Priesterliches Wirken




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Eine einzige Wurzel
Liebe Priester, die Qualität eures Lebens und eures pastoralen Dienstes scheint darauf hinzuweisen, dass wir in dieser Diözese, wie auch in zahlreichen anderen Diözesen der Welt, mittlerweile die Zeit der Identitätskrise, die viele Priester belastet hat, überwunden haben. Dennoch bleiben die Ursachen der »spirituellen Wüste«, von denen die Menschheit heute gequält wird, weiterhin bestehen, und sie bedrohen folglich auch die Kirche, die ja inmitten dieser Menschheit lebt. Wie sollte man nicht befürchten, dass sie auch das Leben der Priester in Gefahr bringen? Es ist daher unentbehrlich, immer wieder neu zur Wurzel unseres Priestertums zurückzukehren. Diese Wurzel ist, wie wir gut wissen, eine einzige: Jesus Christus, der Herr.
Ansprache an den Klerus von Rom, Lateranbasilika, 13. Mai 2005



Hohe Eigenschaften
Die Verkündigung des Evangeliums erfordert Priester mit hohen intellektuellen, geistigen und moralischen Eigenschaften, die in ihrem ganzen Leben Zeugnis geben von ihrer vorbehaltlosen Zugehörigkeit zur Person Christi und zu seiner Kirche.
Ansprache an die Bischöfe von Madagaskar anlässlich ihres "Ad-limina"-Besuches, 18. Juni 2005



Priester-Profil
Um den Erwartungen der modernen Gesellschaft zu genügen und an der umfassenden Evangelisierungsarbeit, die alle Christen einbezieht, mitzuwirken, brauchen wir gut ausgebildete und mutige Priester, die ohne Karrierestreben und Furcht, aber überzeugt von der Wahrheit des Evangeliums, vor allem Sorge dafür tragen, Christus zu verkünden, und die in seinem Namen bereit sind, sich dem menschlichen Leid zuzuwenden und alle Menschen - besonders die Armen und diejenigen, die sich in schwierigen Lebenslagen befinden - den Trost der Liebe Gottes und die Wärme der himmlischen Familie spüren zu lassen.
Ansprache für die Kollegsgemeinschaft des "Almo Collegio Capranica", 20. Januar 2006



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Hl. Josef, Fürsprecher für die Priester
Dieses Oratorium, das den vielsagenden Titel "Schatten des Vaters" trägt, bietet mir Gelegenheit, die Tatsache hervorzuheben, dass das Vorbild des hl. Josef, des "gerechten Mannes", der in voller Verantwortung vor Gott und vor Maria gehandelt hat, für alle eine Ermutigung auf dem Weg zum Priestertum darstellt. Wir finden ihn immer aufmerksam gegenüber der Stimme des Herrn, der die geschichtlichen Ereignisse lenkt, und bereit, seinen Weisungen zu folgen, immer treu, grosszügig und selbstlos im Dienst, vorbildlicher Lehrer des Gebets und der Arbeit und der Zurückgezogenheit in Nazaret. Ich kann euch versichern, liebe Seminaristen, dass ihr, je weiter ihr durch Gottes Gnade auf dem Weg des Priestertums fortschreitet, immer stärker erfahren werdet, dass es reiche geistliche Früchte hervorbringt, wenn man sich auf den hl. Josef beruft und bei der Ausübung der täglichen Pflichten um seine Hilfe bittet.
Ansprache beim Besuch im Grossen Römischen Priesterseminar, 25. Februar 2006


Die Hände des Priesters
Die Hand des Menschen ist das Instrument seines Handelns, Symbol seiner Fähigkeit, der Welt zu begegnen, sie "in die Hand zu nehmen". Der Herr hat uns die Hände aufgelegt und will jetzt unsere Hände, damit sie in der Welt die seinigen werden. Er will, dass sie nicht mehr Werkzeuge sind, um die Dinge, die Menschen, die Welt für uns zu ergreifen, damit sie zu unserem Besitz werden, sondern er will, dass sie stattdessen seine göttliche Berührung übertragen und sich in den Dienst seiner Liebe stellen. Er will, dass sie Werkzeuge des Dienens sind und so Ausdruck der Sendung der ganzen Person, die sein Garant ist und ihn zu den Menschen bringt.
Predigt bei der Chrisam-Messe am Gründonnerstag, 13. April 2006



Handauflegung
Dieses sakramentale Zeichen [Handauflegung durch den Bischof] fasst einen ganzen existentiellen Weg zusammen. Wie die ersten Jünger sind wir einmal dem Herrn begegnet und haben sein Wort gehört: "Folge mit nach!" Vielleicht sind wir ihm am Anfang etwas unsicher gefolgt, vielleicht haben wir uns nach rückwärts gewandt und uns gefragt, ob dieser Weg wirklich der unsrige ist. Und an einigen Stellen des Weges haben wir vielleicht die Erfahrung des Petrus nach dem wunderbaren Fischfang gemacht, das heisst: Wir wurden von seiner Grösse erschreckt, von der Grösse der Aufgabe und von der Unzulänglichkeit unserer armen Person, so dass wir uns zurückziehen wollten: "Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder!" (Lk 5,8). Dann aber hat er uns in grosser Güte bei der Hand genommen, er hat uns zu sich gezogen und gesagt: "Hab keine Angst! Ich bin mit dir. Ich verlasse dich nicht, verlass du mich nicht!"
Predigt bei der Chrisam-Messe am Gründonnerstag, 13. April 2006



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Kein sozialer Aufstieg
Das Priestertum darf nie als ein Weg betrachtet werden, der die eigene gesellschaftliche Stellung oder die eigene Lebensqualität verbessern kann. Wenn es so ist, dann weicht die priesterliche Selbsthingabe und der Gehorsam gegenüber dem Plan Gottes persönlichen Bestrebungen, so dass der Priester wenig Früchte bringt und keine Erfüllung findet.
"Ad-limina"-Besuch der Bischöfe von Ghana, 24. April 2006



