Anbetung




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Anerkennung der Gegenwart Gottes
Aber was heisst eigentlich »anbeten«? Handelt es sich etwa um eine Einstellung vergangener Zeiten, die für den heutigen Menschen sinnlos wäre? Nein! Ein weithin bekanntes Gebet, das viele morgens und abends beten, beginnt eben mit diesen Worten: »Ich bete dich an, mein Gott, ich liebe dich von ganzem Herzen…« Beim Aufgang der Sonne und bei ihrem Untergang erneuert der Gläubige jeden Tag seine »Anbetung«, also seine Anerkennung der Gegenwart Gottes, der Schöpfer und Herr des Universums ist. Es handelt sich um eine Anerkennung voller Dankbarkeit, die aus der Tiefe des Herzens kommt und das ganze Wesen ergreift, denn der Mensch kann sich selbst nur dann voll verwirklichen, wenn er Gott anbetet und ihn über alles liebt.
Angelus, 7. August 2005



Erster Platz
Nicht nur die jungen Menschen, sondern auch die Gemeinden und die Hirten selbst müssen sich eine für die Evangelisierung wesentliche Tatsache immer mehr bewusst machen: Wo Gott nicht den ersten Platz einnimmt, wo er nicht als das höchste Gut anerkannt und angebetet wird, wird die Menschenwürde aufs Spiel gesetzt. Daher ist es dringend geboten, den heutigen Menschen dazu zu führen, das wahre Antlitz Gottes, der sich uns in Jesus Christus offenbart hat, zu entdecken. So wird auch die Menschheit unserer Zeit sich wie die Sterndeuter vor ihm niederwerfen und ihn anbeten können.
Angelus, 28. August 2005



Priorität
Die Anbetung ist nicht etwa "ein Luxus, sondern eine Priorität". Christus suchen muss die beständige Sehnsucht der Christen sein, der Jugendlichen und der Erwachsenen, der Gläubigen und ihrer Hirten. Zu dieser Suche muss ermutigt, sie muss unterstützt und geleitet werden. Der Glaube besteht nicht einfach in der Übernahme eines in sich vollständigen Dogmengefüges, das den in jeder Menschenseele vorhandenen Durst nach Gott auslöschen würde. Im Gegenteil: Er führt den durch die Zeit pilgernden Menschen zu einem Gott, der in seiner Unendlichkeit immer neu ist. Daher ist der Christ zugleich Suchender und Findender, und gerade dies macht die Kirche jung, offen für die Zukunft und reich an Hoffnung für die ganze Menschheit.
Angelus, 28. August 2005



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Weg der Umkehr
"Wir sind gekommen, um ihn anzubeten": Das Thema des Treffens hat alle eingeladen, den Heiligen Drei Königen im Geist zu folgen und mit ihnen einen inneren Weg der Umkehr zum Immanuel, zum "Gott mit uns", zurückzulegen, um ihn kennenzulernen, ihm zu begegnen und ihn anzubeten und - nachdem man ihm begegnet ist und ihn angebetet hat - heimzukehren mit einem Herzen, das zutiefst von seinem Licht und seiner Freude erfüllt ist.
Generalaudienz 24. August 2005



Gebet
Das Gebet gleicht einem geistigen Erheben der Augen, einem hoffnungserfüllten Aufschauen zu Gott. Mit seinem Blick richtet der Beter sein Innerstes, seine Seele auf den Herrn. Aufmerksam gegenüber dem göttlichen Willen vertrauen die Gläubigen auf sein Eingreifen in Liebe und Güte.
Generalaudienz, 15. Juni 2005



Er sorgt für die Seinen
Ehrfurcht und Anbetung sind die richtige Antwort auf Gottes Gnade und Barmherzigkeit, von denen die ganze Heilsgeschichte redet. Ergriffen von der unermesslichen Liebe des Herrn erkennt der gottesfürchtige Mensch, dass der Schöpfer, einem unendlich guten und gerechten Vater gleich, für die Seinen sorgt: "Er gibt denen Speise, die ihn fürchten, an seinen Bund denkt er auf ewig" .
Generalaudienz, 8. Juni 2005



