Berufung




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Geschenk
Der Seminarist erlebt die Schönheit der Berufung in dem Moment, den wir als die Zeit des "Verliebtseins" bezeichnen könnten. Sein Inneres ist erfüllt von einem Staunen, das ihn betend sagen lässt: "Herr, warum gerade ich?" Doch die Liebe kennt kein "Warum", sie ist ungeschuldetes Geschenk, auf das man mit dem Geschenk seiner selbst antwortet.
Köln, Begegnung mit den Seminaristen 19. August 2005



Bleibt in meiner Liebe
Liebe Seminaristen! So Gott will, werdet auch Ihr eines Tages, vom Heiligen Geist geweiht, Eure Sendung beginnen. Erinnert Euch immer an die Worte Jesu: "Bleibt in meiner Liebe" . Wenn Ihr bei Christus, mit Christus und in Christus bleibt, werdet Ihr, wie er verheissen hat, reiche Frucht bringen. Nicht Ihr habt ihn erwählt, - das haben wir gerade in den Zeugnissen gehört - sondern er hat Euch erwählt: Das ist das Geheimnis Eurer Berufung und eurer Sendung! Es ist im unbefleckten Herzen Marias bewahrt; sie wacht mit mütterlicher Liebe über jeden von Euch . Wendet Euch oft und vertrauensvoll an Maria.
Köln, Begegnung mit den Seminaristen 19. August 2005



Persönliche Erfahrung
Tatsächlich kann der junge Mensch nur in dem Masse, wie er Christus persönlich erfährt, dessen Willen und damit die eigene Berufung in Wahrheit erkennen. Je besser Du Jesus kennst, um so mehr zieht Dich sein Geheimnis an: je tiefer Du ihm begegnest, um so mehr drängt es Dich, ihn zu suchen. Das ist eine Bewegung des Geistes, die das ganze Leben hindurch fortdauert und die im Seminar eine Zeit voller Verheissungen erfährt, sozusagen ihren "Frühling".
Köln, Begegnung mit den Seminaristen 19 August 2005



Die Kirche hat sie nötig
Eine letzte Botschaft, die ich euch anvertrauen möchte, betrifft die Sorge um Berufungen zum Priestertum und zum geweihten Leben: Wir wissen alle, wie sehr die Kirche sie nötig hat! Damit diese Berufungen entstehen und zur Reife gelangen, damit sich die berufenen Personen ihrer Berufung würdig erweisen, ist zuerst das Gebet entscheidend, das in keiner christlichen Familie und Gemeinde fehlen darf. Aber grundlegend ist auch das Lebenszeugnis der Priester, der Ordensmänner und Ordensfrauen, die Freude, die sie darüber zum Ausdruck bringen, dass sie vom Herrn berufen worden sind. Und ebenso wesentlich ist das Beispiel, das die Kinder in der eigenen Familie erhalten, und die überzeugung der Familien selbst, dass die Berufung der eigenen Kinder auch für sie ein grosses Geschenk des Herrn ist. Die Entscheidung für die Ehelosigkeit aus Liebe zu Gott und den Brüdern, die für den Priesterberuf und das geweihte Leben gefordert wird, und die Wertschätzung der christlichen Ehe gehören in der Tat zusammen: Beide machen, in zwei unterschiedlichen und sich ergänzenden Lebensformen, das Geheimnis des Bundes zwischen Gott und seinem Volk gewissermassen sichtbar.
Schreiben bei der Eröffnung der Pastoraltagung der Diözese Rom zum Thema Familie, Lateranbasilika, 6. Juni 2005



