Sein Wirken




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Gross sein lassen
Nur wenn Gott gross ist, ist auch der Mensch gross. Mit Maria sollen wir beginnen zu verstehen, dass dies so ist. Wir dürfen uns nicht von Gott entfernen. Sondern wir müssen Gott gegenwärtig werden lassen. Wir sollen Ihn in unserem Leben gross sein lassen, dann werden auch wir göttlich werden, und all der Glanz der göttlichen Würde wird dann auch uns zuteil. Es ist wichtig, dass Gott unter uns gross ist, im öffentlichen und privaten Leben. Im öffentlichen Leben ist es Wichtig, dass Gott zum Beispiel durch das Zeichen des Kreuzes in den öffentlichen Gebäuden gegenwärtig ist und dass er in unserem gemeinschaftlichen Leben gegenwärtig ist, denn nur wenn Gott gegenwärtig ist haben wir eine Orientierung, einen gemeinsamen Weg.
Predigt in der Pfarrkirche von Castelgandolfo, 15. August 2005



Segen Gottes für die Gesellschaft
Sicherlich, eine gefestigte Gesellschaft erwächst aus dem Einsatz aller ihrer Mitglieder, aber sie bedarf des Segens und der Hilfe jenes Gottes, der leider oft ausgeschlossen oder nicht wahrgenommen wird. Das Buch der Sprichwörter betont ganz entschieden den Vorrang des göttlichen Handelns zum Wohl der Gemeinschaft, indem es bekräftigt: "Der Segen des Herrn macht reich, eigene Mühe tut nichts hinzu" (Spr 10,22).
Generalaudienz, 31. August 2005



Denken wie ER
Wer mit Gott denkt, denkt gut, und wer mit Gott spricht, spricht gut. Er hat Urteilskriterien, die für alle Dinge dieser Welt gelten. Er wird klug, weise und gleichzeitig gut: er wird auch stark und mutig mit der Kraft Gottes, die dem Bösen widersteht und das Gute in der Welt fördert.
Predigt in der Pfarrkirche von Castelgandolfo, 15. August 2005



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Eingeschriebene Werte
Im übrigen weiss der Glaubende sehr gut, dass das Evangelium mit den in die menschliche Natur eingeschriebenen Werten in innerem Einklang steht. Das Bild Gottes ist in die Seele des Menschen so tief eingeprägt, dass die Stimme des Gewissens schwerlich ganz zum Schweigen gebracht werden kann. Mit dem Gleichnis vom Sämann erinnert uns Jesus daran, dass es immer guten Boden gibt, in dem der Same Wurzeln schlägt, keimt und Frucht bringt. Auch Menschen, die sich nicht mehr als Glieder der Kirche bekennen oder das Licht des Glaubens überhaupt verloren haben, bleiben dennoch wach für die menschlichen Werte und den positiven Beitrag, den das Evangelium zum persönlichen und sozialen Wohl leisten kann
Ansprache an die Teilnehmer des Kongresses veranstaltet vom Päpstlichen Rat für die Pastoral im Krankendienst, 19. November 2005



Nicht uns selbst überlassen
Wir dürfen sicher sein, dass wir, so schwer und stürmisch die uns erwartenden Prüfungen auch sein mögen, niemals uns selbst überlassen bleiben, niemals aus den Händen des Herrn fallen werden, jenen Händen, die uns geschaffen haben und sich nun auf unserem Lebensweg um uns kümmern. Wie der hl. Paulus bekennen wird: "Er, der bei euch das gute Werk begonnen hat, wird es auch vollenden" (Phil 1,6)
Generalaudienz, 7. Dezember 2005



Raum für Gott
Im Mittelpunkt des sozialen Lebens einer Stadt, einer Gemeinschaft, eines Volkes muss es eine Gegenwart geben, die das Geheimnis des transzendenten Gottes in Erinnerung ruft, das heisst ein Raum für Gott, eine Wohnung für Gott. Der Mensch kommt ohne Gott nicht vorwärts, er muss in der Geschichte mit Gott gemeinsam auf dem Weg sein, und der Tempel, die Wohnung Gottes, hat die Aufgabe, diese Gemeinschaft, dieses Sich-von-Gott-führen-Lassen, sichtbar zu machen.
Generalaudienz, 14. September 2005



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Der "Stil" Gottes
"Er vollbringt machtvolle Taten...., er zerstreut die im Herzen voll Hochmut sind..., er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen..., die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen..., er nimmt sich seines Knechtes Israel an". In diesen sieben göttlichen Werken wird der "Stil" offenkundig, an dem der Herr der Geschichte sein Verhalten inspiriert: Er stellt sich auf die Seite der Letzten, der Geringsten. Sein Plan ist oft hinter dem undurchsichtigen Bereich der menschlichen Angelegenheiten verborgen. In denen "die Hochmütigen, Mächtigen und Reichen" zu triumphieren scheinen. Doch die geheimnisvolle Kraft des göttlichen Heilsplanes ist dazu bestimmt, schliesslich enthüllt zu werden, um zu zeigen, wer die wahren Erwählten Gottes sind: "Jene, die ihn fürchten", die seinem Wort treu sind; "die Demütigen, die Hungernden, sein Knecht Israel", das heisst, die Gemeinschaft des Gottesvolkes, das wie Maria aus denen besteht, die "arm", rein und einfachen Herzens sind. Das ist jene "kleine Herde", die eingeladen ist, sich nicht zu fürchten, weil der Vater beschlossen hat ihr sein Reich zu geben (vgl. Lk 12, 32).
Generalaudienz, 15. Februar 2006



Verwirklichung
Wir wissen, dass diese Königssymbolik (vgl. Ps 145,11-13), die auch in der Verkündigung Christi eine zentrale Stellung einnehmen wird, Ausdruck des Heilsplanes Gottes ist: Er steht der menschlichen Geschichte nicht gleichgültig gegenüber, sondern hat ihr gegenüber vielmehr den Wunsch, einen Plan der Eintracht und des Friedens zu verwirklichen. Zur Erfüllung dieses Planes ist auch die ganze Menschheit aufgerufen, dem göttlichen Heilswillen nachzukommen, einem Willen, der sich auf "alle Menschen", auf "alle Geschlechter" und auf "ewige Zeiten" erstreckt. Es ist ein universales Tun, das das Böse aus der Welt wegnimmt und in ihr die "Herrlichkeit" des Herrn errichtet, das heisst seine wirksame und transzendente persönliche Gegenwart.
Generalaudienz, 1. Februar 2006



Dem Herrn anvertraut
Wir sind weder finsteren Mächten ausgeliefert, noch werden wir mit unserer Freiheit allein gelassen, sondern wir sind dem Handeln des mächtigen und liebenden Herrn anvertraut, der uns gegenüber einen Plan hat, ein "Reich" errichten will (vgl. Ps 145 V. 11). Dieses "Reich" besteht nicht aus Macht und Herrschaft, Triumph und Unterdrückung, wie es leider häufig auf die irdischen Reiche zutrifft, sondern es ist der Ort eines Offenbarwerdens von Mitleid, Zärtlichkeit, Güte, Gnade, Gerechtigkeit, wie es im Fluss der Verse, die das Lob beinhalten, mehrmals bestätigt wird.
Generalaudienz, 1. Februar 2006



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Gegenwärtig machen
Wir müssen Gott in unseren Gesellschaften wieder gegenwärtig machen. Das scheint mir am notwendigsten zu sein: dass Gott wieder in unserem Leben gegenwärtig wird, dass wir nicht so leben, als wären wir autonom und ermächtigt zu erfinden, was die Freiheit und das Leben sind. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir Geschöpfe sind, erkennen, dass es einen Gott gibt, der uns geschaffen hat, und dass es keine Abhängigkeit ist, in seinem Willen zu stehen, sondern ein Geschenk der Liebe, das uns leben lässt.
Gespräch mit den Jugendlichen auf dem Petersplatz, 6. April 2006



