Erziehung




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Freiheit muss verantwortungsvoll gelebt werden
Die Erziehungstätigkeit wird jedoch durch eine irreführende Vorstellung von Freiheit erschwert, in der die Launen und subjektiven Neigungen des einzelnen derartig überbetont werden, dass am Ende jeder in seinem eigenen Ich gefangen ist. Die wahre Freiheit des Menschen kommt daher, dass er nach dem Bild Gottes und ihm ähnlich geschaffen wurde. Deshalb muss die Freiheit verantwortungsvoll gelebt werden, indem der Mensch sich stets für das wahre Gut entscheidet. So wird die Freiheit zur Liebe, zur Selbsthingabe. Um dies zu erreichen bedarf es nicht so sehr der Theorien, sondern der Nähe und Liebe, die die Familiengemeinschaft auszeichnen. Im eigenen Zuhause lernt man, wie man wirklich lebt, man lernt, das Leben und die Gesundheit zu schätzen, die Freiheit und den Frieden, die Gerechtigkeit und die Wahrheit, die Arbeit, die Eintracht und den Respekt.
Videobotschaft zum VI. Welttag der Familien in Mexiko-Stadt, 18. Januar 2009



Die christlichen Werte geben dem Leben Sinn
Wie sollte man nicht besonders an die Kinder und Jugendlichen denken, die unsere Zukunft sind? Jedesmal, wenn in den Nachrichten über Jugendgewalt berichtet wird, jedesmal, wenn die Zeitungen Verkehrsunfälle melden, in denen viele junge Menschen sterben, dann kommt mir wieder das Thema des Erziehungsnotstandes in den Sinn, der heute die grösstmögliche Zusammenarbeit verlangt. Besonders unter den jungen Generationen gehen die natürlichen christlichen Werte zurück, die dem täglichen Leben Sinn geben und zu einer Lebensauffassung erziehen, die offen ist für die Hoffnung; es werden dagegen kurzlebige Wünsche und nicht dauerhafte Erwartungen wach, die am Ende überdruss und Misserfolge erzeugen. All das führt unglücklicherweise dazu, dass sich Tendenzen durchsetzen, den Wert des Lebens zu banalisieren, um sich in Exzesse, Drogen und Alkohol zu flüchten, die für einige zum gewohnten Wochenendritual geworden sind. Selbst die Liebe läuft Gefahr, "zur blossen Sache" zu werden, die man "kaufen und verkaufen" kann, "ja, der Mensch selbst wird dabei zur Ware" (Deus caritas est, 5).
Ansprache für die politischen Vertreter der Region Latium sowie der Stadt und der Provinz Rom, 12. Januar 2009



Die Sorge um die Jugendlichen
Angesichts des Nihilismus, der die Welt der Jugendlichen immer stärker durchdringt, fordert die Kirche alle auf, sich ernsthaft den Jugendlichen zu widmen, sie nicht sich selbst zu überlassen und sie nicht "schlechten Lehrmeistern" auszusetzen, sondern sie in ernsthafte Initiativen einzubinden, die ihnen helfen, den Wert des Lebens in einer soliden Familie, die auf der Ehe gründet, zu verstehen, nur so gibt man ihnen die Möglichkeit, vertrauensvoll ihre Zukunft zu planen.
Ansprache für die politischen Vertreter der Region Latium sowie der Stadt und der Provinz Rom, 12. Januar 2009



Erziehung zur Gerechtigkeit
Wenn es keine Gerechten gibt, gibt es auch keine Gerechtigkeit. Das müssen wir akzeptieren. Darum ist die Erziehung zur Gerechtigkeit ein vorrangiges Ziel, ja wir könnten auch sagen: die Priorität. Da der hl. Paulus sagt, dass die Rechtfertigung die Wirkung des Heilswerkes Christi ist, ist sie kein abstrakter Begriff, der Sünden betrifft, die uns heute nicht interessieren, sondern sie bezieht sich auf die ganzheitliche Gerechtigkeit. Gott allein kann sie uns gewähren, aber er tut das mit unserer Mitarbeit auf verschiedenen Ebenen, auf allen möglichen Ebenen.
Begegnung mit dem Klerus der Diözese Rom, 26. Februar 2009



Erziehung fördern
In der Tat, wenn wir Erziehung fördern, bekunden wir unser Vertrauen in die Gabe der Freiheit. Das menschliche Herz kann verhärtet werden durch sein begrenztes Umfeld, seine Interessen und seine Leidenschaften. Aber jeder Mensch ist ebenso zu Weisheit und Rechtschaffenheit aufgerufen, zur Grundlegenden und überaus bedeutsamen Wahl des Guten vor dem Bösen, der Wahrheit vor der Unaufrichtigkeit, und jeder kann bei dieser Aufgabe unterstützt werden.
Grundsteinlegung für die Universität des Lateinischen Patriarchats in Madaba, 9. Mai 2009



Die Augen fest auf Christus richten
Welche Eltern oder welcher Mensch guten Willens könnte nicht besorgt sein wegen der negativen, in unserer globalisierten Welt so sehr um sich greifenden Einflüsse, einschliesslich der destruktiven Elemente in der Unterhaltungsindustrie, welche die Unschuld und die Sensibilität der schwachen und jungen Menschen so gewissenlos ausnutzt. Doch wenn ihr eure Augen fest auf Christus richtet, auf das Licht das alles übel vertreibt, die verlorene Unschuld zurückgibt und irdischen Stolz erniedrigt, werdet ihr eine grossartige Vision der Hoffnung aufrechterhalten für alle, denen ihr begegnet und denen ihr dient.
Ansprache bei der Vesper in der griechisch-melkitischen Kathedrale von Amman, 9. Mai 2009



Schwierigkeit der Erziehung
Die Schwierigkeit, echte Christen heranzubilden, ist verflochten, ja vermischt sich oft mit der Schwierigkeit, verantwortungsvolle und reife Männer und Frauen heranzubilden, bei denen das Bewusstsein für die Wahrheit und das Gute und die freie Zustimmung zu diesen Werten im Zentrum des Erziehungsplanes stehen, der imstande sein soll, einem Weg des Wachstums Gestalt zu verleihen, der gebührend vorbereitet und begleitet wird.
Ansprache an die Vollversammlung der Italienischen Bischofskonferenz, 28. Mai 2009



Sport fördert menschliche und geistliche Werte
Wie vor kurzem herausgestellt wurde, schult der Sport gerade bei jungen Menschen, die ihn mit Leidenschaft und einem klaren ethischen Sinn praktizieren, nicht nur den gesunden Kampfgeist, sondern er dient auch der körperlichen Ertüchtigung. Er fördert ausserdem die Entwicklung menschlicher und geistlicher Werte und ist ein privilegiertes Mittel des persönlichen Wachstums und des Kontakts zur Gesellschaft.
Ansprache an eine Delegation der in Rom veranstalteten Schwimm-Weltmeisterschaft, 1. August 2009



Sport als Lebensmodell
Mit Interesse verfolgt und befürwortet die Kirche den Sport, der nicht als Selbstzweck praktiziert wird, sondern als Mittel, als wertvolles Instrument, für die ganzheitliche und harmonische Entwicklung der Person. Auch in der Bibel finden wir interessante Verweise auf den Sport als Lebensmodell. Der Apostel Paulus betrachtete ihn beispielsweise als einen authentischen menschlichen Wert. Er benützte ihn nicht nur als Metapher für hohe ethische und asketische Ideale, sondern sah ihn auch als Mittel für die Entwicklung des Menschen, als Bestandteil der menschlichen Kultur und Zivilisation.
Ansprache an eine Delegation der in Rom veranstalteten Schwimm-Weltmeisterschaft, 1. August 2009



Der Einfluss des Sports
Sportveranstaltungen haben [...] dank der modernen sozialen Kommunikationsmittel einen grossen Einfluss auf die öffentliche Meinung. Schliesslich ist die Sprache des Sports eine universale Sprache und erreicht besonders die junge Generation. Die Verbreitung positiver Botschaften durch den Sport trägt daher auch zum Bau einer brüderlicheren und solidarischeren Welt bei.
Ansprache an eine Delegation der in Rom veranstalteten Schwimm-Weltmeisterschaft, 1. August 2009



Die Jugendlichen brauchen Vorbilder
Heranwachsende Kinder und Jugendliche brauchen Erwachsene, die in der Lage sind, ihnen Grundsätze und Werte zu vermitteln; sie verspüren das Bedürfnis nach Personen, die sich nicht nur mit Worten, sondern vor allem mit dem Leben lehren, sich hohen Idealen hinzugeben.
Predigt bei der Gedenkmesse anlässlich des 4. Todestages des Dieners Gottes Johannes Paul II., 2. April 2009



Christus ist das Licht
Wieviel Mitleid muss er auch mit unserer Zeit empfinden - ob all des grossen Geredes, in dem sich doch eine grosse Orientierungslosigkeit verbirgt. Wohin sollen wir gehen? Was sind die Werte, an die wir uns halten können? Die Werte nach denen wir erziehen dürfen, ohne den jungen Menschen aufzuerlegen, was vielleicht nicht standhält und nicht auferlegt werden darf? Er ist das Licht.
Predigt in der Feier der Osternacht, 11. April 2009