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Gott will unser Herz
An vielen Ansatzpunkten kann sich der Funke christlichen Eifers neu entzünden. Nützt alle diese Gaben, wo Ihr nur könnt, aber gebt Euch nicht mit einer äusserlichen Religiosität zufrieden. Gott genügt es nicht, dass sein Volk ihm mit den Lippen ehrt - er will unser Herz. Und er schenkt uns seine Gnade, wenn wir uns nicht selbst von ihm entfernen oder gar trennen.
"Ad-limina"-Besuch der österreichischen Bischöfe, 5. November 2005



Eine Beziehung im Gebet
Darum lade ich Euch ein, jeden Tag den Herrn zu suchen, der nichts anderes will, als dass Ihr wirklich glücklich seid. Haltet zu Ihm eine starke und dauerhafte Beziehung im Gebet aufrecht, und richtet nach Möglichkeit Momente in eurem Tageslauf ein, in denen Ihr nur seine Gesellschaft sucht. Wenn Ihr nicht wisst, wie Ihr beten sollt, dann bittet Ihn, es Euch zu lehren, und bittet seine himmlische Mutter, mit Euch und für Euch zu beten. Das Rosenkranzgebet kann Euch helfen, die Kunst des Betens zu erlernen, mit der Schlichtheit und Tiefgründigkeit Mariens. Es ist wichtig, dass die Teilnahme an der Eucharistie, in der Jesus uns sich selbst schenkt, zu einem Mittelpunkt in eurem Leben wird. Er, der für die Sündern aller Menschen gestorben ist, will mit jedem von Euch in Verbindung treten und an die Tür eurer Herzen klopfen, um Euch seine Gnade zu schenken.
Botschaft an die niederländische Jugend aus Anlass des 1. Nationalen Katholischen Jugendtages, 21. November 2005



In heiliger Ehrfurcht vor Gott
Der Herr ist allwissend und allgegenwärtig. Der Schöpfer pflegt einen vertrauten Umgang mit seiner Schöpfung. Sein göttliches Wissen begleitet das Denken und Handeln der Menschen. Gottes Kommen in diese Welt erleuchtet und verwandelt unsere Existenz. Seine Hand hält uns und geleitet uns auf den rechten Weg zum Leben und zur wahren Freiheit. "Zu wunderbar ist für mich dieses Wissen, zu hoch, ich kann es nicht begreifen" (Ps 139, V. 10), so ruft der Psalmist in heiliger Ehrfurcht. Gott ist dem Menschen zuinnerst nahe. Diese Erfahrung führt den Beter dazu, sich von allzu äusserem Tun abzuwenden und vor dem Wunder niederzuknien, das Gott vollbringt, der in der Menschwerdung seines eingeborenen Sohnes die sterbliche Natur mit seiner Unsterblichkeit versöhnt.
Generalaudienz, 14. Dezember 2005



Vor allem die Anbetung
Vor jedem Handeln und jeder Veränderung der Welt muss die Anbetung stehen. Nur sie macht uns wirklich frei; nur sie gibt uns die Kriterien für unser Handeln. Gerade in einer Welt, in der die Kriterien, die Orientierung bieten, immer weniger werden und die Gefahr besteht, dass jeder nur sich selbst zum Kriterium nimmt, ist es sehr wichtig, die Anbetung hervorzuheben.
Ansprache am Weihnachtsempfang für das Kardinalskollegium und die Mitarbeiter der Römischen Kurie, 22. Dezember 2005