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Meine Berufung
Ich bin in einer Welt aufgewachsen, die ganz anders war als die heutige,[...]. Einerseits gab es noch die "Christlichkeit": Es war normal, in die Kirche zu gehen, den Glauben als Offenbarung Gottes anzunehmen und zu versuchen, nach der Offenbarung zu leben; andererseits war da das nationalsozialistische Regime, das mit lauter Stimme sagte; "Im neuen Deutschland wird es keine Priester und kein geweihtes Leben mehr geben, wir brauchen diese Leute nicht mehr; sucht euch einen anderen Beruf." Aber eben als ich diese "lauten" Stimmen hörte und mit der Brutalität jenes Systems mit seinem unmenschlichen Gesicht konfrontiert wurde, habe ich verstanden, dass Priester im Gegenteil sehr gebraucht wurden. Dieser Gegensatz, der Anblick jener gegen den Menschen gerichteten Kultur, hat mich in der Überzeugung bestätigt, dass der Herr, das Evangelium, der Glaube uns den richtigen Weg zeigten und dass wir uns dafür einsetzen müssten, dass dieser Weg überlebte. In dieser Situation ist die Berufung zum Priestertum fast auf natürliche Weise mit mir zusammen gewachsen, ohne grosse Bekehrungserlebnisse. Darüber hinaus gaben zwei Dinge mir auf diesen Weg geholfen: Bereits als Jugendlicher habe ich mit Hilfe meiner Eltern und des Pfarrers die Schönheit der Liturgie entdeckt und habe diese immer mehr geliebt, weil ich spürte, dass in ihr die göttliche Schönheit sich zeigt und der Himmel sich vor uns auftut; das zweite Element war die Entdeckung, wie schön es ist zu wissen und zu lernen, Gott, die Heilige Schrift kennenzulernen, die es uns ermöglicht, jenes grosse Abenteuer des Dialogs mit Gott zu beginnen, das die Theologie ist. Und so war es eine Freude, in diese jahrtausendealte theologische Arbeit, in diese Feier der Liturgie einzutreten, in der Gott bei uns ist und mit uns zusammen feiert.
Gespräch mit den Jugendlichen auf dem Petersplatz, 6. April 2006



Unersetzlich
Die Sendung des Priesters in der Kirche ist unersetzlich. Auch wenn in manchen Gebieten ein Priestermangel zu verzeichnen ist, darf niemals die Gewissheit abnehmen, dass Christus auch weiterhin Männer berufen wird, die wie die Apostel jede andere Beschäftigung aufgeben und sich ganz der Feier der heiligen Geheimnisse, der Verkündigung des Evangeliums und dem pastoralen Dienst widmen
Botschaft zum 43. Weltgebetstag um geistliche Berufungen, 7. Mai 2006



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Gebet zum himmlischen Vater
Vater, lass unter den Christen zahlreiche, heiligmässige Berufungen zum Priestertum entstehen, auf dass sie den Glauben lebendig erhalten und das dankbare Gedächtnis deines Sohnes Jesus bewahren durch die Verkündigung seines Wortes und die Spendung der Sakramente, durch die du deine Gläubigen ständig erneuerst. Schenke uns heilige Diener deines Altars, gewissenhafte und leidenschaftliche Hüter der Eucharistie, des Sakraments der höchsten Gabe Christi für die Erlösung der Welt. Berufe Diener deiner Barmherzigkeit, damit sie durch das Sakrament der Versöhnung die Freude über deine Vergebung verbreiten. Vater, lass die Kirche voll Freude die zahlreichen Eingebungen des Geistes deines Sohnes aufnehmen und lass sie, deiner Lehre fügsam, Sorge tragen für die Berufungen zum priesterlichen Dienst und zum geweihten Leben. Stehe den Bischöfen, den Priestern, den Diakonen, den geweihten Personen und allen auf Christus Getauften bei damit sie ihre Sendung im Dienst des Evangeliums treu erfüllen. Darum bitten wir dich durch Christus, unseren Herrn. Amen. Maria, Königin der Apostel, bitte für uns!
Botschaft zum 43. Weltgebetstag um geistliche Berufungen, 7. Mai 2006



