Taufe




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Geheimnis der Wiedergeburt zum göttlichen Leben
Die Taufe von Kindern ist Ausdruck und Verwirklichung des Geheimnisses der Wiedergeburt zum göttlichen Leben in Christus: Die gläubigen Eltern bringen ihre Kinder zum Taufbecken, das den "Schoss" der Kirche symbolisiert, aus dessen gesegnetem Wasser die Söhne und Töchter Gottes hervorgehen. Das Geschenk, das die Neugeborenen empfangen haben, soll von ihnen, wenn sie erwachsen geworden sind, auf freie und verantwortliche Weise angenommen werden: Dieser Reifungsprozess wird sie dann dazu führen, das Sakrament der Firmung zu empfangen, das ihre Taufe festigt und jedem von ihnen das "Siegel" des Heiligen Geistes aufprägt.
Angelus, 8. Januar 2006



Geschenk des Lebens
Die Taufe ist das Geschenk des Lebens. Sie ist ein Ja zur Herausforderung, das Leben wirklich zu leben, und nein zu sagen zum Angriff des Todes, der sich als Leben verkleidet, und sie ist ein Ja zum grossen Geschenk des wahren Lebens, das im Antlitz Christi gegenwärtig ist, der sich uns in der Taufe und dann in der Eucharistie schenkt.
Predigt an der Tauffeier in der Sixtinischen Kapelle, 8. Januar 2006



Aufnahme in den Freundeskreis
Durch die Taufe wird jedes Kind in einen Freundeskreis aufgenommen, der es nie, weder im Leben noch im Tod, verlassen wird, denn diese Gemeinschaft ist die Familie Gottes, die die Verheissung der Ewigkeit in sich trägt. Dieser Freundeskreis, diese Familie Gottes, in die das Kind nun eingegliedert wird , begleitet es immerfort, auch in Tagen des Leids, in den dunklen Nächten des Lebens; er wird ihm Trost, Zuspruch und Licht geben.
Predigt an der Tauffeier in der Sixtinischen Kapelle, 8. Januar 2006



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"Ja" sagen
Die Taufe ist, wie wir gesehen haben, ein Geschenk, das Geschenk des Lebens. Ein Geschenk muss jedoch angenommen, muss gelebt werden. Ein Geschenk der Freundschaft bringt es mit sich, ja zu sagen zum Freund und nein zu sagen zu allem, was mit dieser Freundschaft unvereinbar ist, was mit dem Leben der Familie Gottes, mit dem wahren Leben in Christus unvereinbar ist.
Predigt an der Tauffeier, 8. Januar 2006



Ich, doch nicht mehr ich
Das Ich selber, die eigene Identität des Menschen - dieses Menschen Paulus - ist verändert worden. Er existiert noch, und er existiert nicht mehr. Er ist durch ein "Nicht" hindurchgegangen und steht immerfort in diesem "Nicht". Ich, doch "nicht" mehr ich. Paulus beschreibt damit nicht irgendein mystisches Erlebnis, das ihm etwa geschenkt worden wäre und das uns im letzten allenfalls historisch interessieren könnte. Nein, dieser Satz ist Ausdruck dessen, was in der Taufe geschah. Das eigene Ich wird mir genommen und eingefügt in ein grösseres, in ein neues Subjekt. Dann ist es wieder da, aber eben verwandelt, umgebrochen, aufgebrochen durch die Zugehörigkeit zum anderen, in dem es seinen neuen Existenzraum hat.
Predigt in der Osternachtsfeier, 15. April 2006



