Weihnachten




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Nicht zu gross, um klein zu sein
Gott ist so gross, dass er klein werden kann. Gott ist so mächtig, dass er sich wehrlos machen kann und als wehrloses Kindlein auf uns zugeht, damit wir ihn lieben können. Gott ist so gut, dass er auf seinen göttlichen Glanz verzichtet und in den Stall herabsteigt, damit wir ihn finden können und so seine Güte auch uns berührt, uns ansteckt, durch uns weiterwirkt. Das ist Weihnachten: "Mein Sohn bist du; heute habe ich dich gezeugt." Gott ist einer von uns geworden, damit wir mit ihm sein, ihm ähnlich werden können. Er hat das Kind in der Krippe zu seinem Zeichen gewählt: So ist er. So lernen wir ihn kennen. Und über jedem Kind steht etwas von Strahl dieses Heute, von der göttlichen Nähe, die wir lieben und der wir uns beugen sollen - über jedem Kind, auch über dem Ungeborenen.
Predigt in der Heiligen Nacht, 25. Dezember 2005



Das grosse Licht
Licht bedeutet aber vor allem Erkenntnis, bedeutet Wahrheit im Gegensatz zum Dunkel der Lüge und der Unwissenheit. So lässt Licht uns leben, zeigt uns den Weg. Licht bedeutet aber dann, weil es Wärme schenkt, auch Liebe. Wo Liebe ist, geht ein Licht auf in der Welt; wo Hass ist, ist die Welt finster. Ja, im Stall von Bethlehem ist das grosse Licht erschienen,, auf das die Welt wartet, in dem Kind, das da im Stall liegt, zeigt Gott seine Herrlichkeit - die Herrlichkeit der Liebe, die sich selbst verschenkt und die sich aller Grösse begibt, um uns auf den Weg der Liebe zu führen.
Predigt in der Heiligen Nacht, 25. Dezember 2005



Inneres Leuchten
Das eigentliche Geheimnis, um das es an Weihnachten geht, ist das innere Leuchten, das von diesem Kinde kommt. Lassen wir uns von diesem inneren Leuchten anstecken, das Flämmchen von Gottes Güte in unserem Herzen entzünden, und tragen wir alle durch unsere Liebe Licht in die Welt; lassen wir dieses Licht nicht auslöschen durch die Zugluft der Zeit. Hüten wir es treulich und schenken wir es weiter.
Predigt in der Heiligen Nacht, 25. Dezember 2005



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Heute
In Jesus Christus ist Gottes Sohn - Gott selbst - ein Mensch geworden. Zu ihm sagt der Vater: "Mein Sohn bist du." Das ewige Heute Gottes ist in das vergängliche Heute dieser Welt herabgestiegen und zieht unser vergehendes Heute in Gottes immerwährendes Heute hinein.
Predigt in der Heiligen Nacht, 25. Dezember 2005



Erwache!
"Erwache, o Mensch; denn für dich ist Gott Mensch geworden!" (Augustinus, Reden, 185). Erwache, o Mensch des dritten Jahrtausends! Zu Weihnachten wird der Allmächtige ein Kind und bittet um Hilfe und Schutz. Seine Art, Gott zu sein, versetzt unsere Art, Mensch zu sein, in Krise; sein Anklopfen an unsere Türen fragt uns an, richtet sich an unsere Freiheit und fordert uns auf, unser Verhältnis und unsere Einstellung zum Leben zu überdenken.
Weihnachtsbotschaft vor dem Segen "Urbi et Orbi", 25. Dezember 2005



Vernunft reicht nicht aus
Die Neuzeit wird häufig dargestellt als ein Erwachen der Vernunft aus dem Schlaf, als das Ans-Licht-Kommen der Menschheit, die aus dunkler Zeit emporsteigt. Ohne Christus reicht jedoch das Licht der Vernunft nicht aus, um den Menschen und die Welt zu erleuchten. Darum klingt das Evangelienwort des Weihnachtstages: "Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt", mehr denn je wie eine Verkündigung des Heils für alle.
Weihnachtsbotschaft vor dem Segen "Urbi et Orbi", 25. Dezember 2005



Lass dich an der Hand nehmen
Moderner Mensch, erwachsen und doch zuweilen kraftlos im Denken und im Wollen, lass dich vom Kind von Bethlehem an die Hand nehmen, fürchte dich nicht, vertrauen ihm! Die belebende Kraft seines Lichtes gibt dir Mut, dich für den Aufbau einer neuen Weltordnung einzusetzen, die auf gerechte, ethische und wirtschaftliche Beziehungen gegründet ist. Seine Liebe lenkt die Völker und erleuchtet ihr gemeinsames Bewusstsein, eine "Familie" zu sein, die berufen ist, Beziehungen des Vertrauens und der gegenseitigen Unterstützung aufzubauen.
Weihnachtsbotschaft vor dem Segen "Urbi et Orbi", 25. Dezember 2005




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Paradox
An Weihnachten öffnet sich unser inneres der Hoffnung, wenn wir die göttliche Herrlichkeit betrachten, die in der Armut eines in Windeln gewickelten und in eine Krippe gelegten Kindes verborgen ist - der Schöpfer des Alls eingeschränkt in die Ohnmacht eines Neugeborenen! Dieses Paradox, das Paradox von Weihnachten, anzunehmen bedeutet, die Wahrheit zu entdecken, die frei macht; die Liebe zu entdecken, die das Leben verwandelt. In der Nacht von Bethlehem wird der Erlöser einer von uns, um auf den verfänglichen Wegen der Geschichte unser Begleiter zu sein. Ergreifen wir die Hand, die er uns entgegenstreckt: Es ist eine Hand, die uns nichts nehmen, sondern nur schenken will.
Weihnachtsbotschaft vor dem Segen "Urbi et Orbi", 25. Dezember 2005



