Vater




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Kind Gottes sein
Am Beginn der heutigen Audienz steht Psalm 131. Dieses Lied vermittelt uns in nur drei Versen einprägsam, welche innere Haltung wir Menschen vor Gott einnehmen sollen: "Wie ein kleines Kind bei der Mutter" (Ps 131, 2), so ruhig kann unsere Seele bei Gott werden; denn er hebt uns an seine Wange, er neigt sich herab und gibt uns Speise (vgl. Hos 11, 4). Der Psalmist selbst lebt als Kind Gottes. Darum kann er auch am Ende seines Gebets ganz Israel dazu einladen, in allen Umständen auf den Herrn zu hoffen.
Generalaudienz, Rom, 10. August 2005



Gedanke Gottes
In der Tat: Dazu sind wir da, den Menschen Gott zu zeigen. Und erst wo Gott gesehen wird, beginnt das Leben richtig. Erst wo wir dem lebendigen Gott in Christus begegnen, lernen wir, was Leben ist. Wir sind nicht das zufällige und sinnlose Produkt der Evolution. Jeder von uns ist Frucht eines Gedankens Gottes. Jeder ist gewollt, jeder ist geliebt, jeder ist gebraucht. Es gibt nichts Schöneres, als vom Evangelium, von Christus gefunden zu werden. Es gibt nichts Schöneres, als ihn zu kennen und anderen die Freundschaft mit ihm zu schenken.
Predigt in der hl. Messe zu Beginn des Pontifikates, Rom, 24. April 2005



Liebe Gottes in uns
Wir Christen sind zur Heiligkeit berufen, durch die wir teilhaben an der Reinheit des Seins Gottes. Die Liebe, die Gott selbst ist, wird so zu unserer eigenen tiefen moralischen Wirklichkeit. Gott hat uns schliesslich dazu bestimmt, seine Söhne und Töchter zu werden. In dieser Gotteskindschaft ist Christus unser Bruder und durch Ihn stehen wir in einer unbefangenen und liebevollen Gottesbeziehung. Daher dürfen wir Gott vertrauensvoll Abba, Vater, nennen.
Generalaudienz, 6. Juli 2005



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Zuwendung Gottes
Der Herr lässt sein Angesicht über den Seinen leuchten. Wir alle bedürfen der liebevollen Zuwendung Gottes; ohne seine Hilfe geht unser Leben fehl. Denn oft sind wir der Verachtung und des Spottes derer ausgesetzt, die Gott aus ihrem Leben ausschliessen. Wir wissen, dass der Herr das Vertrauen und die Hoffnung der Seinen nicht enttäuscht. Wenn die Augen unseres Herzens seinem väterlichen Blick begegnen, erblüht in unserer Seele die Gnade und wir werden heil.
Generalaudienz, 15. Juni 2005



Das kindliche Gottvertrauen
Seit Beginn des Menschengeschlechts besteht die Versuchung gegen die Gotteskindschaft in der Selbstüberschätzung. Der stolze Mensch glaubt, nicht auf Gott angewiesen zu sein. Oft müht er sich vergeblich ab, um allein mit den eigenen Kräften ans Ziel zu gelangen. Das kindliche Gottvertrauen setzt hingegen eine entschiedene Absage an den Hochmut voraus. Nur so kann unsere Seele Ruhe bei Gott finden.
Generalaudienz, Rom, 10. August 2005



Zwei Wege
Die gegenwärtige Kultur, die sehr stark geprägt ist von einem Subjektivismus, der nicht selten in einen extremen Individualismus oder in den Relativismus übergeht, verleitet den Menschen dazu, die eigene Person zum einzigen Mass seiner selbst zu machen und dabei andere Ziele aus den Augen zu verlieren, die nicht auf das eigene Ich ausgerichtet sind, das zum einzigen Bewertungsmassstab für die Realität und die persönlichen Entscheidungen geworden ist. Der Mensch neigt auf diese Weise dazu, sich immer mehr in sich selbst zu verschliessen, sich abzukapseln im luftleeren Mikrokosmos einer Existenz, in der kein Platz mehr ist für grosse Ideale, die offen sind für das Transzendente, für Gott.
Der Mensch dagegen, der sich selbst übersteigt und sich nicht einzwängen lässt in die Enge des eigenen Egoismus, ist in der Lage, die anderen Menschen und die Schöpfung in ihrem wahren Wesen zu betrachten, so wird er sich seines wichtigsten Wesenszuges bewusst, nämlich ein ständig im Werden begriffenes Geschöpf zu sein, ein Geschöpf, das zu einem harmonischen Wachstum in allen seinen Dimensionen berufen ist. Dieses Wachstum beginnt bei der Innerlichkeit und hat sein Ziel in der vollkommenen Verwirklichung jenes Lebensentwurfs, den der Schöpfer seinem tiefsten Sein eingeprägt hat.
Botschaft an die Teilnehmer der X. öffentlichen Sitzung der Päpstlichen Akademien, 5. November 2005



