Priester und Christus




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Freunde des Herrn
Liebe Priester Roms, der Herr hat uns Freunde genannt; er macht uns zu seinen Freunden; er vertraut sich uns an; er vertraut uns seinen Leib in der Eucharistie an; er vertraut uns seine Kirche an. Daher müssen wir wirklich seine Freunde und mit ihm eines Sinnes sein. Wir müssen das wollen, was er will und all das nicht wollen, was er nicht will. Jesus selbst sagt uns: »Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage« (Joh 15,14). Es sei unsere gemeinsame Absicht, zusammen seinen heiligen Willen zu tun, in dem unsere Freiheit und unsere Freude gründet.
Ansprache an den Klerus von Rom, Lateranbasilika, 13. Mai 2005



Gemeinschaft
Um als Personen und Priester heranreifen zu können, ist vor allem die tiefe innere Gemeinschaft mit Christus, dessen Speise es war, den Willen des Vaters zu tun (vgl. Joh 4,34), von grundlegender Bedeutung: Alles, was wir tun, tun wir in Gemeinschaft mit ihm, und auf diese Weise finden wir immer wieder von neuem die Einheit unseres Lebens in der Zersplitterung, die die verschiedenen alltäglichen Beschäftigungen mit sich bringen.
Ansprache an den Klerus von Rom, Lateranbasilika, 13. Mai 2005



In inniger Vereinigung mit Christus
Die Kirche braucht in der heutigen Zeit Priester, die sich bewusst sind, welch grosses Gnadengeschenk sie durch ihre Priesterweihe und die ihnen anvertraute Sendung in einer Zeit schneller und tiefgreifender Veränderungen erhalten. Damit unsere Gemeinschaften - um die Eucharistie und das Wort Gottes versammelt - harmonisch in der Wahrheit und Liebe wachsen können, brauchen wir Priester, die im Namen Christi handeln und in inniger Vereinigung leben mit Ihm, der sie gerufen und gesandt hat. Die Kirche braucht Priester, die Ihr Handeln stets am Vorbild des Guten Hirten auszurichten wissen und sich fügsam und in voller Gemeinschaft mit ihren Bischöfen vom Heiligen Geist leiten lassen.
Botschaft an die Teilnehmer der 55. Vollversammlung der Italienischen Bischofskonferenz in Assisi, 10. November 2005



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Seine Hand ergreifen durch den Glauben
Richten wir immer wieder unseren Blick auf Ihn und strecken wir die Hände nach ihm aus! Lassen wir es zu, dass seine Hand uns ergreift! Dann werden wir nicht untergehen, sondern dem Leben dienen, das stärker ist als der Tod, und der Liebe, die stärker ist als der Hass. Der Glaube an Jesus, den Sohn des lebendigen Gottes, ist das Mittel, dank dem wir immer wieder von neuem die Hand Jesu ergreifen und dank dem er unsere Hand fasst und uns führt. Eines meiner Lieblingsgebete ist die Bitte, die uns die Liturgie vor der Kommunion auf die Lippen legt: "Lass nicht zu, dass ich jemals von dir getrennt werde." Wir bitten darum, nie aus der Gemeinschaft mit seinem Leib, mit Christus selbst, heraus zu geraten: wir bitten darum, niemals aus dem eucharistischen Geheimnis heraus zu geraten. Wir bitten darum, dass er nie unsere Hand loslässt...
Predigt bei der Chrisam-Messe am Gründonnerstag, 13. April 2006



Freunde
"Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiss nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe" (Joh 15,15). Ich nenne euch nicht mehr Knechte, sondern Freunde: In diesen Worten könnte man sogar die Einsetzung des Priestertums erkennen. Der Herr macht uns zu seinen Freunden: Er vertraut uns alles an; er vertraut uns sich selbst an, so dass wir mit seinem Ich sprechen können - in persona Christi capitis. Welch grosses Vertrauen! Er hat sich wirklich in unsere Hände gegeben. Die wesentlichen Zeichen der Priesterweihe sind im Grund alle Ausdrucksformen diese Wortes; die Handauflegung, die Übergabe des Buches - seines Wortes, das er uns anvertraut -, die Übergabe des Kelches, mit dem er uns sein tiefstes und persönlichstes Geheimnis übergibt. Zu all dem gehört auch die Vollmacht der Lossprechung: Er lässt uns auch an seinem Bewusstsein des Elends der Sünde und der Finsternis der Welt teilhaben, und er gibt uns die Schlüssel zum Tor des Hauses des Vaters in die Hand.
Predigt bei der Chrisam-Messe am Gründonnerstag, 13. April 2006