Explosion der Auferstehung
Nicht eins, sondern einer, ein einziger, ein einziges neues Subjekt. Diese Befreiung unseres Ich aus seiner Isolation, dieses Stehen in einem neuen Subjekt ist Stehen in der Weiten Gottes und Hineingerissensein in ein Leben, das aus dem Zusammenhang von Stirb und Werde herausgetreten ist, jetzt schon. Die grosse Explosion der Auferstehung hat in der Taufe nach uns gegriffen. So gehören wir einer neuen Dimension des Lebens zu, in die wir mitten in den Bedrängnissen dieser Zeit schon hineingehalten sind. In diesen offenen Raum hineinzuleben, das heisst getauft sein, das heisst Christ sein. Das ist die Freude der Osternacht. Die Auferstehung ist nicht vergangen, die Auferstehung hat nach uns gegriffen, hat uns ergriffen. An ihr, das heisst am auferstandenen Herrn, halten wir uns fest, so halten wir auch einander Fest, werden einer, nicht nur eins. Ich, doch nicht mehr ich; Das ist die von der Taufe vorgegebene Formel der christlichen Existenz, die Formel der Auferstehung mitten in der Zeit. Ich, doch nicht mehr ich: Wenn wir so leben, gestalten wir die Welt um. Es ist die Gegenformel zu allen Ideologien der Gewalt und das Gegenprogramm zu Korruption und Suche nach Macht und Habe.
Predigt in der Osternachtsfeier, 15. April 2006



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Der Glaube, verankert in der Taufe
Das Glaubensbekenntnis ist nicht eine Summe von Sätzen, nicht eine Theorie. Es ist ja verankert im Geschehen der Taufe - in einem Ereignis der Begegnung von Gott und Mensch. Gott beugt sich über uns Menschen im Geheimnis der Taufe; er geht uns entgegen und führt uns so zueinander. Denn Taufe bedeutet, dass Jesus Christus uns sozusagen als seine Geschwister und damit als Kinder in die Familie hinein adoptiert. So macht er uns damit alle zu einer grossen Familie in der weltweiten Gemeinschaft der Kirche. Ja, wer glaubt, ist nie allein. Gott geht auf uns zu. Gehen auch wir Gott entgegen, dann gehen wir aufeinander zu! Lassen wir keines der Kinder Gottes allein, so weit es in unseren Kräften steht!
Predigt bei der Eucharistiefeier in Regensburg, 12. September 2006



Taufe ist neues Leben
Bei der Taufvorbereitung versuchen wir, verständlich zu machen, dass durch dieses Sakrament die Eingliederung in die Familie Gottes stattfindet, dass Gott lebt, dass er für uns Sorge trägt. Seine Sorge für uns geht so weit, dass er sogar unser Fleisch angenommen und die Kirche gestiftet hat, die sein Leib ist und in der er sozusagen von neuem in unserer Gesellschaft Fleisch annehmen kann. Die Taufe ist neues Leben: Ausser dem biologischen Leben muss uns das Bewusstsein geschenkt werden dass das Leben einen Sinn hat, der stärker ist als der Tod und der auch dann noch andauert, wenn die Eltern eines Tages nicht mehr dasein werden. Das Geschenk des biologischen Lebens besitzt nur dann seine Berechtigung, wenn ihm gleichzeitig ein bleibender Sinn, eine Zukunft verheissen ist – ein Sinn, der auch in den Krisen, die kommen werden und die wir noch nicht kennen, dem Leben Wert verleiht, so das es sich lohnt, zu leben, dass es sich lohnt, Geschöpf zu sein.
Begegnung mit Priestern aus der Diözese Albano, 31. August 2006



