Vergebung




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Der Glaube der Kirche bezeugen
Es ist der Glaube der Kirche, den der Herr in uns sucht und der auch in der Vergebung der Sünden besteht. Wir sollen also diesen gemeinsamen Glauben auch leben, jeder in seiner Besonderheit, jedoch immer in dem Bewusstsein, dass dieser Glaube uns vorausgeht. Und wir müssen diesen gemeinsamen Glauben allen anderen mitteilen.
Generalversammlung der Bischofssynode im Vatikan, 3. Oktober 2005



Mahnung
"Wenn du nicht umkehrst, werde ich kommen und deinen Leuchter von seiner Stelle wegrücken" (Offb 2,5). Auch uns kann das Licht weggenommen werden, und wir tun gut daran, wenn wir diese Mahnung in ihrer ganzen Ernsthaftigkeit in unserer Seele erschallen lassen, während wir gleichzeitig zum Herrn rufen: "Hilf uns umzukehren! Schenke uns allen die Gnade einer echten Erneuerung! Lass nicht zu, dass dein Licht unter uns erlösche! Stärke du unseren Glauben, unsere Hoffnung und unsere Liebe, damit wir gute Früchte bringen!"
Eröffnung der Weltbischofssynode, 2. Oktober 2005



Untereinander kommunizieren
Wir können nicht mit dem Herrn kommunizieren, wenn wir nicht untereinander kommunizieren. Wenn wir vor ihm erscheinen wollen, müssen wir uns auch bewegen und aufeinander zugehen. Dazu müssen wir die grosse Lektion der Vergebung lernen: Nicht im Herzen das nagende Gefühl des Grolls arbeiten lassen, sondern das Herz für die Grossmut öffnen und dem anderen zuhören, das Herz für das Verständnis ihm gegenüber öffnen, um möglicherweise seine Entschuldigungen anzunehmen und unsere eigenen grosszügig anzubieten.
Predigt zum Abschluss des nationalen Eucharistischen Kongresses, Bari, 29. Mai 2005



Reinigung
Am dringendsten ist die »Reinigung des Gedächtnisses«, die von Johannes Paul II. so oft hervorgehoben wurde und die allein die Herzen darauf vorbereiten kann, die volle Wahrheit Christi aufzunehmen.
Botschaft an die wahlberechtigten Kardinäle, Sixtinische Kapelle, 20. April 2005


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Ohne aggressive Auseinandersetzungen
Die katholische Kirche [...] verkündet das Evangelium und ruft zur Vergebung und Versöhnung auf, die, wenn sie von Herzen angeboten und angenommen wird, die einzige Weise ist, zu einer stabilen Eintracht zu gelangen, ohne dass sich legitime Meinungsverschiedenheiten in aggressive Auseinandersetzungen verwandeln.
Ansprache bei der Audienz für den neuen Botschafter der Bolivarischen Republik Venezuela beim Hl. Stuhl, 25. August 2005



Vergebung ist keine Schwäche
Die Vergebung ist kein Zeichen der Schwäche und kann die berechtigten Ansprüche der Opfer von Ungerechtigkeiten mit ihren Forderungen nach Anerkennung ihrer Rechte und Wiedergutmachung der erlittenen Schäden nicht ausser acht lassen. Die Vergebung ist gewissermassen die Vervollkommnung der schwachen und unvollkommenen menschlichen Gerechtigkeit, denn sie ermöglicht eine Heilung der Wunden, die zuweilen tief im Innern der Menschen dauerhafte Spuren hinterlassen haben, und kann destabilisierte zwischenmenschlichen Beziehungen bestmöglich wiederherstellen.
Ansprache an den Botschafter von Algerien, 1. Dezember 2005



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Eigene Fehler zugeben
Zu den grossen Aufgaben der Diplomatie muss man mit Sicherheit die zählen, allen Konfliktparteien begreiflich zu machen, dass sie, wenn sie die Wahrheit lieben, ihre eigenen Fehler - und nicht nur die der anderen - erkennen und zugeben müssen und sich nicht weigern sollen, sich der erbetenen und gewährten Vergebung zu öffnen. Die Verpflichtung zur Wahrheit - die ihnen sicher am Herzen liegt - fordert sie durch die Vergebung zum Frieden auf. Das vergossen Blut ruft nicht nach Rache, sondern es ruft zur Achtung des Lebens und zum Frieden auf.
Ansprache am Neujahrsempfang für das beim Heiligen Stuhl akkreditierte Diplomatische Korps, 8. Januar 2006