Im eigenen Leben
Wir müssen, vor allem in unserem "eigenen" Leben, den lebendigen Gott gegenwärtig machen, den Gott, der kein Unbekannter ist, kein erfundener Gott, kein Gott, den man sich nur ausgedacht hat, sondern ein Gott, der sich offenbart hat, der sich selbst und sein Antlitz offenbart hat. Nur so wird unser Leben wahr, wird es wirklich menschlich, und so werden auch die Massstäbe für den wahren Humanismus in der Gesellschaft erzeugt.
Gespräch mit den Jugendlichen auf dem Petersplatz, 6. April 2006



Mit Freunden zusammen
Das richtige und aufrichtige Leben können wir nicht allein aufbauen, sondern wir müssen zusammen mit richtigen und aufrichtigen Freunden unseren Weg gehen, mit Gefährten, mit denen wir erfahren können, dass Gott existiert und dass es schön ist, zusammen mit Gott und zusammen mit der grossen Gemeinschaft der Kirche unterwegs zu sein. Die Kirche zeigt uns durch die Jahrhunderte hindurch die Gegenwart Gottes, der spricht, der handelt, der uns begleitet. Ich würde also sagen.: Gott finden, den Gott finden, der sich in Jesus Christus offenbart hat, zusammen mit seiner grosser Familie unterwegs sein, mit unseren Brüdern und Schwestern, die die Familie Gottes sind.
Gespräch mit den Jugendlichen auf dem Petersplatz, 6. April 2006



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Warum?
An diesem Ort des Grauens, einer Anhäufung von Verbrechen gegen Gott und den Menschen ohne Parallele in der Geschichte, zu sprechen, ist fast unmöglich - ist besonders schwer und bedrückend für einen Christen, einen Papst, der aus Deutschland kommt. An diesem Ort versagen die Worte, kann eigentlich nur erschüttertes Schweigen stehen - Schweigen, das ein inwendiges Schreien zu Gott ist: Warum hast du geschwiegen? Warum konntest du dies alles dulden? In solchem Schweigen verbeugen wir uns inwendig vor der ungezählten Schar derer, die hier gelitten haben und zu Tode gebracht worden sind; dieses Schweigen wird dann doch zur lauten Bitte um Vergebung und Versöhnung, zu einem Ruf an den lebendigen Gott, dass er solches nie wieder geschehen lasse.
Ansprache im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, 28. Mai 2006



Gott wählt einen anderen Weg
Mir scheint, dass diese verschiedenen Bekehrungen des hl. Petrus und seine ganze Gestalt ein grosser Trost und eine grossartige Lehre für uns sind: Auch wir haben Verlangen nach Gott, auch wir wollen grossmütig sein, aber auch wir erwarten, dass Gott sich in der Welt als stark erweist und die Welt gemäss unseren Vorstellungen und gemäss den Bedürfnissen, die wir sehen, sofort verwandelt. Gott wählt einen anderen Weg. Gott wählt den Weg der Verwandlung der Herzen im Leiden und in der Demut. Und wie Petrus müssen auch wir uns immer wieder bekehren. Wir müssen Jesus nachfolgen und ihm nicht vorausgehen: Er ist es, der uns den Weg weist. So sagt uns Petrus: Du glaubst, die richtige Formel zu besitzen und das Christentum verändern zu müssen, aber es ist der Herr, der den Weg kennt. Es ist der Herr, der zu mir sagt, der zu dir sagt: Folge mir nach! Und wir müssen den Mut und die Demut haben, Jesus nachzufolgen, weil er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.
Generalaudienz, 17. Mai 2006



Er kennt das Gute für uns
Zuletzt ermahnt uns der Jakobusbrief, uns in allem, was wir tun den Händen Gottes zu überlassen und dabei immer die Worte zu sprechen: "Wenn der Herr will" (Jak 4,15). So lehrt er uns, uns nicht anzumassen, unser Leben unabhängig und nur auf unsere eigenen Interessen ausgerichtet zu planen, sondern dem unerforschlichen Willen Gottes Raum zu geben, der das wahrhaft Gute für uns kennt.
Generalaudienz, 28. Juni 2006



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Dein Reich komme
Die Nächstenliebe, die zuallererst Sorge um die Gerechtigkeit ist, ist der Prüfstein des Glaubens und der Gottesliebe. Jakobus nennt sie das "königliche Gesetz". Er lässt darin das Lieblingswort Jesu durchblicken: das Königtum Gottes, die Herrschaft Gottes. Damit ist nicht irgendein Reich gemeint, das irgendwann einmal kommt, sondern damit ist gemeint, dass Gott jetzt bestimmend werden muss für unser Leben und Handeln. Darum bitten wir, wenn wir sagen: Dein Reich komme; wir beten nicht um irgend etwas Entferntes, das wir selber eigentlich gar nicht zu erleben wünschen. Wir beten vielmehr darum, dass jetzt Gottes Wille unseren Willen bestimme und so Gott in der Welt herrsche; also darum beten wir, dass Recht und Liebe entscheidend werden in der Ordnung der Welt. Eine solche Bitte richtet sich natürlich zuerst an Gott, aber sie rüttelt auch an unser eigenes Herz. Wollen wir das eigentlich? Leben wir in dieser Richtung? Jakobus nennt das "königliche Gesetz", das Gesetz von Gottes Königtum, zugleich Gesetz der Freiheit. Wenn alle von Gott her denken und leben, dann werden wir gleich, und dann werden wir frei, und dann entsteht die wahre Geschwisterlichkeit.
Predigt auf dem Gelände "Neue Messe", München, 10. September 2006



Bittet den Herrn der Ernte!
"Bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter sendet!" Das bedeutet: Die Ernte ist da, aber Gott will sich der Menschen bedienen, damit sie eingebracht werde. Gott braucht Menschen. Er braucht solche, die sagen: Ja, ich bin bereit, dein Erntearbeiter zu werden, ich bin bereit zu helfen, dass diese Ernte, die in den Menschen reift, wirklich in die Scheunen der Ewigkeit eingehen und Gottes ewige Gemeinschaft der Freude und der Liebe werden kann. "Bittet den Herrn der Ernte!"
Ansprache im Dom zu Freising, 14. September 2006



Tu es doch!
Wir können Berufungen nicht einfach "machen", sie müssen von Gott kommen. Wir können nicht, wie vielleicht in anderen Berufen, durch gezieltes Management, entsprechende Strategien sozusagen, einfach Leute rekrutieren. Die Berufung muss immer den Weg vom Herzen Gottes aus zum Herzen des Menschen finden. Und trotzdem: Gerade, damit sie im Herzen der Menschen ankommen kann, ist auch unser Mittun gefordert. Den Herrn der Ernte darum bitten, das bedeutet gewiss zu allererst, dass wir darum beten, dass wir an seinem Herzen rütteln und sagen: "Tu es doch! Wecke die Menschen auf! Entzünde in ihnen die Begeisterung für das Evangelium und die Freude daran! Lass sie erkennen, dass es der Schatz über allen Schätzen ist und dass, wer es entdeckt hat, es weitergeben muss!"
Ansprache im Dom zu Freising, 14. September 2006



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Rüttle an den Herzen!
Wir rütteln am Herzen Gottes. Aber Gott bitten geschieht eben nicht nur in den Gebetsworten, sondern darin, dass aus Wort Tun wird, dass aus unserem betenden Herzen dann der Funke der Freude an Gott, der Freude am Evangelium, der Bereitschaft zum "Ja-sagen" in die anderen Herzen überspringt. Als betende Menschen, als von seinem Licht Erfüllte, kommen wir zu den anderen, ziehen sie in unser Gebet und so in die Gegenwart Gottes hinein, der dann das Seine tut. In diesem Sinn wollen wir immer neu den Herrn der Ernte bitten, an seinem Herzen rütteln und mit ihm in unserm Gebet auch die Herzen der Menschen anrühren, dass Gott nach seinem Willen darin das "Ja" reifen lasse, die Bereitschaft; und dann die Beständigkeit, durch all die Wirrnisse der Zeit, durch die Hitze des Tages und auch durch das Dunkel der Nacht treu in seinem Dienst zu bleiben und von ihm her immer wieder zu erkennen – auch wenn es mühselig ist -, dass diese Mühsal schön ist, dass sie nützlich ist, weil sie zum Eigentlichen hilft, dass nämlich Menschen das empfangen, worauf sie bauen: Gottes Licht und Gottes Liebe.
Ansprache im Dom zu Freising, 14. September 2006