Der katholische Religionsunterricht
Dank des katholischen Religionsunterrichts werden Schule und Gesellschaft also durch wahre Wirkstätten der Kultur und der Menschlichkeit bereichert. In ihnen wird der bedeutende Beitrag des Christentums untersucht und die Person befähigt, das Gute zu entdecken und in der Verantwortung zu wachsen, die Diskussion zu suchen und den kritischen Sinn zu schärfen, aus den Gaben der Vergangenheit zu schöpfen, um die Gegenwart besser zu verstehen und bewusst der Zukunft entgegenzugehen.
Ansprache an die Teilnehmer an einer Begegnung der Lehrer für katholische Religion, 25. April 2009



Die Bildung der jungen Europäer
Besonders wichtig ist die dringende Aufgabe, junge Europäer durch eine Bildung, die ihre gottgegebene Fähigkeit achtet und stärkt, zu ermutigen, gerade jene Grenzen zu überschreiten, die sie manchmal anscheinend gefangen halten. Im Sport, in den kreativen Künsten und im Streben nach Wissen ergreifen junge Menschen gerne die Gelegenheit, herausragende Leistungen zu erbringen. Ist es nicht ebenso wahr, dass sie auch nach moralischen Tugenden und nach einem solidarischen und guten Leben streben werden, wenn sie mit hohen Idealen konfrontiert werden?
Ansprache bei der Begegnung mit den politischen Autoritäten und dem Diplomatischen Korps in der Prager Burg, 26. September 2009



Echte Lehrer
Heute wie in der Vergangenheit braucht die Universität echte Lehrer, die zusammen mit wissenschaftlichen Wissensinhalten eine strenge Forschungsmethode und tiefgründige Werte und Motivationen vermitteln.
Ansprache an die Dozenten und Studierenden der Freien Universität Maria Santissima Assunta, 12. November 2009



Zur grössten Freiheit erziehen
Hier können wir den echten Sinn der christlichen Erziehung sehen: sie ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit, die stets gesucht werden muss zwischen den Erziehern und Gott. Die christliche Familie ist sich bewusst, dass die Kinder ein Geschenk und ein Plan Gottes sind. Daher darf sie diese nicht als ihren Besitz betrachten, sondern sie dient in ihnen dem Plan Gottes und ist so dazu berufen, sie zur grössten Freiheit zu erziehen, welche gerade darin besteht, "Ja" zu Gott zu sagen, um seinen Willen zu tun.
Angelus, 27. Dezember 2009



Bildung
Der Begriff "Bildung" bezieht sich nicht allein auf Unterricht und Ausbildung zum Beruf, die beide wichtige Gründe für die Entwicklung sind, sondern auf die umfassende Formung der Person.
Caritas in veritate, 29. Juni 2009



Wissen was die menschliche Person ist
Bei der Erziehung muss man wissen, was die menschliche Person ist, und ihre Natur kennen. Die Behauptung einer relativistischen Sicht dieser Natur stellt die Erziehung, vor allem die moralische Erziehung, vor ernste Probleme, indem sie ihre erweiterte Bedeutung auf universaler Ebene beeinträchtigt.
Caritas in veritate, 29. Juni 2009



Hindernis für die Erziehungsarbeit
Ein besonders tückisches Hindernis für die Erziehungsarbeit stellt heute in unserer Gesellschaft und Kultur das massive Auftreten jenes Relativismus dar, der nichts als definitiv anerkennt und als letzten Massstab nur das eigene Ich mit seinen Gelüsten gelten lässt und unter dem Anschein der Freiheit für jeden zu einem Gefängnis wird, weil er den einen vom anderen trennt und jeden dazu erniedrigt, sich ins eigene »Ich« zu verschliessen. Innerhalb eines solchen relativistischen Horizonts ist daher wahre Erziehung gar nicht möglich: Denn ohne das Licht der Wahrheit sieht sich früher oder später jeder Mensch dazu verurteilt, an der Qualität seines eigenen Lebens und der Beziehungen, aus denen es sich zusammensetzt, ebenso zu zweifeln wie an der Wirksamkeit seines Einsatzes dafür, gemeinsam mit anderen etwas aufzubauen.
Schreiben bei der Eröffnung der Pastoraltagung der Diözese Rom zum Thema Familie, Lateranbasilika, 6. Juni 2005



Glaubwürdiges Zeugnis geben
Der Glauben ist [...] kein blosses kulturelles Erbe, sondern ein ständiges Wirken der Gnade Gottes, der ruft, und der menschlichen Freiheit, die diesen Ruf annehmen kann oder auch nicht. Auch wenn niemand für einen anderen Menschen antworten kann, so sind doch die christlichen Eltern aufgerufen, ein glaubwürdiges Zeugnis ihres Glaubens und ihrer christlichen Hoffnung zu geben. Sie müssen dafür sorgen, dass der Ruf Gottes und die Frohe Botschaft Christi ihre Kinder mit grösster Klarheit und Unverfälschtheit erreichen.
Predigt beim V. Welttreffen der Familien in Valencia, 9. Juli 2006



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Die Erfahrung, geliebt zu sein
Die Liebe und Freude, mit der unsere Eltern uns angenommen und unsere ersten Schritte in dieser Welt begleitet haben, ist wie ein sakramentales Zeichen und eine Verlängerung der gütigen Liebe Gottes, von dem wir kommen. Die Erfahrung, von Gott und von unseren Eltern angenommen und geliebt zu sein, ist die sichere Grundlage, die stets das Wachstum und die wahre Entwicklung des Menschen fördert und uns sehr hilft, auf dem Weg zur Wahrheit und zur Liebe zu reifen und aus uns selbst herauszutreten, um in Gemeinschaft mit den anderen Menschen und mit Gott einzutreten.
Predigt beim V. Welttreffen der Familien in Valencia, 9. Juli 2006



Leiden an Schwinden von Liebe und Hoffnung
Kinder und Jugendliche sind oft die ersten, die die Folgen dieses Schwindens von Liebe und Hoffnung erleiden. Statt sich geliebt und umsorgt zu fühlen, scheinen sie oft lediglich geduldet zu sein. In einer "aufgewühlten Zeit" fehlt es ihnen häufig an angemessener moralischer Führung von seiten der Erwachsenen, was für ihre intellektuelle und geistliche Entwicklung schwerwiegende Nachteile mit sich bringt. Viele Kinder wachsen heute in einer Gesellschaft auf, die Gott und die angeborene Würde der nach dem Ebenbild Gottes geschaffenen menschlichen Person vergessen hat. In einer Welt, die geprägt ist von sich beschleunigenden Globalisierungsprozessen, sind Kinder oft einer ausschliesslich materialistischen Sicht der Welt, des Lebens und der menschlichen Erfüllung ausgesetzt.
Botschaft an die Teilnehmer der Vollversammlung der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften, 27. April 2006



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Von Natur aus offen für die Transzendenz
Kinder und Jugendliche sind jedoch von Natur aus aufgeschlossen, hochherzig, idealistisch und offen für die Transzendenz. Sie brauchen vor allem die Erfahrung der Liebe und sollen in einer gesunden menschlichen Umgebung aufwachsen, wo sie erkennen können dass sie nicht zufällig, sondern durch ein Geschenk, das zum liebevollen Plan Gottes gehört, auf die Welt gekommen sind. Eltern, Erzieher und Verantwortliche der Gemeinschaft dürfen sich, wenn sie ihrer eigenen Berufung treu sein wollen, niemals ihrer Pflicht entziehen, Kinder und Jugendliche vor die Aufgabe zu stellen, ein Lebensprojekt zu wählen, das auf das wahre Glück ausgerichtet ist: ein Lebensprojekt, das zwischen Wahrheit und Falschheit, gut und böse, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, realer Welt und der Welt der "virtuellen Realität" zu unterscheiden vermag.
Botschaft an die Teilnehmer der Vollversammlung der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften, 27. April 2006



Innere Freiheit
Die innere Freiheit ist in der Tat die Voraussetzung für wahres menschliches Wachstum. Wo diese Freiheit fehlt oder bedroht ist, empfinden junge Menschen Frustration und sind ausserstande, hochherzig nach den Idealen zu streben, die ihrem Leben als Individuen und als Glieder der Gesellschaft Gestalt geben können. Folglich verlieren sie den Mut oder rebellieren, und ihre enormen menschlichen Fähigkeiten werden abgewendet von der Annahme den begeisternden Herausforderungen des Lebens.
Botschaft an die Teilnehmer der Vollversammlung der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften, 27. April 2006



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Den Glauben weitergeben
Den Kindern den Glauben weiterzugeben, mit der Hilfe anderer Menschen und Institutionen wie der Pfarrgemeinde, der Schule oder den katholischen Vereinigungen, ist eine Verantwortung, welche die Eltern weder vergessen noch vernachlässigen oder völlig delegieren dürfen. [...] Das empfangene Geschöpf muss im Glauben erzogen werden, muss geliebt und beschützt werden. Die Kinder haben neben dem Grundrecht, geboren und im Glauben erzogen zu werden, auch das Recht auf ein Zuhause, das das Haus von Nazaret zum Vorbild hat, und sie haben das Recht darauf, vor Gefahren und Bedrohungen geschützt zu werden.
Ansprache am V. Welttreffen der Familien in Valencia, 8. Juli 2006