Gemeinsamkeit
Ich nenne euch nicht mehr Knechte, sondern Freunde. Das ist die tiefe Bedeutung des Priesterseins: Freund Jesu Christi zu werden. Um diese Freundschaft müssen wir uns jeden Tag neu bemühen. Freundschaft heisst Gemeinsamkeit im Denken und Wollen. In dieser Gemeinschaft mit dem Denken Jesu müssen wir uns üben, sagt uns der heilige Paulus im Philipperbrief (vgl. 2, 2-5). Und diese Gemeinschaft des Denkens ist nicht nur etwas Intellektuelles, sondern Gemeinsamkeit der Empfindungen und des Trachtens und somit auch des Handelns. Das heisst, dass wir Jesus in immer persönlicherer Weise kennen lernen müssen - indem wir auf ihn hören, zusammen mit ihm leben, uns bei ihm aufhalten.
Predigt bei der Chrisam-Messe am Gründonnerstag, 13. April 2006



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Gott im Priester
Priester sein heisst: Freund Jesu Christi werden, und zwar immer mehr - mit unserer ganzen Existenz. Die braucht Gott - nicht irgendeinen Gott, sondern der Gott Jesu Christi; der Gott, der Fleisch und Blut geworden ist, der uns bis zum Tod für uns geliebt hat, der Auferstanden ist und in sich selbst einen Raum für den Menschen geschaffen hat. Dieser Gott muss in uns leben, und wir in ihm. Das ist unsere priesterliche Berufung. Nur so kann unser Handeln als Priester Früchte bringen.
Predigt bei der Chrisam-Messe am Gründonnerstag, 13. April 2006



Kennen mit dem Herzen
Wirkliches Kennen ohne Liebe, ohne innere Beziehung, ohne inneres Annehmen des anderen gibt es nicht. Der Hirte kann sich nicht mit einem Wissen um Namen und Daten begnügen. Sein Kennen der Schafe muss immer mehr auch ein Kennen mit dem Herzen sein. Aber das geht letztlich nur, wenn der Herr unser Herz geöffnet hat. Wenn unser Kennen die Menschen nicht an mein privates Ich, an mein eigenes, kleines Herz bindet, sondern sie das Herz Jesu, das Herz des Herrn spüren lässt. Es muss ein Kennen mit den Herzen Jesu und auf ihn hin sein, das den Menschen nicht an mich bindet, sondern zu Jesus führt und so frei und weit macht. Und auf diese Weise werden auch wir unter den Menschen zu Nächsten. Dafür, dass uns dieses Kennen mit dem Herzen Jesu geschenkt werde, dieses nicht an mich, sondern an das Herz Jesu Binden und das Stiften wahrer Gemeinschaft. Dass uns dies geschenkt werde, darum wollen wir immer neu den Herrn bitten.
Predigt bei der Priesterweihe am 7. Mai 2006



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Freunde des Herrn sein
Unser ganzer Lebensweg als Priester kann nur auf dieses Ziel ausgerichtet sein: dass wir dem Geschenk und Geheimnis, das wir empfangen haben, in der Wirklichkeit des Daseins und im täglichen Verhalten Gestalt verleihen. Auf diesem Weg sollen uns die Worte Jesu leiten und stärken: "Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiss nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe" (Joh 15,15). Der Herr gibt sich in unsere Hände, er übergibt uns sein tiefstes persönliches Geheimnis, er will uns Anteil an seiner Heilsmacht geben. Das erfordert natürlich, dass wir unsererseits wirklich Freunde des Herrn sind, dass wir so gesinnt sind, wie er gesinnt war, dass unser Wille seinem Willen entspricht (vgl. Phil 2,5), und das ist ein Weg, den wir jeden Tag gehen müssen.
Ansprache bei der Vollversammlung der Italienischen Bischofskonferenz, 18. Mai 2006



