Heilige Männer




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Padre Pio
In unserer Zeit ragt besonders die Gestalt des hl. Pio von Pietrelcina heraus, an den wir am kommenden Freitag erinnern werden. Bei der Feier der heiligen Messe durchlebte er das Geheimnis des Kalvarienberges mit so tiefer Anteilnahme, dass er dadurch den Glauben und die Frömmigkeit aller stärkte. Auch die Wundmale, die Gott ihm schenkte, waren Ausdruck seiner inneren Angleichung an den gekreuzigten Christus.
Angelus im Castelgandolfo, 18. September 2005



Die Werke Padre Pio's
Dem von Nächstenliebe brennenden Herzen von Pater Pio entsprang die "Casa Sollievo della Sofferenza", die bereits in ihrem Namen die zugrunde liegende Idee offenbart, aus der heraus sie entstanden ist, sowie das Programm, das zu verwirklichen ihr Ziel ist. Pater Pio wollte sie "Casa" – "Haus" oder "Zuhause" – nennen, weil die Kranken, besonders die Armen, sich dort wohlfühlen sollten, aufgehoben in familiärer Atmosphäre, und sie in diesem Haus "Sollievo" – "Linderung" – ihres Leidens finden sollten, eine Linderung, die zwei sich überschneidenden Kräften zu verdanken ist: dem Gebet und der Wissenschaft. Das war die Idee des Gründers, die man immer vor Augen haben sollte und die sich alle, die in dem Krankenhaus arbeiten, zu eigen machen müssen. Der Glaube an Gott und die wissenschaftlichen Forschung wirken zusammen mit demselben Ziel, das sich am besten mit den Worten Jesu selbst ausdrücken lässt: "damit sie das Leben haben und es in Fülle haben" (Joh 10,10). Ja, Gott ist Leben und will, dass der Mensch von jedem leiblichen und geistliche Leiden geheilt werde.
Ansprache an die Pater-Pio-Gebetsgruppen, 14. Oktober 2006



Padre Pio, ein Mann Gottes
Pater Pio war vor allem ein "Mann Gottes". Von Kindheit an hat er sich von Ihm gerufen gefühlt und "mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft" (Dtn 6,5) geantwortet. So konnte die göttliche Liebe von seiner bescheidenen Person Besitz ergreifen und ihn zu einem auserwählten Werkzeug ihrer Heilspläne machen. Gelobt sei Gott, der zu allen Zeiten einfache und hochherzige Seelen auswählt, um Grosses zu tun (vgl. Lk 1,49)!
Ansprache an die Pater-Pio-Gebetsgruppen, 14. Oktober 2006



Charles de Foucauld
Danken wir für das Zeugnis, das Charles de Foucauld gegeben hat. Durch sein Kontemplatives und verborgenes Leben in Nazaret stiess er auf die Wahrheit der Menschheit Jesu und fordert uns so auf, das Geheimnis der Menschwerdung zu betrachten. An jenem Ort hat er viel über den Herrn gelernt, dem er in Demut und Armut nachfolgen wollte. Er entdeckte, dass Jesus, der unsere menschliche Natur angenommen hat, uns zu der universalen Brüderlichkeit einlädt, die er später in der Sahara lebte, und zu jener Liebe, die Christus uns vorgelebt hat. In den Mittelpunkt seines Daseins als Priester stellte er die Eucharistie und das Evangelium, die beiden Tische des Wortes und des Brotes, Quelle des christlichen Lebens und der Mission.
Seligsprechung von Charles de Foucauld, 13. November 2005



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Felix von Nicosia
In einer Welt, die von der starken Verlockung des Scheins und von der Suche nach egoistischem Wohlergehen gekennzeichnet ist, erinnert der hl. Felix von Nicosia alle Menschen daran, dass die wahre Freude oft hinter den kleinen Dingen verborgen ist und man sie erreicht, wenn man im Geist der Dienstbereitschaft seine Pflicht tut. Ich wünsche von Herzen, dass Ihr euch mit seiner Hilfe und seiner Fürsprache jene bedeutende Botschaft des Glaubens und der Spiritualität zu eigen machen könnt, die der Heilige von Nicosia bis heute an seine Mitbrüder und an alle Gläubigen richtet: immer stärker am Willen Gottes festzuhalten, um darin wahren Frieden, vollständige Selbstverwirklichung und vollkommene Freude zu finden.
Sonderaudienz, 24. Oktober 2005