Begleitung der Kinder
Wenn ein Kind geboren wird, beginnt es, durch die Beziehung zu seinen Eltern Teil einer Familientradition zu werden, die noch ältere Wurzeln hat, mit dem Geschenk des Lebens empfängt es ein ganzes Erbe an Erfahrung. Bezüglich dieses Erbes haben die Eltern das unveräusserliche Recht und die unveräusserliche Pflicht, es an die Kinder weiterzugeben: sie bei ihrer Identitätsfindung zu erziehen, sie einzuführen in das gesellschaftliche Leben, in den verantwortungsvollen Umgang mit ihrer sittlichen Freiheit und ihrer Fähigkeit zu lieben – durch die Erfahrung, geliebt zu werden - und sie vor allem einzuführen in die Begegnung mit Gott. Die Kinder wachsen und reifen menschlich in dem Masse, in dem sie vertrauensvoll dieses Erbe und diese Erziehung annehmen, in die sie Schritt für Schritt hineinwachsen.
Predigt beim V. Welttreffen der Familien in Valencia, 9. Juli 2006



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Das Geschenk des Glaubens zu eigen machen
Im Laufe der Jahre muss dieses Geschenk Gottes [der Glaube], das den Kindern unter Mitwirkung der Eltern vor Augen geführt wird, auch weise und liebevoll gepflegt werden, um so in den Kindern die Unterscheidungsgabe wachsen zu lassen. Auf diese Weise werden das beständige Zeugnis der ehelichen Liebe der Eltern die aus dem Glauben gelebt wird und von ihm durchdrungen ist, und die liebevolle Begleitung von seiten der christlichen Gemeinschaft den Kindern helfen, sich das Geschenk des Glaubens zu eigen zu machen, durch ihn den tiefsten Sinn des eigenen Daseins zu entdecken und froh und dankbar dafür zu sein.
Predigt beim V. Welttreffen der Familien in Valencia, 9. Juli 2006



Familienpastoral für die Jugendlichen
Es ist [...] notwendig, eine Familienpastoral zu fördern, die den Jugendlichen eine anspruchsvolle Erziehung im affektiven und sittlichen Bereich bietet, eine Erziehung, die sie auf ihre Verpflichtung vorbereitet, die eheliche Liebe in verantwortungsvoller Weise zu leben, was eine wichtige Voraussetzung für die Stabilität der Familien und der ganzen Gesellschaft ist. Möge es euch gelingen, durch eine Grundausbildung und ständige Weiterbildung den christlichen Familien die Grösse und Bedeutung ihrer Berufung zu vermitteln, indem ihr sie unablässig dazu auffordert, ihre Gemeinschaft durch die tägliche Treue zu dem Versprechen der völligen und ausschliesslichen Hingabe an den einzigen Partner, die die Ehe mit sich bringt, immer wieder neu zu beleben!
"Ad-limina"-Besuch der Bischöfe von Kamerun, 18. März 2006



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Erste Evangelisierer
Mehr denn je hat die christliche Familie heute eine überaus edle und unentbehrliche Aufgabe, nämlich die Weitergabe des Glaubens, was die Hingabe an Jesus Christus, der gestorben und auferstanden ist, und die Eingliederung in die kirchliche Gemeinschaft voraussetzt. Die Eltern sind die ersten Evangelisierer der Kinder, der vorzüglichsten Gabe des Schöpfers, angefangen bei den ersten Gebeten, die sie ihre Kinder lehren. So entsteht allmählich ein im Willen Gottes verwurzeltes moralisches Spektrum, in dem das Kind mit jenen menschlichen und christlichen Werten heranwächst, die dem Leben vollen Sinngehalt verleihen.
Schreiben zum V. Welttreffen der Familien in Valencia, 17. Mai 2005



Weitergabe des Glaubens in der Familie
In vielen heute säkularisierten Gemeinschaften ist für die, die an Christus glauben, die dringendste Notwendigkeit die Erneuerung des Glaubens der Erwachsenen, damit diese in die Lage versetzt werden, ihn den jungen Generationen zu vermitteln. Andererseits kann der Weg der christlichen Initiation der Kinder zu einer günstigen Gelegenheit für die Eltern werden, um sich der Kirche wieder zu nähern und die Schönheit und Wahrheit des Evangeliums immer weiter zu vertiefen. Kurz gesagt, die Familie ist ein lebendiger Organismus, in dem ein gegenseitiger Gabenaustausch stattfindet. Wichtig ist, dass das Wort Gottes, das die Flamme des Glaubens am Leben erhält, niemals fehlt. Mit einer äusserst bedeutsamen Geste entzündet der Vater oder der Pate beim Taufritus eine Kerze an der grossen Osterkerze, Symbol des auferstandenen Christus. Dann sagt der Zelebrant, an die Familienangehörigen gewandt: "Christus, das Licht der Welt, hat Ihr Kind erleuchtet. Es soll als Kind des Lichtes leben." Diese Geste bringt die ganze Bedeutung der Weitergabe des Glaubens in der Familie zum Ausdruck. Um wahrhaftig zu sein, muss der Geste das Bemühen der Eltern um eine Vertiefung des eigenen Glaubens vorausgehen und sie begleiten; die Eltern sollen die Flamme des Glaubens durch das Gebet und den regelmässigen Empfang der Sakramente der Beichte und der Eucharistie neu beleben.
Angelus, 2. Juli 2006



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Freie und verantwortungsvolle Menschen heranbilden
Zusammen mit der Weitergabe des Glaubens und der Liebe des Herrn besteht eine der grössten Aufgaben der Familien darin, freie und verantwortungsvolle Menschen heranzubilden. Deshalb sollen die Eltern ihren Kindern die Freiheit, deren Hüter sie einige Zeit lang sind, zurückgeben. Wenn die Kinder sehen, dass ihre Eltern – und überhaupt die Erwachsenen in ihrer Umgebung – ihr Leben trotz mancher Schwierigkeiten mit Freude und Begeisterung leben, wird auch in ihnen leichter die tiefe Lebensfreude wachsen, die ihnen helfen wird, mögliche Hindernisse und Widrigkeiten, die das Leben mit sich bringt, erfolgreich zu meistern. Wenn die Familie sich nicht in sich selbst verschliesst, lernen die Kinder zudem, dass jede Person es wert ist, geliebt zu werden, und dass es eine grundsätzliche universale Brüderlichkeit zwischen allen Menschen gibt.
Ansprachen am V. Welttreffen der Familien in Valencia, 8. Juli 2006



Wie gibt die Familie den Glauben weiter?
Die christliche Familie gibt den Glauben weiter, wenn die Eltern ihre Kinder beten lehren und mit ihnen beten (vgl. Apostolisches Schreiben Familiaris consortio, 60), wenn sie sie auf die Sakramente vorbereiten und sie in das Leben der Kirche einführen, wenn sie zusammenkommen, um die Bibel zu lesen, und so das Familienleben mit dem Licht des Glaubens erleuchten und Gott als Vater preisen.
Predigt beim V. Welttreffen der Familien in Valencia, 9. Juli 2006



Geht mit ihnen den Weg
Liebe Eltern! Ich möchte Euch herzlich einladen, Euren Kindern glauben zu helfen und sie auf ihrem Weg zur ersten Kommunion, der danach ja weiter geht, auf ihrem Weg zu Jesus und mit Jesus zu begleiten. Bitte, geht mit Euren Kindern in die Kirche zur sonntäglichen Eucharistiefeier. Ihr werdet sehen: Das ist keine verlorenen Zeit. Das hält die Familie richtig zusammen und gibt ihr ihren Mittelpunkt. Der Sonntag wird schöner, die ganze Woche wird schöner, wenn Ihr gemeinsam den Gottesdienst besucht. Und bitte, betet auch zu Hause miteinander: beim Essen, vor dem Schlafengehen. Das Beten führt uns nicht nur zu Gott, sondern auch zueinander. Es ist eine Kraft des Friedens und der Freude. Das Leben in der Familie wird festlicher und grösser, wenn Gott dabei ist und seine Nähe im Gebet erlebt wird.
Ansprache bei der Vesper in München, 10. September 2006



Die Frage nach Gott gegewärtig halten
Liebe Religionslehrer und Erzieher! Euch bitte ich von Herzen, die Frage nach Gott, nach dem Gott, der sich uns in Jesus Christus gezeigt hat, in der Schule gegenwärtig zu halten. Ich weiss, dass es schwer ist, in unserer pluralistischen Welt den Glauben in der Schule zur Sprache zu bringen. Aber es reicht eben nicht, wenn die Kinder und jungen Menschen in der Schule nur Kenntnisse und technisches Können, aber keine Massstäbe erlernen, die der Kenntnis und dem Können Richtung uns Sinn geben. Regt die Schüler an, nicht nur nach diesem und jenem zu fragen – das ist auch gut -, aber zu fragen vor allem auch nach dem Woher und dem Wohin unseres Lebens. Helft ihnen zu erkennen, dass alle Antworten, die nicht bis zu Gott hinkommen, zu kurz sind.
Ansprache bei der Vesper in München, 10. September 2006