Schenken
Weihnachten ist das Fest der Geschenke. Gott selbst hat uns das grösste Geschenk gemacht. Er selbst hat sich uns geschenkt. Er ist Mensch geworden, er ist Kind geworden. Gott hat uns das wahre Geschenk gemacht. Damit lädt er uns ein zum Schenken, zum Schenken mit dem Herzen, zum Schenken von uns selbst an Gott und den Nächsten und auch zum Schenken von Zeichen der Güte sowie des Wunsches, den Nächsten Freude zu bereiten.
Ansprache bei der Begegnung mit dem Chor der Päpstlichen "Cappella Sistina", 20. Dezember 2005



Epiphanie
Die Menschwerdung des Gottessohnes, sein Eintritt in die Geschichte ist der Höhepunkt der Selbstoffenbarung Gottes an Israel und an alle Völker. In dem Kind von Betlehem hat sich Gott in der Niedrigkeit der "menschlichen Gestalt", in der "Knechtsgestalt", ja in der Gestalt des Gekreuzigten offenbart (vgl. Phil2,6-8). Das ist das christliche Paradoxon. Gerade diese Verborgenheit stellt die beredteste "Enthüllung Gottes" dar: die Niedrigkeit, die Armut, selbst die Schmach der Passion lassen uns erkennen, wie Gott wirklich ist. Das Angesicht des Sohnes ist eine getreue Enthüllung des Angesichts des Vaters. Darum ist das ganze Geheimnis von Weihnachten sozusagen eine "Epiphanie", ein Offenbarwerden. Die Offenbarung an die Sterndeuter fügt nichts Fremdes zum Plan Gottes hinzu, sondern enthüllt dessen ewige und grundlegende Dimension, "dass nämlich die Heiden Miterben sind, zu demselben Leib gehören und an derselben Verheissung in Christus Jesus teilhaben durch das Evangelium" (Eph3,6).
Predigt am Hochfest der Erscheinung des Herrn, 6. Januar 2006



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Gottes Vertrauen
Am Fest der Geburt Jesu feiern wir die unendliche Liebe Gottes für alle Menschen: "Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab" (Joh3,16), und er hat sich so innig mit unserer menschlichen Natur verbunden, dass er sie teilen wollte und Mensch unter Menschen geworden ist, einer von uns. Im Kind von Betlehem offenbart uns die Kleinheit des menschgewordenen Gottes die Grösse des Menschen und die Schönheit unserer Würde als Kinder Gottes, als Brüder und Schwestern Jesu. Wenn wir dieses Kind betrachten, dann sehen wir, wie gross das Vertrauen ist, das Gott in jeden von uns setzt, und wie viele schöne und grosse Dinge wir in unserem Alltag tun können, wenn wir mit Jesus und wie Jesus leben.
Ansprache an die Kinder- und Jugendsektion der Katholischen Aktion Italiens, 19. Dezember 2005



Die Hirten
Bleiben wir in dieser Nacht bei den Hirten. Was sind das für Menschen? In ihrer Umwelt waren Hirten verachtet; sie galten als unzuverlässig und wurden als Zeugen bei Gericht nicht zugelassen. Aber was waren sie wirklich? Gewiss keine grossen Heiligen, wenn man darunter Menschen mit heroischer Tugend versteht. Es waren einfache Seelen. Das Evangelium lässt einen Zug aufscheinen, der dann in den Worten Jesu eine grosse Rolle spielen wird: Es sind wachende Menschen: Das gilt zunächst in dem äusseren Sinn, dass sie nachts bei ihren Schafen wachten. Aber es gilt in einem tieferen Sinn: Sie sind ansprechbar für Gott. Ihr Leben ist nicht in sich selbst geschlossen; ihr Herz steht offen. Irgendwie im Tiefsten warten sie auf ihn. Ihre Wachheit ist Bereitschaft - Bereitschaft zum Hören, Bereitschaft zum Aufbrechen; sie ist Warten auf das Licht, das uns den Weg zeigt.
Mitternachtsmesse, 25. Dezember 2005



Das Jesuskind
In diesen Tagen richten wir unseren Blick auf das Jesuskind. Und wenn ich hierher komme, finde ich es in den von euch liebevoll betreuten Kindern wieder. Sie sind der Gegenstand eurer Fürsorge, so wie in der Krippe der neugeborene Messias im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit Marias und Josefs steht. In jedem dieser Kinder klopft Jesus wie in der Grotte von Betlehem an die Tür unseres Herzens und bittet darum, dass wir für ihn in unserem Leben einen Platz haben. So ist Gott: Er drängt sich nicht auf, kommt nie mit Gewalt, sondern bittet um Aufnahme wie ein Kind. In gewisser Weise zeigt auch Gott, dass er Aufmerksamkeit braucht: er wartet darauf, dass wir ihm unser Herz öffnen und uns um ihn kümmern. Und jedes Mal, wenn wir uns liebevoll "einem meiner geringsten Brüder" zuwenden, wie der Herr gesagt hat, erweisen wir in Wirklichkeit Ihm einen Dienst (vgl. Mt 25,40).
Ansprache beim Besuch in der päpstlichen karitativen Einrichtung "Santa Marta", 30. Dezember 2005