Gott wird weiterhin junge Männer und Erwachsene in seinen Dienst rufen
In diesem Jahr steht der Weltgebetstag um geistliche Berufungen unter dem Thema "Berufung im Geheimnis der Kirche". In der Botschaft, die ich aus diesem Anlass an die gesamte kirchliche Gemeinschaft gerichtet habe, habe ich die Erfahrung der ersten Jünger Jesu in Erinnerung gerufen, die, nachdem sie ihn am Ufer des Sees von Galiläa und in den Dörfern derselben Region kennengelernt hatten, von seiner Ausstrahlung und seiner Liebe ergriffen waren. Die christliche Berufung ist stets die Erneuerung dieser persönlichen Freundschaft mit Jesus Christus, die dem eigenen Dasein seinen vollen Sinn verleiht und es für das Reich Gottes verfügbar macht. Die Kirche lebt von dieser Freundschaft, die vom Wort und von den Sakramenten genährt wird: Diese sind etwas Heiliges, das dem Amt der Bischöfe, der Priester und der Diakone, die das Sakrament der Weihe empfangen haben, auf besondere Weise anvertraut ist. Aus diesem Grund ist - wie ich in derselben Botschaft betont habe - die Sendung des Priesters unersetzlich, und auch wenn in manchen Gegenden ein Priestermangel festzustellen ist, darf man nicht daran zweifeln, dass Gott auch weiterhin Jungen, junge Männer und Erwachsene dazu ruft, alles zu verlassen, um sich der Predigt des Evangeliums und dem Pastoraldienst zu widmen.
Angelus, 7. Mai 2006



Jesus Christus wirkt
Durch die apostolische Sukzession ist es also Jesus Christus, der zu uns kommt: Er ist es, der im Wort der Apostel und ihrer Nachfolger zu uns spricht; er ist es, der durch ihre Hände in den Sakramenten wirkt; in ihrem Blick ist es sein Blick, der uns umfängt und uns spüren lässt, dass wir geliebt werden und im Herzen Gottes angenommen sind. Und auch heute, wie am Anfang, ist Christus selbst der wahre Hirt und Hüter unserer Seelen, dem wir mit grossem Vertauen, voll Dankbarkeit und Freude folgen.
Generalaudienz, 10. Mai 2006



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Von Jesus lernen
Liebe Priesteramts- kandidaten! Welche Hilfe kann auch euch erwachsen aus der Reflexion über die Art und Weise, wie Maria von Jesus gelernt hat! Von ihrem ersten "Fiat" an und in all den langen Jahren des täglichen Lebens in Verborgenheit, in denen sie Jesus aufzog, oder als sie in Kana in Galiläa den Anstoss für das erste Zeichen gab, oder als sie am Ende auf Golgota unter dem Kreuz auf Jesus schaute, "erlernte" sie Ihn Augenblick für Augenblick. Sie hat den Leib Jesu zuerst im Glauben und dann im eigenen Schoss empfangen und ihn geboren. Sie hat ihn Tag für Tag angebetet, innerlich beglückt, sie hat ihm mit verantwortungsbewusster Liebe gedient, sie hat im Herzen das "Magnifikat" gesungen. Lasst euch auf eurem Weg und in eurem zukünftigen priesterlichen Dienst von Maria anleiten, Jesus zu "erlernen"! Betrachtet ihn, lasst euch von ihm formen, damit ihr später in eurem Dienst imstande seid, ihn allen zu zeigen, die zu euch kommen.
Ansprache an die Ordensleute und Seminaristen in Tschenstochau, 26. Mai 2006



Die mit Fehlern behafteten berufen
Der Herr hat uns zu unserem Trost auch die Gleichnisse geschenkt: vom Netz mit guten und schlechten Fischen, vom Acker wo der Weizen, aber auch das Unkraut wächst. Er lässt uns wissen, dass er gekommen ist, um uns in unserer Schwachheit zu helfen, und dass er, wie er sagt, nicht gekommen ist, um die Gerechten zu rufen, jene, die sich anmassen, schon vollkommen gerecht zu sein, nicht der Gnade zu bedürfen, jene, die während sie beten, sich selbst loben; sondern er ist gekommen, um jene zu rufen, die wissen, dass sie mit Fehlern behaftet sind, jene herauszufordern, die wissen, dass sie jeden Tag der Vergebung des Herrn, seiner Gnade bedürfen, um weiterzumachen.
Besuch im Römischen Priesterseminar, 17. Februar 2007



