Glaubensfreiheit




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Sich für die Glaubensfreiheit einsetzen
Die Märtyrer der frühen Kirche sind für ihren Glauben an den Gott gestorben, der sich in Jesus Christus offenbart hatte, und damit sind sie auch für die Gewissensfreiheit und für die Freiheit, den eigenen Glauben zu bekennen, gestorben - für ein Bekenntnis, das von keinem Staat aufgezwungen werden kann, sondern das man sich nur durch die Gnade Gottes in der Freiheit des eigenen Gewissens zu eigen machen kann. Eine missionarische Kirche, die sich verpflichtet weiss, ihre Botschaft allen Völkern zu verkündigen, muss sich unbedingt für die Glaubensfreiheit einsetzen. Sie will die Gabe der Wahrheit, die für alle Menschen da ist, weitergeben und sichert gleichzeitig den Völkern und ihren Regierungen zu, damit nicht ihre Identität und ihre Kulturen zerstören zu wollen; sie gibt ihnen im Gegenteil die Antwort, auf die sie im Innersten warten - eine Antwort, die die Vielfalt der Kulturen nicht zerstört, sondern die Einheit unter den Menschen und damit auch den Frieden unter den Völkern vermehrt.
Ansprache am Weihnachtsempfang für das Kardinalskollegium und die Mitarbeiter der Römischen Kurie, 22. Dezember 2005



Verfälschung der Religionsfreiheit
Die Religionsfreiheit wird dann, wenn sie eine Unfähigkeit des Menschen, die Wahrheit zu finden, zum Ausdruck bringen soll und infolgedessen dem Relativismus den Rang eines Gesetzes verleiht, von der Ebene einer gesellschaftlichen und historischen Notwendigkeit auf die ihr nicht angemessene Ebene der Metaphysik erhoben und so ihres wahren Sinnes beraubt, was zur Folge hat, dass sie von demjenigen, der glaubt, dass der Mensch fähig sei, die Wahrheit Gottes zu erkennen und der aufgrund der der Wahrheit innewohnenden Würde an diese Erkenntnis gebunden ist, nicht akzeptiert werden kann.
Ansprache am Weihnachtsempfang für das Kardinalskollegium und die Mitarbeiter der Römischen Kurie, 22. Dezember 2005



Staat muss Bekenntnisse gewährleisten
Der Staat darf die Religion nicht vorschreiben, sondern muss deren Freiheit und den Frieden der Bekenner verschiedener Religionen untereinander gewährleisten; die Kirche als sozialer Ausdruck des christlichen Glaubens hat ihrerseits ihre Unabhängigkeit und lebt aus dem Glauben heraus ihre Gemeinschaftsform, die der Staat achten muss. Beide Sphären sind unterschieden, aber doch aufeinander bezogen.
Enzyklika "Deus Caritas Est", 25. Dezember 2005



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Religionen und ihre Symbole respektieren
In der internationalen Lage, die wir gegenwärtig erleben, ist die katholische Kirche ihrerseits davon überzeugt, dass es zur Förderung des Friedens und der Verständigung zwischen den Völkern und zwischen den Menschen notwendig und dringend geboten ist, die Religionen und ihre Symbole zu respektieren; die Gläubigen dürfen nicht zur Zielscheibe von Provokationen werden, die ihre Einstellung und ihre religiösen Gefühle verletzten. Intoleranz und Gewalt jedoch lassen sich niemals als Antwort auf Beleidigungen rechtfertigen, denn solche Reaktionen sind mit den unantastbaren Grundsätzen der Religion nicht vereinbar. Man kann deshalb das Vorgehen jener Menschen, die bewusst die Verletzung religiöser Gefühle ausnutzen, um zu Gewalttaten anzustiften, nur beklagen; und das um so mehr, als es hier um Ziele geht, die mit der Religion nichts zu tun haben.
Ansprache an den Botschafter des Königreichs Marokko, 20. Februar 2006



Respekt als Weg des Friedens
Für die Gläubigen sowie für alle Menschen guten Willens ist der einzige Weg, der zu Frieden und Brüderlichkeit führen kann, die Überzeugungen und religiösen Ausdrucksformen des anderen zu respektieren, damit durch gegenseitigen Respekt in allen Gesellschaften für jeden einzelnen die Ausübung der von ihm frei gewählten Religion wirklich sichergestellt ist.
Ansprache an den Botschafter des Königreichs Marokko, 20. Februar 2006