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Zur Vergebung bereit
Bedeutsam ist die Tatsache, dass die Ehrfurcht, eine aus Achtung und Liebe bestehende Haltung, nicht von der Strafe, sondern von der Vergebung hervorgerufen wird. Es ist nicht der Zorn Gottes, sondern seine grossmütige und entwaffnende Hochherzigkeit, die in uns eine heilige Ehrfurcht weckt. Denn Gott ist kein unerbittlicher Herrscher, der den Schuldigen verdammt, sondern ein liebevoller Vater, den wir nicht aus Furcht vor einer Strafe, sondern wegen seiner Güte lieben sollen, die zur Vergebung bereit ist.
Generalaudienz, 19. Oktober 2005



Als Brüdern und Schwester desselben Vaters
Wir sind gerufen, als Brüder und Schwestern Jesu zu leben, uns als Söhne und Töchter desselben Vaters zu fühlen. Das ist ein Geschenk, das jede rein menschliche Idee, jeden rein menschlichen Plan übersteigt. Das Bekenntnis des wahren Glaubens öffnet den Verstand und das Herz weit für das unerschöpfliche Geheimnis Gottes, das die menschlichen Existenz durchdringt. Was soll man von der heutzutage sehr starken Versuchung sagen, uns derart unabhängig zu fühlen, dass wir uns dem geheimnisvollen Plan Gottes für uns verschliessen? Die Liebe des Vaters, die sich in der Person Christi offenbart, fordert uns heraus.
Botschaft zum 43. Weltgebetstag um geistliche Berufungen, 7. Mai 2006



Die einzige Versicherung
"Fürchte dich nicht!": Maria sagt diese Worte auch zu uns. Ich habe bereits erwähnt, dass unsere Welt eine Welt der Angst ist: Angst vor Elend und Armut, Angst vor Krankheiten und Leiden, Angst vor der Einsamkeit, Angst vor dem Tod. Wir haben in unserer Welt ein hochentwickeltes Versicherungssystem, und es ist gut, dass es dies gibt. Aber wir wissen, dass uns im Augenblick schweren Leidens, im Augenblick der äussersten Todesverlassenheit keine Versicherung, helfen kann. Die einzige Versicherung, die in dem Moment einen Wert hat, ist die, die vom Herrn kommt, der auch zu uns spricht: "Fürchte dich nicht, ich bin immer bei dir." Wir können fallen, aber am Ende fallen wir in Gottes Hände, und Gottes Hände sind gute Hände.
Predigt in der römischen Pfarrei "Santa Maria Consolatrice a Casal Bertone", 18. Dezember 2005



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Er ist nahe
Im Psalm 145 haben wir soeben gehört: "Der Herr stützt alle, die fallen, und richtet die Gebeugten auf" (V. 14). Gerade in dieser liebevollen Zuwendung zeigt Gott sich als König und Herr. Er ist allen nahe, die zu ihm rufen. Er ist der Vater, der für die Seinen sorgt, der seine Hand öffnet und ihnen Speise gibt.
Generalaudienz, 8. Februar 2006



Plan der göttlichen Liebe
Die Erinnerung an diesen Vater [Gottvater] erhellt die tiefere Identität der Menschen: woher wir kommen, wer wir sind und wie gross unsere Würde ist. Natürlich kommen wir von unseren Eltern und sind ihre Kinder; wir kommen aber auch von Gott, der uns nach seinem Abbild geschaffen und uns berufen hat, seine Kinder zu sein. Daher steht am Anfang jedes Menschen nicht der Zufall oder eine Fügung des Schicksals, sondern ein Plan der göttlichen Liebe. Das hat uns Jesus Christus, wahrer Sohn Gottes und vollkommener Mensch, offenbart. Er wusste, woher er kam und woher wir alle kommen: aus der Liebe seines Vaters und unseres Vaters.
Predigt beim V. Welttreffen der Familien in Valencia, 9. Juli 2006