Kardinal Clemens August Graf von Galen
Mit Freude vereine ich mich mit euch allen in der Verehrung des neuen Seligen Kardinal Clemens August Graf von Galen. Wir alle, und besonders wir Deutschen, sind dankbar, dass und der Herr diesen grossen Zeugen des Glaubens geschenkt hat, der in finsterer Zeit das Licht der Wahrheit aufgerichtet und der Mut des Widerstands gegen die Macht der Tyrannei gezeigt hat. Aber wir sollen uns auch fragen: "Von woher kam ihm diese Einsicht in einer Zeit, in der gescheite Leute der Verblendung verfielen? Und von woher kam ihm die Kraft zum Widerstand in einem Augenblick, in dem auch starke Menschen sich schwach und feige gezeigt haben?" Einsicht und Mut sind ihm aus dem glauben gekommen, der ihm die Wahrheit gezeigt, das Herz und die Augen dafür geöffnet hat, und weil er Gott mehr fürchtete als die Menschen, der ihm den Mut gegeben hat, zu tun und zu sagen, was andere nicht zu tun und zu sagen wagten. So gibt er uns Mut, ja er trägt uns auf, heute wieder den Glauben neu zu leben, und er zeigt uns auch, wie das geht – in ganz einfachen, demütigen und doch grossen und tiefreichenden Dingen. Denken wir daran, dass er sehr oft zu Fuss zur Muttergottes nach Telgte gepilgert ist, dass er die ewige Anbetung in St. Servatius eingeführt hat, dass er oft im Sakrament der Busse die Gnade der Vergebung erbeten und geschenkt bekommen hat. So zeigt er uns diese einfache Katholizität, in der der Herr uns begegnet, in der er uns das Herz aufmacht und uns so Unterscheidung der Geister, Mut des Glaubens und die Freude daran gibt, dass wir Erlöste sind. Wir danken dem Herrn für diesen grossen Zeugen und bitten darum, dass er uns leuchte und führe. Seliger Kardinal Graf von Galen, bitte gerade in dieser Stunde für uns, für die Kirche in Deutschland und in der ganzen Welt Amen.
Seligsprechung von Clemens August Graf von Galen, 9.Oktober 2005



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Aktuelle Botschaft des Seligen von Galen
Genau dies ist die stets aktuelle Botschaft des Seligen von Galen: Der Glaube beschränkt sich nicht auf ein privates Empfinden, dass man gegebenenfalls verheimlicht, wenn es unbequem wird, sondern er erfordert Konsequenz und Zeugnis auch in der öffentlichkeit zugunsten des Menschen, der Gerechtigkeit und der Wahrheit.
Angelus, 9. Oktober 2005



Heiliger Josef, der Schweigende
Das Schweigen Josefs ist nicht Ausdruck innerer Leere, sondern im Gegenteil der Fülle des Glaubens, den er im Herzen trägt und der alle seine Gedanken und Handlungen leitet. Durch dieses Schweigen bewahrt Josef gemeinsam mit Maria das Wort Gottes, das er in der Heiligen Schrift kennengelernt hatte, und stellt ihm fortwährend die Ereignisse im Leben Jesu gegenüber; sein Schweigen ist durchdrungen vom beständigem Gebet - ein Gebet des Lobpreises an dem Herrn, der Anbetung seines heiligen Willens und der vollkommenen Hingabe an seine Vorsehung. Man übertreibt nicht, wenn man denkt, dass - auf menschlicher Ebene - Jesus von seinem "Vater" Josef jene starke Innerlichkeit lernte, die Voraussetzung der wahren Gerechtigkeit ist, jener "grösseren Gerechtigkeit" nämlich (vgl. Mt 5,20), die Jesus eines Tages seine Jünger lehren wird.
Angelus, 18. Dezember 2005, 4. Adventssonntag



Heiliger Josef, der Arbeiter
Das Vorbild des hl. Josef ist für uns alle ein eindringlicher Aufruf, die Aufgabe, die uns von der Vorsehung anvertraut wurde, in Treue, Einfachheit und Bescheidenheit zu erfüllen. Ich denke vor allem an die Familienväter und -mütter, und ich bete dafür, dass sie die Schönheit eines einfachen, arbeitsamen Lebens stets zu schätzen wissen, indem sie ihre eheliche Beziehung sorgfältig pflegen und ihren grossen und nicht einfachen Erziehungsauftrag mit Begeisterung wahrnehmen. Für die Priester, die die Vaterschaft gegenüber den kirchlichen Gemeinschaften ausüben, erwirke der hl. Josef, dass sie die Kirche mit Zuneigung und voller Hingabe lieben, und er unterstütze die geweihten Menschen in ihrer freudigen und treuen Befolgung der evangelischen Räte der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams. Er beschütze die Arbeiter der ganzen Welt, damit sie durch ihre unterschiedlichen Berufe zum Fortschritt der gesamten Menschheit beitragen, und helfe jedem Christen, den Willen Gottes vertrauens- und liebevoll zu erfüllen, um auf diese Weise an der Vollendung des Heilswerks mitzuarbeiten.
Angelus, 19. März 2006



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Heiliger Josef, Vertrauter unserer Gebete
Liebe Freunde, in wenigen Tagen feiern wir das Fest des hl. Josef, des Schutzpatrons der Arbeiter. [...] Da ich meinerseits auch seinen Namen trage, freue ich mich, ihn euch heute nicht nur als himmlischen Beschützer und Fürsprecher für jede verdienstvolle Initiative zu empfehlen, sondern vor allem als Vertrauten eures Gebets und eurer alltäglichen Verpflichtungen, die sicher viele Genugtuungen und Enttäuschungen mit sich bringen, als Vertrauten eurer täglichen und, ich würde sagen, hartnäckigen Suche nach der Gerechtigkeit Gottes in den menschlichen Angelegenheiten.
Ansprache an die Italienische Christliche Union der Unternehmer, 4. März 2006