Rechtmässiger Aufstieg ist das Kreuz
Der einzig rechtmässige Aufstieg zum Hirtenamt in der Kirche ist das Kreuz. Das ist der wahre Aufstieg, das ist die wahre Tür. Nicht selber jemand werden wollen, sondern für den anderen da sein - für Christus und so, durch ihn und mit ihm für die Menschen, die der Herr sucht, die er auf den Weg des Lebens führen will. Man tritt zum Priestertum ein durch das Sakrament - das bedeutet eben: durch die Freigabe seiner selbst an Christus, dass er über mich verfüge; dass ich ihm zu Diensten sei und seinem Ruf folge, auch wenn er meinen Wünschen nach Selbstverwirklichung und Ansehen entgegenläuft. Durch Christus, die Tür, eintreten, heisst: ihn immer mehr kennen und lieben, damit unser Wille eins werde mit dem Seinen und unser Handeln eins mit dem Seinen.
Predigt bei der Priesterweihe, 7. Mai 2006



Das Leben geben
Die Eucharistie muss uns Schule des Lebens werden, in der wir lernen, unser Leben zu geben. Das Leben gibt man nicht erst im Augenblick des Todes und nicht nur in der Weise des Martyriums. Wir müssen es geben, Tag um Tag. Tag um Tag gilt es zu erlernen, dass ich mein Leben nicht für mich selber habe. Tag um Tag gilt es zu lernen, mich loszulassen; mich zur Verfügung zu halten für das, wofür er, der Herr, mich gerade braucht, auch wenn mir anderes schöner oder wichtiger erscheint. Das Leben geben, nicht nehmen. Gerade so erfahren wir Freiheit. Freiheit von uns selbst, die Weite des Seins. Gerade so im Gebrauchtwerden, dadurch dass wir jemand sind, der in der Welt gebraucht wird, wird unser Leben wichtig und schön. Nur wer sein Leben gibt, findet es.
Predigt bei der Priesterweihe am 7. Mai 2006



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Zuerst die Beziehung zu Gott
Die Menschen gehören im letzten dem Vater und sind auf der Suche nach dem Schöpfer, nach Gott. Wenn sie merken, dass jemand nur für sich selber und aus Eigenem redet, spüren sie, dass das zu wenig ist und dass er das nicht sein kann was sie suchen. Wo aber in einem eine andere Stimme aufklingt, die Stimme des Schöpfers, des Vaters, da öffnet sich die Türe der Beziehung, auf die der Mensch wartet. So also muss es bei uns sein: Wir müssen zuerst und zuinnerst in der Beziehung mit Christus und durch ihn mit dem Vater stehen, dann erst verstehen wir die Menschen wirklich. Nur im Licht Gottes erfasst man die Tiefe des Menschen. Dann merkt derjenige, der uns hört, dass wir nicht von uns, von irgend etwas, sondern vom wahren Hirten reden. Natürlich ist in den Worten Jesu die ganz praktische pastorale Aufgabe mit enthalten, den Menschen nachzugehen, zu ihnen zu kommen, für ihre Nöte und Fragen offen zu sein.
Predigt bei der Priesterweihe am 7. Mai 2006



Der Priester muss sich um alle kümmern
Die Sendung Jesu betrifft die Menschheit im ganzen, und der Kirche ist daher eine Verantwortung für die Menschheit aufgetragen: dass sie Gott kennenlerne, den Gott, der in Jesus Christus für uns alle Mensch geworden ist, gelitten hat, gestorben und auferstanden ist. Die Kirche darf sich nie mit der Schar derer begnügen, die sie nun einmal erreicht hat und sagen, dass es den anderen - den Muslimen, den Hindus und so weiter - auch so gutgehe. Die Kirche kann sich nicht bequem ins bloss Eigene zurückziehen. Die Sorge um das Ganze, um alle, ist ihr aufgetragen. Diesen grossen allgemeinen Auftrag müssen wir in unsere jeweiligen Sendungen hinein übersetzen. Natürlich muss ein Priester, ein Seelsorger, sich zuallererst um die bekümmern, die mit der Kirche glauben und leben, die in ihr die Strasse des Lebens suchen und die ihrerseits die Kirche als lebendige Steine aufbauen und eben auch den Priester mit aufbauen und mittragen. Aber wir müssen doch auch immer wieder - wie der Herr sagt - an die Strassen und Zäune gehen (vgl. Lk 14, 22) und die Einladung Gottes zu seinem Festmahl auch zu den Menschen bringen, die bisher nicht davon gehört haben oder nicht inwendig davon berührt worden sind.
Predigt bei der Priesterweihe am 7. Mai 2006



Glaubt an die Macht eures Priestertums!
Ihr [die Priester] seid aus dem Volk erwählt und in den Dingen, die Gott betreffen, eingesetzt, um Gaben und Opfer für die Sünden darzubringen. Glaubt an die Macht eures Priestertums! Kraft des Sakramentes habt ihr alle empfangen, was ihr seid. Wenn ihr die Worte "ich" oder "mein" aussprecht ("Ich spreche dich los... Das ist mein Leib..."), tut ihr es nicht in eurem Namen, sondern im Namen Christi, "in persona Christi", der sich eurer Lippen und eurer Hände, eures Opfergeistes und eurer Begabungen bedienen will. Im Augenblick eurer Weihe, durch das liturgische Zeichen der Handauflegung, hat Christus euch unter seinen besonderen Schutz gestellt: Ihr seid unter seinen Händen und in seinem Herzen geborgen. Taucht ein in seine Liebe. Und schenkt ihm eure Liebe! Als eure Hände mit dem Chrisamöl, dem Zeichen des Heiligen Geistes, gesalbt wurden, wurden sie dazu bestimmt, dem Herrn als seine Hände in der Welt von heute zu dienen. Sie können nicht mehr dem Egoismus dienen, sondern müssen in der Welt das Zeugnis seiner Liebe vermitteln.
Ansprache bei den Begegnung mit dem polnischen Klerus in Warschau, 25. Mai 2006