Keine Angst vor der Tätigkeit der Kirche im Staat
Sie, Herr Botschafter, haben an den unbestreitbaren Wert der Freiheit erinnert, die ein grosses Gut ist, das es dem Menschen erlaubt, sich vollkommen zu verwirklichen. Die Kirche braucht diese Freiheit, um ihre Mission zu erfüllen, ihre Hirten auszuwählen und ihre Gläubigen zu leiten. Die Nachfolger Petri haben sich immer bemüht, diese Freiheit zu verteidigen. Andererseits haben die Regierungen der Staaten nichts zu befürchten von der Tätigkeit der Kirche, die bei der Ausübung ihrer Freiheit nur versucht, die ihr eigenen religiöse Mission durchzuführen und zum geistlichen Fortschritt jedes Landes beizutragen.
Ansprache bei der Audienz für den neuen Botschafter der Bolivarischen Republik Venezuela beim Hl. Stuhl, 25. August 2005



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Verkündigung und Verteidigung der Grundrechte
Die Kirche verkündet und verteidigt unaufhörlich die menschlichen Grundrechte, die leider in verschiedenen Teilen der Welt noch immer verletzt werden, und setzt sich dafür ein, dass die Rechte jedes Menschen auf Leben von der Empfängnis an, auf Nahrung, auf Wohnung, auf Arbeit, auf medizinische Betreuung, auf Schutz der Familie und auf Förderung der sozialen Entwicklung anerkannt werden – unter vollen Achtung der Würde jedes Mannes und jeder Frau, das sie nach dem Abbild Gottes geschaffen sind. Die Regierenden, die den Auftrag erhalten haben, eben diese Rechte zu schützen und zu verbreiten, dürfen in ihrem Bemühen um deren Umsetzung nicht nachlassen, mögen die Schwierigkeiten auch noch so gross sein.
Ansprache bei der Audienz für den neuen Botschafter der Republik Paraguay beim Hl. Stuhl, 26. August 2005



Einsatz für die Religionsfreiheit
Durch ihren apostolischen Einsatz und dann durch ihren karitativen, gesundheitlichen und schulischen Beitrag fördert die Kirche den Fortschritt der Gesellschaft in einer Atmosphäre grosser Religionsfreiheit. Es ist bekannt, dass die Kirche keine Privilegien sucht, sondern nur ihre Sendung erfüllen will. Wenn ihr dieses Recht zuerkannt wird, dann ist das wirklich zum Nutzen der ganzen Gesellschaft.
"Ad-limina"-Besuch der Bischöfe aus der Tschechischen Republik, 18. November 2005



Nichts aufzwingen
Ihr wisst wohl, dass die Kirche niemandem etwas aufzwingen will und dass sie einfach nur darum bittet, frei leben zu können, um denjenigen zu offenbaren, den sie nicht verbergen kann, Christus Jesus, der uns bis hin zu seinem Tod am Kreuz geliebt und uns seinen Geist geschenkt hat, die lebendige Gegenwart Gottes mitten unter uns und in unserem Innersten. Seid stets offen für den Geist Christi und widmet deshalb denjenigen eure Aufmerksamkeit, die nach Gerechtigkeit, Frieden, Würde und Achtung ihrer selbst und ihrer Brüder dürsten. Lebt untereinander nach dem Wort des Herrn: "Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: Wenn ihr einander liebt" (Joh 13,35).
Predigt in der Heilig-Geist-Katherdrale in Istanbul, 1. Dezember 2006


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Freiheit der Gläubigen gewährleisten
Es ist in jedem demokratischen Land Aufgabe der zivilen Autoritäten, die tatsächliche Freiheit aller Gläubigen zu gewährleisten und es ihnen zu erlauben, das Leben ihrer jeweiligen religiösen Gemeinschaft frei zu organisieren. Selbstverständlich wünschen ich, dass die Gläubigen, welcher Religionsgemeinschaft auch immer sie angehören, weiterhin in den Genuss dieser Rechte kommen, in der Gewissheit, dass die Religionsfreiheit ein grundlegender Ausdruck der menschlichen Freiheit ist und dass die aktive Anwesenheit der Religionen in der Gesellschaft ein Faktor des Fortschritts und der Bereicherung für alle ist. Dies schliesst natürlich ein, dass die Religionen ihrerseits nicht versuchen direkt politische Macht auszuüben, denn dazu sind sie nicht berufen, und es schliesst im besonderen ein, dass die Religionen absolut darauf verzichten, die Anwendung von Gewalt als legitimen Ausdruck religiöser Praxis zu rechtfertigen.
Ansprache an das Diplomatische Korps in Ankara, 28. November 2006



Verfolgte Christen
Speziell auf die Christen bezogen, muss ich schmerzlich feststellen, dass sie manchmal nicht nur behindert werden; in einigen Staaten werden sie sogar verfolgt, und selbst in jüngster Zeit mussten tragische Fälle grausamer Gewalt verzeichnet werden. Es gibt Regime, die allen eine Einheitsreligion aufzwingen, während religiös indifferente Regierungen nicht eine gewaltsame Verfolgung schüren, wohl aber eine systematische kulturelle Verhöhnung religiöser Überzeugungen begünstigen.
Botschaft zum Weltfriedenstag, 1. Januar 2007