Bei ihm sein
Bei ihm sein und als Gesandter auf dem Weg zu den Menschen – das gehört zusammen und bildet zusammen das Wesen des geistlichen Berufs, des Priestertums. Bei ihm sein und gesandt sein – das ist nicht voneinander zu trennen. Nur wer bei "Ihm" ist, lernt ihn kennen und kann ihn recht verkünden. Und wer bei ihm ist, behält es nicht für sich. Sondern muss weitergeben, was er gefunden hat.
Predigt bei der Vesper in Altötting, 11. September 2006



Gemeinschaft des Denkens, Wollens und Handelns
Die Freundschaft mit Christus erfordert ein Beständiges und freudiges Streben nach einer Gemeinschaft des Denkens, Wollens und Handelns mit ihm im demütigen und treuen Gehorsam. Diese Gemeinschaft wird sich in dem Masse verwirklichen lassen, in dem der Priester ein echter Mann des Gebets ist.
"Ad-limina"-Besuch der Bischöfe aus dem Tschad, 23. September 2006



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Vor ihm stehen und ihm dienen
"Vor ihm stehen und ihm dienen": Jesus Christus als der wahre Hohepriester der Welt hat diesen Worten eine Tiefe gegeben, die vorher nicht geahnt werden konnte. Er wollte der Knecht Gottes werden, den die Vision des Jesaja-Buches vorhergesehen hatte. Er wollte der Diener aller sein. Er hat das Ganze seines Hohenpriestertums dargestellt in der Gebärde der Fusswaschung. Er wäscht mit seiner Gebärde der Liebe bis ans Ende unsere Schmutzigen Füsse, reinigt uns mit der Demut seines Dienens von der Krankheit unseres Hochmuts. So macht er uns fähig zur Tischgemeinschaft mit Gott. Er ist abgestiegen, und der wahre Aufstieg des Menschen geschieht nun dadurch, dass wir mit ihm und zu ihm absteigen. Seine Erhöhung ist das Kreuz. Es ist der tiefste Abstieg und als Liebe bis ans Ende zugleich der höchste Punkt des Aufstiegs, die wahre "Erhöhung" des Menschen. "Vor ihm stehen und ihm dienen" - das bedeutet nun, in seine Berufung als Knecht Gottes einzutreten.
Predigt an der "Missa crismatis" am Gründonnerstag, 20. März 2008



Nachahmung Christi
Wenn ihr selbst in einer Weise lebt, die sich eng an Christus, den Guten Hirten, anlehnt, der das Leben für seine Schafe hingab, werdet ihr eure priesterlichen Mitbrüder dazu inspirieren, sich wieder mit Christus ähnlicher Hochherzigkeit dem Dienst an ihren Herden zu widmen. Eine klarere Konzentration auf die Nachahmung Christi in der Heiligkeit des Lebens ist nämlich genau das, was wir nötig haben, um voranzukommen. Wir müssen von neuem die Freude daran entdecken, ein auf Christus ausgerichtetes Leben zu führen, die Tugenden zu pflegen und uns ins Gebet zu versenken. Wenn die Gläubigen wissen, dass ihr Pfarrer ein Mann ist der betet und sein Leben dem Dienst an ihnen widmet, antworten sie mit Wärme und Liebe, die das Leben der ganzen Gemeinde nährt und stärkt.
Begegnung mit den Bischöfen der USA in Washington, 16. April 2008



Gleichgestaltung mit Christus
Diese radikale Gleichgestaltung mit Christus, dem Guten Hirten, liegt unserem Hirtendienst am Herzen, und wenn wir uns durch das Gebet der Kraft des Geistes öffnen, wird er uns die Gaben schenken, die wir brauchen, um unsere beängstigende Aufgabe zu erfüllen, damit wir uns keine Sorgen mehr machen müssen, wie und was wir reden sollen (vgl. Mt 10,19).
Begegnung mit den Bischöfen der USA in Washington, 16. April 2008