Er lädt uns ein
"Ihr sein rein, aber nicht alle." Der Herr warnt uns heute vor jener Selbstgenügsamkeit, die seiner grenzenlosen Liebe eine Grenze setzt. Er lädt uns dazu ein, seine Demut nachzuahmen, uns dieser Demut anzuvertrauen, uns von ihr "anstecken" zu lassen. Und auch wenn wir uns noch so verloren fühlen, lädt er uns dazu ein, nach Hause zurückzukehren und seiner reinigenden Güte zu gestatten, uns zu trösten und uns in die Tischgemeinschaft mit ihm, Gott selbst, eintreten zu lassen.
Predigt bei der Heiligen Messe vom letzten Abendmahl, 13. April 2006



Vergeben und von neuem beginnen
Der Herr nimmt unseren Schmutz mit der reinigenden Kraft seiner Güte hinweg. Sich gegenseitig die Füsse waschen heisst vor allem: einander unermüdlich zu vergeben, immer wieder von neuem miteinander zu beginnen, selbst wenn es unnütz zu sein scheint. Es bedeutet, sich gegenseitig zu reinigen; einander zu ertragen und zu akzeptieren, dass man von den anderen ertragen wird; sich gegenseitig zu reinigen und sich auf diese Weise gegenseitig die heiligende Kraft des Wortes Gottes zu schenken - uns in das Sakrament der göttlichen Liebe einzuführen.
Predigt bei der Heiligen Messe vom letzten Abendmahl, 13. April 2006



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Vergebung geben
Seid stets Verkünder der Versöhnung und Friedensstifter unter den Bewohnern eurer Heimat, indem ihr sie auf dem Weg der christlichen Versöhnung ermutigt: Die Vergebung befreit vor allem denjenigen, der den Mut hat, sie zu gewähren.
"Ad-limina"-Besuch der Bischöfe Kroatiens, 6. Juli 2006



Gott verzeiht immer
Denken wir daran, dass auch für jeden von uns die Gefahr eines verstockten Herzens besteht, und denken wir daran, dass wir dem vorbeugen können, indem wir stets die innere Gemeinschaft mit dem Herrn suchen und in unserem Denken und Handeln inwendig an ihm Mass nehmen. Und dazu behalten wir die Gewissheit, dass Gott immer verzeiht. Auch Petrus ist gefallen, aber er hat bereut und hat Verzeihung gefunden. Judas hat auch bereut, aber seine Reue ist zur Verzweiflung geworden, er hat nicht genug an die Unermesslichkeit der Erbarmungen Gottes geglaubt. Lassen wir uns also nicht beirren. Gottes Herz ist immer offen für uns. Gott bezieht auch Menschen wie Judas in sein Heilswerk ein. Der Verräter liefert Jesus aus, aber Jesus macht diese Auslieferung in seine Selbsthingabe und wandelt so seinen Tod in Liebe um.
Generalaudienz, 18. Oktober 2006



Der verlorene Sohn
Das Gleichnis vom Verlorenen Sohn ist einer der am meisten geschätzten Abschnitte der Heiligen Schrift. Das tiefgreifende Bild der Barmherzigkeit Gottes und das grosse Verlangen des Menschen nach Umkehr und Versöhnung sowie nach der Heilung zerbrochener Beziehungen sprechen Männer und Frauen aller Zeiten an. Der Mensch ist häufig versucht, seine Freiheit zu leben, indem er sich von Gott entfernt. So stellen wir durch die Erfahrung des Verlorenen Sohnes in der Geschichte und gleichzeitig in unserem eigenen Leben fest, dass die Suche nach Freiheit, wenn sie ausserhalb von Gott stattfindet, zu einem negativen Ergebnis führt: zum Verlust der Würde als Person, zu moralischer Verwirrung und zu sozialem Zerfall. Die leidenschaftliche Liebe des Vaters zur Menschheit hingegen besiegt den menschlichen Hochmut. Sie ist eine frei geschenkte und vergebende Liebe, die die Menschen tiefer in die Gemeinschaft der Kirche Christi einführt.
"Ad-limina"-Besuch der kanadischen Bischöfe der westlichen Kirchenprovinzen, 9. Oktober 2006