Ich, aber nicht mehr ich
"Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir" (Gal 2,20). So ist meine wesentliche Identität durch die Taufe eine andere geworden, und ich fahre nur in dieser Veränderten Identität fort zu existieren. Mein eigenes Ich wird mir genommen und eingefügt in ein neues, grösseres Subjekt, in dem mein Ich wieder da ist, aber umgewandelt, gereinigt, "geöffnet" durch sein Eingefügtsein in das andere Subjekt, in dem es seinen neuen Lebensraum erhält. So werden wir "einer in Christus" (Gal 3,28), ein einziges neues Subjekt, und unser Ich wird aus seiner Isolierung befreit. "Ich, aber nicht mehr ich": das ist die Formel des christlichen Lebens, das in der Taufe gründet, die Formel der Auferstehung in der Zeit, die Formel der "Neuheit" des Christentums, die aufgerufen ist, die Welt zu verändern. Hier liegt unsere österliche Freude. Es ist unsere Berufung und unsere Aufgabe als Christen, daran mitzuarbeiten, dass das, was der Heilige Geist mit der Taufe in uns begonnen hat, in der täglichen Wirklichkeit unseres Lebens wirklich zur Erfüllung gelangen kann: Wir sind nämlich aufgerufen, neue Männer und Frauen zu werden, um wahre Zeugen des Auferstandenen sein zu können und auf diese Weise konkret zu Boten der christlichen Freude und Hoffnung in der Welt zu werden, in jener Gemeinschaft von Männern und Frauen, in der wir leben.
Ansprache beim Kongress der katholischen Kirche in Italien, 19. Oktober 2006 in Verona



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Befreit von der Herrschaft der Sünde
Das Licht der Heiligkeit, das in denen leuchtet, die diesen Schatz [der Glaube an Christus] gefunden haben, wird im Augenblick der Taufe entzündet. In der Taufe befreit Christus den Glaubenden von der Herrschaft der Sünde, indem er ihn von einem Dasein freimacht, das von Angst und Aberglauben erfüllt ist, und ihm zu einem neuen Leben ruft. "Liebe Brüder jetzt sind wir Kinder Gottes... Jeder, der dies von ihm erhofft, heiligt sich, so wie Er heilig ist" (Joh 3,2-3). Denn der Christ hat sein Vertrauen in Christus gesetzt und kann stets sicher sein, dass dieser seine Gebete hört und beantwortet.
"Ad-limina"-Besuch der Bischöfe von Sambia, 13. Oktober 2006



Ephata!
In unserer Taufe hat Jesus an uns diese Geste des Berührens vollzogen und gesagt: "Ephata – tu dich auf!", um uns hörfähig zu machen für Gott und so auch wieder das Sprechenkönnen zu Gott zu schenken. Aber dieser Vorgang, das Sakrament der Taufe, hat nichts Magisches an sich. Die Taufe eröffnet einen Weg. Sie führt uns ein in die Gemeinschaft der Hörenden und Redenden – in die Gemeinschaft mit Jesus selber, der als einziger Gott gesehen hat und deshalb von ihm erzählen konnte (vgl. Joh 1,18): Durch den Glauben will er uns an seinem Sehen Gottes, an seinem Hören und Reden mit dem Vater beteiligen. Der Weg des Getauftseins muss ein Prozess des Wachstums werden, in dem wir in das Leben mit Gott hineinwachsen und so auch einen anderen Blick auf den Menschen und auf die Schöpfung gewinnen.
Predigt auf dem Gelände "Neue Messe", München, 10. September 2006



Das Bad
Sie [die Offenbarung des Joh.] sagt von den versöhnten Menschen, dass sie "ihre Kleider in Blut des Lammes gewaschen haben" und dass so ihre Gewänder weiss geworden sind. Das klingt für uns sehr seltsam. In der verschlüsselten Sprache des Sehers ist das ein Hinweis auf die Taufe. Das Wort vom Blut des Lammes" deutet hin auf die Liebe Jesu, die er bis in den Tod hinein durchgehalten hat. Diese zugleich göttliche und menschliche Liebe ist das Bad, in das er uns in der Taufe eintaucht – das Bad, mit dem er uns so wäscht, sauber macht, dass wir zu Gott passen und mit ihm zusammenleben können. Der Akt der Taufe ist aber nur ein Anfang. Im Mitgehen mit Jesus, im Glauben und im Leben mit ihm führt seine Liebe uns an, die uns reinigt und die uns hell machen will. Die Gewänder sind im Bad dieser Liebe weiss geworden, haben wir gehört. Weiss war nach der Vorstellung der alten Welt die Farbe des Lichtes. Die weissen Gewänder bedeuten, dass wir im Glauben Licht werden, das Dunkel, die Lüge, die Verstellung, das Böse überhaupt ablegen und helle, gottgemässe Menschen werden. Das Taufkleid wie das weisse Kleid bei der Erstkommunion, [...] möchte uns daran erinnern und sagen: Werde durch das Mitleben mit Jesus und mit der Gemeinschaft der Glaubenden, der Kirche, selbst ein heller Mensch, ein Mensch der Wahrheit und der Güte – ein Mensch, aus dem das Gute, die Güte Gottes selbst herausleuchtet.
Ansprache bei der Vesper in München, 10. September 2006