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Wahre Freunde Jesu sein
Bemüht euch also, Hirten nach dem Herzen Christi zu sein, die im täglichen vertrauten Gespräch mit ihm stehen, die Einheit mit Jesus ist das Geheimnis des wahren Erfolgs jedes priesterlichen Dienstes. Welcher Arbeit auch immer ihr in der Kirche nachgehen werdet - tragt stets Sorge dafür, wahre Freunde Jesu zu sein, treue Freunde, die ihm begegnet sind und die gelernt haben, ihn über alles zu lieben. Die Gemeinschaft mit ihm, dem göttlichen Meister unserer Seelen, wird euch auch in den kompliziertesten und schwierigsten Augenblicken innere Ruhe und Frieden gewähren.
Ansprache für die Gemeinschaft der Päpstlichen Diplomatenakademie, 9. Juni 2008



Die Eucharistie zur Schule des Lebens machen
Der Priester lebt wie jeder getaufte von der eucharistischen Gemeinschaft mit dem Herrn. Man kann nicht täglich den Herrn empfangen, die furchteinflössenden und herrlichen Worte "das ist mein Leib, das ist mein Blut" sprechen, man kann nicht den Leib und das Blut des Herrn in die Hände nehmen, ohne sich von ihm ergreifen zu lassen, ohne sich von seiner Anziehungskraft erobern zu lassen, ohne sich von seiner grenzenlosen Liebe innerlich verwandeln zu lassen. Die Eucharistie möge für euch zur Schule des Lebens werden, in der das Opfer Christi am Kreuz euch die völlige Selbsthingabe an die Brüder lehrt.
Ansprache für die Gemeinschaft der Päpstlichen Diplomatenakademie, 9. Juni 2008



Wandelt in Christi Licht
Der Herr ruft uns auch auf, im Licht zu wandeln (vgl. Joh 12,35). Jeder von Euch [Seminaristen und Junge Ordensleute] hat den grössten und ruhmvollsten aller Kämpfe aufgenommen, nämlich in der Wahrheit geheiligt zu werden, in der Tugend zu wachsen und eine Harmonie zwischen euren Gedanken und Idealen einerseits und euren Worten und Taten andererseits zu erreichen. Dringt ehrlich und tief in die Disziplin und den Geist eurer Ausbildungsprogramme ein. Wandelt täglich in Christi Licht durch die Treue zum persönlichen und liturgischen Gebet, das aus der Meditation des inspirierten Wortes Gottes seine Nahrung bezieht.
Predigt bei Eucharistiefeier mit Bischöfen, Seminaristen und jungen Ordensangehörigen, 19. Juli 2008



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Der Priester ist durch den Herrn für alle da
Es wird immer des Priesters bedürfen, der ganz für den Herrn und daher ganz für den Menschen da ist. Es gibt im Alten Testament den "Ruf" zur Heiligung, der etwa dem entspricht, was wir mit Weihe, auch mit Priesterweihe sagen: Etwas wird Gott übergeben und aus der Sphäre des allgemeinen herausgenommen, Ihm gegeben. Aber das heisst dann, dass es nun für alle da ist.
Begegnung mit Priestern, Diakonen und Seminaristen aus Südtirol, 6. August 2008



Diejenigen die in der Kirche das Wort Gottes verkünden
Wie wunderbar ist unser [der Priester] Wirken im Dienst am Wort Gottes! Wir sind die Werkzeuge des Heiligen Geistes; Gott ist so demütig, dass er uns gebraucht, um sein Wort zu verbreiten. Wir werden seine Stimme, nachdem wir unser Ohr seinem Mund zugewandt haben. Wir legen sein Wort auf unsere Lippen, um es der Welt zu geben. Das Opfer unseres Gebetes ist ihm wohlgefällig und dient ihm dazu, sich all denen mitzuteilen, denen wir begegnen.
Vesper in der Kathedrale Notre-Dame in Paris, 12. September 2008


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