Arbeit




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Aussaat
Wir befinden uns in der Zeit der Aussaat; das Wort Gottes scheint blosses Wort, es scheint fast nichts zu sein. Aber habt Mut, dieses Wort birgt das Leben in sich! Und es trägt Frucht!
Ansprache an den Klerus der Diözese Aosta, Kirche von Introd, 25. Juli 2005



Gemeinschaften
Bildet Gemeinschaften aus dem Glauben heraus. In den letzten Jahrzehnten sind Bewegungen und Gemeinschaften entstanden, in denen die Kraft des Evangeliums sich lebendig zu Worte meldet. Sucht Gemeinschaft im Glauben, Weggefährten, die gemeinsam die grosse Pilgerstrasse weiter gehen, die uns die Weisen aus dem Orient zuerst gezeigt haben. Das Spontane der neuen Gemeinschaften ins wichtig; aber wichtig ist auch dabei die Gemeinschaft mit dem Papst und den Bischöfen zu halten, die uns garantieren, dass wir nicht Privatwege suchen, sondern wirklich in der grossen Familie Gottes leben, die der Herr mit den zwölf Aposteln begründet hat.
Köln, Abschlussgottesdienst, 21.August 2005



Für andere
Wenn wir von Christus her denken und leben, dann gehen uns die Augen auf, und dann leben wir nicht mehr für uns selber dahin, sondern dann sehen wir, wo und wie wir gebraucht werden. Wenn wir so leben und handeln, merken wir alsbald, dass es viel schöner ist, gebraucht zu werden und für die anderen da zu sein, als nur nach den Bequemlichkeiten zu fragen, die uns angeboten werden.
Köln, Abschlussgottesdienst, 21. August 2005



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Schätze im Himmel
Unsere Werke können bleibende, ja sogar ewige Frucht bringen, wenn die Gnade Gottes in uns wirkt und wir mit ihr zusammenarbeiten. Denn mit den guten Taten, die wir im Stand der Gnade vollbringen, sammeln wir unvergängliche Schätze im Himmel.
Generalaudienz, 31. August 2005



Aufgaben der Laien
Am 18. November 1965 verabschiedeten die Konzilsväter ein eigenes Dekret über das Apostolat der Laien, "Apostolicam actuositatem.". Es betont vor allem., dass "die Fruchtbarkeit des Apostolates der Laien von ihrer lebendigen Vereinigung mit Christus abhängt" (Nr.4), das heisst von einer soliden Spiritualität, die sich aus der aktiven Teilnahme am Gottesdienst nährt und im Stil der Seligpreisungen ihren Ausdruck findet. Wichtig für die Laien sind ausserdem die berufliche Kompetenz, der Sinn für die Familie und für die staatsbürgerliche Verantwortung sowie die sozialen Tugenden. Auch wenn jeder einzelne von ihnen zum persönlichen Zeugnis aufgefordert ist, das gerade dort, wo die Kirche auf Hindernisse stösst, besonders wertvoll ist., so verweist das Konzil doch nachdrücklich auf die Bedeutung des organisierten Apostolats, das nötig ist, um auf die Bereiche der öffentlichen Meinung, der gesellschaftlichen Gegebenheiten und der Institutionen einzuwirken (vgl. Nr. 18).
Angelus, 13. November 2005



Hl. Joseph, der Arbeiter
Heute beginnt der Monat Mai mit einem liturgischen Gedenktag, der dem Volk Gottes sehr am Herzen liegt, der Gedenktag des hl. Josephs, des Arbeiters. Und ihr wisst, dass ich Joseph heisse. Dieser Gedenktag wurde [...] eingeführt, um die Bedeutung der Arbeit und der Gegenwart Christi und der Kirche in der Arbeitswelt hervorzuheben. Auch in der heutigen Gesellschaft ist es notwendig, das "Evangelium der Arbeit" zu bezeugen. [...] Mein Wunsch ist, dass es vor allem jungen Menschen nie an Arbeit fehlen möge und dass die Arbeitsbedingungen immer mehr die Würde der menschlichen Person achten.
Regina Coeli, 1. Mai 2005