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Gott wird Kind
Gottes Zeichen ist das Einfache. Gottes Zeichen ist das Kind. Gottes Zeichen ist es, dass er sich für uns klein macht. Das ist die Weise, wie er herrscht. Er kommt nicht mit äusserer Macht und Grösse. Er kommt als Kind – unbewehrt und unserer Hilfe bedürftig. Er will uns nicht mit Macht überwältigen. Er nimmt uns unsere Furcht vor seiner Grösse. Er bittet um unsere Liebe: Darum wird er Kind. Nichts anderes will er von uns als unsere Liebe, durch die wir von selber lernen, in seine Gesinnungen, in sein Denken und Wollen einzutreten – mit ihm mitzulieben und mit ihm auch die Demut des Verzichts zu erlernen, die zum Wesen der Liebe gehört. Gott hat sich klein gemacht, damit wir ihn verstehen, ihn annehmen, ihn lieben können.
Predigt in der Heiligen Nacht, 24. Dezember 2006



Die Kleinen lieben
Der Sohn selbst ist das Wort, der Logos; das ewige Wort hat sich klein gemacht – so klein, dass es in eine Krippe passte. Es hat sich zum Kind gemacht, damit uns das Wort fassbar werde. So lehrt er uns , die Kleinen zu lieben. So lehrt er uns, die Schwachen zu lieben. So lehrt er uns die Ehrfurcht vor den Kindern.
Predigt in der Heiligen Nacht, 24. Dezember 2006



Gott ist nicht mehr unbekannt
Wie sollen wir Gott lieben mit unseren Gedanken, wenn wir ihn mit unserem Denken kaum finden können? Mit unserem Herzen und unserer Seele, wenn dieses Herz ihn nur von weiten ahnt und so viel Widersprüchliches wahrnimmt in der Welt, das uns sein Gesicht verhüllt? Da greifen nun die beiden Weisen ineinander, wie Gott sein Wort "Kurz gemacht" hat. Er ist nicht mehr weit entfernt. Er ist nicht mehr unbekannt. Er ist für unser Herz nicht mehr unerreichlich. Er hat sich zum Kind gemacht für uns und damit alle Zweideutigkeiten verscheucht. Er hat sich zu unserem Nächsten gemacht und so auch das Bild des Menschen wiederhergestellt, der uns so oft gar nicht liebenswürdig erscheint.
Predigt in der Heiligen Nacht, 24. Dezember 2006



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Gott hat sich selbst zum Geschenk gemacht
Gott hat sich für uns zum Geschenk gemacht. Sich selbst. Er nimmt sich Zeit für uns. Er, der Ewige, der oberhalb der Zeit steht, hat Zeit angenommen, unsere Zeit zu sich hinaufgezogen. Weihnachten ist das Fest der Geschenke geworden, um Gott nachzuahmen, der sich uns selber geschenkt hat. Lassen wir unser Herz, unsere Seele, unsere Gedanken davon berühren. Vergessen wir über den vielen Geschenken, die wir kaufen und die wir empfangen, nicht das eigentliche Geschenk; einander etwas von uns selber zu schenken. Einander unsere Zeit zu schenken. Unsere Zeit für Gott zu öffnen. So löst sich die Hektik. So wird Freude, so wird Fest.
Predigt in der Heiligen Nacht, 24. Dezember 2006



Schenke denen, denen niemand schenkt
Und denken wir bei den festlichen Mahlzeiten dieser Tage an das Wort des Herrn: Wenn du ein Mahl gibst, so lade nicht die ein, die dich wieder einladen, sondern lade die ein, die von niemand eingeladen werden und die dich nicht einladen können (vgl. Lk 14,12-14). Und das bedeutet doch auch: Wenn du an Weihnachten schenkst, schenke nicht nur denen, die dir wiederschenken, sondern schenke denen, denen niemand schenkt und die dir nichts dafür zurückgeben können. So hat es Gott selber gemacht. Er lädt uns zu seinem Hochzeitsmahl, für das wir nichts zu geben vermögen, das wir nur mit Freude empfangen können. Ahmen wir ihn nach. Lieben wir Gott und von ihm her den Menschen, um dann von den Menschen her wieder Gott neu zu entdecken.
Predigt in der Heiligen Nacht, 24. Dezember 2006



Ochs und Esel
Den Hirten war gesagt worden, dass sie das Kind in einer Krippe finden würden, in dem Futtertrog für die Tiere, die die eigentlichen Bewohner des Stalles waren. Aus Jesaja (1,3) haben die Väter herausgelesen, dass an der Krippe zu Bethlehem Ochs und Esel standen. Aus dem Text des Propheten haben sie zugleich herausgelesen, dass damit Juden und Heiden versinnbildet seien – also die ganze Menschheit, die je auf ihre Weise des Heilsands bedarf: des Gottes, der sich zum Kind gemacht hat. Der Mensch braucht zum Leben das Brot, die Frucht der Erde und seiner Arbeit. Aber er lebt nicht vom Brot allein. Er braucht Nahrung für seine Seele – er braucht Sinn, der sein Leben füllt. So ist den Vätern der Futtertrog der Tiere zum Sinnbild für den Altar geworden, auf dem das Brot liegt, das Christus selber ist: die wahre Nahrung unserer Herzen. Und noch einmal sehen wir, wie klein er sich gemacht hat: In der demütigen Gestalt der Hostie, eines Stückchens Brot, gibt er sich uns selbst.
Predigt in der Heiligen Nacht, 24. Dezember 2006



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Bitten wir den Herrn...
Bitten wir den Herrn, dass er uns schenkt, in dieser Nacht mit der Einfalt der Hirten auf die Krippe zu schauen und so die Freude zu empfangen, mit der sie nach Hause gingen (vgl. Lk 2,20). Bitten wir ihn, dass er uns die Demut und den Glauben schenkt, womit der heilige Josef auf das Kind hinschaute, das Maria vom Heiligen Geist empfangen hatte. Bitten wir, dass er uns schenkt, es mit der Liebe anzusehen, mit der Maria auf es hingeblickt hat. Und bitten wir, dass so das Licht, das die Hirten sahen, auch uns erleuchte und dass sich in aller Welt erfülle, was die Engel in der heiligen Nacht gesungen haben. Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind. Amen.
Predigt in der Heiligen Nacht, 24. Dezember 2006