Nicht nur wirtschaftliche Realität
Die Verschiedenen Länder Europas arbeiten an der Schaffung eines neuen Europa, das keine ausschliesslich wirtschaftliche Realität sein darf. Katholiken und Orthodoxen sind aufgerufen, ihren kulturellen und vor allem geistlichen Beitrag zu leisten. Sie sind in der Tat dazu verpflichtet, die christlichen Wurzeln des Kontinents, die diesen im Laufe der Jahrhunderte gestaltet haben, zu verteidigen und es der christlichen Tradition auf diese Weise zu ermöglichen, auch weiterhin in Erscheinung zu treten, um mit allen ihren Kräften für den Schutz der Würde des Menschen und für die Achtung der Minderheiten einzutreten – dabei gilt es, eine kulturelle Vereinheitlichung zu vermeiden, die die Gefahr eines Verlustes der unermesslichen Reichtümer der Kultur mit sich bringen würde. Ebenso ist es erforderlich, für die Wahrung der Menschenrechte einzutreten, die den Grundsatz der individuellen Freiheit, insbesondere der Religionsfreiheit, einschliessen; diese Rechte müssen innerhalb der Europäischen Union und in jedem ihrer Mitgliedsstaaten gefördert und verteidigt werden.
Ansprache beim Besuch des Erzbischofs von Athen und ganz Griechenland, 14. Dezember 2006



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Die letzte Identität geben
Letzten Endes eint allein die Wahrheit. Und der Beweis für sie ist die Liebe. Aus diesem Grund ist Christus, da er wirklich der Fleischgewordene "Logos", " die Liebe bis zur Vollendung" ist, weder irgendeiner Kultur noch irgendeinem Menschen fremd; im Gegenteil, die im Herzen der Kulturen ersehnte Antwort ist jene, die ihnen ihre letzte Identität dadurch gibt, dass sie die Menschheit eint und gleichzeitig den Reichtum der Vielfalt respektiert und alle dem Wachstum in der wahren Humanisierung, im echten Fortschritt öffnet. Das Wort Gottes ist, als es in Jesus Christus Fleisch wurde, auch Geschichte und Kultur geworden.
Ansprache bei der V. Generalversammlung der Bischofskonferenzen von Lateinamerika, 13. Mai 2007



Keine Verachtung der anderen Religionen
Wenn wir Christen ihn [Christus] daher den einzigen für alle gültigen Heilsmittler nennen, der alle angeht und dessen alle letztlich bedürfen, so ist dies keine Verachtung der anderen Religionen und keine hochmütige Absolutsetzung unseres eigenen Denkens, sondern es ist das Ergriffensein von dem, der uns angerührt und uns beschenkt hat, damit wir auch andere beschenken können.
Predigt bei der Eucharistiefeier beim Marienheiligtum Mariazell, 8. September 2007



Religionsfreiheit
Die Ausübung der Freiheit umfasst auch das Recht, die Religion zu wechseln, das nicht nur juridisch, sondern auch in der täglichen Praxis gewährleistet sein muss. Die Religionsfreiheit entspricht nämlich der dem menschlichen Geschöpf innewohnenden Öffnung zu Gott hin, der die Fülle der Wahrheit und das höchste Gut ist, und ihre Wertschätzung ist ein wesentlicher Ausdruck für die Achtung der menschlichen Vernunft und ihrer Fähigkeit zur Wahrheit.
Die Öffnung zur Transzendenz ist eine unverzichtbare Gewährleistung der Würde des Menschen, weil es im Herzen jedes Menschen Sehnsüchte und Wünsche gibt, die nur in Gott Verständnis und Antwort finden. Daher kann man Gott nicht aus dem Horizont des Menschen und der Geschichte ausschliessen: Aus diesem Grund muss dem gemeinsamen Wunsch aller echten religiösen Traditionen, die eigene Identität öffentlich zu zeigen ohne gezwungen zu sein, sie zu verstecken oder zu tarnen, entsprochen werden.
Ansprache an die christlich-demokratischen und zentristischen Parteien " Centrist Democrat International", 21. September 2007