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...und Erholung
In der Welt, in der wir leben, wird es fast zur Notwendigkeit, sich an Körper und Geist zu erholen, vor allem für die Stadtbewohner, denn in der Stadt lassen die oft hektischen Lebensbedingungen wenig Zeit für Stille, Betrachtung und einen entspannenden Kontakt zur Natur. Der Urlaub ist ausserdem eine Zeit, in der man sich im unbeschwerten Kreis der Familienangehörigen und Freunde ausgiebig dem Gebet, dem Lesen und dem Nachdenken über den tiefen Sinn des Lebens widmen kann. Die Ferienzeit bietet einzigartige Gelegenheiten zum Innehalten vor den grossartigen Schauspielen der Natur, dieses wunderbaren »Buches«, das allen – Grossen und Kleinen – offensteht. Im Kontakt mit der Natur findet der Mensch seine rechte Dimension wieder; er entdeckt sich von neuem als kleines aber zugleich einzigartiges Geschöpf, das »gottfähig« ist, weil es in seinem Inneren für den Unendlichen offen ist. Angetrieben von der Sinnfrage, die in seinem Herzen brennt, erkennt der Mensch in der ihn umgebenden Welt die Spuren des Guten, des Schönen und der göttlichen Vorsehung und öffnet sich gleichsam von Natur aus dem Lob und dem Gebet.
Angelus, 17. Juli 2005



Mutiges Bekenntnis
Ich teile Eure Sorgen um die Kirche in Eurem Land. Doch was können wir tun? Gibt es ein Heilmittel, das Gott für die Kirche in unserer Zeit bereithält, damit sie sich mutig den Herausforderungen stellen kann, denen sie auf ihrem Weg im dritten christlichen Jahrtausend begegnet? Zweifellos bedarf es einerseits des klaren, mutigen und begeisterten Bekenntnisses des Glaubens an Jesus Christus, der auch hier und heute in seiner Kirche lebt und in dem die ihrem Wesen nach auf Gott ausgerichtete menschliche Seele allein ihr Glück finden kann. Andererseits sind es die vielen kleinen und grossen missionarischen Massnahmen, die wir setzen müssen, um eine "Trendwende" herbeizuführen.
"Ad-limina"-Besuch der österreichischen Bischöfe, 5. November 2005



Keine verstümmelte Glaubensunterweisung
Ihr, liebe Brüder im Hirtenamt, wisst es selbst am besten: Es gibt Themen - Im Bereich der Glaubenswahrheit und vor allem im Bereich der Sittenlehre, die in Euren Diözesen in Katechese und Verkündigung nicht ausreichend präsent sind, die manchmal, zum Beispiel in der pfarrlichen oder verbandlichen Jugendpastoral, gar nicht oder nicht eindeutig im Sinn der Kirche zur Sprache kommen. Das ist Gott sei Dank nicht überall der Fall. Aber vielleicht fürchten die mit der Verkündigung Beauftragten hier und da, die Menschen könnten sich abwenden, wenn klar gesprochen wird. Dabei lehrt die Erfahrung beinah überall, dass genau das Gegenteil wahr ist. Macht Euch keine Illusionen. Eine katholische Glaubensunterweisung, die verstümmelt angeboten wird, ist ein Widerspruch in sich und kann auf die Dauer nicht fruchtbar sein. Die Verkündigung des Reiches Gottes geht immer Hand in Hand mit der Forderung nach Umkehr und ebenso mit der Liebe, die Mut macht, die den Weg weist, die begreifen lehrt, dass mit Gottes Gnade auch das scheinbar Unmögliche möglich ist.
"Ad-limina"-Besuch der österreichischen Bischöfe, 5. November 2005