Die Bitte um Aufnahme in unsere Herzen
Leider ist in unserer Welt auch das Böse gegenwärtig; es gibt eine Ablehnung Christi, die vom völligen Nein bis zur Gleichgültigkeit reicht. Man stellt sich Jesus als postmodernen "Weisheitslehrer" vor und entblösst ihn seiner göttlichen Natur. Dem halten wir die weihnachtliche Botschaft in ihrer ganzen Grösse entgegen: Jesus, wahrer Gott und wahrer Mensch, besitzt den Schlüssel zum Leben. Er bittet um Aufnahme in unsere Herzen, um uns mit der Fülle seiner Gaben zu beschenken.
Generalaudienz, 3. Januar 2007




Der Wert des Lebens
In Gott, der für uns Mensch wird, fühlen wir uns alle geliebt und angenommen, wir entdecken, das wir in den Augen des Schöpfers wertvoll und einzigartig sind. Die Geburt Christi lässt uns zum Bewusstsein kommen, wie viel das menschliche Leben wert ist, das Leben eines jeden Menschen, von seinem ersten Augenblick an bis hin zu seinem natürlichen Sterben. Wer diesem "in Windeln gewickelten Kind", das "in einer Krippe liegt" (vgl. Lk 2,12), sein Herz öffnet, dem gibt er die Möglichkeit, mit neuen Augen die alltäglichen Geschehnisse zu betrachten. Er wird die anziehenden Macht verkosten können, die aus dem Innern der Liebe Gottes kommt und auch den Schmerz in Freude zu verwandeln vermag.
Angelus, 24. Dezember 2006



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Die Hauptperson nicht vergessen
Im Herzen der Nacht wird es [das Jesuskind] zu uns kommen. Es ist aber sein Wunsch, auch in uns zu kommen, das heisst im Herzen eines jeden von uns zu wohnen. Damit dies geschehe, ist es unabkömmlich, dass wir verfügbar und vorbereitet sind, ihn zu empfangen, bereit, ihm Platz zu machen; in uns, in unseren Familien, in unseren Städten. Seine Geburt möge uns nicht damit beschäftigt finden, Weihnachten zu feiern und gleichzeitig zu vergessen, dass gerade er die Hauptperson des Festes ist!
Angelus, 24. Dezember 2006



Geboren um zu sterben
Das Jesuskind, das in der Grotte liegt, ist der eingeborene und menschgewordene Sohn Gottes. Durch seinen Tod am Kreuz wird er die Menschheit retten. Jetzt sehen wir ihn, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegen; nach seiner Kreuzigung wird er erneut mit Leinenbinden umwickelt und in ein Grab gelegt werden. Es ist kein Zufall, dass die weihnachtliche Ikonographie den göttlichen Neugeborenen zuweilen in einen kleinen Sarkophag gebettet darstellte, um anzuzeigen, dass der Erlöser geboren wird, um zu sterben; er wird geboren, um sein Leben als Lösegeld für alle Menschen hinzugeben.
Angelus, 26. Dezember 2006



Nur ER kann das Sehnen des menschlichen Herzens stillen
Erwartet die Menschheit unserer Zeit noch einen Erlöser? Man hat den Eindruck, dass viele Gott als etwas betrachten, das nicht in den Bereich ihrer Interessen fällt. Sie brauchen ihn scheinbar nicht; sie leben, als ob es ihn nicht gäbe oder, schlimmer noch, als ob er ein "Hindernis" wäre, das beseitigt werden muss, damit man sich selbst verwirklichen kann. Auch von den Gläubigen lassen sich sicherlich manche durch verführerischen Trugbilder verlocken und durch Lehren auf Abwege führen, die illusorischen, schnellere Möglichkeiten anbieten, um das Glück zu erreichen. Und dennoch sucht die Menschheit heute – auch in ihren Widersprüchen, Ängsten und dramatischen Situationen oder gerade wegen ihnen – einen Weg der Erneuerung, des Heils; sie sucht einen Erlöser und erwartet, manchmal unbewusst, das Kommen des Erlösers, der unsere Welt und unser Leben erneuert, das Kommen Christi, des einzigen wirklichen Erlösers des Menschen, und zwar des ganzen Menschen. Sicher bieten falschen Propheten weiterhin eine Erlösung zu einem "billigen Preis" an, die am Ende immer bittere Enttäuschungen hervorruft. Gerade die Geschichte der letzten 50 Jahre zeigt diese Suche nach einem Erlöser zu einem "billigen Preis" und macht all die Enttäuschungen deutlich, die daraus entstanden sind. Unsere Aufgabe als Christen ist es, mit dem Zeugnis unseres Lebens die Wahrheit des Weihnachtsfestes zu verbreiten, die Christus jedem Mann und jeder Frau guten Willens bringt. Jesus wird in der Armut der Krippe geboren und kommt, um allen jene Freude und jenen Frieden zu schenken, der allein das Sehnen des menschlichen Herzens stillen kann.
Generalaudienz, 20. Dezember 2006



