immer auch Hoffnung für die anderen. Unsere Existenzen sind zutiefst aneinander gebunden, und das Gute und das Böse, das einer tut, berührt immer auch die anderen. So kann das Gebet einer Seele auf ihrer irdischen Pilgerschaft einer anderen Seele helfen, die sich nach dem Tod läutert. Das ist der Grund, warum die Kirche uns heute einlädt, für unsere lieben Verstorbenen zu beten und an ihren Gräbern auf den Friedhöfen zu verweilen. Maria, Stern der Hoffnung, möge unseren Glauben an das ewige Leben stärker und wahrer werden lassen und uns in unserem Gebet für die verstorbenen Brüder beistehen.
Angelus an Allerseelen, 2. November 2008



Das ewige Leben beginnt bereits in dieser Welt
Es gibt zwei Dimensionen der Wirklichkeit: eine tiefere, wahre und ewige und eine andere, die geprägt ist durch die Endlichkeit, die Vergänglichkeit und den Schein. Es ist wichtig hervorzuheben, dass diese beiden Dimensionen nicht einfach zeitlich aufeinanderfolgen, so als begänne das wahre Leben erst nach dem Tod. In Wirklichkeit beginnt das wahre Leben, das ewige Leben bereits in dieser Welt, wenn auch in der zeitlichen Begrenztheit der geschichtlichen Vorgänge, das ewige Leben beginnt in dem Masse, in dem wir uns dem Geheimnis Gottes öffnen und es in uns aufnehmen. Gott ist der Herr des Lebens, und in ihm „leben wir, bewegen wir uns und sind wir“ (Apg 17,28), wie der hl. Paulus auf dem Areopag in Athen sagte.
Predigt bei der heiligen Messe zum Gedenken an die verstorbenen Kardinäle und Bischöfe, 3. November 2008



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Gott allein hat das Leben in sich
Aus der Perspektive der Weisheit des Evangeliums heraus trägt der Tod selbst eine heilbringende Lehre ins sich, denn er zwingt uns, der Wirklichkeit ins Auge zu schauen; er drängt uns, die Vergänglichkeit dessen zu erkennen, was in den Augen der Welt gross und stark erscheit. Angesichts des Todes wird jedes Motiv für den menschlichen Stolz bedeutungslos, während das, was wirklich zählt, deutlich zutage tritt. Alles ist endlich, wir alle sind nur vorübergehend auf dieser Welt. Gott allein hat das Leben in sich, er ist das Leben. Unser Leben ist ein Leben durch Teilhabe, das uns „ab alio“ geschenkt worden ist, daher kann ein Mensch das ewige Lebend nur aufgrund der besonderen Beziehung mit dem Schöpfer erlangen, die dieser selbst ihm geschenkt hat. Als Gott jedoch sah, dass der Mensch sich von ihm entfernte, hat er einen weitern Schritt getan: er baute zwischen sich und uns eine neue Beziehung auf, […]. Er, Christus, hat „sein Leben für uns hingegeben“ (Joh 3,16).
Predigt bei der heiligen Messe zum Gedenken an die verstorbenen Kardinäle und Bischöfe, 3. November 2008



Unsere Zukunft ist das ewige Leben
Am Ende werden wir für immer beim Herrn sein. Das ist jenseits aller Bilder die wesentliche Botschaft: unsere Zukunft ist das Beim-Herrn-Sein. Als Gläubige sind wir bereits in unserem Leben beim Herrn; unsere Zukunft, das ewige Leben, hat schon begonnen.
Generalaudienz, 12. November 2008