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Gebet und Einheit
Das ist es, was Gottes Herz berührt. Die Eintracht im Gebet ist [...] eine wichtige Voraussetzung dafür, dass dieses vom himmlischen Vater angenommen wird. Die gemeinsame Bitte ist bereits ein Schritt in Richtung der Einheit der Bittenden. Das bedeutet natürlich nicht, dass Gottes Antwort irgendwie durch unser Bitten festgelegt würde. Wir wissen nämlich, dass das Erreichen der Einheit, die wir uns Wünschen, in erster Linie vom Willen Gottes abhängt, dessen Plan und Grossherzigkeit das Fassungsvermögen des Menschen sowie seine Bitten und Erwartungen übersteigen.
Predigt beim Abschluss der Gebetswoche für die Einheit der Christen, Basilika St. Paul vor den Mauern, 25. Januar 2006





Beten und glauben; trotz allem
Oft ist es uns nicht gegeben, den Grund zu kennen, warum Gott seinen Arm zurückhält, anstatt einzugreifen. Im Übrigen verbietet er uns nicht einmal, wie Jesus am Kreuz zu schreien: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" (Mt 27, 46). In betendem Dialog sollten wir mit dieser Frage vor seinem Angesicht ausharren: "Wie lange zögerst du noch, Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger?" (Offb 6, 10). Augustinus gibt auf dieses unser Leiden die Antwort aus dem Glauben: "Si comprehendis, non est Deus — Wenn du ihn verstehst, dann ist er nicht Gott". Unser Protest will Gott nicht herausfordern, noch ihm Irrtum, Schwäche oder Gleichgültigkeit unterstellen. Dem Glaubenden ist es unmöglich zu denken, Gott sei machtlos, oder aber er "schlafe" (vgl. 1 Kön 18, 27). Vielmehr trifft zu, dass sogar unser Schreien, wie das Jesu am Kreuz, die äusserste und tiefste Bestätigung unseres Glaubens an seine Souveränität ist. Christen glauben nämlich trotz aller Unbegreiflichkeiten und Wirrnisse ihrer Umwelt weiterhin an die "Güte und Menschenliebe Gottes" (Tit 3, 4). Obwohl sie wie alle anderen Menschen eingetaucht sind in die dramatische Komplexität der Ereignisse der Geschichte, bleiben sie gefestigt in der Hoffnung, dass Gott ein Vater ist und uns liebt, auch wenn uns sein Schweigen unverständlich bleibt.
Enzyklika "Deus Caritas Est", 25. Dezember 2005



Alles, was lebt, preise den Herrn
[Mein Mund verkünde das Lob des Herrn. Alles, was lebt, preise seinen heiligen Namen immer und ewig! (Ps. 145,21)] Das letzte Wort des Psalmisten ist somit jenes, mit dem er seinen Hymnus eröffnet hatte: eine Aufforderung, Gott und seinen "Namen", das heisst seine lebendige und heilige Person, die in der Welt und in der Geschichte wirkt und heilt, zu loben und zu preisen. Ja, es ist geradezu ein Appell, um zu erreichen, dass sich jedes Geschöpf, das als Merkmal das Geschenk des Lebens aufweist, dem Lobpreis des Gläubigen anschliesse: "Alles, was lebt, preise seinen Heiligen Namen immer und ewig!" (Vers 21) Es ist eine Art immerwährender Gesang, der von der Erde zum Himmel emporsteigen soll, es ist eine gemeinsame Feier der allumfassenden Liebe Gottes, Quelle des Friedens, der Freude und des Heils.
Generalaudienz, 8. Februar 2006



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Bitten wir den Herrn
Wir drängen unseren Glauben niemandem auf: Diese Art von Proselytismus ist dem Christlichen zuwider. Der Glaube kann nur in Freiheit geschehen. Aber die Freiheit der Menschen, die rufen wir an, sich für Gott aufzutun; ihn zu suchen; ihm Gehör zu schenken. Wir, die wir hier sind, bitten den Herrn von ganzem Herzen, dass er wieder ein "Ephata" zu uns sagt; dass er unsere Schwerhörigkeit für Gott, für sein Wirken und sein Wort, heilt und uns sehend und hörenden macht. Wir bitten ihn, dass er uns hilft, wieder das Wort des Gebetes zu finden, zu dem er uns in der Liturgie einlädt und dessen ABC er uns im Vaterunser gelehrt hat.
Predigt auf dem Gelände "Neue Messe", München, 10. September 2006