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Weihnacht in der Eucharistie vollendet
Die Weihnachtsgeschenke erinnern uns an das Geschenk schlechthin, zu dem sich der Sohn Gottes für uns in der Menschwerdung gemacht hat. Darum wird Weihnachten durch die vielen Geschenke, welche die Menschen in diesen Tagen miteinander austauschen, auf angemessene Weise herausgehoben. Man darf jedoch das wichtigste Geschenk nicht vergessen, für das die anderen Geschenke nur ein Symbol sind, Weihnachten ist der Tag, an dem Gott sich selbst der Menschheit geschenkt hat, und dieses Geschenk wird in der Eucharistie sozusagen vollendet. Unter der Gestalt eines keinen Stückes Brot [...] schenkt sich Jesus selbst und will in unser Herz kommen.
Ansprache bei der Begegnung mit den Studenten der Römischen Universitäten, 14. Dezember 2006



Gott liebt uns
An Weihnachten erschallt auf der ganzen Welt die einfachen und bewegende Botschaft: "Gott liebt uns." "Wir wollen lieben", sagt der heilige Johannes, weil er uns zuerst geliebt hat" (1 Joh 4,19). Dieses Geheimnis ist nun unseren Händen anvertraut, damit wir uns durch die Erfahrung der göttlichen Liebe auf die himmlische Wirklichkeit hin ausstrecken. Und das ist, so meinen wir, auch die Übung dieser Tage: wirklich ausgestreckt auf Gott hin leben, indem wir vor allem das Himmelreich und seine Gerechtigkeit suchen, in der Gewissheit, dass uns alles Übrige dazugegeben werden wird (vgl. Mt 6,33). Die geistliche Atmosphäre der Weihnachtszeit hilft uns, in diesem Bewusstsein zu wachsen.
Generalaudienz, 3. Januar 2007



Friedensfürst
Das biblische Wort "shalom", das wir mit "Frieden" übersetzen, bedeutet jene Fülle der Güter, in der das "Heil" besteht, das Christus, der von den Propheten angekündigte Messias, gebracht hat. Deshalb erkennen wir Christen in ihm den Friedensfürsten. Er ist Mensch und in einer Krippe in Betlehem geboren geworden, um den Menschen guten Willens, denen , die ihn im Glauben und mit Liebe aufnehmen, seinen Frieden zu bringen. So ist der Frieden wirklich die Gabe und die Aufgabe von Weihnachten: die Gabe, die mit demütiger Fügsamkeit anzunehmen und die ständig mit betendem Vertrauen zu erflehen ist; die Aufgabe, die aus jedem Menschen guten Willens einen "Kanal des Friedens" macht.
Predigt am Weltfriedenstag, 1. Januar 2007



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Die Sterndeuter
"Wir haben seinen Stern gesehen und sind gekommen, dem Herrn zu huldigen" (Akklamation vor dem Evangelium, vgl. Mt 2,2). Was uns immer wieder erstaunt, wenn wir diese Worte der Sterndeuter hören, ist die Tatsache, dass sie vor einem einfachen Kind in Arm seiner Mutter in Anbetung auf die Knie fallen, nicht in einem Königspalast, sondern in der Armseligkeit einer Hütte in Betlehem (vgl. Mt 2,11). Wie war das möglich? Was hat die Sterndeuter überzeugt, dass jenes Kind "der König der Juden" und der König der Völker war? Sicher hat sie das Zeichen des Sterns überzeugt, den sie "hatten aufgehen sehen" und der genau über dem Ort stehen blieb, wo sich das Kind befand (vgl. Mt 2,9). Aber auch der Stern hätte nicht genügt, wenn die Sterndeuter nicht Personen gewesen wären, die innerlich offen für die Wahrheit waren.
Predigt am Hochfest der Erscheinung des Herrn, 6. Januar 2007



Zärtlichkeit und Treue
Im Antlitz des kleinen Jesus betrachten wir das Angesicht Gottes, der sich nicht durch Stärke oder Macht offenbart, sondern vielmehr in der Schwäche und in der zarten Konstitution eines Kindes. Dieses "göttliche Kind", das Maria mit mütterlicher Fürsorge in Windeln gewickelt in eine Krippe legte, offenbart die ganze Güte und die unendliche Schönheit Gottes. Es zeigt die Treue und die Zärtlichkeit der grenzenlosen Liebe, mit der Gott jeden von uns umgibt. Deshalb feiern wir Weihnachten und machen erneut die gleiche Erfahrung wie die Hirten von Betlehem. Zusammen mit vielen Vätern und Müttern, die jeden Tag Mühen und Opfer auf sich nehmen, zusammen mit den Schwachen, den Kranken und den Armen feiern wir ein Fest, denn mit der Geburt Jesu hat der himmlische Vater auf die in unseren Herzen vorhandene Sehnsucht nach Wahrheit, Vergebung und Frieden geantwortet. Und er hat geantwortet mit einer so grossen Liebe, die uns in Erstaunen versetzt. Niemand hätte sie sich vorstellen können, wenn Jesus sie uns nicht offenbart hätte!
Ansprache an die Kinder und Jugendsektion der Katholischen Aktion Italiens, 21. Dezember2006



Das Jesuskind in allen Kindern zu erkennen
Das Staunen, das wir angesichts des weihnachtlichen Wunders empfinden, spiegelt sich in gewisser Weise im wunderbaren Ereignis jeder Geburt wider und sie lädt uns ein, das Jesuskind in allen Kindern zu erkennen, die die Freude der Kirche und die Hoffnung der Welt sind. Das Neugeborene, das in Betlehem zur Welt kommt, ist der gleiche Jesus, der durch die Strassen Galiläas ging und sein Leben für uns am Kreuz geopfert hat; es ist der Jesus, der auferstanden ist und nach seiner Himmelfahrt in der Kraft seines Geistes seine Kirche weiterhin führt. Das ist die schöne und grosse Wahrheit unseres christlichen Glaubens!
Ansprache an die Kinder und Jugendsektion der Katholischen Aktion Italiens, 21. Dezember 2006