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Das weisse Gewand
Am Ende des Lebens nimmt uns der Tod alles Irdische, aber er nimmt uns nicht jene Gnade und jenen sakramentalen "character", kraft derer wir unlösbar mit dem Ostergeheimnis unseres Herrn und Erlösers verbunden sind. Der Getaufte hat alles abgelegt, aber Christus angezogen: So überschreitet er die Schwelle des Todes und tritt vor das Angesicht des gerechten und barmherzigen Gottes. Um das bei der Taufe erhaltene weisse Gewand von jeder Unreinheit und jedem Makel zu reinigen, bringt die Gemeinschaft der Gläubigen das eucharistische Opfer für diejenigen dar, die der Tod gerufen hat, aus der Zeit in die Ewigkeit hinüberzugehen, und betet für sie.
Predigt bei der Heilgen Messe zum Gedenken an die verstorbenen Kardinäle und Bischöfe, 4. November 2006



Adoption und Aufnahme
Und aus dem Himmel kam an jenem Tag [...] eine Stimme, die zu Jesus sagte: "Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden" (Lk 3,22). Bei der Taufe wiederholt der himmlische Vater diese Worte auch für jedes dieser Kinder. Er sagt: "Du bist mein Sohn." Die Taufe ist Adoption und Aufnahme in die Familie Gottes, in die Gemeinschaft mit der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, in die Gemeinschaft mit dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Deshalb muss die Taufe im Namen der Allerheiligsten Dreifaltigkeit gespendet werden. Diese Worte sind nicht nur eine Formel; sie sind Realität. Sie zeigen den Augenblick an, in dem eure Kinder als Kinder Gottes wiedergeboren werden. Von Kindern menschlicher Eltern werden sie im Sohn des lebendigen Gottes auch zu Kindern Gottes.
Predigt bei der Tauffeier am Fest der Taufe des Herrn, 7. Januar 2007



Aufgabe der Paten
Diese eure Kinder, die wir jetzt taufen werden, sind noch unfähig, mitzuwirken, ihren Glauben zu bezeugen. Darum erhält eure Anwesenheit, liebe Väter und Mütter, liebe Paten, in besondere Weise Wert und Bedeutung. Wacht stets über diese eure Kleinen, auf dass sie beim Heranwachsen Gott kennenlernen, ihn mit allen Kräften zu lieben und ihn treu zu dienen lernen. Seid für sie die ersten Erzieher im Glauben, in dem ihr ihnen zusammen mit den Glaubenslehren auch Beispiele eines kohärenten christlichen Lebens bietet. Lehrt sie beten und sich als aktive Glieder der konkreten Familie Gottes, der kirchlichen Gemeinschaft, zu fühlen. [...] Vergesst vor allem nicht, dass es euer Zeugnis und euer Beispiel sind, die am meisten das menschliche und geistig-geistliche Reifen der Freiheit eurer Kinder beeinflussen werden. Unterlasst es trotz der oft mühsamen täglichen Aktivitäten nicht, persönlich und in der Familie das Gebet zu pflegen: es stellt das Geheimnis der christlichen Beständigkeit dar.
Predigt bei der Tauffeier am Fest der Taufe des Herrn, 7. Januar 2007