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Apostolat der "intellektuellen Nächstenliebe"
Ein besonders heimtückisches Erschwernis für die Erziehung ist, [...] in der heutigen Gesellschaft die ausgeprägte Anwesenheit jenes Relativismus, der nichts als endgültig betrachtet und so als letzten Massstab nur das Ich und seine Wünsche übrig lässt. In einem solchen relativistischen Horizont tritt eine Verdunkelung der höchsten Lebensziele ein – durch eine Herabsetzung des Qualitätsniveaus, eine Scheu vor der Kategorie des Guten und eine unermüdliche, aber dennoch sinnlose Suche nach Neuem, die sich als Verwirklichung der Freiheit präsentiert. Solche schädlichen Tendenzen zeigen die besondere Dringlichkeit eines Apostolats der "intellektuellen Nächstenliebe": Es muss die grundlegende Einheit des Wissens hervorheben und die jungen Menschen zur höchsten Erfüllung führen, die im Gebrauch der eigenen Freiheit in Verbindung mit der Wahrheit liegt, und muss die Beziehung zwischen dem Glauben und allen Aspekten des familiären und des öffentlichen Lebens zum Ausdruck bringen.
"Ad-limina"-Besuch der Bischöfe aus Ontario (Kanada), 8. September 2006



Mut zur endgültigen Entscheidung machen
Wahre Erziehung muss wieder Mut machen zu endgültigen Entscheidungen, die heute als Bindungen betrachtet werden die unsere Freiheit beschneiden, die aber in Wirklichkeit unverzichtbar sind, um zu wachsen und etwas grosses im Leben zu erreichen, und insbesondere um die Liebe in ihrer ganzen Schönheit heranreifen zu lassen; um also der Freiheit selbst Beständigkeit und Bedeutung zu verleihen. Dieser Sorge um den Menschen und seine Formung entspringt unser "Nein" zu schwachen und abwegigen Formen der Liebe und zu Vortäuschungen der Freiheit sowie zur Verkürzung der Vernunft auf das nur Kalkulierbare und Manipulierbare. In Wahrheit ist dieses "Nein" vielmehr ein "Ja" zur wahren Liebe, zur Wirklichkeit des Menschen, wie er von Gott geschaffen wurde.
Ansprache beim Kongress der katholischen Kirche in Italien, 19. Oktober 2006 in Verona



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Den jungen Menschen helfen
Für die jungen Menschen wird es schwer, zu endgültigen Bindungen zu finden. Sie haben Furcht vor der Endgültigkeit, die nicht realisierbar und der Freiheit entgegengesetzt scheint. So wird es auch immer schwerer, Kinder anzunehmen und ihnen jenen dauerhaften Raum des Wachsens und des Reifens zu schenken, der nur die auf der Ehe gründende Familie sein kann. In dieser hier nur ganz kurz angedeuteten Situation ist es sehr wichtig, jungen Menschen zu helfen, das endgültige Ja zueinander zu sagen, das der Freiheit nicht entgegensteht, sondern ihre grösste Möglichkeit ist. In der Geduld des lebenslangen Miteinander kommt die Liebe zu ihrer wahren Reife. In diesem Raum lebenslanger Liebe lernen auch die Kinder leben und lieben.
"Ad-limina"-Besuch der Deutschen Bischöfe, 18. November 2006



Kluge Nutzung der Medien für die Erziehung
Wie wird das Gemeinwohl geschützt und gefördert? Kinder zur Unterscheidungsfähigkeit in der Nutzung der Medien zu erziehen ist die Verantwortung von Eltern, Kirche und Schule. Die Rolle der Eltern ist von vorrangiger Bedeutung. Sie haben das Recht und die Pflicht, die kluge Nutzung der Medien sicherzustellen, indem sie das Gewissen ihrer Kinder bilden, um zu gesunden und objektiven Urteilen zu kommen, die sie dann bei der Wahl oder Zurückweisung verfügbarer Programme leiten (vgl. Papst Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Familiaris consortio, 76). Dabei sollten die Eltern Ermutigung und Hilfe von den Schulen und Pfarreien erhalten, um sicherzustellen, dass dieser schwierige, wenn auch lohnende Aspekt der Elternschaft von einer grösseren Gemeinschaft unterstützt wird.
Botschaft zum 41. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel, 24. Januar 2007



Aus freiem Willen das Gute, Wahre und Schöne wählen
Wie Erziehung im allgemeinen, so erfordert Medienerziehung eine Heranbildung zur Ausübung von Freiheit. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Sehr oft wird Freiheit als unablässige Suche nach Vergnügen und neuen Erfahrungen dargestellt. Aber das ist eine Verdammung, keine Befreiung! Wahre Freiheit könnte niemals den einzelnen – besonders eine Kind – zu einer unersättlichen Suche nach Neuigkeiten verdammen. Im Licht der Wahrheit wird echte Freiheit als endgültige Antwort auf Gottes "Ja" zur Menschheit erfahren, das uns dazu beruft, nicht unüberlegt, sondern aus freiem Willen all das, was gut, wahr und schön ist zu wählen. So führen die Eltern ihre Kinder in die tiefe Freude des Lebens ein, wenn sie als Hüter dieser Freiheit ihren Kindern schrittweise grössere Freiheit einräumen ( vgl. Ansprache an das V. Welttreffen der Familien, Valencia, 8. Juli 2006).
Botschaft zum 41. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel, 24. Januar 2007



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Es bedarf eines ständigen Kontaktes mit den Glaubenswahrheiten
Es bedarf einer neuen Erziehung zur Sehnsucht nach der Erkenntnis der Authentischen Wahrheit, zur Verteidigung der eigenen Wahlfreiheit gegenüber den Verhaltensweisen der Masse und den Verlockungen der Werbung, um die Leidenschaft für die moralische Schönheit und die Klarheit des Gewissens zu nähren. Das ist die delikate Aufgabe der Eltern und der Erzieher, die ihnen zur Seite stehen; und es ist die Aufgabe der christlichen Gemeinschaft gegenüber ihren Gläubigen. Was das christliche Gewissen, sein Wachstum und seine Nahrung betrifft, darf man sich nicht mit einem flüchtigen Kontakt mit den grundlegenden Glaubenswahrheiten in der Kindheit begnügen, sondern es bedarf eines Weges, der die verschiedenen Etappen des Lebens begleitet und den Geist und das Herz für die Annahme der grundlegenden Verpflichtungen öffnet. Auf die sich die Existenz sowohl des einzelnen wie der Gemeinschaft stützt. Nur so wird es möglich sein, die Jugendlichen zum Verständnis der Werte des Lebens, der Liebe, der Ehe und der Familie hinzuführen. Nur so wird man sie dazu bringen können, die Schönheit und Heiligkeit der Liebe, die Freude und die Verantwortung zu schätzen, Eltern und Mitarbeiter Gottes in der Weitergabe des Lebens zu sein. Wenn eine kontinuierliche und qualifizierte Bildung fehlt, wird die Urteilsfähigkeit bei den Problemen, vor die uns die Biomedizin im Bereich der Sexualität, des beginnenden Lebens und der Fortpflanzung stellt, noch problematischer; gleiches gilt für die Weise des Umgangs mit Patienten und den schwachen Gruppen der Gesellschaft und deren Pflege.
Ansprache an die Teilnehmer der Vollversammlung der Päpstlichen Akademie für das Leben, 24. Februar 2007



Erziehungsnotstand
Die tägliche Erfahrung lehrt uns – und das wissen wir alle -, dass die Erziehung zum Glauben gerade in unseren Tagen nicht einfach ist. Jede Erziehungsarbeit scheint heute in Wirklichkeit immer schwieriger und unzulänglicher zu werden. Daher ist die Rede von einem grossen "Erziehungsnotstand", von den immer grösseren Schwierigkeiten, die die Weitergabe der Grundwerte des Lebens und eines aufrichtigen Verhaltens an die jungen Generationen bereitet. Diese Schwierigkeiten gibt es in der Schule ebenso wie in der Familie und wohl auch in jeder anderen Einrichtung, die sich erzieherische Ziele setzt.
Ansprache bei der Eröffnung der Pastoraltagung der Diözese Rom, 11. Juni 2007



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Erziehung nicht auf Weitergabe bestimmter Fähigkeiten oder Fertigkeiten beschränken
Es handelt sich um einen [Erziehungs-] Notstand, der unvermeidlich ist, denn in einer Gesellschaft und in einer Kultur, die aus dem Relativismus nur allzu oft ihr Credo macht – der Relativismus ist zu einer Art Dogma geworden -, in solch einer Gesellschaft fehlt das Licht der Wahrheit. Von Wahrheit zu sprechen, wird sogar als gefährlich, als "autoritär" betrachtet, und am Ende zweifelt man daran, dass das Leben gut ist – ist es gut, ein Mensch zu sein? Ist es gut zu leben? - , und man zweifelt am Wert der Beziehungen und der Verpflichtungen, die das Leben bestimmen. Wie soll man unter diesen Umständen als einzelner oder als Gemeinschaft den jungen Menschen etwas vermitteln können, was wertvoll und gewiss ist, und es von Generation zu Generation weitergeben – Lebensregeln, den wahren Sinn des menschlichen Lebens und überzeugende Ziele? Daher gibt es die weitverbreitete Tendenz die Erziehung auf die Weitergabe bestimmter Fähigkeiten oder Fertigkeiten zu beschränken.
Ansprache bei der Eröffnung der Pastoraltagung der Diözese Rom, 11. Juni 2007