Stephanus
Wie Jesus sich am Kreuz dem Vater vollständig hingegeben und seinen Peinigern vergeben hat, so betet auch Stephanus in seiner Todesstunde und sagt: "Herr, Jesus, nimm meinen Geist auf! und "Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! (vgl. Apg 7,59-60). Stephanus ist ein echter Jünger Jesu und handelt genauso wie er. Mit ihm beginnt jene lange Reihe von Märtyrern, die ihren Glauben mit dem Opfer des Lebens besiegelten und durch ihr heldenhaftes Zeugnis verkündeten, dass Gott Mensch wurde, um den Menschen das Himmelreich zu öffnen.
Angelus, 26. Dezember 2005



Hl. Ignatius von Loyola
Der hl. Ignatius von Loyola war vor allem ein Mann Gottes, der an die erste Stelle in seinem Leben Gott, die grössere Ehre Gottes und den grösseren Dienst für Gott setzte; er war ein Mann des tiefen Gebets, dessen Mittel- und Höhepunkt die tägliche Eucharistiefeier war. Auf diese Weise hat er seinen Schülern ein kostbares geistliches Erbe hinterlassen, das nicht verlorengehen oder vergessen werden darf. Gerade weil er ein Mann Gottes war, war Ignatius ein treuer Diener der Kirche, in der er die Braut des Herrn und die Mutter der Christen sah und verehrte. Und aus dem Verlangen heraus, der Kirche auf möglichst nützliche und wirksame Weise zu dienen, ist das Gelübde des besonderen Gehorsams gegenüber dem Papst entstanden, das er selbst als "unser Richtmass und Fundament "bezeichnete.
Ansprache an die Teilnehmer einer Pilgerfahrt der Gesellschaft Jesu, 22. April 2006



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Hl. Franz Xaver
Der hl. Franz Xaver, den mein Vorgänger seligen Angedenkens Pius XI. zum "Patron der katholischen Missionen" erklärt hat, spürte, dass er gesandt war, dem Evangelium "auf dem riesigen asiatischen Kontinent neue Wege zu eröffnen". Sein Apostolat im Fernen Osten dauerte nur knappe zehn Jahre; es hat sich aber in den viereinhalb Jahrhunderten, seit denen die Gesellschaft Jesu besteht, auf wunderbare Weise als fruchtbar erwiesen, da sein Beispiel unter den jungen Jesuiten sehr viele Berufungen für die mission hervorgerufen hat und bis heute dazu aufruft, die Missionstätigkeit in den grossen Ländern des asiatischen Kontinents weiterzuführen.
Ansprache an die Teilnehmer einer Pilgerfahrt der Gesellschaft Jesu, 22. April 2006



Sel. Petrus Faber
Der sel. Petrus Faber, ein bescheidener, einfühlsamer Mann mit einem tiefen Innenleben, besass die Gabe, freundschaftliche Beziehungen zu Menschen jeder Art zu knüpfen, wodurch er viele junge Männer für die Gesellschaft Jesu gewann. Er verbrachte sein kurzes Leben in verschiedenen europäischen Ländern, besonders in Deutschland, wo er im Auftrag Pauls III. auf den Reichstagen von Worms, Regensburg und Speyer an den Gesprächen mit den führenden Köpfen der Reformation teilnahm. So hatte er Gelegenheit, das Gelübde des besonderen Gehorsams gegenüber dem Papst "in bezug auf die Sendungen" in ganz aussergewöhnlicher Weise zu erfüllen, und wurde so für alle künftigen Jesuiten zu einem Vorbild, dem sie folgen sollten.
Ansprache an die Teilnehmer einer Pilgerfahrt der Gesellschaft Jesu, 22. April 2006



Heiliger Jakobus, der Apostel
Vom hl. Jakobus können wir also vieles lernen; die Bereitschaft, den Ruf des Herrn anzunehmen, auch wenn er uns auffordert, das "Boot" unserer menschlichen Sicherheiten zu verlassen; die Begeisterung, ihm auf den Wegen zu folgen, die er uns zeigt. Jenseits all unserer illusorischen Anmassung; die Bereitschaft, mutig für ihn Zeugnis abzulegen, wenn es sein muss, bis zum höchsten Opfer des Lebens. So steht Jakobus der ältere vor uns als beredtes Vorbild grossherziger Treue zu Christus. Er, der anfangs durch seine Mutter die Bitte ausgesprochen hatte, zusammen mit seinem Bruder neben dem Meister in dessen Reich zu sitzen, war der erste, der den Kelch des Leidens trank, das Martyrium mit den Aposteln teilte.
Generalaudienz, 21. Juni 2006