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Erziehung zum Hören auf die Stimme Gottes
Um die Berufungen zu fördern, ist also eine Pastoral wichtig, die aufmerksam ist gegenüber dem Geheimnis der Kirche als Gemeinschaft. Denn wer in einer einmütigen, mitverantwortlichen, sorgetragenden kirchlichen Gemeinschaft lebt, lernt gewiss leichter, den Ruf des Herrn zu erkennen. Die Sorge um geistliche Berufungen verlangt daher eine ständige "Erziehung" zum Hören auf die Stimme Gottes, nach dem Vorbild Elis, der dem jungen Samuel half, das zu verstehen, worum Gott ihn bat, und es bereitwillig in die Tat umzusetzen (vgl. 1 Sam 3,9). Das fügsame und treue Hören kann jedoch nur in einer Atmosphäre vertrauter Gemeinschaft mit Gott vor sich gehen. Und diese Atmosphäre entsteht vor allem im Gebet. Entsprechend dem ausdrücklichen Gebot des Herrn müssen wir die Gabe der Berufungen erbitten, indem wir vor allem unermüdlich und gemeinsam zum "Herrn der Ernte" beten.
Botschaft zum 44. Weltgebetstag um geistliche Berufungen am 29. April, 10. Februar 2007



Bitte um neue und heilige Arbeiter
Bitten wir zusammen mit der ganzen christlichen Gemeinschaft den Herrn vertrauensvoll, inständig und demütig um das Geschenk neuer und heiliger Arbeiter für seine Ernte (vgl. Mt 9, 37-38). Wir wissen, dass der Herr uns manchmal warten lässt, aber wir wissen auch, das derjenige, der anklopft, dies nicht vergebens tut. Bitten wir daher auch weiterhin den Herrn mit Vertrauen und mit Geduld, uns neue heilige "Arbeiter" zu schenken.
Ansprache an die Vollversammlung der Italienischen Bischofskonferenz, 24. Mai 2007



Es ist schön, das Leben hinzugeben
Liebe Jugendliche, umgebt eure Priester mit Liebe und Dankbarkeit. Wenn der Herr jemand von euch zu diesem grossen Dienst berufen sollte oder auch zu einer Form des geweihten Lebens, zögert nicht euer "Ja" zu sagen. Ja, es ist nicht leicht, aber es ist schön, dem Herrn zu dienen. Es ist schön, sein Leben für ihn hinzugeben!
Ansprache bei der Begegnung mit den Jugendlichen in Assisi, 17. Juni 2007




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Ausbildung der Priesteramtskandidaten
Um der Kirche die Priester zu geben, die sie braucht, kommt der Ausbildung der Kandidaten eine Bedeutung zu, die man nicht unterschätzen darf. Mehr denn je ist es notwendig, bei ihrer menschlichen und geistlichen Ausbildung anspruchsvoll zu sein. Da die Priester berufen sind, bei der Ausübung ihres Amtes schwere Verantwortung zu übernehmen, muss von den Kandidaten eine Reihe menschlicher Qualitäten gefordert werden, damit sie in der Lage sind, eine wahre Disziplin priesterlichen Lebens anzunehmen. Man wird besonders das affektive Gleichgewicht der Seminaristen prüfen und ihre Sensibilität ausbilden, um sich ihrer Eignung zu versichern, die Erfordernisse des priesterlichen Zölibats zu leben.
"Ad-limina"-Besuch der Bischöfe aus der Zentralafrikanischen Republik, 1. Juni 2007



Das Geschenk Söhne Gottes zu sein
Liebe Seminaristen, gerade weil das Geschenk, Söhne Gottes zu sein, euer Leben erleuchtet hat, habt ihr den Wunsch verspürt, auch die anderen daran teilhaben zu lassen. Darum seid ihr hier, um eure Berufung als Söhne zur Entfaltung zu bringen und euch auf die zukünftige Sendung als Apostel Christi vorzubereiten. Es geht dabei um ein einziges Wachstum: indem es euch gestattet, die Freude des Lebens mit Gott, dem Vater, zu kosten, lässt es euch um so stärker die Dringlichkeit verspüren, Boten des Evangeliums seines Sohnes Jesus zu werden. Der Heilige Geist ist es, der euch aufmerksam macht gegenüber dieser tiefen Wirklichkeit und der sie euch lieben lässt. All das muss schlicht und einfach grosses Vertrauen erwecken, denn das empfangene Geschenk ist überraschend, es erfüllt mit Staunen und tiefer Freude.
Predigt beim Besuch des Römischen Priesterseminars, 1. Februar 2008