Für die Erziehung ist das Gebet und Beziehung mit Jesus entscheidend
Liebe Brüder und Schwestern, wir müssen uns stets bewusst sein, dass wir ein solches Werk [die Erziehung der Kinder und Jugendlichen zum Glauben] nicht aus eigenen Kräften vollbringen können, sondern nur durch die Kraft des Heiligen Geistes. Es bedarf des Lichtes und der Gnade, die von Gott kommen und die im Innersten des Herzens und des Gewissens wirken. Für die christliche Erziehung und Ausbildung ist daher vor allem das Gebet und unsere persönliche Freundschaft mit Jesus entscheidend: Nur wer Jesus kennt und liebt, kann seine Brüder in eine lebendige Beziehung mit ihm hineinführen. Und gerade diese Notwendigkeit hat mich auf den Gedanken gebracht, dass es nützlich wäre, ein Buch zu schreiben, das hilft, Jesus kennenzulernen. Wir dürfen niemals vergessen, was Jesus gesagt hat: Ich habe "euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt" (Joh 15,15-16).
Ansprache bei der Eröffnung der Pastoraltagung der Diözese Rom, 11. Juni 2007



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Persönliche Begleitung
Die Erziehung, insbesondere die christliche Erziehung, also die Erziehung dazu, das eigenen Leben nach dem Vorbild Gottes zu gestalten, der die Liebe ist (vgl. 1Hoh 4,8.16), braucht jene Nähe, die für die Liebe eigentümlich ist. Vor allem in der heutigen Zeit, in der Isolierung und Einsamkeit weit verbreitete Phänomene sind, gegen die auch Lärm und Gruppenkonformismus keine wirkliche Abhilfe schaffen können, ist die persönliche Begleitung wichtig, die den Heranwachsenden die Gewissheit schenkt, geliebt, verstanden und angenommen zu sein. Durch die Begleitung sollen sie die konkrete Erfahrung machen können, dass unser Glaube nicht der Vergangenheit angehört, dass er im Heute gelebt werden kann und dass wir, wenn wir ihn leben, wirklich unser Glück finden.
Ansprache bei der Eröffnung der Pastoraltagung der Diözese Rom, 11. Juni 2007



Erziehung und Bildung
Unter den hauptsächlichen Einsichten des Hieronymus als Pädagoge sind hervorzuheben: die Bedeutung, die einer gesunden und ganzheitlichen Erziehung von der ersten Kindheit an zugeschrieben wird; die besondere Verantwortung, die den Eltern zuerkannt wird; die Dringlichkeit einer ernsthaften moralischen und religiösen Bildung; das Erfordernis des Lernens für eine vollständigere menschliche Bildung. Eine für die Antike ziemlich unerwarteter, aber von unserem Autor als lebenswichtig betrachteter Aspekt ist darüber hinaus die Förderung der Frau der er das Recht auf eine vollständige Bildung zuerkennt: menschlich, schulisch, religiös und beruflich. Und wir sehen gerade heute, dass die Erziehung der Persönlichkeit in ihrer Ganzheit , die Erziehung der Verantwortlichkeit vor Gott und vor dem Menschen die wahre Voraussetzung für jeden Fortschritt, für jeden Frieden , für jede Versöhnung und jeden Ausschluss von Gewalt ist. Erziehung vor Gott und vor dem Menschen: Es ist die Heilige Schrift, die uns die Führung der Erziehung und so den wahren Humanismus bietet.
Generalaudienz, 14. November 2007



Die Erziehung der Kinder
Liebe Eltern, zusammen mit euch danke ich dem Herrn für das Geschenk dieser Kinder und bitte um seinen Beistand, auf dass er euch helfe, sie zu erziehen und in den geistlichen Leib der Kirche einzugliedern. Während ihr ihnen das für das Wachstum und die Gesundheit Notwendige bietet, bemüht ihr euch, mit der Unterstützung der Paten in ihnen den Glauben, die Hoffnung und die Liebe zu entfalten, die theologalen Tugenden, die dem ihnen im Sakrament der Taufe geschenkten neuen Leben entsprechen. Ihr werdet dies mit eurer Gegenwart, mit eurer Zuneigung gewährleisten. Ihr werdet es zunächst und vor allem mit dem Gebet gewährleisten, indem ihr sie täglich Gott anvertraut und sie ihm in allen Abschnitten ihres Lebens anempfehlt. Gewiss, um gesund und kräftig zu wachsen, werden diese Buben und Mädchen materieller Fürsorge und grosser Aufmerksamkeit bedürfen; was für sie aber am meisten notwendig, mehr noch unverzichtbar sein wird, besteht darin, Gott zu erkennen, zu lieben und ihm treu zu dienen, um das ewige Leben zu haben. Liebe Eltern, seid für sie die ersten Zeugen eines wahren Glaubens an Gott!
Predigt bei der Tauffeier in der Sixtinischen Kapelle am Fest der Taufe des Herrn, 13. Januar 2008




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Die Erziehungs- und Bildungskrise
Auch die Schule muss sich Fragen stellen hinsichtlich ihrer Sendung, die sie im heutigen sozialen Kontext durchzuführen hat, der von einer augenscheinlichen Erziehungs- und Bildungskrise gekennzeichnet ist. Die katholische Schule, die den erstrangigen Auftrag hat, den Schüler entsprechend einer ganzheitlichen anthropologischen Vision zu formen, wobei sie für alle offen ist und die Identität des einzelnen achtet, kann nicht umhin, ihre eigene menschliche und christliche Sicht der Erziehung und Bildung anzubieten. Daraus entsteht eine neue Herausforderung, die von der Globalisierung und dem wachsenden Pluralismus noch verstärkt wird: das heisst die Herausforderung der Begegnung der Kulturen und der Religionen in der gemeinsamen Suche nach der Wahrheit. Die Anerkennung der kulturellen Pluralität der Schüler und der Eltern muss notwendigerweise zwei Voraussetzungen erfüllen: Niemand darf aufgrund seiner kulturellen oder religiösen Zugehörigkeit ausgeschlossen werden. Wenn diese kulturelle und religiösen Unterschiedlichkeit einmal anerkannt und angenommen ist, darf es andererseits nicht bei der reinen Feststellung bleiben. Das würde bedeuten zu verneinen, dass die Kulturen einander wirklich achten, wenn sie einander begegnen, denn alle echten Kulturen zielen auf die Wahrheit des Menschen und auf sein Wohl. Deshalb können die aus verschiedenen Kulturen stammenden Menschen über räumliche und zeitliche Entfernungen hinaus mit einander sprechen und einander verstehen, denn im Herzen jedes Menschen wohnt dasselbe tiefe Streben nach dem Guten , nach der Gerechtigkeit und Wahrheit, nach dem Leben und der Liebe.
Ansprache an die Vollversammlung der Kongregation für das katholische Bildungswesen, 21. Januar 2008



Die Schwierigkeit der Erziehung
Das Erziehen war [...] niemals einfach, und heute scheint es immer schwieriger zu werden. Die Eltern, die Lehrer, die Priester und alle, die eine unmittelbare Erziehungsverantwortung tragen, wissen das sehr gut. Es ist daher die Rede von einem grossen "Bildungs- und Erziehungsnotstand". Er wird bestätigt durch die Misserfolge, auf die unsere Bemühungen, Menschen auszubilden, die zuverlässig und in der Lage sind, mit anderen zusammenzuarbeiten und ihrem eigenen Leben einen Sinn zu geben, oft treffen. Da gibt man dann sofort den jungen Generationen die Schuld, als ob die Kinder, die heute geboren werden, anders wären als jene, die in früheren Zeiten geboren wurden. Es ist ausserdem die Rede von einem "Generationenkonflikt", den es gewiss gibt und der belastend ist. Er ist aber nicht so sehr die Ursache als vielmehr die Folge der fehlenden Weitergabe von Gewissheiten und Werten.
Müssen wir also den Erwachsenen von heute die Schuld geben? Sind sie vielleicht nicht mehr in der Lage zu erziehen? Sicher ist sowohl unter den Eltern als auch unter den Lehrern und allgemein unter den Erziehern die Versuchung aufzugeben sehr stark - und mehr noch die Gefahr, nicht einmal zu verstehen, was ihre Rolle oder besser die ihnen anvertraute Sendung ist. In Wirklichkeit geht es nicht nur um die persönliche Verantwortung der Erwachsenen oder der Jugendlichen, obgleich es sie gibt und sie nicht verborgen werden darf, sondern auch um eine weitverbreitete Atmosphäre, eine Mentalität und eine Form der Kultur, die Zweifel aufkommen lassen am Wert der menschlichen Person, und der Bedeutung der Wahrheit und des Guten und letztlich daran, dass das Leben gut ist. Dadurch wird es schwierig, Gültiges, Gewissheiten, Verhaltensregeln und glaubwürdige Ziele, um die herum man das eigene Leben aufbauen kann, von einer Generation an die nächste weiterzugeben.
Schreiben an die Diözese und die Stadt Rom über die dringende Aufgabe der Erziehung, 21. Januar 2008