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Bernhard von Clairvaux
Heute nennt der Kalender unter den Tagesheiligen den hl. Bernhard von Clairvaux, den grossen Kirchenlehrer, der zwischen dem 11. Und dem 12. Jahrhundert lebte (1091-1153). Sein Vorbild und seine Lehre erweisen sich auch in unserer Zeit als äusserst nützlich. Er hatte sich nach einer Zeit schweren inneren Ringens von der Welt zurückgezogen und wurde im Alter von 25 Jahren zum Abt des Zisterzienserklosters von Clairvaux gewählt, dessen Leitung er 38 Jahre lang, bis zu seinem Tod, innehatte. Die Hingabe an das Schweigen und die Betrachtung hinderte ihn nicht daran, umfassende apostolische Arbeit zu leisen. Er war auch vorbildlich aufgrund der Ernsthaftigkeit, mit der er darum kämpfte, sein heftiges Temperament zu beherrschen, sowie aufgrund der Demut, mit der er die eigenen Grenzen und Fehler einzugestehen wusste.
Angelus, 20. August 2006



Die Theologie des hl. Bernhard von Clairvaux
Der Reichtum und der grosse Wert seiner [des Hl. Bernhard von Clairvaux] Theologie liegen nicht so sehr darin, dass er neue Wege beschritten hätte, sondern vielmehr darin, dass es ihm gelungen ist, die Glaubenswahrheiten in einem Stil darzulegen, der so klar und eindrücklich ist, dass er den Hörer in seinen Bann zieht und seinen Geist zur Sammlung und zum Gebet bereitet. Man spürt in jeder seiner Schriften den Widerhall einer reichen inneren Erfahrung, die er anderen mit erstaunlicher überzeugungskraft vermitteln konnte. Für ihn ist die grösste Kraft des geistlichen Lebens die Liebe. Gott, der die Liebe ist, schafft den Menschen aus Liebe, und aus Liebe erlöst er ihn; das Heil aller Menschen, die von der Erbschuld tödlich verwundet sind und belastet von den persönlichen Sünden, besteht darin, festzuhalten an der göttlichen Liebe, die uns im gekreuzigten und auferstandenen Christus vollkommen offenbart wurde. In seiner Liebe heilt Gott unseren erkrankten Willen und unsere erkrankte Intelligenz und erhebt sie zum höchsten Grad der Vereinigung mit ihm: zur Heiligkeit und zur mystischen Vereinigung.
Angelus, 20. August 2006



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Aus den Werken des hl. Bernhard von Clairvaux
Die an Papst Eugen III. gerichtete Schrift "De consideratione": Vorherrschendes Thema ist hier, in diesem sehr persönlichen Buch, die Bedeutung der inneren Sammlung – und er spricht zu einem Papst-, ein wesentliches Element der Frömmigkeit. Man muss sich, sagt der Heilige, vor den Gefahren übermässiger Aktivität hüten, welchen Stellung und welches Amt auch immer man innehat, denn – so sagt er zum damaligen Papst, zu allem Päpsten und zu uns allen – die vielen Tätigkeiten führen oft zur "Herzenshärte", "sind nichts anderes als Leiden des Geistes, Verwirrung der Intelligenz, Vergeudung der Gnade" (II,3). Die Ermahnung gilt für alle Arten von Tätigkeit, auch für jene, die mit der Leitung der Kirchen zusammenhängen. Das Wort, das Bernhard diesbezüglich an den Papst richtet, der sein Schüler in Clairvaux gewesen war, ist provokatorisch. Er schreibt: "Du siehst, wohin dich diese verdammten Tätigkeiten treiben können, wenn du dich weiter in ihnen verlierst... sie lassen dir nichts von dir selbst"(ebd.). Wie nützlich ist auch uns diese Ermahnung zum Primat des Gebets und der Betrachtung! Ihn in unserm Leben umzusetzen, dazu helfe uns der hl. Bernhard, der das Streben des Mönches nach Einsamkeit und klösterlicher Stille mit der Dringlichkeit wichtiger und komplexer Aufgaben im Dienst der Kirchen in Einklang zu bringen wusste.
Angelus, 20. August 2006



Heiliger Augustinus
Was nun den hl. Augustinus betrifft, so war sein ganzes Leben eine leidenschaftliche Suche nach der Wahrheit. Zu guter Letzt, und nicht ohne lange innere Kämpfe, entdeckte er in Christus den endgültigen und vollen Sinn des eigenen Lebens und der gesamten Menschheitsgeschichte. In jungen Jahren war er von der irdischen Schönheit angezogen und "stürzte" sich – wie er selbst sagte (vgl. Bekenntnisse 10,27-38)- in egoistischer und besitzergreifender Weise auf sie, mit einem Verhalten, das seiner frommen Mutter nicht wenig Kummer bereitete. Durch einen mühevollen Weg jedoch, und auch dank der Gebete seiner Mutter, öffnete sich Augustinus immer mehr der Fülle der Wahrheit und der Liebe bis hin zu seiner Bekehrung, die in Mailand unter der leitenden Hand des heiligen Bischofs Ambrosius erfolgte. Augustinus wird deshalb stets ein Vorbild des Weges zu Gott, der höchsten Wahrheit und dem höchsten Gut, bleiben.
Angelus, 27. August 2006