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Der ältere Bruder
Was ist über den älteren Bruder zu sagen? [im Gleichnis vom verlorenen Sohn] Steht er nicht in gewisser Weise für uns alle, Männer und Frauen, und vielleicht besonders für jene, die sich traurigerweise von der Kirche entfernen? Mit der rationalen Begründung seiner Haltung und seines Handelns erregt er in gewisser Weise Mitleid, aber letztlich offenbart sie seine Unfähigkeit, bedingungslose Liebe zu verstehen. Er ist unfähig, in seinem Denken die Grenzen der natürlichen Gerechtigkeit zu überschreiten; er ist und bleibt gefangen in Neid und Hochmut, distanziert von Gott, isoliert von den anderen und mit sich selbst unzufrieden.
"Ad-limina"-Besuch der kanadischen Bischöfe der westlichen Kirchenprovinzen, 9. Oktober 2006



Umkehren heisst Gott suchen
Die aufrichtige Sehnsucht nach Gott bringt uns dazu, das Böse abzulehnen und das Gute zu vollbringen. Diese Umkehr des Herzens ist vor allem ungeschuldetes Geschenk Gottes, der uns für sich geschaffen und uns in Jesus Christus erlöst hat: Unser wahres Glück besteht darin, dass wir in ihm bleiben (vgl. Joh 15,3). Aus diesem Grund kommt er selbst unserer Sehnsucht mit seiner Gnade zuvor und begleitet unsere Bemühungen zur Umkehr. Umkehren: Was heisst das wirklich? Umkehren heisst Gott suchen, mit Gott gehen, die Lehren seines Sohnes, Jesu Christi, willig befolgen. Umkehren ist nicht ein Bemühen um Selbstverwirklichung, denn der Mensch ist nicht der "Architekt" seines eigenen ewigen Schicksals. Wir haben uns nicht selbst gemacht. Deshalb ist die Selbstverwirklichung ein Widerspruch und für uns auch zu wenig. Wir haben eine höhere Bestimmung.
Generalaudienz, 21. Februar 2007



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Wir sind nicht die Urheber von uns selbst
Wir könnten sagen, dass die Umkehr gerade darin besteht, sich nicht als "Schöpfer" seiner selbst zu betrachten und so die Wahrheit zu entdecken, denn wir sind nicht die Urheber von uns selbst. Umkehr besteht darin, frei und mit Liebe zu akzeptieren, dass wir in allem von Gott, unserem wahren Schöpfer, abhängig sind, dass wir von der Liebe abhängig sind. Das ist nicht Abhängigkeit, sondern Freiheit. Umkehren bedeutete also, nicht dem eigenen, persönlichen Erfolg nachzujagen - der etwas ist, was vorübergeht -, sondern sich unter Aufgeben jeder menschlichen Sicherheit mit Einfachheit und Vertrauen auf die Nachfolge des Herrn einzulassen, damit für jeden, wie die sel. Teresa von Kalkutta immer wieder gern sagte, Jesus "mein Alles in allem" werde. Wer sich von ihm ergreifen lässt, fürchtet nicht, sein Leben zu verlieren, denn er hat uns am Kreuz geliebt und sich selbst für uns hingegeben. Und gerade wenn wir unser Leben aus Liebe verlieren, finden wir es wieder.
Generalaudienz, 21. Februar 2007



Bewusstsein der ständigen Umkehr
Folgendes erscheint mir also sehr wichtig: Zu erkennen, dass wir eine ständige Umkehr nötig haben, dass wir nie einfach angekommen sind. Der hl. Augustinus dachte in der Stunde der Bekehrung, er sei nun auf der Höhe des Lebens mit Gott angekommen, auf der Höhe der Schönheit der Sonne, die sein Wort ist. Dann aber musste er erkennen, das auch der Weg nach der Bekehrung ein Weg der Umkehr bleibt, dass er ein Weg bleibt, wo die grossartigen Perspektiven, die Freuden, das Licht des Herrn, aber auch dunkle Täler nicht fehlen, wo wir vertrauensvoll vorangehen müssen, indem wir uns auf die Güte des Herrn stützen.
Besuch im Römischen Priesterseminar, 17. Februar 2007