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Hilfe zur Erlangung des höchsten Gut
In Wirklichkeit sind es oft die Massnahmen der ordentlichen Leitungsgewalt, wie z.B. kluge und richtige Personalentscheidungen, die die Situation nachhaltig verbessern. Ob es um den Besuch der Sonntagsmesse geht oder um den Empfang des Busssakramentes - wie oft sind das Beispiel und das ermunternde Wort von entscheidender Bedeutung! Es ist das Gebot der Liebe, das uns dazu drängt, dem Nächsten nicht bloss diesen oder jenen sozialen Dienst zu erweisen, sondern ihm zu helfen, das höchste Gut zu erlangen - die beständige Hinwendung zum lebendigen Gott, die Gemeinschaft mit Jesus Christus, die Entdeckung der eigenen Berufung zur Heiligkeit, die Offenheit für den Willen Gottes, die Freude eines Lebens, das in gewissem Sinn das Glück der Ewigkeit schon vorwegnimmt!
"Ad-limina"-Besuch der österreichischen Bischöfe, 5. November 2005



Neuevangelisierung
Überlegt, in welcher Form nach und nach der Religionsunterricht, die Katechese auf den verschiedenen Ebenen und die Predigt in dieser Hinsicht verbessert, vertieft und sozusagen vervollständigt werden können. Nützt dabei bitte mit allem Eifer das Kompendium und den Katechismus der Katholischen Kirche selbst. Sorgt dafür, dass alle Priester und Katecheten dieses Werkzeug verwenden, dass es in den Pfarren, Verbänden und Bewegungen erklärt, in Glaubensrunden besprochen und in den Familien als wichtige Lektüre zur Hand genommen wird. Gebt in den Ungewissheiten dieser Zeit und Gesellschaft den Menschen die Gewissheit des unverkürzten Glaubens der Kirche. Die Klarheit und Schönheit des katholischen Glaubens sind es, die das Leben der Menschen auch heute hell machen! Dies wird besonders dann der Fall sein, wenn er von begeisterten und begeisternden Zeugen vorgelegt wird.
"Ad-limina"-Besuch der österreichischen Bischöfe, 5. November 2005



Dem Beispiel des Schöpfers folgend
In der griechischen Welt war lediglich die intellektuelle Arbeit eines freien Mannes würdig, während alles Handwerkliche den Sklaven überlassen blieb. Völlig anders ist der biblische Glaube. Der Schöpfer - der, einem schönen Bild entsprechend, den Menschen mit seinen Händen erschaffen hat - erscheint hier als Beispiel des Menschen, der mit den Händen und demnach mit dem Verstand und dem Herzen arbeitet. Der Mensch folgt dem Beispiel des Schöpfers, damit diese Welt, die er uns geschenkt hat, eine bewohnbare Welt sein möge. Von Anfang an kommt das in der Bibel zum Ausdruck, aber die Würde und Grösse dieser Arbeit wird schliesslich ganz besonders stark hervorgehoben durch die Tatsache, dass Jesus "tecton", "Handwerker", "Arbeiter" gewesen ist.
Ansprache für die mit den Renovierungsarbeiten in der Päpstlichen Wohnung beauftragten Handwerker, 23. Dezember 2005


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In Achtung vor der Würde des Menschen
Die Arbeit hat vorrangige Bedeutung für die Verwirklichung des Menschen und für die Entwicklung der Gesellschaft, und deshalb ist es notwendig, dass sie immer in voller Achtung der Würde des Menschen und im Dienste des Gemeinwohls organisiert und ausgeübt wird. Zugleich ist es unerlässlich, dass der Mensch sich von der Arbeit nicht versklaven lässt, dass er sie nicht zum Götzen macht, indem er meint, in ihr den letzten und endgültigen Sinn des Lebens zu finden.
Predigt zum Fest des hl. Josef des Arbeiters, 19. März 2006