Wo Gott gross wird, wird auch der Mensch gross
Der Grundton dieses Liedes [des Magnificats] ist gleich im ersten Wort angegeben: Meine Seele macht den Herrn gross. Gott gross machen, das heisst ihm Raum geben in der Welt, im eigenen Leben, ihn einlassen in unsere Zeit und in unser Tun – dies ist das tiefste Wesen des rechten Betens. Wo Gott gross wird, wird der Mensch nicht klein: Da wird auch der Mensch gross, und die Welt wird hell.
Predigt in Altötting, 11. September 2006



Die spirituelle Dimension ist die Quelle von allem
Es ist eine Grundaufgabe der Pastoral, beten zu lehren und es selber immer mehr zu lernen. Schulen des Gebets, Gebetskreise, gibt es heutzutage; man sieht, dass Menschen das wollen. Viele suchen Meditation irgendwo anders, weil sie die spirituelle Dimension im Christentum nicht zu finden glauben. Wir müssen ihnen wieder zeigen, dass es diese spirituelle Dimension nicht nur gibt, sondern dass sie die Quelle von allem ist. Dazu müssen wir vermehrt solche Schulen des Gebetes, des Miteinander-Betens, bilden, wo man das persönliche Beten in all seinen Dimensionen lernen kann: als schweigendes Hinhören auf Gott, als Hineinhören in sein Wort, in sein Schweigen, in sein Tun in der Geschichte und an mir; auch seine Sprache in meinem Leben verstehen und dann antworten lernen im Mitbeten mit den grossen Gebeten der Psalmen des Alten und des neuen Testaments.
Ansprache an die Schweizer Bischöfe, 9. November 2006



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Sein bei Gott
Wir haben selber nicht die Worte für Gott, aber Worte sind uns geschenkt: Der Heilige Geist hat selber für uns schon Gebetsworte geformt; wir können hineintreten, mitbeten und darin dann auch das persönliche Beten lernen, Gott immer mehr "erlernen" und so Gottes gewiss werden, auch wenn er schweigt – Gottes froh werden. Dieses innere Sein bei Gott und dadurch Erfahren der Gegenwart Gottes ist das, was sozusagen immer wieder die Grösse des Christentums spüren lässt und uns dann auch durch all das Kleine hindurchhilft, in dem es freilich gelebt und Tag um Tag leidend und liebend, in Freude und Trauer, Wirklichkeit werden muss.
Ansprache an die Schweizer Bischöfe, 9. November 2006



Haltung der Anbetung
Der Glaube muss uns in einer ständigen Haltung der Demut, ja der Anbetung und des Lobes gegenüber Gott erhalten. Was wir als Christen sind, verdanken wir nämlich nur ihm und seiner Gnade. Da nichts und niemand seinen Platz einnehmen kann, ist es daher notwendig, dass wir nichts anderem und niemandem anderen die Verehrung entgegenbringen, die wir ihm entgegenbringen. Kein Götze darf unser geistliches Universum verunreinigen, denn sonst würden wir, anstatt die erworbene Freiheit zu geniessen, in eine Form entwürdigender Knechtschaft zurückfallen.
Generalaudienz, 8. November 2006



Die Schönheit der Natur erhebt die Seele zum Gebet
Angesichts dieses Schauspiels von Wiesen, Wäldern und zum Himmel aufragenden Gipfeln steigt spontan in der Seele der Wunsch auf, Gott für seine wunderbaren Werke zu loben, und unsere Bewunderung für diese Schönheiten der Natur wird hier leicht zum Gebet.
Angelus, 15. Juli 2007



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Regelmässig beten
Wenn wir regelmässig beten, sowohl allein wie auch in Gemeinschaft, machen wir die Erfahrung, dass wir freier werden. Wir lernen uns selbst weniger wichtig, Gott dafür um so wichtiger zu nehmen und ihn um das Heil und den Frieden in der Welt zu bitten. Gott allein ist imstande, der Welt zu geben, was sie wirklich braucht, aber er will sich dabei unserer Mitarbeit bedienen.
Angelus, 29. Juli 2007