Ein Wort an die Eltern der Seminaristen
Liebe Eltern, wahrscheinlich seid ihr diejenigen, die am meisten überrascht seid von dem, was in euren Söhnen geschehen ist und geschieht. Vielleicht hattet ihr euch für sie eine andere Sendung vorgestellt als die, auf die sie sich jetzt vorbereiten. Wer weiss, wie oft ihr wohl über sie nachdenkt: Ihr denkt an ihre Kindheit und Jugendzeit zurück, an die Gelegenheiten, bei denen sie die ersten Zeichen der Berufung gezeigt haben, oder - in einigen Fällen - ganz im Gegenteil an die Jahre, in denen das Leben eures Sohnes der Kirche fern zu sein schien. Was ist geschehen? Welche Begegnungen haben ihre Entscheidungen beeinflusst? Welches innere Licht hat ihrem Weg Orientierung gegeben? Wie konnten sie manchmal vielversprechende Lebensperspektiven aufgeben, um sich für den Eintritt ins Seminar zu entscheiden? Schauen wir auf Maria! Das Evangelium gibt uns zu verstehen, dass auch sie sich viele Fragen stellte über ihren Sohn Jesus und lange über ihn nachdachte (vgl. Lk 2,19.51). Es ist unvermeidlich, dass die Berufung der Kinder in irgendeiner Weise auch Berufung der Eltern wird. Ihr habt versucht, sie zu verstehen, und habt ihren Weg mitverfolgt, und so wart auch ihr liebe Väter und liebe Mütter, sehr oft in einen Weg eingebunden, auf dem euer Glaube gestärkt und erneuert wurde. Ihr habt gemerkt, das ihr an dem wunderbaren Abenteuer eurer Söhne teilhabt. Auch wenn nämlich das Leben des Priesters scheinbar nicht das Interesse der Mehrheit anzieht, so ist es in Wirklichkeit doch das Interessanteste und für die Welt notwendigste Abenteuer - das Abenteuer, die Fülle des Lebens, nach der alle streben, aufzuzeigen und gegenwärtig zu machen. Es ist ein sehr anspruchsvolles Abenteuer; und es könnte gar nicht anders sein, denn der Priester ist berufen, Jesus nachzuahmen, der "nicht gekommen ist, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele" (Mt 20,28).
Predigt beim Besuch des Römischen Priesterseminars, 1. Februar 2008




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Die Jahre im Seminar
Liebe Seminaristen, diese Jahre der Ausbildung sind eine wichtige Zeit, um euch auf die herrliche Sendung vorzubereiten, zu der der Herr euch ruft. Gestattet mir, zwei Aspekte hervorzuheben, die eure gegenwärtige Erfahrung kennzeichnen. In erster Linie bringen die Jahre im Seminar eine gewisse Loslösung vom gewöhnlichen Leben mit sich, eine gewisse "Wüste", damit der Herr euch umwerben, zu eurem Herzen sprechen kann (vgl. Hos 2,16).Seine Stimme ist nämlich nicht laut, sondern verhalten, sie ist die Stimme der Stille (vgl. 1 Kön 19,12). Damit man sie hört, bedarf es also einer Atmosphäre der Stille. Daher bietet das Seminar Orte und Zeiten für das tägliche Gebet; es achtet sehr auf die Liturgie, die Betrachtung des Wortes Gottes und die eucharistische Anbetung. Gleichzeitig verlangt es von euch, viele Stunden dem Studium zu widmen: Durch das Gebt und durch das Studium könnt ihr in eurem Innern zu jenem Mann Gottes werden, der ihr sein sollt und der zu sein die Menschen vom Priester erwarten.
Dann ist da ein zweiter Aspekt eures Lebens: Während der Jahre im Seminar lebt ihr gemeinsam miteinander; eure Ausbildung zum Priestertum bringt auch diesen gemeinschaftlichen Aspekt mit sich, der von grosser Bedeutung ist. Die Apostel wurden gemeinsam miteinander ausgebildet, indem sie Jesus nachfolgten. Eure Gemeinschaft ist nicht auf die Gegenwart beschränkt, sondern sie betrifft auch die Zukunft: In der Pastoralarbeit, die euch erwartet, müsst ihr wie in einem Leib vereint handeln - in einem "ordo", nämlich dem der Priester, die zusammen mit dem Bischof für die christliche Gemeinschaft Sorge tragen. Liebt dieses "Familienleben", das für euch eine Vorwegnahme jener "sakramentalen Bruderschaft" (Presbyterorum ordinis, 8) ist, die jeden Diözesanpriester kennzeichnen muss.
Predigt beim Besuch des Römischen Priesterseminars, 1. Februar 2008