Auf Jesus zugehen
Jedes Mal, wenn wir wie heute an der Eucharistie, der Quelle und Schule der Liebe, teilnehmen, werden wir fähig, diese Liebe zu leben, sie zu verkündigen und sie durch unser Leben zu bezeugen. Wir müssen uns jedoch entschliessen, auf Jesus zuzugehen, wie es der verlorenen Sohn getan hat, als er innerlich und äusserlich zum Vater zurückkehrte. Zugleich müssen wir die egoistischen Haltung des älteren selbstsicheren Sohnes aufgeben, der leichtfertig die anderen verurteilt, sein Herz dem Verständnis, der Annahme und der Vergebung der Brüder verschliesst und vergisst, dass auch er der Vergebung bedarf.
Predigt bei Eucharistiefeier im römischen Jugendgefängnis, 18. März 2007


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Der Geist Jesu Christi ist Macht der Vergebung
"Nicht mehr Knechte nenne ich euch, sondern Freunde." Ich habe es tief erfahren dürfen: Er, der Herr, ist nicht nur Herr, sondern Freund. Er hat seine Hand auf mich gelegt und wird mich nicht verlassen. Diese Worte wurden damals gesprochen im Zusammenhang der Zuteilung der Vollmacht, das Busssakrament zu spenden und so im Namen Christi Sünden zu vergeben. Es ist das Gleiche, was wir heute im Evangelium hören: Der Herr haucht seine Jünger an. Er gibt ihnen seinen Geist – den Heiligen Geist: "Welchen ihr die Sünden nachlassen werdet, denen sind sie nachgelassen..." Der Geist Jesu Christi ist Macht der Vergebung. Er ist Macht der göttlichen Barmherzigkeit. Er ermöglicht einen neuen Anfang – immer wieder. Die Freundschaft mit Jesus Christus ist Freundschaft mit dem, der uns zu Menschen des Vergebens macht und der uns auch selbst vergibt, uns immer wieder aufhebt aus unserer Schwachheit und uns gerade so erzieht, uns die innere Verpflichtung der Liebe einsenkt, seinem Vertrauen mit unserer Treue zu antworten.
Predigt am Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit, 15. April 2007



Das Heil bringen
Die Apostel sind angeklagt; ihnen wird vorgeworfen: Ihr wollt das Blut dieses Menschen über uns bringen. Petrus antwortet darauf mit einer Kurzkatechese über das Wesen des christlichen Glaubens: Nein, nicht sein Blut wollen wir über euch bringen. Die Wirkung von Tod und Auferstehung Jesus ist ganz anders. Gott hat ihn zum Anführer und Retter für alle gemacht, gerade auch für euch, für sein Volk Israel. Und wohin führt er, dieser "Anführer" und was bringt er, dieser "Retter"? Er führt zur Umkehr, sagt uns der Hl. Petrus. Er schafft Raum und Möglichkeit der Bekehrung, der Busse, des Neubeginns. Und er schenkt die Vergebung der Sünden – er bringt uns in die rechte Beziehung mit Gott und so in die rechte Beziehung zu uns selbst und zu den anderen.
Predigt beim Gottesdienst in Pavia, 22. April 2007



Umkehr
Der Weg, den wir gehen sollen – der Weg, den Jesus uns zeigt, heisst "Umkehr". Aber was ist das? Was muss man da tun? Die Umkehr hat in jedem Leben ihre eigene Form, weil jeder Mensch neu ist und keiner nur eine Kopie des anderen. Aber der Herr hat uns in der Geschichte der Christenheit Leitbilder der Umkehr geschickt, an denen wir uns orientieren können.. Wir könnten dabei auf Petrus selber hinschauen, zu dem der Herr im Abendmahlssaal gesagt hat: "Du aber, wenn du dich bekehrt haben wirst, stärke deine Brüder" (Lk 22,32). Wir könnten auf Paulus hinschauen als einen grossen Bekehrten.
Predigt beim Gottesdienst in Pavia, 22. April 2007


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Der vergebenden Güte Gottes bedürfen
Augustinus hatte eine letzte Demut gelernt – nicht nur die Demut, sein grosses Denken dem einfachen Glauben der Kirche einzufügen, nicht nur die Demut, seine grossen Einsichten in die Einfachheit der Verkündigung zu übersetzen, sondern auch die Demut anzuerkennen, dass der und die ganze pilgernde Kirche immerfort der barmherzigen und täglichen vergebenden Güte Gottes bedürfen und dass wir dann Christus, dem einzig Vollkommenen, am meisten ähnlich werden, wenn wir wie er zu Menschen der Barmherzigkeit werden.
Predigt beim Gottesdienst in Pavia, 22. April 2007