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Fähig, das Wort Gottes zu hören
Jeder Christ, der Aufgrund der Ursünde geistlich taub und stumm ist, empfängt mit der Taufe die Gabe des Herrn, der seine Finger auf dessen Gesicht legt, und wird so durch die Gnade der Taufe dazu fähig, das Wort Gottes zu hören und es den Brüdern zu verkünden. Ja, von diesem Augenblick an ist es seine Aufgabe, in der Erkenntnis Christi und in seiner Liebe zu reifen, so dass er das Evangelium auf wirksame Weise verkünden und bezeugen kann.
Generalaudienz, 17. Januar 2007



Die Taufe wieder neu entdecken und erleben
Wir sind schon getauft, aber die Taufe ist in unserem Alltagsleben oft nicht sehr wirksam. Darum ist auch für uns die Fastenzeit ein neues "Katechumenat", in dem wir erneut unserer Taufe entgegengehen, um sie wieder neu zu entdecken und zutiefst wieder zu erleben, um wieder wirklich Christen zu werden. Die Fastenzeit ist also eine Gelegenheit, um wieder neu Christen "zu werden", durch einen ständigen Prozess des inneren Wandels und des Fortschreitens in der Erkenntnis und in der Liebe Christi. Die Umkehr geschieht nie ein für allemal, sondern sie ist ein Prozess, ein innerer Weg während unseres ganzen Lebens. Dieser Weg der dem Evangelium entsprechenden Umkehr darf sich gewiss nicht auf eine besondere Periode des Jahres beschränken: Es ist ein Weg, der jeden Tag zu gehen ist, der den ganzen Bogen der Existenz, jeden Tag unsres Lebens umfassen muss. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Fastenzeit für jeden Christen und für alle kirchlichen Gemeinschaften die günstige geistliche Zeit, um sich mit grösserer Beharrlichkeit darin zu üben, Gott zu suchen, indem man sein Herz Christus öffnet.
Generalaudienz, 21. Februar 2007



In Seinsgemeinschaft mit Christus
Der heilige Paulus gebraucht für das, was in der Taufe geschieht, ganz ausdrücklich das Bild vom Gewand: "Ihr, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen" (Gal 3,27). Das geschieht in der Taufe: Wir ziehen Christus an, er schenkt uns seine Gewänder, und die sind keine Äusserlichkeit. Sie bedeuten, dass wir in Seinsgemeinschaft mit ihm treten, dass seine und unsere Existenz ineinander übergehen, sich gegenseitig durchdringen. "Ich lebe, aber nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir", so beschreibt Paulus selber im Brief an die Galater das Geschehnis seiner Taufe (2,20).
Predigt an der "Missa chrismatis" am Gründonnerstag, 5. April 2007



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Beginn des Lebens
Taufe ist ja mehr als eine Abwaschung, eine Reinigung. Sie ist mehr als die Aufnahme in eine Gemeinschaft. Sie ist eine neue Geburt. Ein neuer Beginn des Lebens. Die Lesung aus dem Römerbrief, die wir vorhin gehört haben, sagt mit einer geheimnisvollen Formulierung, dass wir in der Taufe in die Ähnlichkeit mit Christi Tod "eingepflanzt" worden sind. In der Taufe übereignen wir uns Christus – er nimmt aus auf in sich, damit wir fortan nicht mehr für uns selber leben, sondern aus ihm, mit ihm und in ihm; damit wir mit ihm und so für die anderen leben. Wir lassen uns selber zurück in der Taufe, legen unser Leben in seine Hände hinein, so dass wir mit dem heiligen Paulus sagen können: Ich lebe, doch nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir. Wenn wir uns so weggeben, eine Art von Tod unseres eigenen Ich annehmen, so bedeutet dies zugleich, dass die Grenze zwischen Tod und Leben durchlässig wird.
Predigt in der Feier der Osternacht, 7. April 2007