Apostel Matthäus
In der heutigen Katechese wollen wir unser Augenmerk auf den Apostel Matthäus richten. [...] Sein Name bedeutet "Geschenk Gottes" und erscheint in allen Apostellisten. Das erste Evangelium trägt seinen Namen und stellt ihn uns als Zöllner vor (Mt 9,9; 10,3), das heisst als Steuereintreiber, und setzt ihn mit dem Levi des Markus- und des Lukasevangeliums gleich. Der Herr scheut sich also nicht, in den Kreis seiner engsten Jünger einen Menschen aufzunehmen, den die Leute als Sünder und als Kollaborateur der verhassten Fremdherrschaft ablehnten und mieden. Christus, das will uns damit gesagt sein, schliesst keinen von seiner Freundschaft aus. Gerade den sündig gewordenen Menschen will er die Gnade Gottes anbieten. Die Begegnung mit dem Herrn ändert das Leben dieses Zöllners Matthäus. Das Evangelium sagt uns: Er stand auf und folgte Jesus. Er löst sich auf den Ruf des Herrn hin von seinen sündigen Gewohnheiten – auch von dem Vermögen, das er wohl hatte – und beginnt ein neues Leben mit dem Herrn. Mit Blick auf Matthäus können wir daher sagen: Wer zunächst dem Anschein nach weit von der Heiligkeit entfernt ist, kann zu einem wirklichen Jünger Jesu Christi, ja zu einem Vorbild werden für einen Menschen, der bereit ist, die Barmherzigkeit Gottes zu empfangen und sich von ihr auf einen neuen Weg führen zu lassen.
Generalaudienz, 30. August 2006



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Matthäus: Die Möglichkeit zum Vorbild zu werden
Die gute Botschaft des Evangeliums besteht eben darin: im Angebot der Gnade Gottes an den Sünder! [...] Jesus Verweist mit dem berühmten Beispiel vom Pharisäer und vom Zöllner, die zum Tempel hinaufgingen, um zu beten, sogar auf einen namenlosen Zöllner als lobenswertes Vorbild demütigen Vertrauens auf das göttliche Erbarmen: Der Pharisäer rühmt sich seiner eigenen sittlichen Vollkommenheit, der Zöllner dagegen "wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete; Gott, sei mit Sünder gnädig!" Und Jesu erläutert: " Ich sage euch: dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden" (Lk 18,13-14). In der Gestalt des Matthäus stellen uns die Evangelien ein wirkliches Paradox vor Augen: Wer dem Anschein nach weit von der Heiligkeit entfernt ist, kann sogar zu einem Vorbild werden für einen Menschen, der bereit ist, die Barmherzigkeit Gottes zu empfangen, und kann ihre wunderbaren Auswirkungen im eigenen Leben erkennbar werden lassen.
Generalaudienz, 30. August 2006



Heiliger Thomas
In der Reihe der Katechesen über die zwölf Apostel gelangen wir heute zum hl. Thomas, der uns vor allem im Johannesevangelium näher vorgestellt wird. Geradezu sprichwörtlich ist er uns als der "ungläubige Thomas" bekannt, der nach der Auferstehung darauf besteht, seinen Finger in die Male der Nägel und seine Hand in die Seite Jesu zu legen (vgl. Joh 20,25). Doch durch die Gnade Gottes wird aus dem zweifelnden Thomas ein sehender und ein bekennender: Die Wundmale Christi bezeugen seine grosse Liebe, und Thomas bekennt aus ganzem Herzen: "Mein Herr und mein Gott!" (Joh 20,28). Auch die anderen beiden Stellen, an denen der Apostel Thomas im Johannesevangelium zu Wort kommt, zeigen uns, dass das Leben eines Apostels ganz auf Christus ausgerichtet sein muss. Viele Jünger hatten Angst, mit Jesus nach Betanien bei Jerusalem zu gehen, aber Thomas sagt: "Lasst uns mit ihm gehen, um mit ihm zu sterben"(Joh 11.16). Nichts ist wichtiger, als Jesus nachzufolgen und immer auf seinem Weg zu bleiben! Denn Jesus sagt selbst beim letzten Abendmahl zu Thomas: " Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben" (Joh 14,6).
Generalaudienz, 27. September 2006



Hl. Franziskus
Das Zeugnis, das er [der hl. Franziskus] in seiner Zeit ablegte, macht ihn zu einem natürlichen Bezugspunkt für jene, die auch heute das Ideal des Friedens, der Achtung der Natur und des Dialogs zwischen Menschen, Religionen und Kulturen pflegen. Dennoch ist es wichtig, wenn die Botschaft des hl. Franziskus nicht entstellt werden soll, sich daran zu erinnern, dass es seine radikale Entscheidung für Christus war, die ihm den Schlüssel zum Verständnis jener Brüderlichkeit gegeben hat, zu der alle Menschen berufen sind und an der in gewisser Weise auch unbeseelte Wesen – von "Bruder Sonne" bis hin zu "Schwester Mond" – teilhaben.
Botschaft zum 20. Jahrestages des interreligiösen Treffens in Assisi, 2. September 2006