Heiligkeit zum Ziel haben
Gott beruft euch, heilig zu sein, dass die Heiligkeit das Geheimnis des wahren Erfolgs eures priesterlichen Dienstes ist. Schon jetzt muss die Heiligkeit das Ziel aller eurer Entschlüsse und Entscheidungen darstellen. Vertraut diesen Wunsch und dieses tägliche Bemühen Maria an, der Mutter vom Vertrauen! Dieser Titel, der soviel Frieden schenkt, entspricht der wiederholten Aufforderung des Evangeliums: "Fürchte dich nicht", die der Engel an die Jungfrau Maria richtete (vgl. Lk 1,30) und Jesus später viele Male an die Jünger. "Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir", sagt der Herr. In der Ikone der Muttergottes vom Vertrauen", wo das Kind auf die Mutter weist, scheint Jesus hinzuzufügen: "Schaue auf deine Mutter, und fürchte dich nicht".
Predigt beim Besuch des Römischen Priesterseminars, 1. Februar 2008




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Mit einem offenen Herzen
Liebe Seminaristen, verbringt eure Zeit im Seminar mit einem Herzen, das offen ist für die Wahrheit, die Transparenz und den Dialog mit denen, die euch leiten. So werdet ihr auf einfache und demütige Weise demjenigen antworten können, der euch ruft, und euch von der Gefahr befreien, lediglich euren persönlichen Plan zu verwirklichen. Möget ihr, liebe Eltern und Freunde, die Seminaristen mit dem Gebet und mit eurer ständigen materiellen und geistlichen Unterstützung begleiten.
Predigt beim Besuch des Römischen Priesterseminars, 1. Februar 2008



"Fürchte dich nicht!"
Trotz aller Widersprüche, Widerstände und Oppositionen gibt es diesen Durst nach Gott, und uns [den Priestern] ist die schöne Berufung zuteil geworden, zu helfen und Licht zu bringen. Darin besteht unser Abenteuer. Gewiss, es gibt viel Unvorhersehbares, viele Komplikationen, Leiden und viele andere Probleme. Aber auch die Muttergottes wusste im Moment der Verkündigung, dass ein unbekannter Weg vor ihr lag und, da sie die Prophezeiungen vom Gottesknecht und die Heilige Schrift kannte, konnte sie erahnen, dass es viel Leid auf diesem Weg geben würde. Sie aber hat dem Wort des Engels geglaubt: Fürchte dich nicht, denn am Ende ist Gott stärker, fürchte dich auch nicht vor dem Kreuz und all dem Leid, denn letztendlich führt uns Gott, und auch diese Leiden helfen uns dabei, zur Fülle des Lichtes zu gelangen.
Ansprache an die Seminaristen im Römische Priesterseminar, 1. Februar 2008



Die Priesterweihe
[Die Handauflegung] ist nämlich der zentrale Gestus auch im Ritus der Weihe, durch den ich in Kürze den Weihekandidaten die priesterliche Würde übertragen werde. Es ist dies ein Zeichen, das untrennbar mit dem Gebet verbunden ist, dessen stille Verlängerung es darstellt. Wortlos legen der weihende Bischof und nach ihm die anderen Priester die Hände auf das Haupt der Kandidaten und bringen so die Anrufung Gottes zum Ausdruck, auf dass er seinen Geist über sie ausgiesse, sie verwandle und sie so am Priestertum Christi Anteil haben lasse. Es handelt sich um wenige Sekunden, eine sehr kurze, aber von ausserordentlicher geistlicher Dichte erfüllte Zeit.
Predigt bei Priesterweihe im Petersdom, 27. April 2008