Sabbatruhe
"Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig! Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott geweiht" (Ex 20,8-10). Der Sabbat ist ein heiliger, ein Gott geweihter Tag, an dem der Mensch den Sinn seines Daseins und auch der Arbeit besser versteht. Deshalb kann man sagen, dass die biblische Lehre über die Arbeit ihre Krönung im Gebot der Sabbatruhe findet.
Predigt zum Fest des hl. Josef des Arbeiters, 19.März 2006



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Wahre Arbeit braucht Spiritualität
Die Arbeit soll dem wahren Wohl der Menschheit dienen, indem sie "dem Menschen als Einzelwesen und als Glied der Gesellschaft gestatte, seiner ganzen Berufung nachzukommen und sie zu erfüllen" (Gaudium et spes, 35). Damit das geschieht, genügt die technische und berufliche Qualifikation nicht, wenn sie auch notwendig ist; es genügt nicht einmal, eine gerechte Gesellschaftsordnung zu schaffen, die das Wohl aller Menschen vor Augen hat. Es ist notwendig, eine Spiritualität zu leben, die den Gläubigen hilft, sich durch ihre Arbeit zu heiligen, in Nachahmung des hl. Josef, der jeden Tag eigenhändig für die Bedürfnisse der Heiligen Familie sorgen musste und den die Kirche deshalb zum Patron der Arbeiter erklärt hat. Sein Zeugnis zeigt, dass der Mensch Subjekt und Protagonist der Arbeit ist. Ich möchte ihm die jungen Menschen anvertrauen, die sich nur schwer in die Arbeitswelt eingliedern können, die Arbeitslosen und diejenigen, welche unter Entbehrungen leiden, die auf die weitverbreitete Beschäftigungskrise zurückzuführen sind.
Predigt am Fest des hl. Josef des Arbeiters, 19. März 2006



Wenn das Stroh Korn trägt
Das lässt mich an die letzten Wochen im Leben des hl. Thomas [von Aquin] denken. In diesen letzten Wochen hat er nicht mehr geschrieben und nicht mehr gesprochen. Seine Freunde fragen ihn: Meister, warum sprichst zu nicht mehr, warum schreibst du nicht? Und er sagt: Gegenüber dem, was ich geschaut habe, erscheinen mir jetzt alle meine Worte wie Stroh. Der grosse Kenner des hl. Thomas, Pater Jean-Pierre Torrel, warnt uns davor., diese Worte falsch zu verstehen. Das Stroh ist nicht nichts. Das Stroh trägt das Korn, und darin besteht der grosse Wert des Strohs. Es trägt das Korn. Und auch das Stroh der Worte bleibt wertvoll als Träger des Korns. Aber ich würde sagen, das ist auch für uns eine Relativierung unserer Arbeit und zugleich eine Aufwertung unserer Arbeit. Es ist auch ein Hinweis, damit unsere Arbeitsweise, unser Stroh, wirklich das Korn des Wortes Gottes trägt.
Predigt zum Abschluss der Jahresversammlung der Internationalen Theologenkommission, 6. Oktober 2006



Landwirtschaftliche Arbeit
In der christlichen Tradition besitzt die landwirtschaftliche Tätigkeit eine tiefere Bedeutung, weil sie mit mühevoller und harter Arbeit verbunden ist, und auch weil sie eine besondere Erfahrung der Gegenwart Gottes und seiner Liebe zu seinen Geschöpfen vermittelt. Christus selbst zieht Vergleiche aus der Landwirtschaft heran, um vom Reich Gottes zu sprechen, und zeigt so eine tiefe Achtung für diese Art von Arbeit.
Botschaft anlässlich des Welternährungstages 2006, 16. Oktober 2006