Wir sind im Tod nicht allein
Dies ist das Neue an der Taufe: Unser Leben gehört Christus und nicht mehr uns selber. Aber gerade darum sind wir auch im Tod nicht allein, sondern bei ihm, der immer lebt. In der Taufe haben wir mit Christus schon die kosmische Reise bis in die Tiefen des Todes hinunter gemacht. Von ihm begleitet, ja, von ihm in seiner Liebe aufgenommen, sind wir frei von Furcht. Er umfängt uns und trägt uns, wohin wir auch gehen – er, der das Leben selber ist.
Predigt in der Feier der Osternacht, 7. April 2007



Taufe und Firmung
Ich Lade Euch ein, über das nachzudenken, was ich euch hier schreibe. Heute ist es besonders wichtig, das Sakrament der Firmung und seinen Wert für unser geistliches Wachstum wiederzuentdecken. Wer die Sakramente der Taufe und der Firmung empfangen hat, soll sich daran erinnern, dass er "Tempel des Heiligen Geists" geworden ist: Gott wohnt in ihm. Er soll sich dessen bewusst sein und dafür sorgen, dass der Schatz, der in ihm ist, Früchte der Heiligkeit trägt.. Wer getauft ist, aber das Sakrament der Firmung noch nicht empfangen hat, möge sich darauf vorbereiten, es zu empfangen in dem Wissen, dass er so ein "vollendeter" Christ wird, denn die Firmung vervollkommnet die Taufgnade (vgl. KKK, 1302-1304).
Botschaft an die Jugendlichen zum XXIII. Weltjugendtag, 20. Juli 2007



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Die Kraft der Firmung
Die Firmung verleiht uns eine besondere Kraft, um mit unserem ganzen Leben Gott zu bezeugen und zu verherrlichen ( vgl. Röm 12,1); sie macht uns zutiefst unsere Zugehörigkeit zur Kirche, dem "Leib Christi", bewusst, dessen lebendige, untereinander solidarischen Glieder wir sind (vgl.1 Kor 12,12-25). Wenn er sich vom Heiligen Geist führen lässt, kann jeder Getaufte seinen eigenen Beitrag zum Aufbau der Kirche leisten, dank der Charismen, die er verleiht, denn jedem "wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt" (1 Kor 12,7). Und wenn der Geist handelt, bringt er im Herzen seine Früchte: "Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung" (Gal 5,22). An alle unter Euch, die das Sakrament der Firmung noch nicht empfangen haben, richte ich die herzliche Einladung, sich auf den Empfang vorzubereiten, indem sie ihre Priester um Hilfe bitten. Es ist eine besondere Gelegenheit der Gnade, die der Herr euch anbietet: Lasst sie Euch nicht entgehen!
Botschaft an die Jugendlichen zum XXIII. Weltjugendtag, 20. Juli 2007



Die Taufe Jesu
Indem sich Jesus von Johannes zusammen mit den Sündern taufen liess, begann er damit, die Last der Sünden der ganzen Menschheit auf sich zu nehmen, als Lamm Gottes, das die Sünden der Welt "hinwegnimmt" (vg. Joh 1,29). Ein Werk, das er am Kreuz erfüllte, als er auch seine "Taufe" empfing (vgl. Lk 12,50). Indem er nämlich starb, "tauchte" er in die Liebe des Vaters "ein" und goss den Heiligen Geist aus, auf dass diejenigen, die an ihn glauben, aus dieser unerschöpflichen Quelle des neuen und ewigen Lebens neu geboren werden. Die ganze Sendung Christi lässt sich darin zusammenfassen: uns im Heiligen Geist zu taufen, um uns von der Knechtschaft des Todes zu befreien und "uns den Himmel zu öffnen", das heisst den Zugang zum wahren und vollkommenen Leben, das ein "immer neues Eintauchen in die Weite des Seins [sein wird], indem wir einfach von der Freude überwältigt werden" (Spe salvi, 12).
Angelus, 13. Januar 2008