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Warten auf Gerechtigkeit
Wenn das Weihnachtsfest uns einerseits des unglaublichen Wunders der Geburt des eingeborenen Sohnes Gottes aus der Jungfrau Maria in der Grotte von Betlehem gedenken lässt, so ermahnt es uns andererseits auch, wachend und betend unseren Erlöser zu erwarten, denn am letzten Tag "wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten". Vielleicht warten wir heute, auch wir Gläubigen, wirklich auf den Richter; wir alle warten jedoch auf Gerechtigkeit. Wir sehen soviel Ungerechtigkeit in der Welt, in unserer kleinen Welt, zu Hause, in unserem Stadtviertel, aber auch in der grossen Welt der Staaten, der Gesellschaften. Und wir warten darauf, dass Gerechtigkeit geschaffen wird. Die Gerechtigkeit ist ein abstrakter Begriff: Gerechtigkeit wird hergestellt. Wir warten darauf, dass derjenige, der Gerechtigkeit herstellen kann, wirklich kommen möge. Und in diesem Sinne beten wir: Komm, Herr Jesus Christus, als Richter, komm auf deine Weise. Der Herr weiss, wie er in die Welt eintreten und Gerechtigkeit schaffen soll. Wir beten darum, dass der Herr, der Richter, uns antworten möge, dass er wirklich Gerechtigkeit in der Welt schaffen möge. Wir warten auf Gerechtigkeit, aber das kann nicht nur Ausdruck eines Anspruchs sein, den wir an die anderen stellen. Auf Gerechtigkeit zu warten bedeutet im christlichen Sinne vor allem, dass wir selbst beginnen, vor dem Angesicht des Richters und nach den Massstäben des Richters zu leben. Es bedeutet, dass wir beginnen, in seiner Gegenwart zu leben, indem wir die Gerechtigkeit in unserem Leben verwirklichen. So nämlich - wenn wir die Gerechtigkeit verwirklichen und uns in die Gegenwart des Richters stellen - warten wir in der Wirklichkeit auf die Gerechtigkeit. Das ist der Sinn des Advents, der Wachsamkeit. Adventliches Wachen heisst, vor dem Angesicht des Richters zu leben und so uns selbst und die Welt für die Gerechtigkeit bereit zu machen. Auf diese Weise also, wenn wir vor dem Angesicht Gottes, des Richters, leben, können wir die Welt öffnen für das Kommen seines Sohnes, können wir das Herz bereiten, um den "Herrn, der kommt", aufzunehmen.
Generalaudienz, 19. Dezember 2007



Die Wahrheit der Geburt Christi bekräftigen
Der Glaube an den "Schöpfer-Logos", an das Wort, das die Welt erschaffen hat, an den, der als Kind gekommen ist - dieser Glaube und seine grosse Hoffnung erscheinen heute leider weit entfernt von der Wirklichkeit des täglichen Lebens, sowohl des öffentlichen als auch des privaten. Diese Wahrheit scheint zu gross zu sein. Wir behelfen uns selbst nach den Möglichkeiten, die wir finden - wenigstens scheint es so. Aber auf diese Weise wird die Welt immer chaotischer und auch gewalttätiger: wir sehen es jeden Tag. Und das Licht Gottes, das Licht der Wahrheit, erlischt. Das Leben wird finster und richtungslos.
Wie wichtig ist es daher, dass wir wirklich Gläubige sind und dass wir als Gläubige mit Nachdruck, mit unserem Leben, das Heilsgeheimnis bekräftigen, das die Feier der Geburt Christi in sich birgt! In Betlehem ist der Welt das Licht erschienen, das unser Leben erleuchtet, uns ist der Weg offenbart worden, der uns zur Fülle unseres Menschseins führt. Wenn man nicht erkennt, dass Gott Mensch geworden ist, welchen Sinn hat es dann, Weihnachten zu feiern? Die Feier wird leer. Vor allem wir Christen müssen mit tiefempfundener Überzeugung die Wahrheit der Geburt Christi wieder bekräftigen, um vor allen Menschen das Bewusstsein eines unglaublichen Geschenks zu bezeugen, das ein Reichtum nicht nur für uns, sondern für alle ist.
Generalaudienz, 19. Dezember 2007



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Seine Botschaft ruft uns aufzubrechen
Die Weihnachtsbotschaft lässt uns das Dunkel einer verschlossenen Welt erkennen, und sie schildert damit durchaus Wirklichkeit, die wir täglich erleben. Aber sie sagt uns auch, dass Gott sich nicht aussperren lässt. Dass er einen Raum findet und wenn er durch den Stall hereintritt; dass es Menschen gibt, die sein Licht sehen und es weitertragen. Durch das Wort des Evangeliums spricht der Engel auch zu uns, und in der heiligen Liturgie fällt das Licht des Erlöses in unser Leben herein. 0b wir nun Hirten oder Weise sind - das Licht und seine Botschaft rufen uns aufzubrechen, herauszugehen aus der Verschlossenheit in unsere eigenen Wünsche und Interessen auf den Herrn zu und ihn anzubeten. Wir beten ihn an, indem wir die Welt öffnen für die Wahrheit, für das Gute, für Christus, für den Dienst an denen, die am Rande stehen und in denen er auf uns wartet.
Homilie bei der Mitternachtsmette, 25. Dezember 2007