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Habt keine Angst!
Liebe Brüder und Schwerstern [...] ich möchte Euch etwas sehr Einfaches sagen: Habt keine Angst! Denn all diese Schwierigkeiten [in der Erziehung] sind nicht unüberwindbar. Vielmehr sind sie sozusagen die Kehrseite der Medaille jenes grossen und kostbaren Geschenkes, das unsere Freiheit ist, mit der Verantwortung, die sie zu Recht begleitet. Im Gegensatz zum technischen oder wirtschaftlichen Bereich, wo man die Fortschritte von heute denen der Vergangenheit hinzufügen kann, gibt es im Bereich der Ausbildung und des sittlichen Wachstums der Personen eine solche Zuwachsmöglichkeit nicht, weil die Freiheit des Menschen stets neu ist und daher jede Person und jede Generation selbst aufs neue ihre Entscheidungen treffen muss. Und die grössten Werte der Vergangenheit können nicht einfach geerbt werden, sondern wir müssen sie uns durch eine oft schwer errungene persönliche Entscheidung aneignen und erneuern.
Schreiben an die Diözese und die Stadt Rom über die dringende Aufgabe der Erziehung, 21. Januar 2008



Der Bedarf an Werten wird dringend
Wenn jedoch die Fundamente [der grossen Werte der Vergangenheit] erschüttert sind und die grundlegenden Gewissheiten abhanden kommen, dann spürt man den Bedarf an jenen Werten wieder dringend: so wird heute ganz konkret der Ruf nach einer Erziehung, die wirklich eine solche ist, immer lauter. Er kommt von seiten der Eltern, denen die Zukunft ihrer Kinder Sorge und oft Angst macht. Von seiten vieler Lehrer, die die traurige Erfahrung des Niedergangs an ihren Schulen machen, von seiten der Gesellschaft als ganzer, die die Grundlagen des Zusammenlebens in Frage gestellt sieht. Es kommt auch aus dem Herzen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen selbst, die angesichts der Herausforderungen des Lebens nicht alleingelassen werden wollen. Wer an Jesus Christus glaubt, hat darüber hinaus noch einen weiteren und stärkeren Grund, keine Angst zu haben: Er weiss, dass Gott uns nicht verlässt, das seine Liebe uns erreicht, wo wir sind und wie wir sind, mit unserem Elend und unseren Schwächen, um uns eine neue Möglichkeit des Guten zu schenken.
Schreiben an die Diözese und die Stadt Rom über die dringende Aufgabe der Erziehung, 21. Januar 2008



Erfordernisse einer echten Erziehung
Liebe Brüder und Schwestern, um meine Reflexion konkreter zu machen, kann es hilfreich sein, einige allgemeine Erfordernisse einer echten Erziehung aufzuzeigen. Sie bedarf vor allem jener Nähe und jenes Vertrauens, die aus der Liebe entstehen: Ich denke dabei an jene erste und grundlegende Erfahrung der Liebe, die die Kinder bei ihren Eltern machen oder wenigstens machen sollten. Aber jeder wahre Erzieher weiss, dass er, um zu erziehen, etwas von sich selbst geben muss und dass er nur so seinen Schülern helfen kann, die Egoismen zu überwinden und ihrerseits zu echter Liebe fähig zu werden.
Bereits im kleinen Kind ist ausserdem ein grosses Verlangen nach Wissen und Verstehen vorhanden, das sich in seinen ständigen Fragen und Bitten um Erklärung zeigt. Wenn die Erziehung sich daher darauf beschränken würde, Kenntnisse und Informationen zu vermitteln, aber die grosse Frage nach der Wahrheit beiseite liesse, vor allem nach jener Wahrheit, die uns im Leben leiten kann, wäre sie eine sehr dürftige Erziehung.
Schreiben an die Diözese und die Stadt Rom über die dringende Aufgabe der Erziehung, 21. Januar 2008



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Auch das Leiden gehört zum Leben
Auch das Leiden gehört zur Wahrheit unseres Lebens. Wenn wir daher versuchen, die Kinder von jeder Schwierigkeit und Erfahrung des Schmerzes abzuschirmen, dann laufen wir Gefahr, trotz unserer guten Absichten schwache und wenig grossherzige Menschen heranwachsen zu lassen, denn die Fähigkeit zu lieben entspricht der Fähigkeit zu leiden - und gemeinsam zu leiden.
Schreiben an die Diözese und die Stadt Rom über die dringende Aufgabe der Erziehung, 21. Januar 2008



Das Gleichgewicht zwischen Freiheit und Disziplin
So kommen wir,[...] zum vielleicht heikelsten Punkt der Erziehungsarbeit: das richtige Gleichgewicht zu finden zwischen der Freiheit und der Disziplin. Ohne Verhaltens und Lebensregeln, die Tag für Tag auch in den kleinen Dingen zur Anwendung kommen, bildet sich der Charakter nicht aus, und es findet keine Vorbereitung auf die Prüfungen statt, die in Zukunft nicht fehlen werden. Die Erziehung ist jedoch vor allem eine Begegnung in Freiheit, und die gelungene Erziehung ist die Ausbildung zum rechten Gebrauch der Freiheit. Das Kind wächst nach und nach zum Jugendlichen und dann zum jungen Erwachsenen heran; wir müssen also das Risiko der Freiheit eingehen, aber stets darauf bedacht sein, ihm zu helfen, falsche Ideen und Entscheidungen zu korrigieren. Wir dürfen dagegen nie seine Fehler unterstützen oder so tun, als würden wir sie nicht sehen, oder schlimmer noch sie mit ihm teilen, so als seien sie die neuen Horizonte des menschlichen Fortschritts.
Schreiben an die Diözese und die Stadt Rom über die dringende Aufgabe der Erziehung, 21. Januar 2008



Verantwortung
In der Erziehung ist das Verantwortungsbewusstsein entscheidend: die Verantwortung des Erziehers natürlich, aber auch und mit zunehmenden Alter in immer grösserem Masse die Verantwortung des Kindes, des Schülers, des jungen Erwachsenen, der in die Arbeitswelt eintritt. Verantwortung ist, wer sich selbst und den anderen zu antworten vermag. Wer glaubt, versucht darüber hinaus und in erster Linie Gott zu antworten, der ihn zuerst geliebt hat.
Schreiben an die Diözese und die Stadt Rom über die dringende Aufgabe der Erziehung, 21. Januar 2008



Die Verantwortung der Gesellschaft
Die Verantwortung ist zunächst einmal persönlich, aber es gibt auch eine Verantwortung, die wir gemeinsam tragen, als Einwohner derselben Stadt und Angehörige einer Nation, als Mitglieder der Menschheitsfamilie und, wenn wir Gläubige sind, als Kinder des einen Gottes und Glieder der Kirche. In Wirklichkeit haben die Ideen, die Lebensstile, die Gesetze, die Gesamtausrichtung der Gesellschaft, in der wir leben, sowie das Bild, das sie von sich selbst durch die Medien vermittelt, einen grossen Einfluss auf die Ausbildung der jungen Generationen - zum Guten, aber oft auch zum Schlechten. Die Gesellschaft ist jedoch nichts Abstraktes;
bild letztendlich sind die Gesellschaft wir selbst, alle zusammen, mit den Ausrichtungen, den Regeln und den Vertretern, die wir uns geben, obgleich die Rollen und die Verantwortlichkeiten eines jeden unterschiedlich sind. Es bedarf daher des Beitrags eines jeden von uns, jeder Person, Familie oder Gesellschaftsgruppe, damit die Gesellschaft, [...] zu einem positiveren Umfeld für die Erziehung werde.
Schreiben an die Diözese und die Stadt Rom über die dringende Aufgabe der Erziehung, 21. Januar 2008



Hoffnung haben
Die Seele der Erziehung sowie des ganzen Lebens kann nur eine verlässliche Hoffnung sein. Heute ist unsere Hoffnung von vielen Seiten bedroht, und wir laufen Gefahr, wie die Heiden der Antike selbst wieder Menschen "ohne Hoffnung und ohne Gott in der Welt" zu werden, wie der Apostel Paulus an die Christen von Ephesus schrieb (Eph 2,12). Gerade hieraus entsteht die vielleicht grösste Schwierigkeit für eine echte Erziehungsarbeit, denn die Erziehungskrise wurzelt in einer Krise des Vertrauens in das Leben.
Schreiben an die Diözese und die Stadt Rom über die dringende Aufgabe der Erziehung, 21. Januar 2008



Erziehen war nie einfach
Erziehen war nie einfach, und heute scheint es immer schwieriger zu werden. Nicht wenige Eltern und Lehrer sind daher versucht, sich ihrer Aufgabe zu entpflichten, und verstehen nicht einmal mehr, was wirklich die ihnen anvertraute Sendung ist. Zu viele Unsicherheiten und Zweifel kursieren nämlich in unserer Gesellschaft und in unserer Kultur, zu viele verzerrte Bilder werden von den Massenmedien verbreitet. So wird es schwierig, den jungen Generationen etwas gültiges und Sicheres zu vermitteln, Verhaltensregeln und Ziele, für die zu leben es sich lohnt.
Ansprache bei der Audienz zur Übergabe des "Schreibens über die dringende Aufgabe der Erziehung", 23. Februar 2008