Nicht mehr sündigen
Jesus verabschiedet die Ehebrecherin mit diesem Auftrag: "Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!" Er gewährt ihr die Vergebung, damit sie "von jetzt an" nicht mehr sündigt. In einer ähnlichen Episode, der Begegnung mit der reumütigen Sünderin, die uns im Lukasevangelium (7,36-50) erzählt wird, empfängt Jesus eine Frau, die Reue gezeigt hat, und entlässt sie in Frieden. Hier hingegen erhält die Ehebrecherin die Vergebung einfach bedingungslos. In beiden Fällen – für die reumütige Sünderin und für die Ehebrecherin – ist die Botschaft einzigartig. Im einen Fall wird betont, dass es ohne Reue, ohne die Sehnsucht nach Vergebung, ohne die Öffnung des Herzens für die Vergebung keine Vergebung gibt; hier wird hervorgehoben, dass uns nur die Vergebung Gottes und seine mit offenem und aufrichtigem Herzen empfangene Liebe die Kraft geben, dem Bösen zu widerstehen und "nicht mehr zu sündigen", uns von der Liebe Gottes treffen zu lassen, die zu unserer Stärke wird.
Predigt in der Pfarrei "Santa Felicita e figli martiri" in Rom, 25. März 2007



Die Liebe der Kirche für die Ausgegrenzten und die Leidenden
Jesus hat gesagt: Heilt die Kranken, die Verlorengegangenen, diejenigen, die in Not sind. Es ist die Liebe der Kirche für die Ausgegrenzten, für die Leidenden. Auch reiche Menschen können innerlich ausgegrenzt sein und leiden. Das "Heilen" bezieht sich auf alle menschlichen Nöte, die stets Nöte sind, die in der Tiefe zu Gott hingehen. Wir müssen also, wie es heisst, unsere Schäfchen kennen, menschliche Beziehungen haben zu den uns anvertrauten Personen, menschlichen Kontakt haben und dürfen die Menschlichkeit nicht verlieren, weil Gott Mensch geworden ist und so alle Dimensionen unseres menschlichen -Seins bestätigt hat. Aber wie gesagt: Das Menschliche und das Göttliche gehören stets zusammen. Zu diesem "Heilen" in seinen zahlreichen Formen gehört, wie mir scheint, auch der sakramentale Dienst. Der Dienst der Versöhnung ist ein wunderbarer Akt des Heilens, den der Mensch braucht, um wirklich ganz gesund zu sein. Diese sakramentalen Heilungen also sind wichtig, von der Taufe, der grundlegenden Erneuerung unseres Daseins, bis hin zum Sakrament der Versöhnung und zur Krankensalbung.
Begegnung mit dem Klerus der Diözesen Belluno-Feltre und Treviso in Auronzo di Cadore, 24. Juli 2007



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Wir bedürfen der ständigen Bekehrung
Es gibt eine letzte Etappe auf dem Weg des Augustinus, eine dritte Bekehrung: jene, die ihn jeden Tag seines Lebens Gott um Vergebung bitten liess. Anfangs hatte er gedacht, dass er, einmal getauft, im Leben der Gemeinschaft mit Christus, in den Sakramenten, in der Feier der Eucharistie, zu dem Leben gelangt wäre, das von der Bergpredigt vorgeschlagen wird: zur Vollkommenheit, die in der Taufe geschenkt und in der Eucharistie bestätigt wird. Im letzten Abschnitt seines Lebens verstand er, dass das, was er in seinen ersten Predigten über die Bergpredigt gesagt hatte - nämlich dass wir jetzt als Christen dieses Ideal ständig leben -, falsch war. Nur Christus selbst verwirklicht wahrhaft und vollständig die Bergpredigt. Wir haben es immer nötig, von Christus, der uns die Füsse wäscht, gewaschen und von ihm erneuert zu werden. Wir bedürfen einer ständigen Bekehrung. Bis zum Schluss bedürfen wir dieser Demut, die anerkennt, dass wir als Sünder unterwegs sind, bis der Herr uns endgültig die Hand reicht und uns in das ewige Leben einführt. In dieser letzten Demutshaltung, die er Tag für Tag lebte, ist Augustinus gestorben.
Generalaudienz, 27. Februar 2008




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