Der Stall zu Betlehem
In manchen Weihnachtsbildern des späten Mittelalters und der beginnenden Neuzeit erscheint der Stall wie ein etwas heruntergekommener Palast. Man kann noch seine ehemalige Grösse erkennen, er ist verfallen, die Wände stehen offen - er ist eben zum Stall geworden. Diese Legende hat zwar keinen historischen Gehalt, aber sie drückt in ihrer bildhaften Weise doch etwas von der Wahrheit aus, die sich im Weihnachtsgeheimnis verbirgt. Der Thron Davids, dem Ewigkeit verheissen war, steht leer. Andere herrschen über das heiligen Land. Josef, der Nachfahre Davids, ist ein einfacher Handwerker; der Palast ist in der Tat zur Hütte geworden. David selbst hatte als Hirte begonnen. Als Samuel ihn für die Salbung suchte, schien es unmöglich und widersprüchlich, dass ein solcher Hirtenbub Träger der Verheissung Israels werden konnte. Im Stall zu Betlehem, gerade da, wo der Ausgangspunkt gewesen war, beginnt das davidische Königtum neu - in dem Kind, das in die Krippe und in Windeln gelegt wird. Der neue Thron, von dem aus dieser David die Welt an sich ziehen wird, ist das Kreuz. Der neue Thron - das Kreuz - entspricht dem neuen Beginn im Stall. Aber gerade so wird der wahre Davidspalast, das wahre Königtum gebaut.
Homilie bei der Mitternachtsmette, 25. Dezember 2007



Auch die Schöpfung erhält ihre Würde zurück
So steht der Stall in der Weihnachtsbotschaft in der Sicht von Gregor von Nyssa für die geschundenen Erde. Christus stellt nicht irgendeinen Palast wieder her. Er ist gekommen, der Schöpfung, dem Kosmos seine Schönheit und seine Würde wiederzugeben: Das ist es, was an Weihnachten beginnt und was die Engel jubeln lässt. Die Erde wird gerade dadurch wiederhergestellt, dass sie auf Gott hin geöffnet wird, dass sie ihr eigentliches Licht wieder erhält und dass sie im Zusammenklingen zwischen menschlichem wollen und göttlichem wollen, im Einswerden von oben und unten ihre Schönheit, ihre Würde zurück erhält. So ist Weihnachten ein Fest der wiederhergestellten Schöpfung. Von diesem Zusammenhang her deuten die Väter den Gesang der Engel in der heiligen Nacht: Er ist Ausdruck der Freude darüber, dass oben und unten, Himmel und Erde wieder zusammenkommen. Dass der Mensch wieder mit Gott vereint wird. Zum Engelgesang der Weihnacht gehört es nach den Vätern, dass nun Engel und Menschheit miteinander singen können und so die Schönheit das Kosmos sich in der Schönheit der gesungenen Lobpreisung ausdrückt.
Homilie bei der Mitternachtsmette, 25. Dezember 2007



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Der Himmel gehört zur Geographie des Herzens
Der Himmel gehört nicht der Geographie des Raums sondern der Geographie des Herzens zu. Und das Herz Gottes hat sich in der Heiligen Nacht in den Stall herabgebeugt: die Demut Gottes ist der Himmel. Und wenn wir auf diese Demut zugehen, dann berühren wir den Himmel. Dann wird auch die Erde neu. Brechen wir mit der Demut der Hirten in dieser Heiligen Nacht auf zu dem Kindlein im Stall. Berühren wir die Demut Gottes, das Herz Gottes. Dann wird seine Freude uns berühren und die Welt heller machen. Amen.
Homilie bei der Mitternachtsmette, 25. Dezember 2007



Der heilige Tag
Das ist Weihnachten! Ein historisches Ereignis und ein Geheimnis der Liebe, das sich seit über zweitausend Jahren an die Männer und Frauen aller Zeiten und aller Orte richtet . Es ist der heilige Tag, an dem das "grosse Licht" Christi, das Frieden bringt, erstrahlt! Sicher, um es zu erkennen, um es aufzunehmen, braucht es Glaube, braucht es Demut: die Demut Marias, die dem Wort des Herrn geglaubt hat und als erste, über die Krippe gebeugt, die Frucht ihres Leibes anbetet; die Demut Josefs, des gerechten Mannes, der Glaubensmut hatte und es vorzog, Gott mehr zu gehorchen als das eigenen Ansehen zu wahren; die Demut der Hirten, der armen und namenlosen Hirten, die die Nachricht des himmlischen Boten aufnahmen und eilends zur Grotte gelangten, wo sie das neugeborene Kind fanden und es voll Staunen anbeteten und Gott priesen (vgl. Lk 15-20).
Botschaft zum Segen "Urbi et Orbi", 1. Januar 2008



Auch zu uns kommt Christus
Und heute, an diesem unseren Weihnachten, an dem die frohe Nachricht seiner erlösenden Geburt weiter erklingt, wer ist bereit, ihm die Tür des Herzens zu öffnen? Männer und Frauen unserer Zeit, auch zu uns kommt Christus, um das Licht zu bringen, auch zu uns kommt er um den Frieden zu schenken! Wer aber wacht in der Nacht des Zweifels und der Unsicherheit mit einem wachen und betenden Herzen? Wer erwartet die Morgenröte des neuen Tages mit der brennenden Flamme des Glaubens? Wer hat Zeit, um sein Wort zu hören und sich von der Anziehungskraft seiner Liebe umfangen zu lassen? Ja! Allen gilt seine Friedensbotschaft; zu allen kommt er, um sich selbst als sichere Hoffnung auf Heil anzubieten.
Botschaft zum Segen "Urbi et Orbi", 1. Januar 2008