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Der Hl. Thomas in entschlossener Nachfolge
Vor allem das Vierte Evangelium bietet uns einige Angaben, die bedeutsame Züge seiner [des Hl. Thomas] Persönlichkeit nachzeichnen. Die erste betrifft seine Mahnung an die anderen Apostel, als Jesus sich in einem kritischen Augenblick seines Lebens entschloss, nach Betanien zu gehen, um Lazarus wiederzuerwecken. Damit kam er Jerusalem gefährlich nahe (vgl. Mk 10,32). Damals sagte Thomas zu den anderen Jüngern: "Dann lasst uns mit ihm gehen, um mit ihm zu sterben" (Joh 11.16). Diese seine Entschlossenheit in der Nachfolge des Meisters ist wirklich beispielhaft und bietet uns eine wertvolle Lehre: Sie offenbart die totale Verfügbarkeit in der Treue zu Jesus, bis hin zur Identifikation des eigenen Schicksals mit dem seinen und dem Wunsch, mit ihm die höchste Prüfung des Todes zu teilen. Das Wichtigste ist tatsächlich, sich nie von Jesus zu trennen.
Generalaudienz, 27. September 2006



Bruder Konrad
Hier in Altötting denken wir natürlich auch ganz besonders an den guten Bruder Konrad. Er hat auf ein grosses Erbe verzichtet, weil er ganz Jesus Christus nachfolgen, ganz mit ihm sein wollte. Er hat sich, wie es der Herr im Gleichnis empfiehlt, wirklich auf den letzten Platz gesetzt, als demütiger Pfortenbruder. In seiner Pfortenstube hat er genau das verwirklicht, was uns Markus über die Apostel sagt: Mit ihm sein und gesandt sein zu den Menschen. Er konnte von seiner Zelle aus immer auf den Tabernakel hinschauen, immer "bei ihm sein". Von diesem Blick her hat er die nicht zu Zerstörende Güte gelernt, mit der er den Menschen begegnete, die fast ohne Unterbrechung an seiner Pforte anläuteten – auch manchmal eher bösartig, um ihn blosszustellen; auch manchmal ungeduldig und laut: Ihnen allen hat er ohne grosse Worte durch seine Güte und Menschlichkeit eine Botschaft geschenkt, die mehr wert war als blosse Worte.
Predigt bei der Vesper in Altötting, 11. September 2006



Hl. Andreas
Die Lehre vom Weizenkorn, das stirbt, um Frucht zu bringen, bestätigt sich auch im Leben des hl. Andreas. Die Tradition erzählt uns, dass er dem Schicksal seines Herrn und Meisters folgte, als seine Tage in Patras in Griechenland ein Ende fanden. Wie Petrus erlitt er das Martyrium an einem Kreuz, dem Schrägkreuz das wir heute als das Andreaskreuz verehren. Aus seinem Vorbild lernen wir, dass der Weg jedes einzelnen Christen wie der Weg der ganzen Kirche durch die Nachfolge Christi und die Erfahrung des Kreuzes zu neuem Leben führt, zum ewigen Leben.
Predigt bei der Feier der "Göttlichen Liturgie" zum Andreasfest, 30. November 2006



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Hl. Stephanus
Der hl. Stephanus war der erste, der Christus durch das Martyrium nachfolgte. Er starb, wie der göttliche Meister, indem er seinen Mördern vergab und für sie betete (vgl. Apg 7,60). In den ersten vier Jahrhunderten des Christentums waren alle von der Kirche verehrten Heiligen Märtyrer. Sie sind eine unzählbare Schar, die von der Liturgie als "der Märtyrer strahlendes Heer – martyrum candidatus exercitus" bezeichnet wird. Ihr Tod flösste nicht Angst und Traurigkeit ein, sondern geistlichen Enthusiasmus, der die Zahl der Christen immer weiter wachsen liess. [...] Für die Gläubigen ist der Tag des Todes, und noch mehr der Tag des Martyriums, keineswegs das Ende von allem, sondern vielmehr der "Übergang" zum unsterblichen Leben, es ist der Tag der endgültigen Geburt, auf lateinisch "dies natalis". So versteht man die Verbindung, die zwischen dem "dies natalis" Christi und dem "dies natalis" des hl. Stephanus besteht. Wenn Jesus nicht auf Erden geboren wäre, hätten die Menschen nicht dem Himmel geboren werden können. Gerade weil Christus geboren wurde, können wir "von neuem geboren werden"!
Angelus, 26. Dezember 2006



Frei Antônio de Sant‘Ana Galvão
Liebe Freunde und Freundinnen, welch schönes Beispiel der Nachfolge hat uns Frei Galvão hinterlassen! Wie aktuell klingen für uns, die wir in einer so stark vom Hedonismus geprägten Zeit leben, die Worte, die in der Formel seiner Weihe niedergeschrieben sind: "Nimm mir lieber das Leben, bevor ich meinem Herrn, deinen gebenedeiten Sohn, beleidige!" Das sind starke Worte einer leidenschaftlichen Seele, Worte, die zum normalen Leben jedes Christen gehören sollten, ob es geweiht oder nicht geweiht ist; sie wecken den Wunsch nach Treue zu Gott innerhalb und ausserhalb der Ehe. Die Welt braucht reine Leben, klare Seelen, einfache Denker, die sich weigern, als Geschöpfe betrachtet zu werden, die Lustobjekte sind.
Predigt bei der Heiligsprechung von Frei Antônio de Sant‘Ana Galvão, 11. Mai 2007