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Erwartung an die Priester
Die Gläubigen erwarten von den Priestern nur eines: dass sie darauf spezialisiert sind, die Begegnung des Menschen mit Gott zu fördern. Vom Priester wird nicht verlangt, dass er Experte in der Wirtschaft, im Bauwesen oder in der Politik ist. Von ihm erwartet man, dass er Experte im geistlichen Leben ist. Zu diesem Zweck muss ein junger Priester, wenn er seine ersten Schritte tut, sich an einen erfahrenen Lehrmeister wenden können, der ihm hilft, sich nicht in den vielen Angeboten der Kultur des Augenblicks zu verirren. Angesichts der Versuchungen des Relativismus oder der Permissivität ist es keineswegs notwendig, dass der Priester alle aktuellen, dem Wandel unterworfenen Denkströmungen kennt. Was die Gläubigen von ihm erwarten, ist, dass er Zeuge der im offenbarten Wort enthaltenen ewigen Weisheit ist.
Ansprache bei der Begegnung mit dem polnischen Klerus in Warschau, 25. Mai 2006



Fest im Glauben!
Steht fest im Glauben! Auch euch vertraue ich dieses Leitwort meiner Pilgerreise an. Seid wahrhaftig in eurem Leben und in eurem Dienst. Führt, indem ihr den Blick auf Christus richtet, ein einfaches Leben, in Solidarität mit den Gläubigen, zu denen ihr gesandt seid. Dient allen; seid in den Pfarreien und in den Beichtstühlen erreichbar, begleitet die neuen Bewegungen und Vereinigungen, stützt die Familien, vernachlässigt nicht die Verbindung mit den Jugendlichen, denkt an die Armen und die Verlassenen. Wenn ihr aus dem Glauben lebt, wird euch der Heilige Geist eingeben, was ihr sagen und wie ihr dienen sollt. Ihr werdet immer auf die Hilfe Marias zählen können, die der Kirchen im Glauben vorangeht. Ich fordere euch auf, sie immer mit dem euch gut bekannten Worten anzurufen: "Wir sind dir nahe, wir denken an dich, wir wachen mit dir". Allen meinen Segen!
Ansprache bei der Begegnung mit dem polnischen Klerus, 25 Mai 2006



Zeichen der Gegenwart Christi erkennen
Versteht es, im euch [Priestern] anvertrauten Volk Gottes die Zeichen der Gegenwart Christi zu erkennen. Seid aufmerksam und feinfühlig gegenüber den Zeichen der Heiligkeit, die Gott euch unter den Gläubigen sehen lässt. Habt keine Angst vor den Pflichten und vor der unbekannten Zukunft! Habt keine Angst, dass euch die Worte fehlen könnten oder dass ihr auf Ablehnung stosst! Die Welt und die Kirche brauchen Priester, heilige Priester!
Ansprache an die Ordensleute und Seminaristen in Tschenstochau, 26. Mai 2006



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Priester im Mitsein mit seinen Mitbrüdern
Das Motto dieser Tage hat gelautet: "Wer glaubt, ist nie allein." Dieses Wort gilt und soll gelten gerade auch für uns Priester, für jeden von uns. Und wieder gilt es in einem doppelten Sinn: Wer Priester ist, ist nie allein, weil Jesus Christus immer bei ihm ist. Er ist bei uns; seien wir auch bei ihm! Aber es muss auch in dem anderen Sinn gelten: Wer Priester wird, wird in ein Presbyterium hineingefügt, in eine Gemeinschaft von Priestern mit dem Bischof. Und er ist Priester im Mitsein mit seinen Mitbrüdern. Mühen wir uns darum, dass dies nicht nur eine theologische und juristische Vorgabe bleibt, sondern dass es für jeden von uns erfahrbar wird. Schenken wir uns dieses Mitsein, gerade denen, von denen wir wissen, dass sie unter Einsamkeit leiden, dass Fragen und Nöte auf sie hereinstürzen, vielleicht Zweifel und Ungewissheit! Schenken wir uns dieses Mitsein, dann werden wir in diesem Mitsein mit dem anderen, mit den anderen um so mehr und um so freudiger immer neu auch das Mitsein Jesu Christi erleben. Amen.
Ansprache im Dom zu Freising, 14. September 2006



Das Antlitz des Herrn suchen
Liebe Priester, wenn in euch, den Hirten der Herde Christi, die Heiligkeit seines Antlitzes eingeprägt bleibt, dann habt keine Angst: Auch die Gläubigen die eurer Sorge anvertraut sind, werden davon angesteckt und verwandelt werden. Und ihr, liebe Seminaristen, die ihr euch darauf vorbereitet, verantwortungsvolle Leiter des christlichen Volkes zu sein, lasst euch von nichts anderem anziehen als von Jesus und von dem Wunsch, seiner Kirche zu dienen. Dasselbe möchte ich euch liebe Ordensleute, sagen, auf dass jede eurer Tätigkeiten ein sichtbarer Widerschein der göttlichen Güte und des göttlichen Erbarmens sei. "Dein Antlitz, o Herr, will ich suchen": Das Antlitz des Herrn zu suchen muss unser aller Wunsch, der Wunsch aller Christen sein; wir nämlich sind "die Menschen", die in dieser Zeit sein Antlitz suchen, das Antlitz des "Gottes Jakobs". Wenn wir beharrlich sind in der Suche nach dem Antlitz des Herrn, dann wird am Ende unserer irdischen Pilgerreise Jesus unsere ewige Freude, unsere immerwährende Belohnung und Herrlichkeit sein: "Sis Jesu nostrum gaudium, / qui es futurus praemium: / sit nostra in te gloria, / per cuncta semper saecula".
Ansprache bei Besuch des Heiligtums von Manoppello, 1. September 2006