Das letzte Gericht
Der zweite Teil des Bekenntnisses schliesst mit dem Ausblick auf das letzte Gericht und der dritte mit dem der Auferstehung der Toten. Gericht – wird uns da nicht doch wieder Angst gemacht? Aber wollen wir nicht alle, dass einmal all den ungerecht Verurteilten, all denen, die ein Leben lang gelitten haben und aus einem Leben voller Leid in den Tod gehen mussten, dass ihnen allen Gerechtigkeit widerfährt? Wollen wir nicht alle, dass am Ende das Übermass an Unrecht und Leid, das wir in der Geschichte sehen, sich auflöst; dass alle am Ende froh werden können, dass das Ganze Sinn erhält? Diese Herstellung des Rechts, diese Zusammenfügung der scheinbar sinnlosen Fragmentstücke der Geschichte in ein Ganzes hinein, in dem die Wahrheit und die Liebe regieren: Das ist mit dem Weltgericht gemeint. Der Glaube will uns nicht Angst machen, aber er will uns zur Verantwortung rufen. Wir dürfen unser Leben nicht verschleudern, nicht missbrauchen, es nicht einfach für uns selber nehmen: Unrecht darf uns nicht gleichgültig lassen, wir dürfen nicht seine Mitläufer oder sogar Mittäter werden. Wir müssen unsere Sendung in der Geschichte wahrnehmen und versuchen, dieser unserer Sendung zu entsprechen. Nicht Angst, aber Verantwortung – Verantwortung und Sorge um unser Heil, um das Heil der ganzen Welt ist notwendig. Jeder muss seinen Teil dazu beitragen. Wenn aber Verantwortung und Sorge zu Angst werden möchten, dann erinnern wir uns an das Wort des heiligen Johannes: "Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt. Wenn aber einer sündigt, haben wir einen Anwalt beim Vater: Jesus Christus, den Gerechten" (1 Joh 2,1). "Wenn unser Herz uns auch verurteilt – Gott ist Grösser als unser Herz, und er weiss alles" (1 Joh 3,20).
Predigt bei der Eucharistiefeier in Regensburg, 12. September 2006



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Ist die Welt das Werk der Weisheit Gottes?
Der Mensch ist [...] nicht nur Vernunft und Intelligenz, auch wenn dies seine grundlegenden Elemente sind. Er trägt in sich, eingeschrieben in sein tiefstes Wesen, das Bedürfnis nach Liebe, das Bedürfnis, geliebt zu werden und seinerseits zu lieben. Daher steht er fragend und oft verzagt vor den schweren und harten Dingen des Lebens und vor dem Bösen, das es in der Welt gibt und das so stark und gleichzeitig vollkommen sinnlos erscheint. Insbesondere in unserer Zeit ist das Böse trotz aller Fortschritte, die gemacht wurden, durchaus nicht besiegt. Im Gegenteil, es scheint mächtiger zu werden, und alle Versuche, es zu verbergen, werden schnell entlarvt, wie sowohl die tägliche Erfahrung als auch die grossen geschichtlichen Ereignisse zeigen. Es taucht also verstärkt die Frage wieder auf, ob es in unserem Leben einen sicheren Raum für die wahre Liebe geben kann und letztlich, ob die Welt wirklich das Werk der Weisheit Gottes ist.
Ansprache beim Kongress der katholischen Kirche in Italien, 19. Oktober 2006 in Verona



Gott scheitert nicht
Zuerst einmal die Gewissheit: Gott scheitert nicht. Er "scheitert" ständig, aber gerade darum scheitert er nicht, denn er macht daraus neue Möglichkeiten grösseren Erbarmens, und seine Phantasie ist unerschöpflich. Er scheitert nicht, weil er immer neue Weisen findet, zu den Menschen zu gehen und sein grosses Haus weiter zu öffnen, dass es ganz voll werde. Er scheitert nicht, weil er nicht davor zurückschreckt, die Menschen zu drängen, dass sie kommen und sich an seinen Tisch setzten sollen, das Mahl der Armen einzunehmen, in dem die köstliche Gabe, Gott selbst, geschenkt wird. Gott scheitert nicht, auch heute nicht. Selbst wenn wir so viel Nein erleben, dürfen wir es wissen. Aus dieser ganzen Gottesgeschichte, von Adam an, können wir erkennen: Er scheitert nicht. Auch heute wird er neue Wege finden, Menschen zu rufen, und möchte uns als seine Boten und Diener dabei haben.
Predigt bei der heiligen Messe mit den Schweizer Bischöfen, 7. November 2006



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Zentralität Gottes
Es geht um die Zentralität Gottes, und zwar nicht irgendeines Gottes, sondern des Gottes mit dem Gesicht Jesu Christi. Das ist heute wichtig. Es gibt so viele Probleme, die man auflisten kann, die alle gelöst werden müssen, die aber alle nicht gelöst werden, wenn nicht im Zentrum Gott steht, neu sichtbar wird in der Welt, massgebend ist in unserem Leben und durch uns auch massgebend in die Welt hineintritt. Daran, denke ich, entscheidet sich heute das Geschick der Welt in dieser dramatischen Situation: ob Gott da ist – der Gott Jesu Christi – und anerkannt wird, oder ob er verschwindet. Um seine Gegenwart mühen wir uns. Was sollen wir tun? Zuletzt? Wir rufen zu ihm! [...] Wir bitten ihn, dass er bewässert, dass er wärmt, dass er aufrichtet, dass er selbst mit der Kraft seiner heiligen Flamme uns durchdringt und die Welt erneuert: darum bitten wir ihn in dieser Stunde, in diesen Tagen von ganzem Herzen. Amen.
Predigt bei der heiligen Messe mit den Schweizer Bischöfen, 7. November 2006



Gott kommt
"Gott kommt." In diesen so knappen Worten ist eine immer wieder neue Ausdruckskraft enthalten. Halten wir einen Augenblick zum Nachdenken inne: Es wird weder die Vergangenheitsform – Gott ist gekommen – noch das Futur – Gott wird kommen – verwendet. Sondern das Präsens, die Gegenwart: "Gott kommt." Es handelt sich, wenn man genau hinsieht, um ein "praesens continuum", das heisst um eine Handlung, die sich andauernd vollzieht: sie ist geschehen, sie geschieht jetzt und sie wird weiter geschehen, "Gott kommt" jederzeit. Das Verb "kommen" erscheint hier als ein "theologisches", ja geradezu als ein "theologales" Verb, weil es etwas aussagt, was das Wesen Gottes selbst betrifft. Zu verkünden, dass "Gott kommt", kommt schlicht und einfach einer Verkündigung Gottes selbst gleich, durch eine seiner wesentlichen und ihn auszeichnenden Eigenschaften: die Eigenschaft, der "Gott-der-kommt" zu sein.
Predigt bei der Ersten Vesper zum Ersten Adventssonntag, 2. Dezember 2006



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Er ist auch im Schweigen bei uns
Bei meinen Wegen durch Polen konnte der Besuch in Auschwitz-Birkenau nicht fehlen, an der Stätte der grausamsten Unmenschlichkeit – des Versuchs, das Volk Israel auszulöschen und so auch die Erwählung Gottes zuschanden zu machen, Gott selbst aus der Geschichte zu verbannen. Es war für mich ein grosser Trost, als am Himmel ein Regenbogen erschien, während ich in der Gebärde des Ijob zu Gott rief angesichts des Grauens dieser Stätte, im Schrecken über die scheinbare Abwesenheit Gottes und zugleich in der Gewissheit, dass er auch in seinem Schweigen nicht aufhört, bei uns zu sein und zu bleiben. Der Regenbogen war wie eine Antwort: Ja, ich bin da, und die Worte der Verheissung, des Bundes, die ich nach der Sintflut gesprochen habe, gelten auch heute (vgl. Gen 9,12-17).
Weihnachtsempfang für die Römische Kurie, 22. Dezember 2006