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Heiliger Augustinus - Confessiones
Augustinus hat in seinem Buch Confessiones auf bewegende Weise den Weg seiner Bekehrung geschildert, der mit der Taufe durch Bischof Ambrosius im Dom zu Mailand an sein Ziel gekommen war. Wer die Confessiones liest, kann den Weg mitvollziehen, den Augustinus in einem langen Ringen gehen musste, um schliesslich in der Osternacht 387 am Taufbrunnen die grosse Wende seines Lebens zu empfangen. Wenn man das Leben des hl. Augustinus aufmerksam verfolgt, kann man sehen, dass Bekehrung nicht ein punktuelles Ereignis, sondern eben ein Weg war. Und man kann sehen, dass dieser Weg am Taufbrunnen nicht zu Ende gewesen ist. Wie das Leben Augustins vor der Taufe, so ist es auf andere Weise auch danach ein Weg der Bekehrung geblieben bis in die Todeskrankheit hinein, in der er die Buss-Psalmen auf der Wand anbringen liess, um sie immer vor Augen zu haben; sich selbst von der Kommunion ausschloss, um noch einmal den Weg der Busse zu gehen und das Heil als Geschenk der Erbarmungen Gottes aus den Händen Christi zu empfangen. So dürfen wir zu Recht von den "Bekehrungen" Augustins sprechen, die eine einzige grosse Bekehrung im Suchen nach dem Angesicht Christi und dann im Mitgehen mit ihm gewesen sind.
Predigt beim Gottesdienst in Pavia, 22. April 2007



Heiliger Augustinus – ein Suchender
Augustinus war zum einen ein Mensch seiner Zeit, ganz von ihren Gewohnheiten und Leidenschaften, von allen Fragen und Problemen eines jungen Mannes gezeichnet. Er hat gelebt wie alle anderen auch, und doch war da etwas anders: Er ist immer ein Suchender geblieben. Er war nie einfach zufrieden mit dem Leben, wie es nun einmal ist und wie alle anderen es auch leben. Er war immer von der Frage nach der Wahrheit getrieben. Er wollte die Wahrheit finden. Herausbringen, was der Mensch ist; woher die Welt kommt; woher wir selber kommen, wohin wir gehen und wie wir das wirkliche Leben finden.
Predigt beim Gottesdienst in Pavia, 22. April 2007



Hl. Franziskus - Nächstenliebe
Es fehlte ihm [dem hl. Franziskus] nicht an einer natürlichen Grossherzigkeit, als er noch "König der Feste" unter den Jugendlichen von Assisi war. Aber diese Grossherzigkeit war noch weit entfernt von der christlichen Liebe, die sich dem anderen ohne Vorbehalte hingibt. Wie er selbst erinnert, war es für ihn bitter, die Aussätzigen zu sehen. Die Sünde hinderte ihn daran, die körperliche Abscheu zu überwinden, um in ihnen ebenso liebenswerte Brüder zu sehen. Die Bekehrung brachte ihn dazu, Barmherzigkeit zu üben, und er sollte selbst Barmherzigkeit empfangen. Den Aussätzigen zu dienen, sie sogar zu küssen, war nicht nur eine Geste der Menschenliebe sozusagen eine "soziale" Bekehrung, sondern eine wahrhaft religiöse Erfahrung, geboten von der Initiative der Gnade und Liebe Gottes: "Der Herr" sagt er, "hat mich zu ihnen geführt" (2 Test 2: FF 110). Die Bitterkeit verwandelte sich also in "Süssigkeit der Seele und des Leibes" (2 Test 3: FF 110).
Predigt beim Pastoralbesuch in Assisi, 17. Juni 2007



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Hl. Franziskus – Gemeinschaft mit Christus
Wir feiern in diesem Jahr die Konversion, die Bekehrung, des Hl. Franziskus. Wir wissen, dass wir immer wieder der Bekehrung bedürfen, dass wir ein Leben lang in dem oft mühsamen, aber immer wieder auch schönen Aufstieg der Bekehrungen sind, dass wir so Tag um Tag dem Herrn näherkommen. Der hl. Franziskus zeigt es uns auch, wie er in seinem Leben von dieser ersten tiefen Begegnung mit dem Gekreuzigten in "San Damiano" an immer mehr hineingewachsen ist in die Gemeinschaft mit Christus, bis er in der Stigmatisierung völlig mit ihm eins geworden ist. Darum suchen wir, darum ringen wir, dass wir immer mehr seine Stimme hören, dass sie immer mehr in unser Herz eindringt, dass sie immer mehr unser Leben formt und dass wir so von innen her ihm ähnlich werden, dass in uns die Kirche lebendig sei. Wie Maria lebendige Kirche in Person war, so werdet Ihr durch Euer Beten, Glauben, Hoffen und Lieben lebendige Kirche und gerade so eins mit dem einen Herrn.
Begegnung mit den deutschen Kapuzinerinnen in Assisi, 17. Juni 2007