Auf den Augenblick der Weihe zurückbesinnen
Liebe Weihekandidaten, in Zukunft müsst ihr euch immer wieder auf diesen Augenblick zurückbesinnen, auf diesen Gestus, der nichts Magisches hat, so geheimnisvoll er auch ist, da hier der Ursprung eurer Sendung liegt. In jenem stillen Gebet vollzieht sich die Begegnung von zwei Freiheiten: der Freiheit Gottes, der durch den Heiligen Geist wirkt, und der Freiheit des Menschen. Die Auflegung der Hände bringt diese Begegnung besonders einprägsam zum Ausdruck: die Kirche, in Person des mit ausgestreckten Händen stehenden Bischofs, bittet den Heiligen Geist um die Weihe des Kandidaten; der Diakon empfängt kniend die Auflegung der Hände und vertraut sich dieser Vermittlung an. Das Zusammenspiel der Gesten ist wichtig, aber unendlich wichtiger ist die unsichtbare geistliche Bewegung, die darin zum Ausdruck kommt; eine Bewegung, die durch die heilige Stille verstärkt wird, die alles innerlich wie äusserlich umgibt.
Predigt bei Priesterweihe im Petersdom, 27. April 2008



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Vergesst diese Worte nicht!
"Wenn ihr mich liebt." Liebe Freunde, diese Worte hat Jesus beim Letzten Abendmahl in dem Augenblick gesprochen, als er die Eucharistie und das Priestertum in ihrem Zusammenhang einsetzte. [...]
Ihr , liebe Weihekandidaten, hört sie mit besonderer Bewegung, denn gerade heute macht Christus euch zu Teilhabern an seinem Priestertum. Nehmt sie mit Glauben und Liebe auf! Lasst zu, dass sie sich in euer Herz einprägen, lasst euch von ihnen auf dem Weg eures ganzen Daseins begleiten. Vergesst sie nicht, verliert sie nicht unterwegs! Lest sie immer wieder neu, betrachtet sie oft und bedenkt sie vor allem in euren Gebeten. So werdet ihr der liebe Christi treu bleiben, und voll immer neuer Freude werdet ihr bemerken, wie sein göttliches Wort mit euch "gehen" und in euch "wachsen" wird.
Predigt bei Priesterweihe im Petersdom, 27. April 2008



Werdet heilige Priester!
Ich freue mich wirklich zu erfahren, dass eure Anzahl [der Seminaristen] steigt! Das Volk Gottes erwartet sich von Euch, dass ihr heilige Priester werdet, auf einem täglichen Weg der Umkehr, und so in den anderen den Wunsch hervorruft, tiefer in das kirchliche Leben als Gläubige einzutreten. Ich ermahne euch, eure Freundschaft mit Jesus, dem Guten Hirten, zu vertiefen.. Sprecht mit ihm von Herz zu Herz. Weist jede Versuchung der Zurschaustellung des Karrieredenkens oder des Dünkels zurück. Strebt einen Lebensstil an, der wahrhaft von Liebe, Keuschheit und Demut geprägt ist. In der Nachahmung Christi, des Ewigen Hohenpriesters, dessen lebendiges Abbild ihr werden müsst (vgl. patores dabo vobis, 33). Liebe Seminaristen, ich bete täglich für euch. Erinnert euch daran, dass vor dem Herrn zählt, in seiner Liebe zu bleiben und seine Liebe für andere leuchten zu lassen.
Ansprache an die Jugendlichen und Seminaristen im New Yorker Priesterseminar "Saint Joseph", 19. April 2008