Ein weiser und kluger Knecht
Ich würde sagen, dass es in erster Linie für uns alle notwendig ist, unsere Grenzen demütig anzuerkennen.: anzuerkennen, dass wir die meisten Dinge dem Herrn überlassen müssen. Im heutigen Evangelium haben wir das Gleichnis vom treuen Knecht gehört (Mt 24,42-51). Dieser Knecht – so sagt uns der Herr – gibt den anderen zur rechten Zeit, was sie zu essen brauchen. Er tut nicht alles auf einmal, sondern er ist ein weiser und kluger Knecht, der es versteht, das, was er in jener Situation tun muss, auf verschiedene Zeitpunkte zu verteilen. Er tut das mit Demut und ist sich auch des Vertrauens von seiten seines Herrn sicher. So müssen auch wir unser Möglichstes tun, um zu versuchen, weise und klug zu sein und auch auf die Güte unseres Herrn vertrauen, weil letztendlich er es ist, der seine Kirche leiten muss. Wir bringen uns mit unserer kleinen Gabe ein und tun, was wir tun können, vor allem die Dinge, die immer notwendig sind: die Sakramente, die Verkündigung des Wortes, die Zeichen unserer Liebe.
Begegnung mit Priestern aus der Diözese Albano, 31. August 2006



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Das lebendige Wasser
Die Menschen haben Durst. Und sie versuchen, diesen Durst mit verschiedenen Zerstreuungen zu stillen. Aber sie verstehen sehr wohl, dass diese Zerstreuungen nicht das "lebendige Wasser" sind, das sie brauchen. Der Herr ist die Quelle des "lebendigen Wassers". Er sagt jedoch im 7. Kapitel des Johannesevangeliums, dass jeder, der glaubt, zur "Quelle" wird, weil er aus Christus getrunken hat. Und dieses "lebendige Wasser" (V, 38) wird in uns zur sprudelnden Quelle, zur Quelle für die anderen. Versuchen wir also, es im Gebet, bei der Feier der heiligen Messe, bei der Lektüre zu trinken: Versuchen wir, aus dieser Quelle zu trinken, damit sie in uns zur Quelle werde. Und wir können besser auf den Durst der heutigen Menschen antworten, wenn wir das "lebendige Wasser", die göttliche Wirklichkeit, die Wirklichkeit des menschgewordenen Herrn Jesus in uns haben. So können wir besser auf die Nöte der uns anvertrauten Menschen antworten.
Begegnung mit Priestern aus der Diözese Albano, 31. August 2006



Zu Gott bringen
Dies ist die zentrale Aufgabe des Priesters: Gott zu den Menschen zu bringen. Das kann er freilich nur, wenn er selbst von Gott her kommt, mit Gott und von Gott her lebt.
Weihnachtsempfang für die Römische Kurie, 22. Dezember 2006



Die wahre Perle
Wir haben sie [die wahre Perle] gefunden, ja wir sind von der Liebe des Herrn gefunden worden, und je mehr wir uns im sakramentalen Leben, im Gebetsleben, im Arbeitsleben, in der Freizeit von dieser seiner Liebe berühren lassen, um so mehr können wir begreifen, dass, sobald ich die wahre Perle gefunden habe, alles übrige nicht zählt, alles übrige nur in dem Masse von Bedeutung ist, in dem die Liebe des Herrn mir diese Dinge zuerkennt. Ich bin reich, ich bin wirklich reich und oben, wenn ich in dieser Liebe bleibe. Hier finden wir das Zentrum des Lebens, den Reichtum. Dann lassen wir uns führen, überlassen der Vorsehung die Entscheidung, was sie mit uns tun wird.
Besuch im Römischen Priesterseminar, 17. Februar 2007



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Mit dem Volk Gottes zusammen
Wir müssen mit dem Volk Gottes beten, mit dem Volk zusammen das Wort Gottes hören, mit dem Volk Gottes die Sakramente feiern, mit Christus in der Liebe tätig sein usw. Vor allem in unseren Predigten müssen wir diese Sicht verbreiten. In diesem Sinn ist, so scheint mir, die Homilie eine wunderbare Gelegenheit, den Menschen nahe zu sein und ihnen die vom Konzil gelehrte Spiritualität zu vermitteln. Und auf diese Weise ist die Homilie, wenn sie im Gebet, im Hören des Wortes Gottes gewachsen ist, Vermittlung des Inhalts des Gotteswortes. Dann erreicht wirklich das Konzil unser Volk. Nicht jene bruchstückhaften Splitter der Publizistik, die ein falsches Bild des Konzils verbreitet haben, sondern die wahre geistliche Wirklichkeit des Konzils. Und so müssen wir immer von neuem mit dem Konzil und im Geist des Konzils durch die Verinnerlichung seiner Vision das Wort Gottes lernen. Wenn wir das tun, können wir uns auch unseren Mitmenschen mitteilen und so tatsächlich eine pastorale und spirituelle Arbeit leisten.
Begegnung mit den Priestern der Diözese Rom, 22. Februar 2007