Hl. Paulus – Erfolg durch seine totale Hingabe an Christus
Wir wissen aus seinen Briefen, dass Paulus alles andere als ein gewandter Redner war; er teilte statt dessen mit Mose und Jeremia den Mangel an rednerischem Talent. "Sein persönliches Auftreten ist matt, und seine Worte sind armselig" ( Kor 10,10), sagten seine Gegner von ihm. Die ausserordentlichen apostolischen Ergebnisse, die er erreichen konnte, sind also nicht einer glänzenden Rhetorik oder raffinierten apologetischen und missionarischen Strategien zuzuschreiben. Der Erfolg seines Apostolats hängt vor allem mit seinem persönlichen Engagement bei der Verkündigung des Evangeliums und mit seiner totalen Hingabe an Christus zusammen; eine Hingabe, die Gefahren, Schwierigkeiten und Verfolgungen nicht fürchtete: "Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben" schrieb er an die Römer -, "weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn" (8,38-39).
Predigt in der Ersten Vesper vor dem Hochfest Peter und Paul, 28. Juni 2007



Jahr des Hl. Paulus - Juni 2008 bis Juni 2009
Liebe Brüder und Schwestern, wie in den Anfangszeiten braucht Christus auch heute Apostel, die bereit sind, sich selber zu opfern. Er braucht Zeugen und Märtyrer wie den hl. Paulus. Einst ein gewalttätiger Christenverfolger, wechselte er, als er auf dem Weg nach Damaskus vom göttlichen Licht geblendet zu Boden stürzte, ohne Zögern auf die Seite des Gekreuzigten und folgte ihm, ohne es zu bereuen. Er lebte und arbeitete für Christus, für ihn litt und starb er.
bild Wie zeitgemäss ist heute sein Vorbild! Und aus diesem Grund freue ich mich, offiziell anzukündigen, dass wir vom 28. Juni 2008 bis 29. Juni 2009 dem Apostel Paulus ein besonderes Jubiläumsjahr widmen werden, anlässlich der 2000-Jahrfeier seiner Geburt, die von den Historikern zwischen 7 und 10 nach Christus angesetzt wird.
Predigt in der Ersten Vesper vor dem Hochfest Peter und Paul, 28. Juni 2007



Hl. Franziskus – Herangereifter Keim der Heiligkeit
Wenn wir heute von der Bekehrung des Franziskus sprechen und dabei an die radikale Lebensentscheidung denken, die er als junger Mann traf, dann dürfen wir nicht vergessen, dass seine erste "Bekehrung" geschah, als er das Geschenk der Taufe empfing. Die vollgültige Antwort, die er als Erwachsener gab, war nichts anderes als der herangereifte Keim der Heiligkeit, den er damals erhalten hatte. Es ist wichtig, dass wir uns in unserem Leben und im seelsorglichen Angebot die mit der Taufe verbundene Dimension der Heiligkeit stärker zu Bewusstsein führen, sie ist Geschenk und Aufgabe für alle Getauften.
Ansprache bei Begegnung mit dem Klerus und den Ordensleuten in Assisi, 17. Juni 2007



Hl. Augustinus - ein Freund, ein Zeitgenosse
Wenn ich die Schriften des hl. Augustinus lese, habe ich nicht den Eindruck, dass es sich um einen Mann handelt, der vor mehr oder weniger 1600 Jahren gestorben ist, sondern ich spüre ihn wie einen Menschen von heute: einen Freund, einen Zeitgenossen, der zu mir spricht, der mit seinem frischen und aktuellen Glauben zu uns spricht. Im hl. Augustinus, der in seinen Schriften zu mir, zu uns spricht, sehen wir die bleibende Aktualität seines Glaubens; des Glaubens, der von Christus kommt, dem ewigen, fleischgewordenen Wort, Gottessohn und Menschensohn, und wir können sehen, dass dieser Glaube nicht von gestern ist, auch wenn er gestern verkündet wurde; er ist immer von heute, weil Christus wirklich gestern, heute und in Ewigkeit ist. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. So ermutigt uns der hl. Augustinus dazu, uns diesem immer lebendigen Christus anzuvertrauen und so den Weg des Lebens zu finden.
Generalaudienz, 16.Januar 2008



Hl. Maximilian Kolbe - Die Kraft der Liebe
Dem hl. Maximilian Kolbe werden folgende Worte zugeschrieben, die er angesichts der damals wütenden nationalsozialistischen Verfolgung gesagt haben soll: "Der Hass ist niemals eine kreative Kraft, das kann allein die Liebe sein." Und ein heroischer Beweis dieser Liebe war die hochherzige Hingabe seiner selbst an Stelle eines Mithäftlings. Diese Selbsthingabe fand ihren Höhepunkt in seinem Tod im Hungerbunker am 14. August 1941.
Angelus, 13. August 2008



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