Das Leben der Gnade
Gott ist Leben, [...]. Es soll aber nicht unangebracht erscheinen, wenn wir uns sogleich der entgegengesetzten Lebenserfahrung zuwenden: der Wirklichkeit des Todes. Alles, was auf Erden einen Anfang hat, nimmt früher oder später auch ein Ende, wie das Gras auf dem Feld, das am Morgen spriesst und am Abend dahinwelkt. In der Taufe aber empfängt der kleine Mensch ein neues Leben, das Lebend der Gnade, die ihn dazu befähigt, in eine persönliche Beziehung mit dem Schöpfer zu treten, und das für immer, für alle Ewigkeit.
bild Unglücklicherweise ist es dem Menschen möglich, dieses neue Leben durch seine Sünde auszulöschen, indem er in eine Situation gerät, welche die Heilige Schrift den "zweiten Tod" nennt. Während bei den anderen Geschöpfen, die nicht zur Ewigkeit berufen sind, der Tod nur das Ende der irdischen Existenz bedeutet, reisst die Sünde in uns einen Abgrund auf, der uns für immer zu verschlingen droht, wenn der Vater im Himmel uns nicht seine Hand reicht. Hier erkennen wir, liebe Brüder und Schwestern das Geheimnis der Taufe. Gott wollte uns retten, indem er selbst bis hinein in den Abgrund des Todes stieg, damit jeder Mensch, auch jener, der so tief gefallen ist, dass er den Himmel nicht mehr sieht, die Hand Gottes finde, um sich an ihr festzuklammern und wieder aus der Finsternis hinaufzusteigen, um erneut das Licht zu sehen, für das er geschaffen ist. Alle spüren wir, alle nehmen wir innerlich wahr, dass unser Sein eine Sehnsucht nach Leben ist, das nach Fülle, nach Heil verlangt, diese Fülle des Lebens wird uns in der Taufe gegeben.
Predigt bei der Tauffeier in der Sixtinischen Kapelle am Fest der Taufe des Herrn, 13. Januar 2008



Getaufte, gläubige Menschen sind nie ganz fremd für einander
In der Taufe tritt der Herr durch die Tür eures Herzens in euer Leben ein. Wir stehen nicht mehr nebeneinander oder gegeneinander. Er durchschreitet all diese Türen. Das ist Taufe: Er, der Auferstandene, kommt, kommt zu euch und verbindet sein Leben mit dem eurigen, hält euch in die offene Flamme seiner Liebe hinein. Ihr werdet eins, ja einer mit ihm und so eins untereinander. Das mag zunächst sehr theoretisch und unwirklich klingen. Aber je mehr ihr das Leben als getaufte lebt, desto mehr könnt ihr die Wahrheit dieses Wortes erfahren. Getaufte, gläubige Menschen sind nie wirklich fremd für einander. Kontinente können uns voneinander trennen, Kulturen und soziale Situationen, geschichtliche Entfernungen. Aber wenn wir einander treffen, kennen wir uns durch den gleichen Herrn, den gleichen Glauben, die gleiche Hoffnung, die gleiche Liebe, die uns formen. Dann erfahren wir, dass unsere Lebensgrundlage dieselbe ist. Dass wir vom Innersten her in der gleichen Identität verankert sind, von der her alle noch so grossen äusseren Unterschiede zweitrangig werden. Glaubende sind nie ganz fremd füreinander. Uns verbindet unsere tiefste Identität: Christus in uns. So ist Glaube eine Kraft des Friedens und der Versöhnung in der Welt: die Ferne ist überwunden, im Herrn sind wir einander nahe geworden, (vgl. Eph 2,13).
Predigt in der Osternacht, 22. März 2008