Ein geistlicher Akt
Hirt oder Seelsorger zu sein ist an sich ein geistlicher Akt. [...] Und als ersten endgültigen Moment sagt Jesus, dass der Hirt vorausgeht. Das heisst, er zeigt den Wert, er tut als erster das, was die anderen tun sollen; er schlägt zuerst den Weg ein, der dann der Weg für die anderen ist. Der Hirt geht voraus. Das heisst, er selbst lebt vor allem das Wort Gottes: Er ist ein Mann des Gebets, ein Mann der Vergebung, ein Mann, der empfängt und die Sakramente als Akte des Gebets und der Begegnung mit dem Herrn feiert. Er ist ein Mann der gelebten und verwirklichten Liebe. Und so werden alle anderen einfachen Handlungen, wie Gespräche, Begegnungen und alles, was eben getan werden muss, zu geistlichen Handlungen in Gemeinschaft mit Christus. Sein "pro omnibus", "für alle", wird zu unserem "pro meis", "für die Meinen".
Begegnung mit den Priestern der Diözese Rom, 22. Februar 2007



Handeln für Christus
Wie in der Taufe ein "Kleidertausch", ein Schicksalstausch, eine neue Seinsgemeinschaft mit Christus geschenkt wird, so bedeutet Priestertum, dass der Priester nun bei der Spendung der Sakramente in "persona Christi" handelt und spricht. Er steht bei den heiligen Geheimnissen nicht für sich selbst und redet nicht aus sich selbst, sondern für den anderen – für Christus. In den Sakramenten wird dabei nur ganz dramatisch sichtbar, was Priestersein überhaupt bedeutet; was wir mit unserm Adsum "Ich bin bereit" bei der Priesterweihe ausgedrückt haben. Ich bin da, damit du über mich verfügen kannst. Wir stellen uns dem zur Verfügung, " der für uns alle gestorben ist, damit wir, die wir leben, nicht mehr für uns selber leben..." (2 Kor 5,15). Sich Christus zur Verfügung stellen bedeutet, dass wir uns in sein "für alle" hineinziehen lassen: Mit ihm seiend können wir wirklich "für alle" da sein.
Predigt an der "Missa chrismatis" am Gründonnerstag, 5. April 2007



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Immer wieder neues Eintreten in das JA
In persona Christi - im Augenblick der Priesterweihe hat uns die Kirche diese Realität der "neuen Gewänder" dadurch auch äusserlich sichtbar und greifbar gemacht, dass wir neu eingekleidet wurden, mit den liturgischen Gewändern. In dieser äusseren Gebärde will sie uns den inneren Vorgang und seinen Auftrag an uns deutlich machen: Christus anziehen; sich ihm zu eigen geben, wie er sich uns zugeeignet hat. Dieser Vorgang, das "Anziehen Christi", wird bei jeder heiligen Messe durch die Bekleidung mit den liturgischen Gewändern immer wieder dargestellt. Sie anzulegen soll mehr als eine Äusserlichkeit sein: es ist das immer neue Eintreten in das Ja unseres Auftrags – in das "Ich, doch nicht mehr ich" der Taufe, das die Priesterweihe uns in neuer Weise zugleich schenkt und abverlangt. Dass wir in den liturgischen Gewändern am Altar stehen, soll uns und den Anwesenden auch sinnfällig sichtbar machen, dass wir " in der Person eines anderen" dastehen. Die priesterlichen Gewänder, wie sie sich im Lauf der Zeit entwickelt haben, sind ein tiefgehender symbolischer Ausdruck für das, was Priestertum bedeutet.
Predigt an der "Missa chrismatis" am Gründonnerstag, 5. April 2007



Bedigungen...
So nehmen einerseits "die geschürzten Flanken" und die "priesterlichen Gewänder", das heisst die Reinheit und Rechtschaffenheit des Lebens, und andererseits die "stets brennende Lampe", das heisst der Glaube und das Wissen um die Schriften, Gestalt an als die unverzichtbaren Bedingungen für die Ausübung des universalen Priestertums, das Reinheit und Rechtschaffenheit des Lebens, Glaube und Wissen um die Schriften verlangt. Um so unerlässlicher sind diese Bedingungen natürlich für die Ausübung des Amtspriestertums.
Generalaudienz, 2. Mai 2007



Trotzdem...
"Die Jünger waren voll Freude und erfüllt vom Heiligen Geist" (Apostelgeschichte 13,52). Trotz des Unverstandenseins und der Auseinandersetzungen verliert der Apostel Christi nicht die Freude, sondern er ist im Gegenteil der Zeuge jener Freude, die daraus entspringt, beim Herrn zu sein, aus der Liebe zu ihm und zu den Brüdern.
Predigt bei der Priesterweihe am "Sonntag des Guten Hirten", 29. April 2007



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Persönliche Freundschaft mit Christus
Pflegt weiterhin eine innige persönliche Freundschaft mit Jesus, indem ihr euch bemüht, seine Gedanken und Gefühle immer besser kennenzulernen und sie euch anzueignen (vgl. Phil 2,5). Je gründlicher ihr ihn kennt, um so fester werdet ihr mit ihm vereint bleiben und um so treuer werdet ihr euren priesterlichen Pflichten nachkommen, um so mehr und um so besser werdet ihr auch in der Lage sein, den Menschen zu dienen.
Ansprache für die Leiter und Alumnen der päpstlichen Diplomatenakademie, 2. Juni 2007



Ermüdung und Angst – der Herr wird die notwendige Kraft geben
Ich richte einen besonderen Gruss an euch, liebe Priester, die ihr gemeinsam mit den Diakonen Tag für Tag im Dienst des Gottesvolkes steht. Eure Begeisterung, eure Gemeinschaft, euer Gebetsleben und euer grossherziger Dienst sind unverzichtbar. Es kann passieren, dass angesichts der neuen Herausforderungen und Schwierigkeiten etwas Ermüdung oder Angst sich einstellen, aber wir müssen darauf vertrauen, dass der Herr uns die notwendige Kraft geben wird, das zu tun, worum er uns bittet. Er wird es – darum beten wir und dessen sind wir gewiss – nicht an Berufungen fehlen lassen, wenn wir inständig im Gebet darum bitten und gleichzeitig Sorge tragen, sie zu suchen und zu bewahren durch eine Jugend und Berufungspastoral, die reich ist an Eifer und an Erfindungsgabe und die die Schönheit des Priesteramtes aufzeigen kann.
Ansprache bei Begegnung mit dem Klerus und den Ordensleuten in Assisi, 17. Juni 2007