Den Ruf zum Priestertum weitergeben
Damit es dem Volk Gottes nie an Priestern fehlt, die ihm den Leib Christi geben, müssen wir den Herrn um die Gabe bitten, seiner Kirche neue Priester zu schenken. Ich lade auch euch ein, an die jungen Männer den Ruf zum Priestertum weiterzugeben, damit sie mit Freude und ohne Angst sich entschliessen, Christus zu antworten. Sie werden nicht enttäuscht sein. Mögen die Familien der ursprüngliche Ort und die Wiege von Berufungen sein.
Predigt bei Eucharistiefeier zum Abschluss des Eucharistischen Kongresses in Québec, 22. Juni 2008



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Ein ganz der Liebe gewidmetes Leben
Vergesst niemals, dass die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen bedeutet, ein ganz der Liebe gewidmetes Leben zu ergreifen - einer Liebe, die Euch befähigt Euch rückhaltlos dem Dienst für Gott zu verschreiben und ganz für eure Brüder und Schwestern da zu sein, besonders für die in Not. Die grössten Schätze, die Ihr mit anderen jungen Menschen gemeinsam habt - euer Idealismus, eure Grossherzigkeit, eure Zeit und Energie - sie sind die echten Opfergaben, die Ihr auf den Altar des Herrn legt. Mögt Ihr dieses wunderschöne Charisma, das Gott Euch zu seiner Ehre und zum Aufbau der Kirche geschenkt hat, immer schätzen und pflegen!
Predigt bei Eucharistiefeier mit Bischöfen, Seminaristen und jungen Ordensangehörigen, 19. Juli 2008



Die Berufung ist schon der erste Lohn
Im heutigen Evangelium (vgl. Mt 20,1-16a) erzählt Jesus gerade jenes Gleichnis vom Besitzer des Weinbergs, der zu verschiedenen Stunden am Tag Arbeiter für seinen Weinberg anwirbt. Und am Abend gibt er allen denselben Lohn, einen Denar, und er erregt so den Widerspruch jener, die zur ersten Stunde angefangen haben. Es ist klar, dass dieser Denar das ewige Leben darstellt, ein Geschenk, das Gott allen vorbehält. Mehr noch: Gerade jene, die als "die Letzten" gelten, werden, wenn sie es annehmen, "die Ersten" sein, während die "Ersten" Gefahr laufen können, die "Letzten" zu werden. Eine erste Botschaft dieses Gleichnisses besteht darin, dass der Gutsbesitzer sozusagen keine Arbeitslosigkeit duldet: er will, dass alle in seinem Weinberg beschäftigt werden. Und in der Tat ist die Berufung schon der erste Lohn: im Weinberg des Herrn arbeiten zu dürfen, in seinen Dienst zu treten, an seinem Werk mitzuarbeiten, stellt an sich schon einen unschätzbaren Wert dar, der für alle Mühe entlohnt. Dies verstehen aber nur jene, die den Herrn und sein Reich lieben, wer hingegen allein um des Lohnes willen arbeitet, wird nie den Wert dieses unschätzbaren Schatzes bemerken.
Angelus, 21. September 2008



Das Wort Gottes in den Mittelpunkt des Dienstes stellen
Und ihr liebe Diakone, die ihr wirksame Mitarbeiter der Bischöfe und der Priester seid, liebt auch weiterhin das Wort Gottes: ihr verkündet das Evangelium im Herzen der Eucharistiefeier. Ihr legt es in der Katechese für eure Brüder und Schwestern aus: Stellt es in den Mittelpunkt eures Lebens, eures Dienstes am Nächsten, eures gesamten Diakonats. Seid lebendige Zeugen der unendlich grossen Macht des Wortes Gottes, ohne die Priester ersetzen zu wollen, sondern um ihnen freundschaftlich und wirksam zu helfen!
Vesper in der Kathedrale Notre-Dame in Paris, 12. September 2008



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Lasst den Anruf Christi nicht unbeantwortet
Habt keine Furcht! Habt keine Furcht, Euer Leben Christus zu schenken! Nichts wird je den Dienst der Priester im Leben der Kirche ersetzen. Nichts wird je eine Messe für das Heil der Welt ersetzen! Liebe junge und weniger junge Leute, die ihr mich hört, lasst den Anruf Christi nicht unbeantwortet.
Predigt bei der Eucharistiefeier in Paris, 13. September 2008


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