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Musik und Gott
Jeder Tag ist ein Zusammenspiel von Freude und Schmerz von Hoffnungen und Enttäuschungen, von Erwartungen und Überraschungen, die sich in bewegter Weise abwechseln und die in unserem Innern die grundlegenden Fragen nach dem "Woher", nach dem "Wohin" und nach dem wahren Sinn unseres Daseins wecken. Die Musik, die all diese Wahrnehmungen der Seele zum Ausdruck bringt, bietet in einer Stunde wie dieser dem Hörer die Möglichkeit, die Ereignisse seiner persönlichen Geschichte und die der Weltgeschichte wie in einem Spiegel zu betrachten. Aber sie bietet uns noch mehr: Durch ihre Klänge trägt sie uns gleichsam in eine andere Welt und harmonisiert unser Innerstes. Wenn wir auf diese Weise einen Augenblick des Friedens gefunden haben, sind wir in der Lage, wie von einer höheren Warte aus die geheimnisvollen Wirklichkeiten zu sehen, die der Mensch zu entschlüsseln sucht und die das Licht des Glaubens uns besser zu verstehen hilft. Wir können uns in der Tat die Geschichte der Welt wie eine wunderbare Symphonie vorstellen, die Gott komponiert hat und deren Aufführung er selbst als weiser Dirigent leitet. Auch wenn uns die Partitur manchmal sehr komplex und schwierig erscheint, kennt er sie von der ersten bis zur letzten Note. Wir sind nicht dazu gerufen, den Dirigentenstab in die Hand zu nehmen und noch weniger dazu, die Melodien nach unserm Geschmack zu verändern. Aber jeder von uns ist aufgerufen, an seinem Platz und mit den eigenen Fähigkeiten mit dem grossen Meister zusammenzuarbeiten, um sein wunderbares Meisterwerk aufzuführen. Im Verlauf der Aufführung wird es uns dann auch gegeben sein, nach und nach den grossartigen Entwurf der göttlichen Partitur zu verstehen.
Ansprache nach dem Konzert in der "Sala Clementina", 18. November 2006



Trostreiche Melodie
So, liebe Freunde, sehen wir, wie die Musik uns zum Gebet führen kann: Sie lädt uns ein, den Geist zu Gott zu erheben, um in ihm die Gründe unserer Hoffnung und Halt in den Schwierigkeiten des Lebens zu finden. In Treue zu seinen Geboten und in der Achtung seines Heilsplans können wir gemeinsam eine Welt aufbauen, in der die trostreiche Melodie einer transzendenten Symphonie der Liebe erklingt. Ja, der göttliche Geist selbst wird uns alle zu gut aufeinander abgestimmten Instrumenten und verantwortlichen Mitarbeitern einer wundervollen Aufführung machen, in der durch die Jahrhunderte hindurch der universale Heilsplan zum Ausdruck kommt.
Ansprache nach dem Konzert in der "Sala Clementina", 18. November 2006



Evangelium der Arbeit
Heute ist es mehr denn je dringend notwendig, das "Evangelium der Arbeit" zu verkünden, als Christen in der Welt der Arbeit zu leben und Apostel unter den Berufstätigen zu werden. Um aber diese Sendung zu erfüllen, muss man mit Christus vereint bleiben durch das Gebet und ein intensives Leben aus den Sakramenten, indem man mit diesem Ziel in besonderer Weise den Sonntag anerkennt als den Tag der dem Herrn geweiht ist.
Botschaft an die Teilnehmer am IX. Internationalen Jugendforum in Rocca die Papa, 28. März 2007



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Der Sinn der menschlichen Arbeit
An mehreren Stellen der Bibel wird der wahre Sinn der menschlichen Arbeit hervorgehoben, vom Buch Genesis an, wo wir lesen, wie der Schöpfer den Menschen nach seinem Bild formte und ihm auftrug, den Ackerboden zu bestellen (vgl. Gen 2,5-6). Die Arbeit gehört daher zum ursprünglichen Seinszustand des Menschen. Aufgrund der Sünde der Stammeltern geschah es leider, dass sie Mühsal und Plage wurde (vgl. Gen 3,6-8), aber im göttlichen Plan bleibt ihr Wert unverändert. Und die Kirche, die dem Wort Gottes treu ist, ruft ständig den Grundsatz in Erinnerung nach dem "die Arbeit für den Menschen... und nicht der Mensch für die Arbeit" da ist (Laborem exercens, 6). So verkündet sie ohne Unterlass den Vorrang des Menschen vor seiner Hände Werk und erinnert daran, dass alles auf den wahren Fortschritt der menschlichen Person und auf das Gemeinwohl ausgerichtet sein muss: das Kapital, die Wissenschaft, die Technik, die öffentlichen Mittel und auch das Privateigentum.
Ansprache für die Mitglieder der italienischen Handwerkervereinigung "Confartigianato", 31. März 2007