Das Reich Gottes
Von Gott sprechend sind wir auch genau bei dem, worum es Jesus in seiner irdischen Verkündigung zentral gegangen ist. Das Grundthema seiner Verkündigung ist die Herrschaft Gottes, das "Reich Gottes". Damit ist nicht etwas irgendwann in einer unbestimmten Zukunft Kommendes gemeint. Damit ist auch nicht die bessere Welt gemeint, die wir allmählich durch unsere eigene Kraft zu schaffen versuchen. In dem Wort "Reich Gottes" ist das Wort "Gott" ein sogenannter Genitiv des Subjekts. Das bedeutet: Gott ist nicht eine Zutat zum "Reich", die man vielleicht auch weglassen könnte. Gott ist das Subjekt. "Reich Gottes" heisst in Wirklichkeit: Gott herrscht. Er selbst ist da und ist bestimmend für die Menschen in der Welt. Er ist das Subjekt, und wo dieses Subjekt fehlt, bleibt nichts von der Botschaft Jesu übrig. Darum sagt uns Jesus: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man sich sozusagen daneben stellen und bei seinem Kommen zuschauen kann. "Es ist mitten unter euch" (vgl. Lk 17,20f). Es wird da, wo Gottes Wille geschieht. Es ist da, wo Menschen sich seiner Ankunft öffnen und damit Gott in die Welt einlassen. Darum ist Jesus das Reich Gottes in Person; der Mensch, in dem Gott in unserer Mitte ist und durch den wir Gott anrühren, in die Nähe Gottes kommen können. Wo dies geschieht, wird die Welt heil.
Weihnachtsempfang für die Römische Kurie, 22. Dezember 2006


Seine Stimme erkennen
Wie können wir unter den Tausenden von Stimmen, die wir jeden Tag in unserer Welt hören, die Stimme Gottes erkennen? Ich würde sagen: Gott spricht auf ganz verschiedene Weisen zu uns. Er spricht durch andere Menschen, durch Freunde, durch die Eltern, den Pfarrer, die Priester. [...] Er spricht durch die Ereignisse unseres Lebens, in denen wir eine Geste Gottes erkennen können; er spricht auch durch die Natur, die Schöpfung, und er spricht natürlich und vor allem in seinem Wort, in der Heiligen Schrift, die in der Gemeinschaft der Kirche und im persönlichen Gespräch mit Gott gelesen wird.
Besuch im Römischen Priesterseminar, 17. Februar 2007



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Das Gute sehen und sich freuen
Jesus versichert uns, dass nur Gott "der Gute" ist. Offen zu sein gegenüber dem guten bedeutet, Gott anzunehmen. So lädt er uns ein, Gott in allen Dingen und in allen Ereignissen zu sehen, auch dort, wo die Mehrheit nur die Abwesenheit Gottes sieht. Wenn man die Schönheit der Geschöpfe sieht und das Gute, das in ihnen allen vorhanden ist, dann ist es unmöglich, nicht an Gott zu glauben und seine heilbringende und tröstende Gegenwart nicht zu erfahren. Wenn wir all das Gute sehen könnten, das es in der Welt gibt, und darüber hinaus das Gute erfahren könnten, das von Gott selbst kommt, dann würden wir niemals aufhören, uns ihm zu nähern, ihn zu loben und ihm zu danken. Er erfüllt uns ohne Unterlass mit Freude und mit Gutem. Seine Freude ist unsere Kraft.
Ansprache an die Jugendlichen im Stadion von Pacaembu, Brasilien, 10. Mai 2007



Gott übt keinen Zwang aus
Der Papst hat seinerseits den Auftrag, in den Herzen dieses Licht neu zu entzünden, das nicht getrübt wird, weil es das Innerste der Seelen erhellen will, die das wahre Gut und den Frieden suchen, den die Welt nicht geben kann. Ein solches Licht bedarf einzig eines Herzens, das offen ist für die Sehnsucht nach Gott. Gott übt keinen Zwang aus, er unterdrückt die individuelle Freiheit nicht; er fordert nur die Offenheit unseres Gewissens, jenes Heiligtums, in dem alle edelsten Wünsche, aber auch die ungeordneten Neigungen und Leidenschaften, welche die Botschaft des Allerhöchsten verdunkeln, verborgen sind.
Ansprache beim Besuch im Drogenrehabilitationszentrum "Fazenda da Esperanca", 12. Mai 2007



Wohnung Gottes unter den Menschen
Wenn die Schönheit des himmlischen Jerusalem die Herrlichkeit Gottes, also seine Liebe, ist, dann können wir uns ihr nur in der Liebe nähern und in einem bestimmten Mass bereits in ihr leben. Wer den Herrn Jesus liebt und sein Wort befolgt erfährt schon in dieser Welt die geheimnisvolle Gegenwart des dreieinigen Gottes, wie wir im Evangelium gehört haben; "Wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen" (Joh 14,23). Jeder Christ ist deshalb gerufen, lebendiger Stein dieser wunderbaren "Wohnung Gottes unter den Menschen" zu werden. Was für eine grossartige Berufung!
Predigt bei der Eucharistiefeier zur Eröffnung der V. Generalversammlung der Bischöfe von Lateinamerika, 13. Mai 2007



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Reiche geistliche Vorräte
Eben dieses Bewusstsein, diese Hoffnung, dass nach schwierigen Zeiten der Herr immer seine Gegenwart und Liebe zeigt, muss jede christliche Gemeinde beseelen, die von ihrem Herrn mit reichen geistlichen Vorräten ausgestattet wird, um die Wüste dieser Welt zu durchqueren und sie in einen fruchtbaren Garten zu verwandeln. Diese Vorräte sind das gefügige Hören auf sein Wort, die Sakramente und jede andere spirituelle Quelle der Liturgie und des persönlichen Gebets. Der wahre Vorrat ist schliesslich seine Liebe. Die Liebe, die Jesus dazu drängte, sich für uns zu opfern, verwandelt uns und macht uns unsererseits dazu fähig, ihm treu zu folgen.
Predigt in der Pfarrei "Santa Felicita e figli martiri" in Rom, 25. März 2007



Was ist Wirklichkeit? Gott!
Was ist diese "Wirklichkeit"? Was ist das Wirkliche? Sind "Wirklichkeit" nur die materiellen Güter, die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Probleme? Hierin liegt genau der grosse Irrtum der im letzten Jahrhundert vorherrschenden Tendenzen, ein zerstörerischer Irrtum, wie die Ergebnisse sowohl der marxistischen wie der kapitalistischen Systeme beweisen. Sie verfälschen den Wirklichkeitsbegriff durch die Abtrennung der grundlegenden und deshalb entscheidenden Wirklichkeit, die Gott ist. Wer Gott aus seinem Blickfeld ausschliesst, verfälscht den Begriff "Wirklichkeit" und kann infolgedessen nur auf Irrwegen enden und zerstörerischen Rezepten unterliegen. Die erste grundlegende Aussage ist also folgende: Nur wer Gott kennt, kennt die Wirklichkeit und kann auf angemessene und wirklich menschliche Weise auf sie antworten.
Ansprache bei der V. Generalversammlung der Bischofskonferenzen von Lateinamerika, 13. Mai 2007