Vom klaren "Ja" Gottes getragen
Wir fühlen uns von einer grossen Hoffnung und von einem starken Vertrauen getragen: von der Gewissheit, dass jenes klare und endgültige "Ja", das Gott in Jesus Christus zur Menschheitsfamilie gesagt hat (vgl. 2 Kor 1,19-20), auch für unsere Jugendlichen und Heranwachsenden gilt, dass es für die Kinder gilt, vor denen sich heute das Leben ausbreitet. Darum ist die Erziehung zum Guten auch in unserer Zeit möglich. Sie ist eine Leidenschaft, die wir im Herzen tragen müssen. Sie ist ein gemeinsames Unternehmen, zu dem jeder aufgerufen ist, seinen Beitrag zu leisten.
Ansprache bei der Audienz zur Übergabe des "Schreibens über die dringende Aufgabe der Erziehung", 23. Februar 2008



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Das Vorbild eines tagtäglich gelebten Glaubens
Ich wende mich an euch, liebe Eltern, um euch vor allem zu bitten, stets und für immer an eurer gegenseitigen Liebe festzuhalten: Das ist das erste und grosse Geschenk, das eure Kinder brauchen, um harmonisch aufzuwachsen, Selbstvertrauen und Vertauen in das Leben zu gewinnen und so ihrerseits die Fähigkeit zu echter und grossherziger Liebe zu erlernen. Die Liebe zu euren Kindern muss euch auch den Stil und den Mut des wahren Erziehers geben, mit einem konsequenten Lebenszeugnis und auch mit der Strenge, die notwendig ist, um den Charakter der jungen Generationen zu festigen und ihnen zu helfen, das Gute vom Bösen klar und deutlich zu unterscheiden und sich ihrerseits feste Lebensregeln zu schaffen, die ihnen in zukünftigen Prüfungen Halt geben. So werdet ihr eure Kinder reich machen durch das kostbarste und beständigste Erbe: das Vorbild eines tagtäglich gelebten Glaubens.
Ansprache bei der Audienz zur Übergabe des "Schreibens über die dringende Aufgabe der Erziehung", 23. Februar 2008



Lehren: eine hohe und anspruchsvolle Aufgabe
Ich bitte euch, die Lehrer der Schulen verschiedener Art, eine hohe und grosse Auffassung von eurer anspruchsvollen Arbeit zu haben, - trotz der Schwierigkeiten, des Unverständnisses und der Enttäuschungen, die ihr allzuoft erfahrt. Lehren heisst nämlich, dem Wunsch nach Wissen und Verstehen entgegenzukommen, der dem Menschen innewohnt und der sich im Kind, im Jugendlichen, im Heranwachsenden in all seiner Kraft und Natürlichkeit zeigt.
Eure Aufgabe kann sich daher nicht darauf beschränken, Kenntnisse und Informationen zu vermitteln, und dabei die grosse Frage nach der Wahrheit beiseite lassen, vor allem jener Wahrheit, die den Weg durch das Leben weisen kann. Ihr seid nämlich im vollen Sinne Erzieher: Euch ist, in enger Zusammenarbeit mit den Eltern, die hohe Kunst der Bildung der Person anvertraut. Besonders diejenigen, die an den katholischen Schulen unterrichten, mögen jenen Erziehungsplan, in dessen Mittelpunkt Jesus, der Herr, und sein Evangelium stehen, in sich tragen und im täglichen Handeln umsetzen.
Ansprache bei der Audienz zur Übergabe des "Schreibens über die dringende Aufgabe der Erziehung", 23. Februar 2008



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Verlässliche Freunde sein
Und ihr, Liebe Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen, Katecheten, Animatoren und Ausbilder der Pfarreien, der Jugendgruppen, der kirchlichen Vereinigungen und Bewegungen, der Jugendzentren, der Sport- und Freizeiteinrichtungen, sollt versuchen, gegenüber den Kindern und Jugendlichen, denen ihr euch zur Seite stellt, stets so gesinnt zu sein, wie es dem Leben in Jesus Christus entspricht (vgl. Phil 2,5). Seid also verlässliche Freunde, in denen sie die Freundschaft Jesu zu ihnen Konkret wahrnehmen können, und seid gleichzeitig aufrichtige und mutige Zeugen jener Wahrheit, die befreit (vgl. Joh 8,32) und den jungen Generationen den Weg zeigt, der zum Leben führt.
Ansprache bei der Audienz zur Übergabe des "Schreibens über die dringende Aufgabe der Erziehung", 23. Februar 2008



Verantwortung übernehmen
Die Erziehung ist jedoch nicht nur das Werk der Erzieher, sondern sie ist eine Beziehung zwischen Personen, bei der im Laufe der Jahre die Freiheit und die Verantwortung derer, die erzogen werden, immer mehr ins Spiel kommen. Daher wende ich mich mit grosser Zuneigung an euch, die Kinder, Heranwachsenden und Jugendlichen, um euch in Erinnerung zu rufen, dass ihr dazu berufen seid, selbst die Verantwortung zu übernehmen für euer sittliches, kulturelles und geistliches Wachstum. Es liegt also an euch, das Erbe der Wahrheit, des Guten und des Schönen, das sich im Laufe der Jahrhunderte herausgebildet hat und das in Jesus Christus seinen Eckstein besitzt, im Herzen, im Verstand und im Leben frei aufzunehmen.
Ansprache bei der Audienz zur Übergabe des "Schreibens über die dringende Aufgabe der Erziehung", 23. Februar 2008



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Erziehung ist notwendig zur dauerhaften Evangelisierung
Ohne Erziehung gibt es tatsächlich keine dauerhafte und tiefe Evangelisierung, gibt es kein Wachstum und kein Heranreifen, gibt es keinen Wandel der Mentalität und der Kultur. Die jungen Menschen haben ein tiefes Verlangen nach einem erfüllten Leben, nach wahrer Liebe, nach konstruktiver Freiheit; aber leider werden ihre Erwartungen oft enttäuscht und gelangen nicht zur Verwirklichung. Es ist unerlässlich, den jungen Menschen zu helfen, den Wert der Ressourcen zu erkennen, die sie in sich tragen - wie Dynamik und positive Wünsche -, sie mit Angeboten zu konfrontieren, die reich sind an Menschlichkeit und Werten des Evangeliums, und sie anzuspornen, sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen durch Arbeit, Engagement und Einsatz für das Gemeinwohl.
Schreiben an die Teilnehmer am Generalkapitel der Salesianer Don Boscos, 1. März 2008



Ein gesundes Verständnis von Sexualität
Die Kinder haben ein Recht darauf, mit einem gesunden Verständnis von Sexualität und der ihr eigenen Rolle in den menschlichen Beziehungen aufzuwachsen. Sie sollten von den degradierenden Manifestationen und der heute so weit verbreiteten rohen Manipulation der Sexualität verschont werden. Sie haben ein Recht darauf, in den echten moralischen Werten, die in der Würde des Menschen verwurzelt sind, erzogen zu werden.
Ansprache bei der Begegnung mit den Bischöfen der USA in Washington, 16. April 2008



Alle haben eine Rolle zu spielen
Was heisst es, vom Schutz des Kindes zu reden, wenn in so vielen Häusern über die heute weithin zugänglichen Medien Pornographie und Gewalt angeschaut werden können? Wir müssen dringend die Werte wieder stärken, die die Gesellschaft tragen, damit den jungen Menschen wie auch den Erwachsenen eine gesunde moralische Bildung angeboten werden kann. Alle haben in dieser Aufgabe eine Rolle zu spielen - nicht nur die Eltern, die religiösen Führer, die Lehrer und Katecheten, sondern auch die Massenmedien und die Unterhaltungsindustrie. In der Tat kann jedes Mitglied der Gesellschaft zu dieser moralischen Erneuerung beitragen und von ihr profitieren. Sich wirklich um die jungen Menschen und um die Zukunft unserer Zivilisation zu kümmern heisst, das wir unsere Verantwortung anerkennen, die wahren moralischen Werte, die allein den Menschen zu seiner vollen Entfaltung befähigen, zu fördern und aus ihnen zu leben.
Ansprache bei der Begegnung mit den Bischöfen der USA in Washington, 16. April 2008



Die Kirche im Bildungswesen
Manche ziehen heute den Einsatz der Kirche im Bildungswesen in Zweifel und fragen sich, ob ihre Mittel nicht besser anderswo eingesetzt werden sollten. Gewiss stellt in einer Nation wie dieser der Staat beträchtliche Möglichkeiten für Erziehung und Bildung bereit und wirbt engagierte und grossherzige Männer und Frauen an, um sie für diesen ehrenwerten Beruf zu gewinnen. Es ist also an der Zeit, darüber nachzudenken, was das Besondere unserer katholischen Einrichtungen ausmacht. Wie tragen sie durch den vorrangigen Evangelisierungsauftrag der Kirche zum Wohl der Gesellschaft bei?
Ansprache bei Besuch der Katholischen Universität in Washington D.C., 16. April 2008