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Den Glauben frei anbieten
Es scheint mir sodann nützlich hervorzuheben, dass die Kirche den katholischen Glauben nicht aufdrängt, sondern frei anbietet, denn sie weiss sehr wohl, dass die Bekehrung die geheimnisvolle Frucht des Wirkens des Heiligen Geistes ist. Der Glaube ist Geschenk und Werk Gottes. Gerade deshalb ist jede form von Proselytismus verboten, die jemanden mit unangebrachten betrügerischen Mitteln dazu zwingt oder verleitet und anlockt, den Glauben anzunehmen (vgl. II. Vatikanisches Konzil, Missionsdekret Ad gentes, 13). Ein Mensch kann sich dem Glauben nach reifer und verantwortlicher Überlegung öffnen und muss diese innere Eingebung frei verwirklichen können. Das gereicht nicht nur dem Individuum zum Vorteil sondern der ganzen Gesellschaft, da die getreue Befolgung der göttlichen Gebote hilft, ein gerechteres und solidarisches Zusammenleben aufzubauen.
"Ad-limina"-Besuch der Bischöfe aus Zentralasien, 2. Oktober 2008



Das Recht umfassender Religionsfreiheit
Um ihren Auftrag zu erfüllen, muss die Kirche immer und überall das Recht umfassender Religionsfreiheit geniessen können. Bei der Versammlung der Vereinten Nationen, die in diesem Jahr den 60. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menscherrechte begeht, habe ich unterstreichen wollen: "Die volle Gewährleistung der Religionsfreiheit kann nicht auf die freie Ausübung des Kultes beschränkt werden, sondern muss in richtiger Weise die öffentlichen Dimension der Religion berücksichtigen, also die Möglichkeit der Gläubigen, ihre Rolle im Aufbau der sozialen Ordnung zu spielen" (Ansprache vom 18. April 2008).
Ansprache bei Besuch im Quirinal beim italienischen Staatspräsidenten, 4. Oktober 2008



Sichtbar machen, dass es schön ist, Gott zu kennen!
Für die Christen war immer klar, dass Religion und Glauben nicht in den Bereich der Politik gehören, sondern zu einem anderen Bereich des menschlichen Lebens… Die Politik, der Staat sind keine Religion, sondern eine weltliche Realität mit einem spezifischen Auftrag. Die beiden Realitäten müssen füreinander offen sein. […] Wichtig ist, mit Freude die Freiheit unseres Glaubens zu leben. Die Schönheit unseres Glaubens zu leben und in der Welt von heute sichtbar zu machen, dass es schön ist, Gott zu kennen, Gott, der in Jesus Christus ein menschliches Antlitz hat… Das heisst also zu zeigen, dass es möglich ist, heute gläubig zu sein, und auch die Notwendigkeit zu zeigen, dass es in der heutigen Gesellschaft Menschen gibt, die Gott kennen und die deshalb gemäss den Werten die er uns gegeben hat, leben können. So können sie zur Vergegenwärtigung dieser Werte beitragen, die für den Aufbau und das Überleben unserer Staaten und unserer Gesellschaften grundlegend sind.
Interview auf dem Flug nach Paris, 12. September 2008



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Die Kirche spricht mit Freiheit
Die Kirche beansprucht für sich nicht die Stelle des Staates. Sie will sich nicht an die Stelle des Staates setzen. Sie ist eine auf Überzeugungen gegründete Gemeinschaft, die sich für das Ganze verantwortlich weiss und sich nicht auf sich selbst beschränken kann. Sie spricht mit Freiheit und tritt mit derselben Freiheit in den Dialog ein in dem Wunsch, den Aufbau der allgemeinen Freiheit zu erreichen.
Ansprache bei der Begegnung mit der Französischen Bischofkonferenz, 14. September 2008



Gottes Name kann nur ein Name des Frieden sein
Meine Hoffnung ist, dass diese grundlegenden Menschenrechte für alle Menschen überall geschützt werden. Politische und religiöse Führer haben die Pflicht, die freie Ausübung dieser Rechte in voller Achtung für die Gewissens- und Religionsfreiheit jedes einzelnen Menschen zu gewährleisten. Die Diskriminierung und Gewalt, die religiöse Menschen auch heute in vielen Teilen der Welt erfahren, und die oft gewalttätigen Verfolgungen, denen sie ausgesetzt sind, stellen inakzeptable und nicht zu rechtfertigende Akte dar, die um so schwerwiegender und beklagenswerter sind, wenn sie im Namen Gottes ausgeführt werden. Gottes Name kann nur ein Name des Friedens und der Brüderlichkeit, der Gerechtigkeit und der Liebe sein. Wir sind aufgefordert, durch unsere Worte und vor allem durch unsere Taten zu zeigen, dass die Botschaft unserer Religion unversiegbar eine Botschaft der Harmonie und des gegenseitigen Verständnisses ist. Es ist von wesentlicher Bedeutung, dass wir dies tun; andernfalls schwächen wir die Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit nicht nur unseres Dialogs, sondern auch unserer Religionen selbst.
Ansprache an die Teilnehmer des Katholisch/Muslimischen Forums, 6. November 2008

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