Ein beispielhaftes, priesterliches Leben
Ich fordere sie [die Priester] nachdrücklich dazu auf, in brüderlicher Zusammenarbeit mit allen in der Pastoral tätigen Personen, in erster Linie mit den Missionaren und Katecheten, um deren unermüdliches Engagement im Dienst des Evangeliums ich weiss, Männer zu sein, die ergriffen sind von der Leidenschaft für die Verkündigung des Evangeliums. Um dahin zu gelangen, werden sie die Einheit ihrer Person und die Quelle ihrer apostolischen Dynamik in der persönlichen Freundschaft mit Christus in der Betrachtung des Antlitzes des Vaters in ihm finden. Ein beispielhaftes priesterliches Leben, das auf einem beständigen Streben gründet, dem Bild Christi zu entsprechen, ist eine tagtägliche Anforderung. Im Gebet, das in der Meditation des Wortes Gottes verwurzelt ist und in der Eucharistie, Quelle und Höhepunkt ihres Dienstes, werden sie Kraft und Mut finden, um dem Volk Gottes zu dienen und es auf den Weg des Glaubens zu führen.
"Ad-limina"-Besuch der Bischöfe aus der Zentralafrikanischen Republik, 1. Juni 2007



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Verkündet allen Völkern...
"Wir" - also die Apostel - "verkündigen Christus als den gekreuzigten" (1 Kor 1,23). Die Apostelgeschichte weist in diesem Evangelisierungsprozess auch anderen Jüngern eine sehr wichtige Rolle zu, deren missionarische Berufung Umständen entspringt, die von der Vorsehung bestimmt und manchmal schmerzhaft sind, wie die Vertreibung aus dem eigenen Land als Jünger Christi (vgl. 8, 1-4). Der Heilige Geist macht es möglich, diese Prüfung in eine Gelegenheit der Gnade umzuwandeln und sie zum Anstoss werden zu lassen, damit der Name des Herrn anderen Völkern verkündigt werde und sich auf diese Weise der Kreis der christlichen Gemeinde erweitere. Es handelt sich um Männer und Frauen, die, wie Lukas in der Apostelgeschichte schreibt, "für den Namen Jesu Christi, unseres Herrn, ihr Leben eingesetzt haben" (15,26).
Botschaft zum 45. Weltgebetstag um geistlichen Berufungen, 13. April 2008



Stehen vor Gott
Zwei Aufgaben bestimmen [...] das Wesen des priesterlichen Dienstes. Zuerst das "Stehen vor dem Herrn". Im Buch Deuteronomium ist dies im Zusammenhang mit der vorhergehenden Bestimmung zu lesen, dass die Priester keinen Landanteil im heiligen Land erhalten - sie leben von Gott und für Gott. Sie gehen nicht den üblichen Arbeiten nach, die für den Unterhalt des täglichen Lebens nötig sind. Ihr Beruf ist "stehen vor dem Herrn" - auf ihn hinzuschauen, für ihn da zu sein. Das Wort bedeutet so im letzten ein Leben in der Gegenwart Gottes und damit auch einen stellvertretenden Dienst für die anderen. So wie die anderen das Land bebauen, von dem auch der Priester lebt, so hält er die Welt auf Gott hin offen, soll mit dem Blick auf ihn hin leben. Wenn dieses Wort nun im Hochgebet der Messe unmittelbar nach der Verwandlung der Gaben, nach dem hereintreten des Herrn in die betende Versammlung steht, so ist damit für uns das Stehen vor dem gegenwärtigen Herrn, Eucharistie als Mitte priesterlichen Lebens gemeint.
Predigt an der "Missa crismatis" am Gründonnerstag, 20. März 2008



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Ein Dienender
Was der Priester in diesem Augenblick, in der Feier der Eucharistie tut, ist Dienen, Dienst für den Herrn und Dienst für die Menschen. Der Kult, den Christus dem Vater dargebracht hat, ist das Sichgeben für die Menschen bis zum Ende. In diesen Kult, in dieses Dienen muss der Priester eintreten.
Predigt an der "Missa crismatis" am Gründonnerstag, 20. März 2008


Ein Wachender
Der Priester soll ein Wachender sein. Er soll Wache halten gegen die hereindrängenden Mächte des Bösen. Er soll die Welt wachhalten für Gott. Er soll ein Stehender sein: aufrecht gegenüber den Strömungen der Zeit. Aufrecht in der Wahrheit. Aufrecht im Einstehen für das Gute. Stehen vor dem Herrn muss zutiefst auch immer Einstehen für den Menschen vor dem Herrn sein, der für uns alle beim Vater einsteht. Und es muss einstehen sein für ihn, für Christus, für sein Wort, seine Wahrheit, seine Liebe. Aufrecht muss der Priester sein, furchtlos und bereit, für den Herrn auch Schläge einzustecken, wie die Apostelgeschichte über die Apostel sagt: "Sie freuten sich, dass sie gewürdigt worden waren, für seinen Namen Schmach zu erleiden" (5,41).
Predigt an der "Missa crismatis" am Gründonnerstag, 20. März 2008