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Kommt, betet an!
"Kommt, ihr Völker, und betet an den Herrn, unseren Gott." Mit Maria, Josef und den Hirten, mit dem Sterndeutern und der unzähligen Schar der demütigen Anbeter des neugeborenen Kindes, die im Laufe der Jahrhunderte das Geheimnis von Weihnachten aufgenommen haben, lassen auch wir, Brüder und Schwestern auf allen Kontinenten, es zu, dass das Licht dieses Tages sich überall verbreite: Es möge in unsere Herzen eintreten, unsere Häuser erhellen und erwärmen, Ruhe und Hoffnung in unsere Städte bringen, der Welt den Frieden geben. Dies ist mein Wunsch für euch, die ihr mich hört. Ein Wunsch, der zu einem demütigen und vertrauensvollen Gebet zum Jesuskind wird, damit sein Licht alle Finsternis aus eurem Leben vertreibe und euch mit Liebe und Frieden erfülle. Der Herr, der in Christus sein Antlitz der Barmherzigkeit hat aufleuchten lassen, erfülle euch mit seiner Glückseligkeit und mache euch zu Boten seiner Güte. Gesegnete Weihnachten!
Botschaft zum Segen "Urbi et Orbi", 1. Januar 2008



Ein grosses Geheimnis
Das Kind das in der Krippe weint und scheinbar allen Kindern der Welt gleicht, ist aber zugleich ganz anders: Es ist der Sohn Gottes, es ist Gott, wahrer Gott und wahrer Mensch. Dieses Geheimnis - die Menschwerdung des göttlichen Wortes und die Gottesmutterschaft Marias - ist gross und mit der menschlichen Vernunft allein nicht leicht zu begreifen.
Aber in der Schule Marias können wir mit dem Herzen das erfassen, was die Augen und der Sinn allein nicht wahrnehmen und fassen können. Denn es handelt sich um ein so grosses Geschenk, dass wir es nur im Glauben annehmen können, ohne es ganz zu verstehen. Und auf diesem Glaubensweg kommt uns gerade Maria entgegen, sie stützt und leitet uns. Sie ist Mutter, weil sie Jesus im Fleisch geboren hat: sie ist es, weil sie dem Willen des Vaters ganz zugestimmt hat.
Predigt am Hochfest der Gottesmutter Maria und Weltfriedenstag, 1. Januar 2008



Weihnachten: Geheimnis der göttlichen Liebe
Mutter Teresa pflegte zu sagen: Weihnachten ist jedesmal, wenn wir es Jesus gestatten, die anderen durch uns zu lieben. Weihnachten ist Geheimnis der Liebe, das Geheimnis der göttlichen Liebe. Die Weihnachtszeit lässt uns erneut die Geburt Jesu in Betlehem betrachten und zeigt uns damit die unendliche Güte Gottes, der der Armut und Einsamkeit der Menschen entgegenkommen wollte, indem er Kind wurde: er hat es auf sich genommen, unter uns zu wohnen und unsere täglichen Schwierigkeiten zu teilen; er hat nicht gezögert, mit uns die Last des Daseins mit seinen Mühen und Sorgen zu tragen. Er wurde für uns geboren, um bei uns zu bleiben und jedem, der ihm die Türe des eigenen Herzens öffnet, das Geschenk seiner Freude, seines Friedens, seiner Liebe anzubieten. Indem er in einer Grotte geboren wurde, weil sonst kein Platz für ihn war, hat Jesus die Beschwernisse kennengelernt, die viele unter euch erfahren. Weihnachten hilft uns zu verstehen, dass Gott uns nie verlässt, uns immer entgegenkommt, uns schützt und dass er sich um jeden von uns sorgt, denn jeder Mensch, vor allem der kleinste und schutzloseste, ist wertvoll in den von Zärtlichkeit und Erbarmen erfüllten Augen des Vaters. Er hat für uns und zu unserem Heil seinen Sohn in die Welt gesandt, den wir im Geheimnis von Weihnachten als den Emmanuel, den Gott-mit-uns betrachten.
Ansprache beim Besuch im Haus "Dono di Maria" der Missionarinnen der Nächstenliebe, 4. Januar 2008



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Die Aufgabe des Sternes
So sagt der Diener Gottes Johannes Paul II. in der Enzyklika fides et ratio: " Der Mensch [befindet sich] auf einer nach menschlichem Ermessen endlosen Suche [...]: der Suche nach Wahrheit und der Suche nach einer Person, der er sich anvertrauen kann" (Nr. 33): die Sterndeuter haben beide Wirklichkeiten im Kind von Betlehem gefunden. Die Männer und Frauen aller Generationen bedürfen auf dieser ihrer Pilgerschaft der Orientierung: Welchem Stern können wir also folgen? Als der Stern, der die Sterndeuter angeführt hatte, über " dem Ort, wo das Kind war... stehenblieb" (Mt 2,9),hatte er seine Aufgabe erfüllt, aber sein geistliches Licht ist stetes im Wort des Evangeliums gegenwärtig, das auch heute in der Lage ist, jeden Menschen zu Jesus zu führen. Dieses Wort, das nichts anders ist als der Abglanz Christi, wahrer Mensch und wahrer Gott, wird von der Kirche massgebend jeder wohlgesinnten Seele weitergegeben. Daher erfüllt auch die Kirche für die Menschheit die Aufgabe des Sternes. Derartiges aber kann man von jedem Christen sagen, der dazu berufen ist, mit dem Wort und Zeugnis seines Lebens die Wege der Brüder zu erhellen. Wie wichtig ist es also, dass wir Christen unserer Berufung treu sind! Jeder wahrhaft Glaubende ist immer auf seinem persönlichen Glaubensweg unterwegs, und gleichzeitig kann und muss er mit dem kleinen Licht, das er in sich trägt, demjenigen helfen, der an seiner Seite steht und vielleicht Mühe hat, dem Weg zu finden, der zu Christus führt.
Angelus, 6. Januar 2008






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