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Den Glauben spürbar machen
Dieselbe Dynamik gemeinschaftlicher Identität - zu wem gehöre ich? - beseelt das Ethos unserer katholischen Institutionen. Die katholische Identität einer Universität oder Schule ist nicht bloss eine Frage der Anzahl der katholischen Schüler und Studenten. Es ist eine Frage der Überzeugung - glauben wir wirkliche, dass sich nur im Geheimnis des fleischgewordenen Wortes das Geheimnis des Menschen wahrhaft aufklärt (vgl. Gaudium et spes, 22)? Sind wir bereit, unser ganzes Selbst - Verstand und Willen, Geist und Herz - Gott anzuvertrauen? Nehmen wir die Wahrheit an, die Christus offenbart? Ist der Glaube in unseren Universitäten und Schulen spürbar? Wird er in der Liturgie, in den Sakramenten, durch das Gebet, durch Werke der Nächstenliebe, durch die Sorge um Gerechtigkeit und die Achtung für Gottes Schöpfung sinnfällig zum Ausdruck gebracht? Nur auf diese Weise geben wir wirklich Zeugnis vom Sinn dessen, wer wir sind und was uns wichtig ist.
Ansprache bei Besuch der Katholischen Universität in Washington D.C., 16. April 2008



Religiöse Erziehung
Ich möchte auch ein besonderes Wort der Ermutigung an die Religionslehrer, Laien wie auch Ordensangehörige, richten, die sich um die täglich wachsende Wertschätzung junger Menschen für das Geschenk des Glaubens bemühen. Religiöse Erziehung ist ein herausforderndes Apostolat, doch unter den jungen Menschen gibt es viele Zeichen für ihren Wunsch, etwas über den Glauben zu erfahren und ihn kraftvoll zu praktizieren. Wenn dieses Erwachen wachsen soll, brauchen die Lehrer ein klares und präzises Verständnis der besonderen Natur und Rolle der katholischen Erziehung. Sie müssen auch bereit sein, die von der ganzen Schulgemeinschaft eingegangene Verpflichtung durchzuführen, unsere jungen Menschen und ihr Familien dabei zu unterstützen, die Eintracht zwischen Glaube, Leben und Kultur zu erfahren.
Ansprache bei Besuch der Katholischen Universität in Washington D.C., 16. April 2008



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Der wahre Sinn der Liebe
Leider wird man jedoch immer häufiger Zeuge trauriger Ereignisse, die die Jugendlichen betreffen, deren Reaktionen zeigen, dass sie die Geheimnisse des Lebens und die gefährlichen Auswirkungen ihres Handelns nicht richtig kennen. Die dringende Notwendigkeit der Erziehung, auf die ich oft Bezug nehme, beinhaltet vorrangig das Thema des Lebens. Ich wünsche wirklich, dass vor allem den jungen Menschen ganz besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird, damit sie lernen können, was der wahre Sinn der Liebe ist, und durch eine geeignete Sexualerziehung darauf vorbereitet werden, ohne sich durch oberflächliche Botschaften ablenken zu lassen, die es verhindern, zum Wesentlichen der Wahrheit, die auf dem Spiel steht, zu gelangen.
Ansprache an die Teilnehmer am Internationale Kongress anlässlich des 40.Jahrestages der Enzyklika "Humanae vitae", 10. Mai 2008



Freiheit muss mit Wahrheit und Verantwortung verbunden sein
Es macht einer Gesellschaft, die sich auf freiheitliche und demokratische Grundsätze beruft, keine Ehre, falsche Illusionen im Bereich der Liebe zu vermitteln oder über die wahre Verantwortung, die man durch die Ausübung der eigenen Sexualität übernehmen muss, hinwegzutäuschen. Die Freiheit muss mit Wahrheit und Verantwortung verbunden sein, mit der Kraft der Hingabe an den anderen , die auch das Opfer einschliesst; ohne diese Elemente wächst die menschliche Gemeinschaft nicht , und es droht die Gefahr, sich in einem Kreis des alles erstickenden Egoismus zu verschliessen.
Ansprache an die Teilnehmer am Internationale Kongress anlässlich des 40.Jahrestages der Enzyklika "Humanae vitae", 10. Mai 2008



Die Leidenschaft für das Wahre und Gute nähren
Ich ermutige Sie als Erzieher, die Leidenschaft für das Wahre und das Gute, die in jungen Menschen immer stark vorhanden ist, zu nähren und zu belohnen. Helfen Sie ihnen, sich ganz der Suche nach der Wahrheit hinzugeben. Lehren Sie sie jedoch auch, dass ihre Leidenschaft für die Wahrheit, der ein gewisser methodologischer Skeptizismus durchaus dienlich sein kann, besonders in Angelegenheiten öffentlichen Interesses nicht verzerrt und zum relativistischen Zynismus werden darf, der jeden Anspruch auf Wahrheit und Schönheit grundsätzlich ablehnt oder unbeachtet lässt.
Ansprache für die Teilnehmer an einem Kongress für die sozialen Kommunikationsmittel, 23. Mai 2008



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Der Wert der bäuerlichen Familie
Der globale Anstieg der Agrarproduktion kann aber nur dann wirksam sein, wenn er begleitet wird von der effektiven Verteilung dieser Produktion und wenn sie vor allen Dingen für die Befriedigung der Grundbedürfnisse bestimmt ist. Es handelt sich sicherlich um einen nicht einfachen Weg, der aber unter anderem auch erlauben würde, den Wert der bäuerlichen Familie wiederzuentdecken: sie beschränkt sich nicht darauf, dass die Anbaumethoden, die Methoden der Konservierung und Verteilung der Nahrungsmittel von den Eltern an die Kinder weitergegeben werden, sondern sie ist vor allem ein Lebensmodell, ein Muster der Erziehung ,der Kultur und der Religiosität. Ausserdem sichert sie in ökonomischer Hinsicht eine wirksame und liebevolle Aufmerksamkeit für die Bedürftigsten und kann durch das Subsidiaritätsprinzip eine direkte Rolle in der Verteilungs- und Kommerzialisierungskette der zur Ernähung bestimmen Agrarprodukte spielen, indem sie die Zwischenhandelskosten reduziert und die Produktion in kleinem Massstab fördert.
Botschaft zum Gipfeltreffen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), 2. Juni 2008



Die Weitergabe des Glaubens
Für uns Bischöfe, für unsere Priester, für die Katecheten und für die ganze christliche Gemeinschaft hat der Erziehungsnotstand einen eigenen präzisen Aspekt: die Weitergabe des Glaubens an die jungen Generationen. Auch hier, und in gewissem Sinn ganz besonders hier, müssen wir mit den Hindernissen rechnen, die der Weitergabe des Glaubens vom Relativismus in den Weg gelegt werden, von einer Kultur, die Gott ausklammert, den Mut zu jeder wirklich verbindlichen und insbesondere definitiven Entscheidung nimmt und dagegen in den verschiedenen Lebensbereichen die Selbstbehauptung, und die unmittelbaren Befriedigungen bevorzugt.
Ansprache an der Vollversammlung der Italienischen Bischofskonferenz, 29. Mai 2008



Die Erziehung leistet einen grossen Beitrag zur Seele der Nation
Der Geist eines Staates wird auf vielen Ebenen geprägt. Das häuslich-familiäre Umfeld ist der Ort, wo die Kinder die wesentlichen Werte der Verantwortung und des harmonischen Zusammenlebens lernen. Aber es ist auch der Ort, wo Vorurteile erzeugt oder aufgehoben werden. Alle Eltern haben deshalb die ernstzunehmende Pflicht, ihren Kindern durch das Vorbild die Achtung vor der Würde beizubringen, die jeden Menschen unabhängig von seiner ethnischen, religiösen oder sozialen Zugehörigkeit kennzeichnet. Auf diese Weise kann der helle Schein eines anständigen, in Redlichkeit, Aufrichtigkeit und Mitgefühl geführten Lebens als nachahmenswertes Vorbild für die jungen Menschen, tatsächlich aber für alle, erstrahlen. Die Erziehung leistet auch einen grossen Beitrag zur Seele der Nation.
Ansprache an die neue Botschafterin von Bosnien und Herzegowina, 18. September 2008



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Formung in staatsbürgerlicher und geistlicher Hinsicht
Ein guter Schulunterricht kümmert sich nicht nur um die Entwicklung der Erkenntnisfähigkeit der Kinder, sondern auch um ihre Formung in staatsbürgerlicher und geistlicher Hinsicht. Lehrer, die ihren edlen Beruf mit einer Leidenschaft für die Wahrheit ausüben, können viel dazu beitragen, anthropologische Vorstellungen, die den Keim der Feindseligkeit in sich tragen, unglaubwürdig zu machen (vgl. Botschaft zum Weltfriedenstag 2007, 10) und eine Anerkennung der kulturellen und religiösen Vielfalt im Leben eines Landes zu fördern.
Ansprache an die neue Botschafterin von Bosnien und Herzegowina, 18. September 2008



Die grösste Sorge des Heiligen Vaters
Die jungen Menschen sind meine grösste Sorge. Einige von ihnen haben Mühe, eine ihnen angemessene Orientierung zu finden. Oder leiden unter dem Verlust von Bezugspunkten in ihrem Familienleben. Andere wieder erfahren die Grenzen von religiösen Gemeinden und Gruppen. Bisweilen an den Rand der Gesellschaft gedrängt und häufig sich selbst überlassen, sind sie anfällig und müssen sich allein mit einer Wirklichkeit auseinandersetzen, die sie überfordert. Darum ist es notwendig, ihnen gute Rahmenbedingungen für die Erziehung zu bieten und sie zu gegenseitiger Achtung und Hilfe zu ermutigen, damit sie unbeschwert das Erwachsenenalter erreichen.
Ansprache bei der Begrüssungszeremonie im Élysée-Palast in Paris, 12. September 2008


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