Die Vielfalt im Dienste Gottes
Wir lernen, wie Maria immer auf Christus zu schauen und an ihm Mass zu nehmen. Wir dürfen an der universalen Heilssendung der Kirche, deren Haupt er ist, teilnehmen. Der Herr beruft die Priester, Ordensleute und die Laien, hineinzugehen in die Welt und ihre vielschichtigen Wirklichkeit, und dort am Aufbau des Reiches Gottes mitzuwirken. Sie tun das in einer grossen und bunten Vielfalt: in der Verkündigung, im Aufbau von Gemeinden, in den verschiedenen pastoralen Diensten, in der tätigen Liebe und gelebten Caritas, in der aus apostolischem Geist geleisteten Forschung und Wissenschaft, im Dialog mit der uns umgebenden Kultur, in der Förderung der von Gott gewollten Gerechtigkeit und nicht weniger in der zurückgezogenen Kontemplation des dreifaltigen Gottes und im gemeinsamen Gotteslob ihrer Gemeinschaft.
Ansprache bei der Vesper in Mariazell, 8. September 2007



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Falsche Werte auf der Suche nach Erfolg
Was soll man dazu sagen, dass der Verdienst und der Erfolg in der gegenwärtigen Konsumgesellschaft zu neuen Götzen geworden sind, vor denen viele sich niederwerfen? Die Folge ist die Tendenz, nur jenen einen Wert beizumessen, die - wie man sagt - "ihr Glück gemacht" und "Ansehen" erlangt haben, aber gewiss nicht denen, die jeden Tag mühsam mit dem Leben zu kämpfen haben. Der Besitz materieller Güter und der Beifall der Menschen sind an die Stelle der Arbeit an sich selbst getreten, die dazu dient, den Geist zu stärken und eine echte Persönlichkeit herauszubilden. Man läuft Gefahr, oberflächlich zu sein, auf der Suche nach Erfolg gefährliche Schleichwege zu gehen und das Leben auf diese Weise Erfahrungen auszusetzen, die im ersten Moment Befriedigung hervorrufen, in sich selbst jedoch von kurzer Dauer und trügerisch sind.
Ansprache bei Begegnung mit den Jugendlichen in Cagliari, 7. September 2008



Die heutige Tendenz zum Individualismus
Es besteht eine steigende Tendenz zum Individualismus, und wenn man sich nur auf sich selbst konzentriert, wird man zwangsläufig schwach und verwundbar, und die Geduld zuzuhören - ein unverzichtbarer Schritt, um den anderen zu verstehen und mit ihm zusammenzuarbeiten-, lässt nach.
Ansprache bei Begegnung mit den Jugendlichen in Cagliari, 7. September 2008



Arbeit als Sache der Unfreien?
In der griechischen Welt galt die körperliche Arbeit als Sache der Unfreien. Der Weise, der wirklich Freie ist allein den geistigen Dingen hingegeben; er überlässt die körperliche Arbeit als etwas Niedriges den Menschen, die zu diesem höheren Dasein in der Welt des Geistes nicht fähig sind.
Ansprache bei der Begegnung mit Vertretern der Kultur im Collège des Bernardins in Paris, 12. September 2008