Der Stil Gottes
Wir sind gleichzeitig Zeugen seiner [Jesu] Herrlichkeit und seiner Demut, des unermesslichen Wertes seines Kommens und der unendlichen Achtung Gottes für uns Menschen und unsere Geschichte. Er hat die Zeit nicht erfüllt, indem er sich von oben, sondern vielmehr "von innen" in sie ergossen hat, indem er sich zum kleinen Samenkorn machte, um die Menschheit zu ihrer vollen Reife zu führen.
bild Dieser Stil Gottes brachte es mit sich, dass eine lange Vorbereitungszeit notwendig war, um von Abraham zu Jesus Christus zu gelangen; der Stil Gottes hat zur Folge, dass nach dem Kommen des Messias die Geschichte nicht zu Ende war, sondern ihren Lauf fortsetzte – dem Anschein nach in gleicher Weise, in Wirklichkeit aber bereits von Gott besucht und auf das zweite und endgültige Kommen des Herrn am Ende der Zeit hin ausgerichtet.
Predigt bei der Ersten Vesper des Hochfestes der Gottesmutter Maria, 31. Dezember 2006



Das Gewissen
"Gewissen" bedeutet in der christlichen Überlieferung "Mit-Wissen": Wir sind offen, unser Sein ist offen, es kann die Stimme des Seins selbst, die Stimme Gottes, hören. Die Stimme der grossen Werte ist also in unser Sein eingeschrieben, und die Grösse des Menschen besteht eben darin, dass er nicht in sich selbst verschlossen ist, dass er nicht auf die materiellen, die quantifizierbaren Dinge verkürzt werden kann, sondern dass er in seinem Innersten offen ist für die wesentlichen Dinge, dass er fähig ist zu hören. In der Tiefe unseres Seins können wir nicht nur die Bedürfnisse des jeweiligen Augenblicks, nicht nur die materiellen Dinge wahrnehmen, sondern wir können die Stimme des Schöpfers selbst hören, und so erkennt man, was gut ist und was schlecht ist. Aber natürlich muss dieses Hörvermögen ausgebildet und entfaltet werden. Und eben darum geht es bei unserer Verkündigung in der Kirche: um die Entfaltung dieser dem Menschen von Gott geschenkten erhabenen Fähigkeit, die Stimme der Wahrheit und so die Stimme der Werte zu hören.
Begegnung mit dem Klerus der Diözesen Belluno-Feltre und Treviso in Auronzo di Cadore, 24. Juli 2007



Nur Gott gibt dem Leben einen Sinn
Das grosse Problem ist folgendes: Wenn es Gott nicht gibt und er nicht der Schöpfer auch meines Lebens ist, dann ist das Leben in Wirklichkeit einfach nur ein Stück Evolution, weiter nichts, und es hat in sich selbst keinen Sinn. Ich muss jedoch versuchen, diesem Stück Sein einen Sinn zu geben. Ich sehe, dass zur Zeit in Deutschland, aber auch in den Vereinigten Staaten, eine recht erbitterte Debatte geführt wird über den sogenannten Kreationismus auf der einen und den Evolutionismus auf der anderen Seite, die als einander ausschliessende Alternativen dargelegt werden: Wer an der Schöpfer glaubt, müsse die Evolution ablehnen, und wer dagegen die Evolution befürwortet, müsse Gott ausschliessen. Diese Gegenüberstellung ist absurd, denn einerseits gibt es viele wissenschaftliche Beweise für eine Evolution. Sie zeigt sich als Realität, die wir erkennen müssen und die unser Wissen in bezug auf das Leben und das Sein als solches bereichert. Aber die Evolutionslehre beantwortet nicht alle Fragen, und sie beantwortet vor allem nicht die grosse philosophische Frage: Woher kommt alles? Und wie entwickelt sich schliesslich alles zum Menschen hin?
Begegnung mit dem Klerus der Diözesen Belluno-Feltre und Treviso in Auronzo di Cadore, 24. Juli 2007



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Den Sinn des eigenen Lebens entdecken
Wir sind gedacht und gewollt, und daher gibt es eine Idee die mir vorausgeht, einen Sinn, der mir vorausgeht und den ich entdecken, dem ich folgen muss und der meinem Leben letztendlich eine Bedeutung gibt. Das scheint mir der erste Punkt zu sein: zu entdecken, dass mein Sein wirklich vernünftig ist, dass es durchdacht ist, einen Sinn hat. Und mein grosse Sendung ist es diesen Sinn zu entdecken, ihn zu leben und so der grossen kosmischen Harmonie, die der Schöpfer gedacht hat, ein neues Element zu geben. Unter diesen Voraussetzungen werden auch die schwierigen Dinge zu Augenblicken des Heranreifens, der Entwicklung und des Fortschreitens meines eigenen Seins, das einen Sinn hat von seiner Empfängnis bis zum letzten Augenblick des Lebens.
Begegnung mit dem Klerus der Diözesen Belluno-Feltre und Treviso in Auronzo di Cadore, 24. Juli 2007




Wir sind erlöst!
Schon vor der Erschaffung der Welt hat Gott uns in Christus erwählt. Jeden von uns kennt und liebt er von Ewigkeit her! Und wozu hat er uns erwählt? Um in Liebe heilig und untadelig vor ihm zu leben! Und das ist keine unerfüllbare Aufgabe: In Christus hat er uns die Verwirklichung schon geschenkt. Wir sind erlöst! Durch unsere Gemeinschaft mit dem auferstandenen Christus hat Gott uns mit allem Segen seines Geists gesegnet. Öffnen wir unser Herz, nehmen wir das kostbare Erbe an! Dann werden wir mit Maria das Lob seiner herrlichen Gnade anstimmen.
Ansprache vor der Mariensäule in Wien, 7. September 2007



Gott scheitert nicht!
Das Evangelium, [...] stellt die Geschichte Israels von Abraham an als einen Pilgerweg dar, der in Aufstiegen und Abstiegen, auf Wegen und Umwegen letztlich zu Jesus Christus führt. Der Stammbaum mit seinen hellen und finsteren Gestalten, mit seinem Gelingen und seinem Scheitern zeigt uns, dass Gott auch auf dem krummen Linien unserer Geschichte gerade Schreiben kann. Gott lässt uns unsere Freiheit und er weiss doch, in unserem Versagen neue Wege seiner Liebe zu finden. Gott scheitert nicht. So ist dieser Stammbaum eine Gewähr für Gottes Treue; eine Gewähr dafür, dass Gott uns nicht fallen lässt, und eine Einladung, unser Leben immer neu nach ihm auszurichten, immer neu auf Jesus Christus zuzugehen.
Predigt bei der Eucharistiefeier beim Marienheiligtum Mariazell, 8. September 2007



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Gott hat unsere Dunkelheit durch sein Licht hell gemacht
Gott der Schöpfer, hat uns Menschen nicht in eine beängstigende Finsternis gesetzt, wo wir verzweifelt den letzten Sinngrund suchen und ertasten müssten (vgl. Apg. 17,27); Gott hat uns nicht in einer sinnleeren Wüste des Nichts ausgesetzt, wo letztes nur der Tod auf uns wartet, Nein! Gott hat unsere Dunkelheit durch sein Licht hell gemacht, durch seinen Sohn Jesus Christus. In ihm ist Gott mit seiner ganzen "Fülle" in unsere Welt eingebrochen (Kol 1,19), in ihm hat alle Wahrheit, nach der wir uns sehnen, ihren Ursprung und ihren Gipfelpunkt (Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Gaudium et Spes, 22).
Ansprache beim Besuch im Stift Heilig Kreuz, 9. September 2007