Auf die Liebe antworten
Gott ist es also, der uns zuerst geliebt und uns in Jesus als seine Kinder angenommen hat. In unserem Leben ist alles eine Gabe seiner Liebe: Wie könnten wir einem so grossen Geheimnis gegenüber gleichgültig bleiben? Wie sollten wir auf die Liebe des himmlischen Vaters nicht mit einem Leben als dankbare Kinder antworten? In Christus hat er sich uns ganz geschenkt und ruft uns zu einer tiefen persönlichen Beziehung zu ihm . Je mehr wir also Jesus nachahmen und mit ihm verbunden bleiben, desto mehr treten wir ein in das Geheimnis der göttlichen Heiligkeit. Wir entdecken, dass wir von ihm unendlich geliebt sind, und das spornt uns an, unsererseits unsere Brüder zu lieben. Die Liebe bringt immer einen Akt der Selbstentsagung mit sich, das "Sich-selbst-Verlieren", und macht uns gerade auf diese Weise glücklich.
Predigt am Hochfest Allerheiligen, 1. November 2006



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Unsere grosse Würde
Darin besteht unsere grosse Würde: nicht nur Ebenbild, sondern Kinder Gottes zu sein. Und das ist eine Einladung, unsere Kindschaft zu leben, uns immer mehr bewusst zu sein, dass wir Kinder in der grossen Familie Gottes sind. Es ist eine Einladung, dieses objektive Geschenk in eine subjektive Wirklichkeit zu verwandeln, die für unser Sein massgebend ist. Gott betrachtet uns als seine Kinder, denn er hat uns zu einer Würde erhoben, die der Würde Jesu, des einzigen wahren Sohnes im vollen Sinn, ähnlich, wenn auch nicht gleich ist. In ihm wird uns die Kindschaft und die vertrauensvolle Freiheit in Beziehung zum Vater geschenkt oder auch zurückgegeben.
Generalaudienz, 15. November 2006



Falls man meint, ein Waise Gottvaters zu sein...
Wenn man im Leben der Gemeinschaften das Gefühl hat, eine Waise Gottvaters zu sein, dann wird die Arbeit der Bischöfe, der Priester und der anderen Pastoralarbeiter lebenswichtig, die wie Christus die Tatsache bezeugen, das Gottvater stets die in seinem Sohn offenbarte fürsorgende Liebe ist. Wenn sich der Glaube nicht vom Gebet und von der Betrachtung des göttlichen Wortes nährt, wenn das sakramentale Leben stockt, dann gedeihen Sekten und neue pseudo-religiöse Gruppen, die zahlreiche Katholiken veranlassen, sich von der Kirche zu entfernen. Wenn ihre tiefsten Wünsche keine Antworten erhalten, Antworten, die sie in dem gemeinsamen Glaubensleben finden könnten, entstehen auch Situationen spiritueller Leere.
Ansprache an die Päpstliche Kommission für Lateinamerika, 20. Januar 2007



Alle sind wir Söhne und Töchter des himmlischen Vaters
Auf diese Weise verwirklicht sich die Verheissung des Herrn: "Dann will ich euch aufnehmen und euer Vater sein, und ihr sollt meine Söhne und Töchter sein" (2 Kor 6,17-18). Wie könnten wir uns, erfüllt von diesem Bewusstsein, nicht um jene Menschen kümmern, die in schwierigen Notsituationen leben, wie etwa die Flüchtlinge und Vertriebenen? Wie könnten wir nicht den Bedürfnissen jener Menschen abhelfen, die schwach und schutzlos sind, in prekären und unsicheren Situationen leben und die an den Rand der Gesellschaft gedrängt oder völlig aus ihr ausgeschlossen werden?
Botschaft zum 95. Welttag des Migranten und Flüchtlings (2009), 24. August 2008



"Abba - Vater"
Auf dem Ölberg, im Augenblick der äussersten Angst Jesu (vgl. Mk 14,36), hatten die Jünger, bevor sie einschliefen, gehört, wie er mit dem Vater sprach und ihn "Abba - Vater" nannte. Das ist ein sehr vertrauliches Wort, das unserem "Papa" gleichkommt und nur von Kindern in Verbundenheit mit ihrem Vater gebraucht wird. Bis zu jenem Augeblick war es undenkbar, dass ein Jude ein derartiges Wort benutzte, um sich an Gott zu wenden: aber Jesus - da er ja der wahre Sohn Gottes ist - spricht in dieser Stunde der Vertrautheit so und sagt: "Abba, Vater."
In den Briefen des hl. Paulus an die Römer und an die Galater taucht dieses Wort "Abba", das die Ausschliesslichkeit der Sohnschaft Jesu zum Ausdruck bringt, überraschenderweise aus dem Munde der Getauften auf (vgl. Röm 8,15; Gal 4,6), da sie den "Geist des Sohnes" empfangen haben und jetzt diesen Geist in sich tragen und sprechen können wie Jesus und mit Jesus als wahre Kinder zu ihrem Vater "Abba" sagen können, weil sie Kinder im Sohn geworden sind.
Generalaudienz, 8. Oktober 2008


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