Geheimnis der Dreifaltigkeit Gottes
Der Mensch, der Gott liebt, strebt danach, immer wieder im Gebet das Geheimnis des Dreifaltigen Gottes zu betrachten. Gott ist der Urgrund und die Quelle allen Lebens, und nur wenn wir ihn, den gemeinsamen Vater aller im Auge behalten, kann auch Brüderlichkeit und Geschwisterlichkeit aller entstehen. Der Sohn Gottes macht uns mit seinem Erlösungswerk deutlich, was der Mensch Gott wert ist und welche Würde dem Menschen zu eigen ist.
Generalaudienz, 1. August 2007



Das Antlitz des Herrn suchen
"Der Herr lasse sein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig" (vgl. Num 6,24-27) und segne uns. Wir können sicher sein: Wenn wir nicht nachlassen, sein Antlitz zu suchen, wenn wir nicht der Versuchung der Mutlosigkeit und des Zweifels nachgeben, dann bleiben wir trotz der vielen Schwierigkeiten, denen wir begegnen, immer in ihm verankert, dann werden wir die Macht seiner Liebe und seines Erbarmens erfahren.
Predigt am Hochfest der Gottesmutter Maria und Weltfriedenstag, 1. Januar 2008



Ein Gott zu dem man beten kann
Nur ein Gott, der "berührbar", einer von uns geworden war, war endlich ein Gott, zu dem man beten konnte, für den und mit dem man leben konnte. Diese ist ein Weg, den man mit Mut und zugleich in Demut zurücklegen muss, in der Öffnung zu einer ständigen Läuterung, deren ein jeder von uns ständig bedarf.
Generalaudienz, 27. Februar 2008



Sendboten seines Friedens
Beten wir zu ihm, dass auch wir mit ihm und von ihm ausgehend Sendboten seines Friedens werden, Anbeter im Geist und in der Wahrheit, damit in uns und um uns sein Reich wachse. Amen.
Predigt am Palmsonntag, 16. März 2008



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Gott loben wegen der Schönheit und Güte seines Seins
An diesem Hochfest [der Allerheiligsten Dreifaltigkeit] lädt uns die Liturgie ein, Gott zu loben - nicht bloss wegen einer von ihm vollbrachten Wundertat, sondern dafür, wie er ist, wegen der Schönheit und Güte seines Seins, aus dem sein Handeln herrührt. Wir werden eingeladen, uns sozusagen in das Herz Gottes zu vertiefen, in seine tiefgründigste Wirklichkeit, nämlich Einheit in der Dreiheit zu sein, höchste und tiefste Gemeinschaft von Liebe und Leben. Die ganze heilige Schrift spricht von ihm. Ja, er selbst spricht in der Schrift zu uns von sich und offenbart sich als Schöpfer des Universums und Herr der Geschichte.
Predigt bei Eucharistiefeier in Savona, 17. Mai 2008



Das Gebet pflegen
Am heutigen Hochfest der allerheiligsten Barmherzigkeit möchte ich die Dimension des Lobpreises, der kontemplativen Betrachtung und der Anbetung hervorheben. Ich denken an die jungen Familien und möchte sie einladen, sich nicht zu scheuen, von den ersten Ehejahren an das häusliche Gebet in einem schlichten Stil zu pflegen, was durch die Anwesenheit der kleinen Kinder begünstigt wird, die in hohem Masse dazu bereit sind, sich spontan an den Herrn und an die Muttergottes zu wenden. Ich fordere die Pfarrgemeinden und die Vereinigungen auf, dem Gebet Raum und Zeit zu geben, da die Aktivitäten in pastoraler Hinsicht fruchtlos sind, wenn ihnen nicht das Gebet vorausgeht und sie nicht ständig vom Gebet begleitet und unterstützt werden.
Predigt bei Eucharistiefeier in Savona, 17. Mai 2008