Grundentscheidung zwischen Gott und dem Mammon
Mammon ist ein Begriff phönizischer Herkunft, der wirtschaftliche Sicherheit und Erfolg in den Geschäften wachruft; wir könnten sagen, das im Reichtum das Götzenbild angezeigt ist, dem alles geopfert wird, nur um den eigenen materiellen Erfolg zu erreichen und so wird dieser wirtschaftliche Erfolg zum wahren Gott eines Menschen.
Es ist also eine Grundentscheidung zwischen Gott und dem Mammon notwendig - es ist die Entscheidung zwischen der Logik des Profits als letztes Kriterium unseres Handelns und der Logik des Teilens und der Solidarität notwendig. Wenn die Logik des Profits die Oberhand gewinnt, so vermehrt sie das Missverhältnis zwischen Reich und Arm sowie die zerstörerische Ausbeutung des Planeten. Wenn hingegen die Logik des Teilens und der Solidarität überwiegt, ist es möglich, den Kurs zu korrigieren und ihn auf eine gerechte Entwicklung auszurichten, zum gemeinsamen Wohl aller. Im Grunde handelt es sich um die Entscheidung zwischen dem Egoismus und der Liebe, zwischen der Gerechtigkeit und er Unehrlichkeit, schliesslich zwischen Gott und Satan. Wenn die Liebe zu Christus und den Brüdern nicht als etwas Nebensächliches und Oberflächliches angesehen wird, sondern vielmehr als der wahre und letzte Zweck unserer ganzen Existenz, muss man es verstehen, Grundsatzentscheidungen zu fällen, bereit zu sein zu radikalen Verzichten, wenn notwendig bis hin zum Martyrium. Heute wie gestern erfordert das Leben des Christen den Mut, gegen den Strom zu schwimmen, wie Jesus zu lieben, der bis zum Opfer seiner selbst am Kreuz gegangen ist.
Predigt beim Pastoralbesuch in der Diözese Velletri-Segni, 23. September 2007



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Gott kennt das Herz des Menschen
Der Mensch ist das einzige Geschöpf, das frei ist, Ja oder Nein zur Ewigkeit, das heisst zu Gott zu sagen. Der Mensch kann in sich die Hoffnung auslöschen, indem er Gott aus seinem Leben streicht. Wie kann es dazu kommen? Wie kann es geschehen, dass das " auf Gott hin geschaffene Geschöpf, das zuinnerst auf ihn ausgerichtet ist, dasjenige, das dem Ewigen am nächsten steht, sich dieses Reichtums berauben kann? Gott kennt das Herz des Menschen. Er weiss, dass derjenige, der ihn ablehnt, nicht sein wahres Antlitz kennengelernt hat, und deshalb hört er nicht auf, an unsere Tür zu klopfen, wie ein demütiger Pilger auf der Suche nach Aufnahme. Ja, deshalb gewährt der Herr der Menschheit neue Zeit, damit es allen ermöglicht werde, ihn kennenzulernen!
Predigt bei der ersten Vesper vom 1. Adventsonntag, 1. Dezember 2007



Gott erwartet uns
Der Menschheit, die keine Zeit mehr für ihn hat, bietet Gott andere Zeit, einen neuen Raum, um in sich selbst einzukehren, um sich wieder auf den Weg zu machen, um den Sinn der Hoffnung wiederzufinden. Ja, hier kommt es dann zur überraschenden Entdeckung: meiner, unserer Hoffnung geht voraus, dass Gott uns erwartet! Ja, Gott liebt uns, und gerade deshalb wartet er darauf, dass wir zu ihm zurückkehren, dass wir das Herz für seine Liebe öffnen, dass wir unsere Hand in die seine legen und uns daran erinnern, dass wir seine Kinder sind. Dieses Warten Gottes geht immer unserer Hoffnung voraus, genauso wie seine Liebe uns immer als erste erreicht (vgl. 1 Joh 4,10).
Predigt bei der ersten Vesper vom 1. Adventsonntag, 1. Dezember 2007



Das Gebet reinigt uns
Das Gebet ist ein Schmelztiegel, in dem unsere Erwartungen und Bestrebungen dem Licht des Worte Gottes ausgesetzt werden; sie werden in das Gespräch mit ihm hineingenommen, der die Wahrheit ist, und werden von heimlichen Lügen und Kompromissen, den verschiedenen Formen des Egoismus, gereinigt (vgl. Spe salvi, 33. ). Ohne die Dimension des Gebets verschliesst sich das menschliche Ich letztlich in sich selbst, und das Gewissen , das Echo der Stimme Gottes sein sollte, läuft Gefahr, zum Spiegel des Ichs zu werden, so dass das innere Gespräch ein Monolog wird und tausend Selbstrechtfertigungen vorbringt. Das Gebet ist deshalb Garantie für die Öffnung zu den anderen: Wer sich für Gott und seine Ansprüche frei macht, öffnet sich zugleich dem andern, dem Bruder, der an die Tür unseres Herzens klopft und um Gehör, Aufmerksamkeit, Vergebung bittet, manchmal auch um Zurechtweisung, aber immer in brüderlicher Nächstenliebe.
Predigt bei Aschermittwochsliturgie, 6. Februar 2008




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Das wahre Gebet
Das wahre Gebet ist nie egozentrisch, sondern immer auf den andern ausgerichtet. Als solches treibt es den Beter zur "Ekstase" der Nächstenliebe, zur Fähigkeit, aus sich herauszugehen, um dem andern als Nächster demütig und selbstlos zu dienen. Das wahre Gebet ist der Motor, die Triebkraft der Welt, denn es hält sie für Gott offen. Deshalb gibt es ohne Gebet keine Hoffnung, sondern nur Illusion. Nicht Gottes Gegenwart, sondern seine Abwesenheit entfremdet den Menschen: Ohne den wahren Gott, den Vater des Herrn Jesus Christus, werden die Hoffnungen zu Illusionen, die dazu führen, der Wirklichkeit zu entfliehen. Mit Gott sprechen, in seiner Gegenwart bleiben, sich von seinem Wort erleuchten und reinigen lassen, das führt uns hingegen in die Mitte der Wirklichkeit, in den innersten "Motor" des kosmischen Werdens; es führt uns sozusagen in das pulsierende Herz des Universums.
Predigt bei der ersten Vesper vom 1. Adventsonntag, 1. Dezember 2007



Das Ereignis der Verklärung
Der Berg - der Berg Tabor wie auch der Sinai - ist der Ort der Nähe zu Gott. Er ist der gegenüber dem alltäglichen Dasein erhöhte Raum, wo die reine Luft der Schöpfung geatmet werden kann. Er ist der Ort des Gebets, an dem man in der Gegenwart Gottes steht, wie Mose und Elija, die neben dem verklärten Jesus erscheinen und mit ihm über den "Auszug" sprechen, der ihm in Jerusalem bevorsteht, das heisst sein Pascha. Die Verklärung ist ein Ereignis des Gebets: betend taucht Jesus in Gott ein, er vereint sich innig mit ihm, er bejaht mit seinem menschlichen Willen den Willen der Liebe Gottes, uns so bricht das Licht über ihn herein und die Wahrheit seines Seins kommt sichtbar zum Vorschein: Er ist Gott, Licht vom Licht. Auch das Gewand Jesu wird leuchtend weiss. Dies lässt an die Taufe denken, an das weisse Kleid, das die Neugetauften tragen. Wer in der Taufe neu geboren ist, wird mit Licht bekleidet und nimmt so das himmlische Dasein vorweg, das die Offenbarung des Johannes mit dem Symbol der weissen Gewänder darstellt (vgl. Offb 7,9.13). Hier liegt der zentrale Punkt: die Verklärung ist Vorwegnahme der Auferstehung, diese aber setzt den Tod voraus. Jesus offenbart vor den Aposteln seine Herrlichkeit, damit sie die Kraft haben, dem Ärgernis des Kreuzes entgegenzutreten, und verstehen, dass man durch viel Bedrängnis hindurchgehen muss, um zum Reich Gottes zu gelangen. Die Stimme des Vaters, die von oben erklingt, verkündet wie bei der Taufe am Jordan, dass Jesus sein geliebter Sohn ist, und fügt hinzu: "Auf ihn sollt ihr hören"(Mt 17,5). Um in das ewige Leben einzugehen, muss man auf Jesus hören, ihm auf dem Weg des Kreuzes nachfolgen und dabei wie er in der Hoffnung auf die Auferstehung stehen. "Spe salvi", auf Hoffnung hin gerettet. Heute dürfen wir sagen: "Auf Hoffnung hin verklärt".
Angelus, 17. Februar 2008



Die Grösse des christlichen Auftrages
Wir müssen auch sehen, dass das neuzeitliche Christentum sich angesichts der Erfolge der Wissenschaft in der Entwicklung der Gestaltung der Welt weitgehend auf das Individuum und sein Heil zurückgezogen hatte. Es hat damit den Radius seiner Hoffnung verengt und auch die Grösse seines Auftrages nicht genügend erkannt, so Grosses es auch weiterhin in der Bildung des Menschen und in der Sorge um die Schwachen und Leidenden getan hat.
Spe salvi 25, 30. November 2007