Priesterliches Dienen
Das Wort Dienen Umfasst viele Dimensionen. Dazu gehört gewiss zuallererst die recht, von innen her vollzogene Feier der Liturgie, der Sakramente überhaupt. Wir müssen die heilige Liturgie immer mehr in ihrem ganzen Wesen verstehen lernen, in ihr lebendig zu Hause sein, so dass sie Seele unseres Alltags wird. Dann feiern wir recht, dann ergibt sich die ars celebrandi, die Kunst des Feierns von selbst. In dieser Kunst darf nichts Künstliches sein. Wenn Liturgie eine zentrale Aufgabe des Priesters ist, dann heisst das auch, dass Beten für uns eine vordringliche Realität sein muss, die wir in der Schule Christi und der Heilgen aller Zeiten immer neu und tiefer lernen müssen. Weil christliche Liturgie ihrem Wesen nach auch immer Verkündigung ist, müssen wir Menschen sein, die in Gottes Wort zu Hause sind, es lieben und leben: Nur dann können wir es recht auslegen, "dem Herrn dienen" - priesterliches Dienen heisst gerade auch, ihn kennenlernen in seinem Wort und ihn all denen bekanntmachen, die er uns anvertraut.
Predigt an der "Missa crismatis" am Gründonnerstag, 20. März 2008



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Dienen bedeutet Nähe
Zum Dienen gehören schliesslich noch zwei weitere Aspekte. Niemand ist seinem Herrn so nahe wie der Diener, der ins Privateste seines Lebens Zugang hat. Insofern bedeutet Dienen Nähe, fordert Vertrautheit. Diese Vertrautheit birgt auch eine Gefahr: Das Heilige, dem wir immerfort Begegnen, wird uns gewöhnlich, die Ehrfurcht erlischt. Wir spüren durch alle Gewohnheiten hindurch das Grosse, Neue, Überraschende nicht mehr, dass ER selber da ist, zu uns redet, sich uns schenkt. Dieser Gewöhnung ans Grosse, der Gleichgültigkeit des Herzens müssen wir immer wieder entgegentreten, immer neu unsere Armseligkeit erkennen und die Gnade, die es ist, das Er sich so in unsere Hände gibt. Dienen bedeutet Nähe, aber es bedeutet vor allem auch Gehorsam. Der Diener steht unter dem Wort: "Nicht mein Wille geschehe, sondern der Deinige" (Lk 22,42). Mit diesem Wort hat Jesus auf dem Ölberg den Entscheidungskampf gegen die Sünde ausgetragen, gegen die Rebellion des Gefallenen Herzens.
Predigt an der "Missa crismatis" am Gründonnerstag, 20. März 2008



Spender der göttlichen Barmherzigkeit
Liebe Brüder, es ist nicht schwer, den Wert zu verstehen, den euer Dienst als Spender der göttlichen Barmherzigkeit in der Kirche für das Heil der Seelen hat. Folgt dem Vorbild vieler heiliger Beichtväter und ahmt es nach. Durch ihre geistliche Intuition halfen sie den Pönitenten, sich bewusst zu werden, dass die regelmässige Feier des Busssakraments und das nach Heiligkeit strebende christliche Leben für jeden Getauften untrennbare Elemente ein und desselben geistlichen Weges sind. Und vergesst nicht, auch selbst Vorbilder wahren christlichen Lebens zu sein.
Ansprache für die Teilnehmer an einem Kurs der Apostolischen Pönitentiarie, 7. März 2008



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Die Hoffnung die euch erfüllt
"Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt" (1 Petr 3,15). Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig: pflegt also eine persönliche Liebesbeziehung mit ihm, der ersten und grössten Liebe, die einzigartig und allumfassend ist, in der alle anderen Beziehungen zu leben, zu reinigen , zu erhellen und zu heiligen sind. Die "Hoffnung, die euch erfüllt", ist an diese "Anbetung" gebunden, an diese Liebe Christi, der, wie wir gesagt haben, durch den Geist in uns wohnt. Unsere Hoffnung, eure Hoffnung ist Gott, in Jesus und im Heilgen Geist. Hoffnung, die ab heute in euch zu einer "priesterlichen Hoffnung" wird, einer Hoffnung auf Jesus, den Guten Hirten, der in euch wohnt und eure Sehnsüchte nach seinem göttlichen Herzen gestaltet. Hoffnung auf Leben und Vergebung für die Menschen, die eurem seelsorgerlichen Wirken anvertraut werden; Hoffnung auf Heiligkeit und apostolische Fruchtbarkeit für euch und die ganze Kirche; Hoffnung auf Öffnung für den Glauben und die Begegnung mit Gott für alle, die euch in ihrer Suche nach Wahrheit aufsuchen werden; Hoffnung auf Frieden und Trost für alle, die leiden und vom Leben verwundet sind.
Predigt bei Priesterweihe im Petersdom, 27. April 2008



Mitarbeiter der Freude sein
Um Mitarbeiter an der Freude der anderen zu sein, und das in einer oft traurigen und negativen Welt, muss das Feuer des Evangeliums in euch selbst brennen, muss in euch die Freude des Herrn wohnen. Nur dann könnt ihr Boten dieser Freude sein und sie vervielfältigen, indem ihr sie allen bringt, vor allem denen, die traurig und entmutigt sind.
Predigt bei Priesterweihe im Petersdom, 27. April 2008