Besser beten, um besser zu leben
Eine wesentliche Aufgabe ist deshalb, zum Gebet zu erziehen, "die Kunst des Gebets" von dem Lippen des göttlichen Meisters zu lernen, wie die ersten Jünger, die in baten: "Herr, lehre uns beten!" (Lk 11,1). Indem wir beten lernen, lernen wir leben; und deshalb sollen wir auf dem Weg mit der Kirche und mit dem Herrn immer besser beten, um besser zu leben.
Ansprache bei der Eröffnung des Pastoralkongresses der Diözese Rom, 9. Juni 2008



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„Maranatha“, komm, Herr Jesu
Mit der frühen Christenheit betet Paulus „Maranatha“, „Komm, Herr Jesu“. Und dieses Wort ist bedeutungsvoll: Es kann ausgerichtet sein auf das endgültige Kommen am Ende der Zeit, es kann die Bitte um das eucharistische Kommen sein, es kann die Bitte darum sein, dass Christus in einer Zeit machtvoll wirke und uns helfe, sie auf ihn hin zu öffnen und sie umzugestalten, und in diesem Sinn beten wir dieses Grundgebet der Christenheit mit. „Maranatha“, „komm, Herr Jesu“. Komm auch in dieser Zeit und erneuere sie, erneuere uns, damit die Welt recht werde.
Generalaudienz, 12. November 2008



Beten, dass der Herr kommt!
„Marána, tha!“ – bedeutet wörtlich übersetzt: „Unser Herr, komm!“[…](1 Kor 16,22). Es war das Gebet der ersten Christen, und auch das letzte Buch des Neuen Testaments, die Geheime Offenbarung, schliesst mit diesem Gebet: „Komm, Herr Jesus!“ Können auch wir so beten? Mir scheint, dass es uns heute, in unserem Leben, in unserer Welt, schwer fällt, aufrichtig darum zu beten, dass diese Welt vergehen, dass das neue Jerusalem kommen, dass das Jüngste Gericht und der Richter, Christus, kommen mögen. Ich meine: auch wenn wir aufrichtiger Weise aus vielen Gründen nicht so zu beten wagen, können auch wir dennoch in richtiger und korrekter Weise mit der ganzen Christenheit sagen: „Komm, Herr Jesus!“ Sicher wollen wir nicht, dass jetzt das Ende der Welt kommt. Aber andererseits wollen wir auch, dass diese ungerechte Welt zu Ende geht. Auch wir wollen, dass die Welt grundlegend geändert wird, dass die Zivilisation der Liebe anbricht, dass eine Welt der Gerechtigkeit, des Friedens kommt, ohne Gewalt, ohne Hunger.
Generalaudienz, 12. November 2008



„Komm auf deine Weise“
Ohne die Gegenwart Christi wird es nie eine wirklich gerechte und erneuerte Welt geben. Und wenn auch auf andere Weise können und müssen auch wir ganz und tief mit grosser Dringlichkeit und in den Umständen unserer Zeit sagen: Komm, Herr! Komm auf deine Weise, auf die Weise die du kennst. Komm dorthin, wo es Ungerechtigkeit und Gewalt gibt. Komm in die Flüchtlingslager in Darfur, in Nord-Kivu, in vielen Teilen der Welt, komm dorthin, wo Menschen von Drogen beherrscht werden. Komm auch zu jenen Reichen, die dich vergessen haben, die nur für sich selbst leben. Komm dorthin, wo du unbekannt bist. Komm auf deine Weise und erneuere die Welt von heute. Komm auch in unsere Herzen, komm und erneuere unser Leben; komm in unser Herz, damit wir selbst Licht Gottes werden können, deine Gegenwart. In diesem sinne beten wir mit dem Hl. Paulus: „Marána, tha“ - Unser Herr, komm!“, und wir beten darum, dass Christus heute in unserer Welt wirklich gegenwärtig sei und sie erneuere.
Generalaudienz, 12. November 2008

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