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Das Mass der Freiheit ist der Wille Gottes
Die Sünde Adams war es eben, dass er seinen Willen und nicht den Willen Gottes wollte. Die Versuchung der Menschheit ist es immer wieder, ganz autonom sein zu wollen, nur dem eigenen Willen zu folgen und zu meinem, erst dann seien wir frei; erst in solcher Freiheit ohne Schranken sei der Mensch ganz Mensch. Aber grade so stellen wir uns gegen die Wahrheit. Denn die Wahrheit ist es, dass wir unsere Freiheit mit den anderen teilen müssen und nur im Miteinander frei sein können. Diese geteilte Freiheit kann wahre Freiheit dann und nur dann sein, wenn wir uns dabei in das Mass der Freiheit selbst, in den Willen Gottes hineinstellen.
Predigt an der "Missa crismatis" am Gründonnerstag, 20. März 2008



Gottes Grösse ist anders
"In Ewigkeit sollst du mir nicht die Füsse waschen", sagt er [Petrus] Jesus mit der bei ihm gewohnten Leidensschaft (Joh 13,8). Seine Messias-Vorstellung ist ein Bild der Hoheit, der göttlichen Grösse. Er musste immer neu lernen, dass Gottes Grösse anders ist, als wir uns Grösse vorstellen. Dass sie grade im Heruntersteigen, in der Demut des Dienens, in der Radikalität der Liebe bis zur völligen Entäusserung besteht. Und auch wir müssen es immer wieder neu lernen, weil wir immer wieder einen Gott der Erfolge und nicht der Passion wollen; weil wir nicht zu erkennen vermögen, dass der Hirte als Lamm kommt, dass sich gibt und uns so auf die rechte Weide führt.
Predigt in der Messe "in Coena Domini" am Gründonnerstag, 20. März 2008



Kraft die unsere Herzen umwandeln will
Der Herr hat uns das Licht der Wahrheit geschenkt. Dieses Licht ist zugleich Feuer, Kraft von Gott her, die nicht zerstört, sondern unsere Herzen umwandeln will, damit wir wahrhaft Menschen Gottes werden und sein Friede in dieser Welt wirksam werde.
Predigt in der Osternacht, 22. März 2008



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Das Gebet ist das Wichtigste
Ich bin besonders all jenen dankbar, die für den Erfolg der Reise [in die USA] beten, denn das Gebet ist das Wichtigste von allem. Liebe Freunde, ich sage das, weil ich überzeugt bin, dass ohne die Kraft des Gebets, ohne jene innige Vereinigung mit dem Herrn unsere menschlichen Bemühungen sehr wenig ausrichten würden. Das lehrt uns unser Glaube. Gott ist es der uns rettet, er rettet die Welt und die ganze Geschichte. Er ist der Hirte seines Volkes. Ich komme von Jesus Christus gesandt, um euch sein Wort des Lebens zu bringen.
Botschaft an die Katholiken und die gesamte Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika, (in O.R. 9. April 2008)



Der Einfluss des Materialismus
Ein [...] Hindernis für eine Begegnung mit dem lebendigen Gott liegt für eine Wohlstandsgesellschaft in dem unterschwelligen Einfluss des Materialismus, der allzu leicht die Aufmerksamkeit auf das Hundertfache konzentriert, das Gott jetzt in dieser Zeit verheisst, auf Kosten des ewigen Lebens, das er für die kommende Zeit verheisst (vgl. Mk 10,30). Die Menschen müssen heute an das letzte Ziel ihres Lebens erinnert werden. Sie müssen erkennen, dass in ihnen ein tiefes Verlangen nach Gott vorhanden ist. Es müssen ihnen Gelegenheiten gegeben werden, aus dem Brunnen seiner grenzenlosen Liebe zu schöpfen.
Leicht kann man sich von den fast unbegrenzten Möglichkeiten berauschen lassen, die uns Wissenschaft und Technologie vorsetzen; leicht kann man den Denkfehler begehen, wir könnten durch unsere eigenen Anstrengungen die Erfüllung unserer tiefsten Bedürfnisse erreichen.
Das ist eine Illusion. Ohne Gott, der allein uns schenkt, was wir aus eigener Kraft nicht erreichen können (vgl. Spe salvi, 31), ist unser Leben letztlich leer. Die Menschen müssen ständig daran erinnert werden, eine Beziehung zu pflegen zu ihm, der gekommen ist, damit wir das Leben in Füllen haben(vgl. Joh 10,10).
Ansprache bei der Begegnung mit den Bischöfen der USA in Washington, 16. April 2008



Gott ist grösser
Wir können auf zweifache Weise von Gott sprechen. Einerseits in bejahenden aussagen, wie es die Bibel tut, die uns in vielfachen Namen und Gestalten eine Transparenz der Welt und der Wirklichkeit auf Gott hin schenkt. Aber andererseits auch negativ, indem wir sagen müssen, all dieses ist nicht Gott. Gott ist immer noch grösser als das, was wir vorstellen, denken können. Er überschreitet alles, und wir müssen uns selbst überschreiten in dieses ganz Andere hinein, um ihm zu begegnen. So gibt es eine heilige Unwissenheit. Gerade im Wissen, dass wir nicht-wissend sind, nicht erkennen können, überschreiten wir uns. Und indem Erkennen der Liebe Platz macht, nähern wir uns dem lebendigen Gott. So beschreibt er einen Weg der Reinigung, des Reinwerdens, einen Weg der Erleuchtung, des Hellwerdens und einen Weg, der uns dann in der Liebe mitten im Dunkel des Verstandes in die Berührung mit dem Lebendigen Gott führt.
Generalaudienz, 14. Mai 2008



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"Du führst uns hinaus ins Weite"
Was ist diese Weite, in die uns die Begegnung mit Gott, der Glaube hineinführt? Nicht wenige Menschen von heute haben ganz im Gegenteil zu diesem Psalmwort (vgl. Ps 18,20) die Furcht, dass der Glaube ihr Leben einengt, dass sie ins Gehäuse der kirchlichen Gebote und Lehren eingezwängt werden und nicht mehr frei sind, sich in der Weite des Lebens und des Denkens von heute bewegen zu können. Sie fühlen sich wie der jüngere Sohn im Gleichnis von den zwei Brüdern (Lk 15,11-32) gedrängt, auszuziehen, Gott beiseite zu lassen und die ganze Weite der Welt zu verkosten. Aber am Schluss wird diese Weite dann doch eng und leer. Erst wenn unser Leben bis zum Herzen Gottes hinaufreicht, hat es die Weite gefunden, für die wir geschaffen sind. Ein Leben ohne Gott wird nicht freier und weiter. Der Mensch ist für das Unendliche bestimmt. Nichts anderes reicht für ihn. Wer aber Gott weglässt, beschränkt Leben und Welt auf das Endliche, auf das, was wir selber machen und denken können, und das ist immer zu wenig.
Botschaft zum 97. "Deutschen Katholikentag" 11. Mai 2008



Für Gott offen werden
Ja, das Psalmwort ist wahr: Gott gibt uns die Weite, die wir brauchen. Er weitet vor allem unser Herz, dass wir nicht mehr bloss an uns selber denken und um uns selber sorgen. Das Herz, das für Gott offen geworden ist, ist durch die Weite Gottes selbst grosszügig und weit geworden. So ein Mensch braucht nicht mehr ängstlich sich umzusehen nach dem eigenen Glück, nach dem eigenen Erfolg und nach der Meinung der anderen. Er ist frei und grossmütig geworden, offen für Gottes Ruf. Er kann sich getrost ganz geben, weil er sich - wohin er auch geht - in Gottes guten Händen geborgen weiss. Wem das Herz geweitet wird, der kann Gott und dem Nächsten in seinem Leben einen Ehrenplatz einräumen, der wird gesund durch die Begegnung mit Gott.
Botschaft zum 97. "Deutschen Katholikentag" 11. Mai 2008