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Wertschätzung für die Arbeit der Priester
Ein besonderes Wort möchte ich an euch, liebe Priester, richten um meine Wertschätzung für eure stille Arbeit und für die engagiert Treue, mit der ihr sie vollbringt, zum Ausdruck zu bringen. Liebe Brüder in Christus, glaubt stets an die Wirksamkeit eures täglichen priesterlichen Dienstes: Er ist in den Augen Gottes und der Gläubigen wertvoll, sein Wert kann aber nicht in Ziffern und Statistiken angegeben werden: die Ergebnisse werde wir erst im Paradies erfahren! Viele von euch befinden sich in fortgeschrittenem Alter: das lässt mich an jenen grossartigen Abschnitt im Buch des Propheten Jesaja denken, der sagt: "Die Jungen werden müde und matt, junge Männer stolpern und stürzen. Die aber, die dem Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft, sie bekommen Flügel wie Adler. Sie laufen und werden nicht müde, sie gehen und werden nicht matt" (Jes 40,30-31). Lebt zusammen mit den Diakonen im Dienst der Diözese die Gemeinschaft mit dem Bischof und untereinander und bringt sie in einer aktiven Zusammenarbeit, in gegenseitiger Unterstützung und in aufeinander abgestimmter pastoraler Koordinierung zum Ausdruck! Bringt das mutige und freudige Zeugnis eures Dienstes voran! Sucht die Menschen auf, wie es Jesus, der Herr, gemacht hat: beim Besuch der Familien, im Kontakt mit den Kranken, im Gespräch mit den Jugendlichen, indem ihr euch in jeden Arbeits- und Lebensbereich begebt!
Predigt bei Eucharistiefeier in Savona, 17. Mai 2008



Lebt vom Wort Gottes
Seid [...] jeden Tag fügsame Hörer des Wortes Gottes, lebt in diesem Wort und von diesem Wort, um es in eurem priesterlichen Wirken gegenwärtig zu machen. Verkündet die Wahrheit, die Christus ist. Das Gebet, die Betrachtung und das Hören auf Gottes Wort sollen für euch das tägliche Brot sein. Wenn in euch die Gemeinschaft mit Jesus wächst, wenn ihr von ihm und nicht nur für ihn lebt, dann werdet ihr in eurem Umfeld seine Liebe und seine Freude ausstrahlen.
Ansprache für die Gemeinschaft der Päpstlichen Diplomatenakademie, 9. Juni 2008



Seid Vorbilder im Gebet
Liebe Brüder im priesterlichen Dienst, wenn euer Glaube stark und kraftvoll sein soll, muss er, wie ihr wisst, durch ständiges Beten genährt werden. Seid deshalb Vorbilder im Gebet, werdet Lehrer des Gebets. Eure Tage sollen von den Gebetszeiten bestimmt werden, in denen ihr nach dem Vorbild Jesu mit dem Vater ein erbauliches Gespräch führt. Ich weiss, dass es nicht leicht ist, dieses tägliche zusammentreffen mit dem Herrn einzuhalten, vor allem, heute, wo der Lebensrhythmus hektisch geworden ist und die Geschäfte uns immer mehr vereinnahmen. Aber wir müssen uns davon überzeugen, der Augenblick des Gebets ist der wichtigste Moment im Leben des Priesters, denn in ihm wirkt die göttliche Gnade und verleiht seinem Dienst Fruchtbarkeit. Beten ist der vorrangige Dienst an der Gemeinde.
bild Deshalb müssen die Momente des Gebets in unserem Leben eine bevorzugte Stelle einnehmen. Ich weiss, dass uns viele Dinge beschäftigen: was mich betrifft, eine Audienz, das Studium einer Akte, eine Begegnung und noch anderes. Aber wenn wir nicht mit Gott innerlich in Gemeinschaft sind, können wir auch den anderen nichts geben. Deshalb hat Gott den absoluten Vorrang. Wir müssen immer die notwendige Zeit aufbringen, um mit unserm Herrn in Gebetsgemeinschaft zu sein.
Ansprache bei Begegnung mit den Priestern, Diakonen und Seminaristen in Brindisi, 15. Juni 2008



Die Hoffnung der Kirche
Liebe Priesteramtskandidaten, ihr seid die Hoffnung der Kirche, und dieses Seminar ist auch ein Ort der ständigen Weiterbildung für die Jugendlichen und Erwachsenen, die ihren Beitrag zur Sache des Reiches Gottes leisten wollen. Die gute Vorbereitung der Seminaristen und die ständige Weiterbildung der Priester und der Mitarbeiter in der Pastoral sind die vorrangige Sorge für den Bischof, dem Gott die Sendung anvertraut hat, als weiser Hirte das Volk Gottes zu leiten [...].
Ansprache bei Begegnung mit den Priestern, Diakonen und Seminaristen in Brindisi, 15. Juni 2008



Seid hochherzig in eurem Dienst!
Den Sinn und die Freude des Dienens wiederentdecken: ein Dienst der Liebe. Das gilt vor allem für euch, liebe Priester, denn ihr seid Christus, dem "Haupt und Hirten", ähnlich und immer bereit seine Herde zu führen. Seid dankbar und froh über das empfangene Geschenk! Seid hochherzig in eurem Dienst! Gründet ihn auf das ständige Gebet und die kulturelle, theologische und geistliche Weiterbildung!"
Ansprache bei Begegnung mit den Priestern, Diakonen und Seminaristen in Brindisi, 15. Juni 2008



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Der priesterliche Dienst
Liebe Brüder im priesterlichen Dienst, der Papst versichert euch seines besonderes Gedenkens im Gebet, damit ihr auf dem Weg wahrer geistlicher Erneuerung fortschreitet, den ihr zusammen mit euren Gemeinden geht. In diesem Bemühen helfe euch die Erfahrung des "Zusammenseins" im Glauben und in der gegenseitigen Liebe, so wie die Apostel mit Christus im Abendmahlssaal zusammen waren. Dort lehrt sie der göttliche Meister, indem er ihre Augen für den Glanz der Wahrheit öffnete und ihnen das Sakrament der Einheit und der Liebe, die Eucharistie, schenkte. Im Abendmahlssaal, während des Letzten Abendmahls, im Augenblick der Fusswaschung, wurde deutlich, dass der Dienst eine der Grunddimensionen des christlichen Lebens ist.
Ansprache bei Begegnung mit den Priestern, Diakonen und Seminaristen in Brindisi, 15. Juni 2008



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