Lassen wir seine Hand nie los!
Ja, dies geschieht in der Taufe: er zieht uns herauf zu sich, er zieht uns ins wirkliche Leben hinein. Er führt uns durch das oft so dunkle Meer der Geschichte, in dessen Verwirrungen und Gefährdungen wir oft zu versinken drohen. In der Taufe nimmt er uns gleichsam an die Hand und führt uns den Weg durch das Rote Meer dieser Zeit hindurch in das bleibende, in das wirkliche und rechte Leben hinein. Halten wir seine Hand fest. Was immer geschieht oder auf uns zukommt: lassen wir seine Hand nicht los. Dann gehen wir den Weg zum Leben.
Predigt in der Osternacht, 22. März 2008



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Das Licht der Wahrheit tritt in uns ein
Getauft werden bedeutet, dass das Feuer dieses Lichts [der Wahrheit] in unser Inneres eingesenkt wird. Die Taufe wurde daher in der alten Kirche auch Sakrament der Erleuchtung genannt: Das Licht Gottes tritt in uns herein; so werden wir selbst zu Kindern des Lichts. Dieses Licht der Wahrheit, das uns den Weg zeigt, wollen wir in uns nicht erlöschen lassen. Wir wollen es hüten gegen all die Mächte, die es auslöschen, uns wieder ins Gottesdunkel und in das Dunkel über uns selbst zurückwerfen möchten. Das Dunkel kann zeitweise bequem erscheinen. Ich kann mich verstecken und kann mein Leben verschlafen. Aber wir sind nicht zum Dunkel berufen, sondern zum Licht.
Predigt in der Osternacht, 22. März 2008



Ja, ich glaube!
In der Taufgelübden zünden wir gleichsam Jahr um Jahr dieses Licht [der Wahrheit] neu an: Ja, ich glaube daran, dass die Welt und mein Leben nicht aus dem Zufall stammen, sondern aus der ewigen Vernunft und der ewigen Liebe, von Gott dem Allmächtigen geschaffen. Ja, ich glaube daran, dass in Jesus Christus, in seiner Menschwerdung, seinem Kreuz und seiner Auferstehung sich das Gesicht Gottes gezeigt hat. Dass in ihm Gott da ist, mitten unter uns und uns zueinander, an unser Ziel, zur ewigen Liebe führt. Ja, ich glaube daran, dass der Heilige Geist uns das Wort der Wahrheit schenkt und unser Herz erleuchtet; dass in der Gemeinschaft der Kirche wir alle mit dem Herrn ein Leib werden und so auf die Auferstehung und das ewige Leben zugehen.
Predigt in der Osternacht, 22. März 2008



Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben
Christus bietet mehr! Er bietet in der Tat alles! Allein er, der die Wahrheit ist, kann der Weg sein und darum auch das Leben. So ist der "Weg", den die Apostel bis an die Enden der Erde brachten, das Leben in Christus. Das ist das Leben der Kirche. Und der Eingang zu diesem Leben, zum christlichen Weg, ist die Taufe.
Ansprache bei Willkommensfeier auf den Hafengelände in Sydney, 17. Juli 2008



"Du bist eine neue Schöpfung geworden"
Am Tag eurer Taufe hat Gott euch in seine Heiligkeit hineingezogen (vgl. 2 Petr 1,4). Ihr wurdet als Sohn oder Tochter des himmlischen Vaters angenommen. Ihr wurdet in Christus eingegliedert. Ihr wurdet zu einer Wohnung seines Geistes (vgl. 1 Kor 6,19). Der Priester hat sich in der Tat gegen Ende eurer Taufe an eure Eltern und die Umstehenden gewandet, euch mit eurem Namen angesprochen und gesagt: "du bist eine neue Schöpfung geworden" (Ritus der Taufe, 99).
Ansprache bei Willkommensfeier auf den Hafengelände in Sydney, 17. Juli 2008


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