Gott ist es, der uns entgegenkommt
Die Weite, in die Gott uns führt, ist nicht nur die Weite in uns, sondern auch die Weite vor uns, die Weite der Zukunft. Deshalb ruft uns das Leitwort des Katholikentags auf, das Vertrauen, dass Gott uns in eine Zukunft führt, die gut ist. "Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!" ruft Jesus den Jüngern zu, die sich im Gegenwind beim Rudern auf dem See Gennesaret abmühen (Mk 6,50). Auch wenn die Gegenwart uns manchmal stürmisch ins Gesicht bläst und uns angst und bange wird um die Zukunft: Wir dürfen Vertrauen haben, wir müssen uns nicht fürchten, weil Gott es ist, der uns entgegenkommt.
Botschaft zum 97. "Deutschen Katholikentag" 11. Mai 2008



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Gott hat alles für das Dasein geschaffen
Gott ist Einer, da er ganz und nur Liebe ist, aber eben dadurch, dass er Liebe ist, ist er Offenheit, Annahme, Dialog; und in seiner Beziehung zu uns sündigen Menschen ist er Barmherzigkeit, Mitleiden, Gnade, Vergebung. Gott hat alles für das Dasein geschaffen, und sein Wille ist immer nur Leben.
Predigt bei Eucharistiefeier in Savona, 17. Mai 2008



Die ganze Dreifaltigkeit ist am Werk
"Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat" (Joh 3,16). In diesem Sich- Hingeben Gottes in der Person des Sohnes ist die ganze Dreifaltigkeit am Werk: Der Vater, der das Teuerste, was er hat, uns übereignet; der Sohn, der sich mit Zustimmung des Vaters seiner Herrlichkeit entäussert, um sich für uns hinzugeben; der Geist, der die friedliche göttliche Umarmung verlässt, um die Wüsten der Menschheit zu tränken.
Predigt bei Eucharistiefeier in Savona, 17. Mai 2008



Gott will uns seine Leben schaffende Liebe zuteil werden lassen
Das ist also der Plan Gottes: der Menschheit und dem ganzen Kosmos seine Leben schaffende Liebe zuteil werden zu lassen. Das ist kein spektakulärer Vorgang; es ist ein einfacher Vorgang, der dennoch die wahre Kraft der Zukunft und der Geschichte mit sich bringt. Ein Vorhaben also das der Herr allerdings nur in Achtung unserer Freiheit verwirklichen will, da die Liebe ihrem Wesen nach nicht aufgezwungen werden kann. Die Kirche ist also in Christus der Raum der Aufnahme und der Vermittlung der Liebe Gottes. In dieser Perspektive kommt deutlich zum Vorschein, wie die Heiligkeit und das missionarische Sein der Kirche zwei Seiten der selben Medaille darstellen: nur insofern die Kirche heilig, das heisst voll der göttlichen Liebe ist, kann sie ihre Sendung erfüllen, und gerade für die Erfüllung dieser Aufgabe hat Gott sie als sein Eigentum erwählt und geheiligt.
Gerade um diese Welt zu heilen, besteht unsere erste Pflicht also darin, heilig, Gott angemessen zu sein; auf diese Weise geht von uns eine heiligende und verwandelnde Kraft aus, die sich auch auf die anderen auswirkt, auf die Geschichte.
Predigt bei Eucharistiefeier im Hafen von Brindisi, 15. Juni 2008



Damit sie heilig werden
Liebe Brüder und Schwestern, an dem Binom "Heiligkeit-Mission" - die Heiligkeit ist stets eine Kraft, die auch die anderen verwandelt - misst sich eure kirchliche Gemeinschaft in diesem Augenblick, da sie mit der Diözesansynode beschäftigt ist. Diesbezüglich ist es nützlich darüber nachzudenken, dass die zwölf Apostel keine vollkommenen Männer waren, die aufgrund ihrer moralischen und religiösen Integrität auserwählt worden wären. Sie waren zweifellos gläubige Menschen voller Begeisterung und Eifer; sie trugen jedoch die Zeichen ihrer menschlichen Grenzen, die mitunter auch schwerwiegend waren. Jesus also berief sie nicht, weil sie schon heilig waren, sondern damit sie es werden. Und das ist auch bei uns so. Bei allen Christen.
Predigt bei Eucharistiefeier im Hafen von Brindisi, 15. Juni 2008



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Das Böse hat nicht das letzte Wort
Die trostreiche Botschaft, die uns die biblischen Texte vermitteln, besteht in der Gewissheit, dass das Böse und der Tod nicht das letzte Wort haben werden, sondern am Ende wird Christus siegen. Immer! Unermüdlich verkündet die Kirche diese Frohe Botschaft.
Predigt bei Eucharistiefeier zur Eröffnung der Weltbischofssynode, 5. Oktober 2008


Gott will in den Herzen der Menschen herrschen
Für ihn [Gott] hat das historische Königtum keine Bedeutung, aber er will in den Herzen der Menschen herrschen und von dort aus in der Welt: er ist der König des Universums, doch der kritische Punkt, der Bereich, in dem sein Reich in Gefahr geraten kann, ist unsere Herz, denn dort trifft Gott auf unsere Freiheit. Wir – und nur wir – können ihn daran hindern, über uns seine Herrschaft auszuüben, und auf diese Weise können wir zum Hindernis für seine Königsherrschaft über die Welt werden: über die Familie, die Gesellschaft, die Geschichte.
Ansprache an die Telnehmer der Pilgerfahrt der Erzdiözese Amalfi-Cava de’ Tirreni, 22. November 2008



Zeit: ein Geschenk Gottes
Alle reden wir davon, „ dass wir keine Zeit haben“, da der Rhythmus des alltäglichen Lebens für alle so hektisch geworden ist Auch diesbezüglich bringt die Kirche eine „gute Nachricht“: Gott schenkt uns seine Zeit. Wir haben immer wenig Zeit; besonders für den Herrn können oder wollen wir sie manchmal nicht finden. Gott aber hat Zeit für uns! Das ist das erste, was uns der Beginn eines Kirchenjahres mit immer neuem Staunen entdecken lässt. Ja, Gott schenkt uns seine Zeit, da er mit seinem Wort und mit seinen Heilstaten in die Geschichte eingetreten ist, um sie dem Ewigen zu öffnen, um sie zur Geschichte des Bundes werden zu lassen. In dieser Hinsicht ist die Zeit schon an sich ein grundlegendes Zeichen der Liebe Gottes: ein Geschenk, das der Mensch wie alles andere in seinem Wert zur Geltung bringen oder aber vergeuden kann; er kann es in seinem Sinn erfassen oder in beschränkter Oberflächlichkeit vernachlässigen.
Angelus, 30. November 2008



Die grossen Angelpunkte der Zeit
Er gibt drei grosse „Angelpunkte“ der Zeit, welche die Heilsgeschichte unterteilen: am Anfang die Schöpfung, im Mittelpunkt die Menschwerdung und Erlösung und am Ende die „Parusie“, das endgültige Kommen, das auch das Jüngste Gericht umfasst. Diese drei Momente sind jedoch nicht einfach als eine chronologische Aufeinanderfolge zu verstehen. So ist die Schöpfung zwar der Ursprung von allem, sie geht aber auch weiter und verwirklicht sich in der gesamten Spanne des kosmischen Werdens bis ans Ende der Zeiten. bild Ebenso hat sich die Menschwerdung und Erlösung zwar in einem bestimmten historischen Moment ereignet, in der Zeit des irdischen Lebens Jesu, dennoch aber umspannt ihr Wirkungsraum die ganze vorhergehende und die ganze nachfolgende Zeit. Das endgültige Kommen und das Jüngste Gericht, die gerade im Kreuz Christi auf entschiedende Weise vorweggenommen wurden, üben ihrerseits ihren Einfluss auf das Verhalten der Menschen in jeder Epoche aus.
Angelus, 30. November 2008

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