Mit-Arbeiten mit dem Schöpfer
Zum Mönchstum gehört mit der Kultur des Wortes eine Kultur der Arbeit, ohne die das Werden Europas, sein Ethos und seine Weltgestaltung nicht zu denken sind. Zu diesem Ethos müsste freilich gehören, dass Arbeit und Geschichtsgestaltung des Menschen Mit-Arbeiten mit dem Schöpfer sein will und von diesem Mit her ihr Mass nimmt. Wo dieses Mass fehlt und der Mensch sich selber zum gottartigen Schöpfer erhebt, kann Weltgestaltung schnell zur Weltzerstörung werden.
Ansprache bei der Begegnung mit Vertretern der Kultur im Collège des Bernardins in Paris, 12. September 2008



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Medizin: Die Würde der Person anerkennen
Zu Recht ist heute in einer Zeit des grossen technologischen Fortschritts die Rede davon, dass es notwendig ist, die Medizin menschlicher zu gestalten, indem jene Züge des ärztlichen Handelns entfaltet werden, die der Würde der kranken Person, für die man Dienst leistet, besser entsprechen. Die besondere Sendung, durch die sich Ihr ärztlicher und chirurgischer Beruf auszeichnet, hat drei Zielsetzungen: die kranke Person zu heilen oder zumindest die Entwicklung der Krankheit wirksam zu beeinflussen versuchen: die mit ihr verbundenen Schmerzsymptome vor allem im fortgeschrittenen Stadium zu lindern; für die kranke Person in allen ihren menschlichen Erwartungen Sorge zu tragen.
Ansprache an die Teilnehmer des Nationalen Kongresses der Italienischen Gesellschaft für Chirurgie, 20. Oktober 2008



Die Beziehung zwischen Arzt und Patient
Das, worauf man abzielen muss, ist ein echter therapeutischer Bund mit dem Patienten, wobei man jene besondere klinische Vernünftigkeit nutzt, die es dem Arzt erlaubt, jene Art der Kommunikation herauszufinden, die dem Patienten am meisten entspricht. Diese kommunikative Strategie wird vor allem darauf abzielen, immer unter Achtung der Wahrheit der Fakten, die Hoffnung, das wesentliche Element im therapeutischen Kontext zu stützen. Es darf dabei nie vergessen werden, dass es gerade diese menschlichen Eigenschaften sind, die der Patient am Arzt neben seiner professionellen Kompetenz schätzt - er will mit Güte gesehen und nicht nur untersucht werden. Er will angehört und nicht nur komplizierten Diagnosen unterzogen werden; er will mit Sicherheit spüren, im Geist und im Herzen des ihn behandelnden Arztes präsent zu sein.
Ansprache an die Teilnehmer des Nationalen Kongresses der Italienischen Gesellschaft für Chirurgie, 20. Oktober 2008



Menschliches Mitgefühl nicht beiseite lassen
In den hochtechnologischen Strukturen der heutigen Gesellschaft läuft der Patient Gefahr, in gewissem Masse zur „Sache“ zu werden. Denn er wird von Regeln und Praktiken beherrscht, die oft seiner Lebensweise vollständig fremd sind. Im Namen der Anforderungen der Wissenschaft, der Technik und der Organisation der medizinischen Versorgung erscheint sein gewohnter Lebensstil völlig umgestürzt. Da ist es sehr wichtig, die Lebensumstände des Patienten, insbesondere seine Familie, nicht von der therapeutischen Beziehung auszuschliessen. Deshalb ist es notwendig, das Verantwortungsbewusstsein der Verwandten gegenüber ihrem Angehörigen zu fördern: Es ist ein wichtiges Element, ihm eine weitere Entfremdung zu vermeiden, die dieser sozusagen unweigerlich erfährt, wenn er einer Medizin anvertraut wird, die hoch technologisiert, aber ohne wirksames menschliches Mitgefühl ist.
Ansprache an die Teilnehmer des Nationalen Kongresses der Italienischen Gesellschaft für Chirurgie, 20. Oktober 2008

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