Christliche Grundhaltungen hinsichtlich der letzten Dinge
Welches sind die Grundhaltungen des Christen hinsichtlich der Letzen Dinge: des Todes, des Endes der Welt? Die erste Haltung ist die Gewissheit, dass Jesus auferstanden ist, dass er für immer beim Vater und eben damit für immer bei uns ist. Keiner ist stärker als Christus, da er beim Vater ist, da er bei uns ist. Wir sind daher sicher, befreit von der Angst. Das war eine wesentliche Wirkung der christlichen Verkündigung. Die Angst vor den Geistern, vor den Gottheiten war in der ganzen antiken Welt verbreitet. Und auch heute noch treffen die Missionare, neben den vielen positiven Elementen der Naturreligionen, die Angst vor Geistern, vor unheilvollen Mächten an, die uns bedrohen. Christus lebt, er hat den Tod und damit alle diese Mächte besiegt. In dieser Gewissheit, in dieser Freiheit, in dieser Freude leben wir. Das ist der erste Aspekt unseres Lebens im Hinblick auf die Zukunft.
Generalaudienz, 12. November 2008



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Die Zukunft ist keine Finsternis
An zweiter Stelle [der christlichen Grundhaltungen] steht die Gewissheit, dass Christus bei mir ist. Und so wie in Christus die künftige Welt schon begonnen hat, erfüllt uns dies auch mit sicherer Hoffnung. Die Zukunft ist keine Finsternis, in der sich keiner zu orientieren vermag. So ist es nicht. Ohne Christus ist für die Welt auch heute die Zukunft finster, es herrscht grosse Angst vor der Zukunft. Der Christ weiss, dass das Licht Christi stärker ist, und lebt daher in keiner vagen Hoffnung, sondern in einer Hoffnung, die Sicherheit gibt, und Mut macht, sich der Zukunft zu stellen.
Generalaudienz, 12. November 2008



Christus ist Richter und Heiland
Der Richter, der wiederkommt – er ist zugleich Richter und Heiland -, hat uns die Aufgabe hinterlassen, in dieser Welt auf seine Art zu leben. Er hat uns seine Talente übergeben. Deshalb ist unsere dritte Haltung: Verantwortung für die Welt, für die Brüder vor Christus und zugleich auch die Gewissheit seiner Barmherzigkeit. Beides ist wichtig. Wir leben nicht so, als seien Gut und Böse dasselbe, weil Gott ja nur barmherzig sein kann. Das wäre eine Täuschung. In Wirklichkeit leben wir in einer grossen Verantwortung. Wir haben Talente erhalten, und wir sind beauftragt, dafür zu arbeiten, dass sich diese Welt Christus öffnet und erneuert wird. Aber obwohl wir in diesem Sinne arbeiten und in unserer Verantwortung wissen, dass Gott der wahre Richter ist, sind wir auch sicher, dass dieser Richter gütig ist. Wir kennen sein Angesicht, das Angesicht des auferstandenen Christus, des für uns gekreuzigten Christus, daher können wir seiner Güte sicher sein und mit grossem Mut vorangehen.
Generalaudienz, 12. November 2008




Das Nachher wird zum Vorher
Eine weitere Gegebenheit der paulinischen Lehre zur Eschatologie ist die der Universalität der Berufung zum Glauben, die Juden und Heiden vereint, als Zeichen und Vorwegnahme der künftigen Wirklichkeit, weshalb wir sagen können, dass wir schon mit Jesus Christus im Himmel sind, um aber den kommenden Zeiten die Fülle seiner Gnade zu zeigen (vgl. Eph 2,6f.): Das Nachher wird zu einem Vorher, um den Zustand der beginnenden Verwirklichung, in dem wir leben, deutlich zu machen. Das macht die Leiden des gegenwärtigen Augeblicks erträglich, die aber jedenfalls nicht mit der künftigen Herrlichkeit vergleichbar sind, (vgl. Röm 8,18). Wir gehen im Glauben voran und nicht als Schauende, und auch wenn wir lieber aus dem Leib auswandern und beim Herrn wohnen würden, ist das, was letztlich zählt – ob wir im Leib bleiben oder aus ihm auswandern -, dass wir ihm gefallen (vgl. 2 kor 5,7-9).
Generalaudienz, 12. November 2008



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